Start Blog Seite 3046

KMKs feiern in Berlin

0
Vergangene Woche fand eine ganz besonders exklusive Party in Berlin statt, die "Lange Nacht der KMKs". Nur etwa 220 handverlesene Gäste feierten zur Musik von DJ Reaf, Basstard, Puls030, Schwartz (Hirntot) und Bazuka in einer nicht näher genannten Location in der Nähe des Alexanderplatzes. Als Moderator führte niemand geringeres als Kaisaschnitt durchs Programm.

Viele werden sich an dieser Stelle vielleicht fragen, was der KMK-Club eigentlich ist. Nun, ins Leben gerufen hat ihn vor gut einem Jahr mit ein paar Gleichgesinnten Kaisaschnitt selbst. Der Name des Clubs leitet sich ja auch von Kaisas "K.M.K."-Album ab, die Abkürzung stand ursprünglich für "Kinder mit Kettensägen", kann aber natürlich auch alles mögliche andere bedeuten.

Zunächst einmal ist der Club vor allem eine Online-Community, Mitglied werden kann prinzipiell jeder. Allerdings ist der Club hierarchisch aufgebaut, es gibt verschiedene Stufen und Ebenen. Nicht jeder schafft es in den inneren Kreis, der sich bei besagter Party die Ehre gab.
"Die Besucher haben wir alle selbst ausgesucht", erklärt Kaisaschnitt in einem exklusiven Statement gegenüber rap.de. "Das waren nur Angehörige des inneren Kreises oder deren Verwandte und Freunde." Allen, die hinter solchem Gebaren allerdings eine Sekte oder ähnliches vermuten, erteilt der kontroverse Berliner eine klare Absage: "Wir haben uns nicht verschworen, um die Weltherrschaft an uns zu reißen. wir haben einfach nur gesoffen und Hotdogs gefressen." Außerdem vertrete jedes KMK-Member seine eigene Meinung, von blindem Gehorsam gegenüber ihm als Aushängeschild und Gründer könne überhaupt keine Rede sein. "Wir sind eher wie Jugendclub, obwohl die meisten unserer Member eher Anfang 20 sind – aber in der heutigen Zeit wird man eben später richtig erwachsen."

Was die Sozialstruktur des KMK-Clubs angeht, ist Kaisaschnitt durchaus realistisch. "Das sind oft Leute, die sonst Außenseiter wären, die keine Freunde finden, weil sie einfach anders als die anderen sind", analysiert er schonungslos. "Wenn wir die USA wären, würden wir jetzt behaupten, dass wir damit Amokläufe oder ähnliches verhindern. Aber wir wollen einfach nur etwas Gutes tun." Weiter betont er den nichtkommerziellen Charakter des KMK-Clubs. "Wir nehmen kein Geld, es gibt keinen Mitgliedsbeitrag bei uns. Die Mitglieder können unser Forum nutzen, um sich auszutauschen und gegenseitig zu supporten."

Kürzlich hatte der KMK-Club seinen Mitgliedern eine Ausbildung bei der Berliner Sicherheitsakademie vermittelt (wir berichteten).

Einen Trailer zu der Party könnt ihr hier sehen:
 

 

Sammelreview – Lisa bespricht deutschen Rap

0

Ich hätte durchaus andere Dinge zu tun gehabt, meine Steuerklärung zum Beispiel. Oder mir elementare Fragen über das Leben als solches stellen, während ich willkürlich aus „Der Alchimist“ von Paulo Coelho zitiere, um mich intellektuell und belesen zu fühlen. Aber manchmal kommt es dann doch über einen, dieser dringende Wunsch, dieses sehr optimistische Vorhaben, sich mal wieder reinzuhören in das, was momentan in Rapdeutschland so geht. Also habe ich mich kopfüber in das riesige Loch in der Mitte der rap.de-Redaktion geworfen, in der die Flut aus eingesandten CDs aufstrebender Jungmusiker und verzweifelter, Möbelhäuser eröffnender Ex-Legenden aufbewahrt wird, und dort ein paar Wochen zugebracht. Am Ende dieser spirituellen Reise kam ich mit vier CDs zurück an die Oberfläche. Und die hören wir jetzt.

