„Halt die Fresse“: Die Highlights, Skandale und der Untergang des legendären Aggro-Formats

April 2009, Berlin. Kultlabel Aggro Berlin schließt nach acht Jahren seine Pforten. Deutschrap befindet sich in einer Umbruchphase. Labelstrukturen verändern sich und die Industrie sucht nach neuen Talenten, Distributionswegen und Umsatzquellen.

Doch wie so oft, wohnt jedem Ende auch ein Anfang inne. Auf dem YouTube-Kanal von Aggro.TV werden weiter Musikvideos veröffentlicht und neue Formate finden ihr Zuhause.

So auch das Format „Halt die Fresse“. Am 6. April 2009 sind die Berliner Jungs von Grüne Medizin in dem ersten Clip zu sehen. Mit den Worten – „GMZ ist da, ihr Fotzen“ – wird der Zuschauer willkommen geheißen. Sinnbildlicher könnten die ersten Worte nicht gewählt worden sein. „Halt die Fresse“ steht in der Folgezeit für Authentizität, Geradlinigkeit und Härte – sowohl visuell als auch soundtechnisch.

Eine Erfolgsgeschichte beginnt. Rapper wie Manuellsen, Farid Bang, Haftbefehl, Capital Bra und Nate57 nutzen die Reichweite des Kanals und den besonders Stil der Videos, um ihrer Musik eine Plattform zu bieten. Das Format wird zwischenzeitlich zu einem Qualitätsmerkmal und einer beliebten Marke – mit eigenem Stil, Anspruch und Entertainmentfaktor.

Heute ist es um das Erfolgsformat von Aggro.TV leiser geworden. Die Videos präsentieren vorwiegend Newcomer und der Stil hat sich teilweise verändert – immer noch hart – sowohl im Sound als auch im Schnitt, aber nicht mehr ausschließlich im One-Take-Stil von damals. Die Magie der Hochzeiten scheint verschwunden und damit auch das Alleinstellungsmerkmal.

In knapp zehn Monaten wird das zehnjährige Jubiläum der ersten Folge stattfinden. Grund genug, sich die Frage nach dem Status Quo zu stellen und die Chance zu nutzen, einen Überblick über die Highlights, Skandale und die Entwicklung rund um das zwischenzeitliche Abflauen der Aggro.TV-Welle zu schaffen.

„Wenn nicht mit Rap, dann mit der Pumpgun“

„Deutscher Rap ist ’ne Bitch und Haft ist der Zuhälter „ – so begrüßte Haftbefehl die Zuschauer der zweiunddreißigste „Halt die Fresse“-Episode im Juli 2009. Er posierte damals mit Jeyz und Jonesmann und war Teil von Echte Musik. Das Video zu Hungrig und stur“ vom „Echte Musik Label-Sampler“ offerierte den Deutschraphörern bereits eindrucksvoll die typische Hafti-Attitüde – ungeschliffen, selbstbewusst und straight in die Fresse. Der Clip weist bis dato über 6,3 Millionen Aufrufen auf und begründete den Hype von H-A-F-T.

Knallhart und keine Kompromisse

Hafti war stets ein gern gesehener Gast bei „Halt die Fresse“. In Staffel drei lieferte er einen der provokantesten Klassiker der HDF-Historie. Als Vorbote zu seinem Debütalbum „Azzlack Stereotyp“ droppte er das Video zu „Glänzen„. Baseball-Schläger, Londsdale-Klamotten, grimmig dreinblickende Gesichter und eine urbanen Gerüchten nach echte Bazooka vervollständigten den aggressiven und ignoranten Stil und rundeten visuell das Haftbefehl-Gesamtpaket ab. Spätestens hier war klar – Baba Haft geht keine Kompromisse ein.

Entertainment aus der Azzlack-Lounge

Die Azzlackz bewiesen in dem Video zu „Sonnenbrille“, dass sie auch humoristisch abliefern können. Haftbefehls zweites Album „Kanackiş“ war am Start und Haft und die Gang ließen die Korken knallen. In dem Clip, der im September 2012 veröffentlicht wurde, sind diverse prominente Gäste zu sehen – wer genau hinschaut, entdeckt sogar Staiger.

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