Die JungenZ von den Illzkillz sind allein aufgrund ihrer krehsi abwechselnden Groß- und Kleinschreibweise (Aykey, Zdeb ZeD, FlyZe, JueL und andere, die womöglich nicht mehr mit aufs Cover gepasst haben) absolute Kinder der Facebook/Jappy-Generation. Was sie nicht davon abhält, HipHop zu leben und ihre „Tapes“ (egal ob CD oder nicht, alles was true und real Rap ist, ist ein Tape und hat deshalb, wie vorliegendes Release, eine A- und eine B-Seite.) auf Festivals zu verteilen. Man möge mir verzeihen, dass ich keine Ahnung habe, welche der Stimmen zu wem gehört, aber folgendes lässt sich definitiv feststellen: Alle klingen so, als hätte man sie schon mal gehört. Tatsächlich muss es sich um eine Alltime-Supergroup halten. Unter anderem dabei: Maxim von K.I.Z., D-Flame, der uneheliche Sohn von Medizinmann und Basstard und jemand aus dem Nachmittagsprogramm von QVC, der in gefühlt ungefähr jedem Track sagt, auf welchem Label dieses Machwerk erschienen ist (Waia Records). Trotz der Tatsache, dass die vier Görlitzer einen weder sonderlich überraschen noch unterhalten noch sonst irgendwie aus dem herausstechen, was andere Nachwuchskünstler im Wochentakt auf den Markt werfen – wirklich schlecht ist die Platte, deren Namen ich aufgrund der sehr hiphoppigen Typographie leider nicht entziffern kann, nicht. Da wird in den meisten Fällen durchaus solide auf durchaus solide Beats gerappt. Das mag die Truppe auf Jams in und um Görlitz zweifelsohne zu Lokalheoen machen, außerhalb des magischen Dunstkreises aus Familie, Freunden, Verwandten und Bekannten erinnert sich an „durchaus solide“ Rapper nur leider kein Mensch.

Die nächsten Herren stammen auch aus dem Osten, nennen sich selbst die Phalluskinder und erregen zumindest durch den Titel „Zwei gelbe Gummihandschuhe und ein Eimer Vaseline“ schon einmal mehr Grundinteresse als ihre Görlitzer Kollegen. Auch das „Konzept“ ist gelinde gesagt ungewöhnlich: Oldschoolig-anmutende Beats mit Scratches (ich liebe Scratches) und darüber Raps, die in ihren Glanzmomenten an die „Menschenfeind“-
EP von Hollywood Hank und JAW erinnern. Im Detail sicherlich noch erheblich ausbaufähig, ansonsten aber absolut erfrischend. Von den Dresdnern darf man in Zukunft ruhig noch mehr hören. Dann aber bitte mit höherer Punchline-Dichte und der ein oder anderen Betonungs-Variation im Vortrag. Danke.

Moe2mee hat einen ziemlich beschissenen Künstlernamen und auf seinem Cover beisst er sich auf die Lippen. Rapper machen sehr oft was mit ihren Lippen auf Fotos, weil ihnen irgendjemand mal gesagt haben muss, dass man damit sehr frech und keck, aber auch verführerisch und aufregend aussieht. Derjenige hat gelogen. Produziert wurde die gesamte Platte von Provo und liegt soundtechnisch zwischen Black Music-Special in der Großraumdisko und irgendwas mit Crunk. Wobei das womöglich auch einfach dasselbe ist. Da werden Frauen im Club aufgerissen, „Unser Pflaster“ berappt und auch ganz furchtbar gesungen. Im Idealfall ist das noch ansatzweise hörbar, größtenteils aber einfach unerträglich, was mitunter an der in Intonation und Klang sehr unsteten Stimme des Interpreten liegt. An der ein oder anderen Stelle habe ich mich dann auch ernsthaft gefragt, ob das ein ironisch aufgezogenes Selbstverarschungsprojekt ist, das mit fortschreitender Laufzeit immer absurder, klischeebehafteter und ausgelutschter wird. Vielleicht gehöre ich aber auch nicht zur Swagger-meets-Heckscheiben-Sinnspruch („Carpe Diem“) Zielgruppe und fühle den Scheiß deshalb nicht.

Exzem wiederum ist ein junger Mann, der auf seinem Cover Äste auf den Rücken geschnallt hat und wahlweise Blair Witch Project oder einem Bio-Supermarkt in Friedrichshain entsprungen zu sein scheint. Das Booklet löst dann die Frage nach den Zweigen: Er schnitzt sich daraus Stifte, um seine Texte zu schreiben. Warum das Album dann aber „Schreibmaschine“ heißt, bleibt ungeklärt. Nach eigenen Worten ist der junge Mann „hier, um ganz Rapdeutschland die Hand zu geben“ und genau so klingt auch die gesamte Platte. Bisschen soulig, bisschen Deutschrap wie früher, als sich noch alle lieb hatten und geraucht statt gezogen haben. Exzem rappt entspannt über Themen, die ungefähr jeden jungen, HipHop-affinen Mann in Deutschland betreffen und irgendwann hört man auf, ihm zuzuhören. Das ist alles so stimmig und beruhigend und einschläfernd, dass ich Bilder von einem lauschigen Lagerfeuer in meinem Kopf habe. Und irgendjemand hat natürlich eine Gitarre und dann singen alle. Ob man das jetzt auf Plattenlänge langweilig oder auch einfach nur schön findet, ist dann jedem selbst überlassen. Sollte ich irgendwann mit dem Kiffen anfangen oder den Jakobsweg beschreiten, kommt dieses Album in jedem Fall mit in den, genau, Rucksack.

Immerhin kann man festhalten: Deutschrap hat auch 2011 nicht an Facettenreichtum verloren. Egal, ob man im tiefergelegten Dreier Golf durch sein Dorf heizt, jeden Abend eine andere Frau abschleppt oder sich im Frieden mit sich selbst und der Welt befindet, die HipHop-Kultur lebt und Vinyls statt MP3s sammelt: Es findet sich für jeden die passende Platte und das ist dann doch auch irgendwie… schön. One Love, Peace Out.

 

Mad Mic vs Tyler Torance & Calibuz Wax – „These Lines“ Videopremiere

0
Mad Mic und Calibuz Wax aus Frankfurt haben sich die goldenen Neunziger auf ihre Fahnen geschrieben – was man ihrer Musik anhört und auch derFeature-Liste ihres Albums „Living Legends“ entnehmen kann: AG, Edo G., Sadat X. und Blaq Poet geben sich das Mic in die Hand. rap.de präsentiert euch das Video zu „These Lines“ mit Thirstin Howl als sxklusive Videopremiere. rap.de: Ein bisschen was zu eurer Vorgeschichte, bitte. Calibuz Wax: Ich mache keine Musik, sondern die Musik macht mich. Angefangen hat alles natürlich in Good Old FFM. Damals lernte ich ein paar Jungs kennen die ganz cool waren und rappten. Also dachte ich mir: Cool sein und rappen, das kriegst du auch hin. Und das war der Beginn meiner überaus steilen Karriere (grinst). Mad Mic: Ich habe Ende der 90er Jahre freestylend in einem Jugendhaus in Frankfurt/ Rödelheim angefangen. Im JUZ war es wärmer als im Park und ich musste mir dringend ein neues Hobby zulegen (lacht). Im Ernst, Rap hat mein Leben gerettet und ich werde ihm auf ewig dankbar sein. rap.de: Was waren damals eure Einflüsse? Mad Mic: Konkret Finn ist klar – ansonsten gab es für mich nicht wirklich welche aus Deutschland. Früher habe ich eigentlich nur Ami Rap gehört und viele die mich da geprägt haben, finden sich heute auf dem Legends Album wieder. Ansonsten flashen mich seit Jahren in erster Linie die Franzosen richtig weg. Calibuz Wax: Meine Einflüsse kommen zu 95 Prozent aus der Zeit von 1993 – 2000. Show & AG, Geto Boys, Outkast, Wu Tang, OGC, NTM….die Liste könnte ich noch lange fortsetzen. Allerdings gab und gibt es auch immer wieder deutsche MCs und Crews die ich feiern kann, wie zum Beispiel das Äi-Team oder Huss &Hodn. rap.de: Die Gästeliste eures Albums ist gelinde gesagt beeindruckend. Musstet ihr nicht euer gesamtes Bafög für die Bezahlung der Amis investieren? Calibuz Wax: Also Bafög hatte ich nie, wenn dann Streetfög. Im Ernst, die ganze Geschichte war zwar sicher nicht gerade günstig, aber ich musste mir jetzt auch nichts vom Mund absparen. Mad Mic: Die meisten Features haben so auf den Sound geflasht, dass die Verhandlungen in Sachen Gagen recht entspannt waren. Da wir nicht auf reiche Eltern zurück greifen konnten, hieß der Modus: Dont quit your daily job. Ein paar manipulierte Wetten später und die Geschichte war eingetütet. (lacht). Wir dachten uns: Anstatt nur von Features mit Raplegenden zu träumen, könnten wir doch einfach mal sehen, ob da nicht was geht. Nicht reden – handeln. rap.de: Die Features sind ja größtenteils tatsächliche lebende Legenden, wie der Albumtitel es verkündet. Seht ihr euch auch als solche? Calibuz Wax: Ich persönlich sehe mich nicht als Raplegende und das Projekt haben wir auch nicht deshalb gestartet, um uns auf ein solches Level zu katapultieren. Es ist schlicht und einfach die Erfüllung eines lang gehegten Traumes. Mad Mic: Was soll das Tiefstapeln? Natürlich sind auch wir Legenden, aber die Jungs in den weißen Kitteln sehen das irgendwie anders… Ich würde mich niemals als Legende bezeichnen, selbst wenn ich eine wäre. Der Titel des Albums bezieht sich natürlich in erster Linie auf unsere Features. Für mich ist die Realisierung dieses Projekts legendär, ein Traum, der komplette Wahnsinn. Allem anderen sehe ich sehr gelassen entgegen. rap.de: Im Grunde ist das Ganze ja schon eher ein Spartenthema, das kaum eine wirklich breite Zuhörerschaft finden wird. Ist euch das egal? Mad Mic: Seit wann ist gute Musik ein Spartenthema? Aber selbst wenn: Egal, ob guter alter, guter neuer oder völlig zeitloser Rapshit – mich interessieren keine Schubladen. Ich wollte schon immer den ganzen Scheißschrank haben und den habe ich mir mit den Living Legends klar gemacht. Calibuz Wax: Wir haben dieses Album ohne groß nachzudenken oder zu planen umgesetzt und damit tatsächlich erstmal nur für uns gemacht. Damit ich mir einen darauf runterholen kann und damit dieses Hardcore Teil im meinem Plattenregal steht und zwar mit meinem Gesicht drauf (lacht). Alles ist im Wandel. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit!

Jay-Z auf 5 Mio. verklagt

0
Der Rechtsstreit um das Sample zu einem der größten Hits, den Jay-Z jemals hatte, geht in die nächste Runde.

Wir erinnern uns: "Big Pimpin", Jiggas Hitsingle von 2000, kam nicht nur mit einem künstlerisch hochwertigen Video, in dem er Geldscheine von einem fahrenden LKW warf, sondern auch mit einem eingängigen ägyptischen Sample um die Ecke. Für dieses hat Produzent Timbaland sich bei "Khosara, Khosara" bedient, das von Komponist Baligh Hamdi stammt und sich auf dem Soundtrack des Films "Fata Ahlami" aus dem Jahr 1960 fand. Später hieß es dann, Timbaland habe gar nicht das Original, sondern eine Coverversion von Hossam Ramzy verwendet – dem, der da noch durchblickt, herzlichen Glückwunsch.

Schon im vergangenen Mai erklärte ein Gericht in Kalifornien die Klage eines Sohnes des 1993 verstorbenen Musikers für zulässig (wir berichteten). Letzte Woche reichte Ahab Joseph Nafal nun eine Klageschrift gegen den New Yorker Rapper und den Produzenten Timbaland ein, in der er sage und schreibe 5 Millionen US-Dollar für die unerlaubte Nutzung des Songs seines Vaters verlangt. Ebenfalls in der Klageschrift genannt werden Roc-A-Fella Records, Def Jam Records, Warner Music Group und die Band Linkin Park, die für ihr Album "Collision Course" einen Remix von "Big Pimpin" angefertigt hatten.

Mit einer ähnlichen Klage war Nafal 2007 noch gescheitert, weil er es damals wohl versäumt hatte, alle weiteren Kinder des verstorbenen Komponisten miteinzubeziehen. Nach ägyptischem Urheberrecht muss nämlich jeder einzelne Erbe eines verstorbenen Rechteinhabers der Verwendung des fraglichen Songs zustimmen.
Dieser Umstand ermöglicht die Klage überhaupt erst: Die Anwälte von Jay-Z und Timbaland hatten bisher stets argumentiert, ihre Klienten hätten das Sample geklärt, das Gericht hatte im Mai jedoch festgestellt, dass eben nicht alle Kinder Hamdys zugestimmt hätten.

Eminem und Audi einigen sich

0
Na, ist das nicht wundervoll! Wir freuen uns riesig, euch gleich zum Wochenstart solch ausnehmend gute Nachrichten aus der HipHop-Welt präsentieren zu dürfen.

Unser aller Lieblingsrapper Eminem und der deutsche Autokonzern Audi konnten ihren Rechtsschreit schneller als erwartet beilegen. Letzte Woche tobte noch juristischer Krieg zwischen Em und dem Autohersteller, weil dieser unerlaubt das Instrumental von "Lose Yourself" in einem Werbespot verwendet hatte, der auch noch auffällige Ähnlichkeiten mit dem Superbowl-Spot von Eminem/Chrysler aufwies (wir berichteten).

Wie das amerikanische Onlinenachrichtenportal allhiphop.com meldet, konnten sich die beiden Parteien nun aber doch außergerichtlich einigen. Wie schnell es doch manchmal gehen kann… Teil der Übereinkunft ist wohl, dass Audi sich verpflichtet, verschiedene soziale Projekte in Eminems Heimatstadt Detroit zu unterstützen, um damit zur Revitalisierung der Stadt beizutragen. Ob diese Unterstützung auschließlich finianzieller Natur ist, bleibt abzuwarten, denn Einzeilheiten der Übereinkunft sind der Öffentlichkeit bislang noch nicht zugänglich gemacht worden.

Und von den Tücken des Kapitalismus zu denen des Kommunismus: Der Frontmann der Black Eyed Peas, will.i.am, traf sich jüngst mit US-Außenministerin Hillary Clinton, um gemeinsam bekannt zu geben, dass William ein Konzert in der chinesischen Hauptstadt Beijing spielen werde. Dies geschieht im Rahmen des von Präsident Barack Obama im Mai 2010 gestarteten Projekts “100,000 Strong Initiative”. Ziel dieser Maßnahme ist es mehr junge Amerikaner zu einem Studium in der Volksrepublik zu bewegen. Nur konsequent, ist das rote Riesenreich doch einer der größten Gläubiger der überschuldeten USA.

In einem Statement sagte der 36-jährige Musiker, dass junge Leute die Welt erkunden müssten, um verantwortungsvolle Weltenbürger zu werden. “In order to become responsible global citizens, young people need to experience the world around them.”
Kinder aus sozial schwächeren Familien hätten seltener die Möglichkeit zu einem Auslandstudium und das wolle man ändern. Man wolle sicherstellen, dass amerikanische Studenten das Kulturbewusstsein bekämen, um auf dem globalen Markt bestehen zu können.“Kids from underserved communities rarely have the opportunity to study and travel abroad, and we want to change that. We must make sure that American students have the cultural awareness and skills necessary to succeed in a global economy.” Soviel übrigens auch zum Thema Kommunismus…

Nie geht man so ganz

0
Es wurde bereits kurz nach dem Splash! bekannt und machte schnell die Runde: Staiger gibt nach drei Jahren seinen Posten an der Spitze von rap.de ab. Heute ist es nun tatsächlich soweit, wir schreiben den 1. August und somit den offziellen Tag eins nach Staiger. Sagen wir es ruhig ohne Angst vor Pathos: Eine Ära geht zuende.

In einem Statement gegenüber rap.de kündigt Staiger an, sich künftig neben seiner Tätigkeit als Berufskletterer vor allem der Schriftstellerei widmen zu wollen. "Ihr werdet bald Sachen von mir zu lesen bekommen", verspricht er.

Im Rückblick auf seine Zeit bei rap.de lässt er durchaus ein wenig Wehmut anklingen. "Ich sitze hier zuhause und genieße meinen ersten Tag in Freiheit. Ich will immer noch ständig irgendwelche Emails beantworten, halte mich damit aber eisern zurück. Aber ganz ehrlich: Ich werd’s vermissen. Auch, wenn es mir tierisch auf den Sack gegangen ist. Die ganzen Irren in der Rap-Szene werden mir fehlen."
Ganz los wird er die "Irren" ja aber ohnehin nicht – und sie ihn auch nicht. Er werde die Seite nach wie vor täglich besuchen, um sicher zu stellen, dass sein Nachfolger, Oliver Marquart, keinen Unfug machen werde. "Im Stile eines spiritus rector, eines Altbundeskanzlers." Außerdem plane er, einen Stammttisch für ehemalige rap.de-Chefredakteure ins Leben zu rufen. "Soweit ich mich erinnern kann, waren die auch alle drei Jahre im Amt. Also, Oli, bis 2014 dann!".

Ihr könnt jetzt eure Taschentücher herausholen. Auch echte Männer weinen mal, echte Frauen sowieso. Aber erstens geht man nie so ganz und zweitens geht man nicht ohne ein anständiges Abschiedsgeschenk. In diesem Fall ist das das ausführliche und intensive Interview, das Staiger gemeinsam mit seinem Nachfolger Oliver Marquart mit dem Mann der Stunde, Casper, geführt hat. Dieses wird heute nachmittag online gehen.

Der neue rap.de-Chefredakteur, der heute seinen Dienst offiziell angetreten hat, wünscht seinem Vorgänger alles Gute und würdigt ausdrücklich, was Staiger bisher alles geleistet hat. "Danke für alles, Staiger! Berliner Rap, deutscher Rap, ja, auch mein persönliches Leben wären nicht das Gleiche, wenn es dich und dein nimmermüdes Engangement nicht gegeben hätte, ob bei Royalbunker, als K.I.Z.-Entdecker und Förderer oder bei rap.de. Bleib uns gewogen – und komm mal auf einen Kaffee vorbei, wenn deine neuen Betätigungsfelder es zulassen sollten. Peace!"

Interview mit Casper über „XOXO“

0

Es regnet. Gut, das ist in diesem Sommer, wie wir alle wissen, nichts ungewöhnliches. Heute aber passt es, und das in doppelter Hinsicht. Zum einen, weil ein Interview mit Casper auf dem Programm steht, und dessen Musik ist zweifelsohne auch und gerade an Regentagen gut geeignet. Zum anderen wird das Interview gemeinsam vom alten und neuen rap.de-Chefredakteur geführt, Staiger und Oliver Marquart nehmen den feinen Herrn Chartstürmer gemeinsam in die Mangel. Als wäre das nicht schon schön genug, ist das Büro, in dem das Interview stattfindet, auch noch genau über dem ehemaligen Royalbunker-Büro, von dem aus Staiger einst Rapdeutschland nachhaltig mitveränderte und wo auch Oliver Marquart mal ein Jahr lang gearbeitet hat. Ein, man kann es kaum anders sagen, historisches Gespräch.
Casper sitzt schon in der Küche, als wir ankommen, und regt sich erstmal auf. Irgendein Kollege, der für die „Sächsische Zeitung“ schreibt, hat ihn mit nicht gerade schmeichelhaften Worten bedacht. Sofort entzündet sich ein angeregtes Gespräch über Presse im besonderen sowie die Rezeption von Caspers Musik im allgemeinen, in das wir hier ohne weitere Umschweife direkt einsteigen.

Casper: Ich find’s ja voll okay, dass so’ne Hurensohn-Journalisten Scheiße über mich schreiben wollen. Aber dann sollen sie wenigstens die Fakten richtig kriegen. Wie zum Beispiel jüngst in der Sächsischen Zeitung, da war ich plötzlich aus Austin Texas, 1985 geboren und Caspar mit A. Das gibt’s doch gar nicht!

Staiger: Haben die denn positiv oder negativ über dich geschrieben?

Casper: Ganz negativ. Der hat geschrieben, das sei alles so Möchtegern-Revoluzzertum, eigentlich sei ich ja ein konservativer, lieber Boy und gehöre im Grunde mehr so in die Schlagerrichtung.

Maquart: Hat der das bei der “Welt“ abgeschrieben?

Staiger: Hat die Welt das auch geschrieben?

Marquart: Ja, beziehungsweise Harald Peters.

Casper: Aber dann hat der ja nur von dieser Laura Ewert abgeschrieben, die das gleiche vorher schon in der Welt geschrieben hatte.

Staiger: Aber das ist nur Selbstprojektion. Harald Peters hat früher für die Berliner Zeitung geschrieben, viele der Autoren die jetzt bei der WAMS im Kulturbereich arbeiten haben früher bei der taz gearbeitet. Die sind von Springer abgeworben worden, weil das einfach das Verlagshaus ist, das am meisten bezahlt. Und ich glaube, die haben einfach ein ganz großes Identitätsproblem.

Casper: Aber die taz mag mich.

Staiger: Ja eben! Die taz mag dich, aber nicht die Leute, die von der taz weggegangen sind, die selber ihre Ideale verraten haben.

Casper: Aber das ist ja das Ding, dass ich das vollkommen nachvollziehen kann. Dass ich sage: Es war so omnipräsent und so lange gutgeschrieben und hochgelobt, dass es natürlich chic und cool ist, dass jetzt zu hassen. Wenn du jetzt auf Royalbunker Mitte 90er zurückspulst, würdet ihr das sicher auch aus Prinzip Kacke finden.

Staiger: Wir haben nie gute Musik gehated.

Marquart: Nein, nur bestimmte Städte. Und du bist ja nicht aus Hamburg

Casper: Vielleicht hätte ich Bielefeld ja zur Hassstadt machen können.

Samy Deluxe – SchwarzWeiss

0
Gerade erst hat mit Casper ein Vertreter, nein, DER Vertreter eines neuen künstlerischen Selbstverständnisses im deutschen Rap, die Spitze der Charts im Sturm genommen und gezeigt, dass die junge Garde nicht nur musikalisch neue Akzente setzt, sondern auch in der harten Logik des Merkantilen endlich bestehen kann. Und nur zwei Wochen nach diesem eindrucksvoll erbrachten Beweis veröffentlicht ein Vertreter der alten Garde, der gestandenen Deutschrap-Elite, sein neues Album. Samy Deluxe – der Mann ist nicht weniger als eine Legende. Noch vor Savas hat er deutschen Rap als erster tatsächlich hörbar gemacht, hat die sperrige, umständliche deutsche Sprache geschmeidig und elegant, ja, sogar lässig geschliffen, hat drei- und vierfache Reime etabliert und ganz nebenei das Eigenlob von seinem sprichwörtlichen Gestank befreit. Ich zähle diese bekannten Tatsache nur auf, um zu verdeutlichen, womit wir es hier eigentlich verdammtnochmal zu tun haben: 14 Jahre deutsche Rap-Geschichte, von „Füchse“ bis „Poesie Album„.

Auf seinem letzten Album „Dis wo ich herkomm“ hatte sich der Hamburger Rapper neuen musikalischen Einflüssen (hauptsächlich Reggae und Soul) geöffnet. Sein neues Werk „SchwarzWeiss“ rudert in dieser Hinsicht zwar nicht direkt zurück, dennoch wird Rap wieder  deutlich größer geschrieben als auf dem Vorgänger, ohne sich jedoch musikalisch wilkürliche Grenzen zu setzen.

Eröffnet wird „SchwarzWeiss“ mit einem knapp zweiminütigen, rein instrumental gehaltenen Stück noch vor dem offziiellen Intro, das schlicht „Anfang“ betitelt ist und gut als Einmarschmusik für einen Gladiatorenkampf fungieren könnte. Dann erklingen schwere, wuchtige Trommeln, begleitet lediglich von einigen Scratches und daruntergeschraubten Urwaldklängen. Die Show kann beginnen, die markante Stimme des Wickeda MCs begrüßt den Zuhörer mit einem sägenden „Hör ma bitte zu, Mann„. Mit einigen flott hingeworfenen Zeilen läuft Sam sich erstmal warm „Ich bring die Scheiße so frisch als ob ich auf Klo sitz„, um im nächsten Atemzug jede negative Kritik gleich vorbeugend abzubügeln „Kuck, wie ich mit deiner Plattenkritik den Po wisch“ – zumindest mit dieser Plattenkritik hier dürfte das allerdings schwierig werden. Auch den etwaigen Vorwurf der Inhaltlsleere (dazu später mehr) nimmt Samy selbstironisch vorweg „Hab nichts zu erzählen/ aber check mal diese Pose„.

Es folgt mit dem bereits vorab veröffentlichten „Poesie Album“ ein knapp vierminütiges Style-Manifest, in dem der Protagonist nicht nur einmal mehr seine technischen Fertigkeiten unter Beweis stellt, sondern auch wie nebenbei ein paar bekannte Tatsachen treffend auf den Punkt bringt, zum Beispiel, dass in Deutschland „Reggae-Lieder leider immer wie Schlager kling‚“. In der dritten Strophe bringt Sam einige Wortspiele rund um das Themegebiet „Deutsche Dichter und Denker“ zum Vortrag, die sich sehen lassen können.
Ego“ wiederum ist eine mehr oder minder tiefgehende Betrachtung der inneren Widersprüchlichkeit des Menschen „Hör ich lieber auf mein Ego/ oder doch auf meine Seele/ ich hör Stimmen in mir reden/ so als ob ich schizophren bin“ – gut, neu ist das Thema nicht gerade, aber doch ziemlich stringent und der dezent rockige Beats überzeugt auch.

Eines Tages“ verfolgt inhaltlich ein ähnliches Thema („Eines Tages/ wird mein Traum zur Wirklichkeit/ und ich bin endlich mit mir selbst im Reinen„), geht musikalisch aber in eine ganz andere Richtung. Im Stile eines Max Herre croont Sam sich durch drei Strophen. Drum singe, wem Gesang gegeben, und singen kann er, der Sam.
Richtig schlimm wird es dann aber bei „Wer wird Millionär?„, das zwar dick elektronisch produziert ist, aber textlich leider versagt. Ein weiteres Mal scheitert Samy an dem Versuch, substantielle Sozialkritik anzubringen. Zeilen wie „Die Menschen hams schwer/ die Welt ist nicht fair“ sind einfach zu ausgelutscht, als dass sie einem mehr als ein müdes Gähnen entringen könnten. Mit hanebüchenen Aussagen wie „Wie kann man das Gerechtigkeit nennen?/ 10 Prozent geht’s gut und dem Rest geht es schlecht“ übertrifft Samy sogar die Linkspartei in Sachen falscher Sozialromantik und billigem Populismus. „Die Leute in der Hochhaussiedlung wollen auch nen Benz/ doch können ihn sich nicht leisten und fühlen sich ausgegrenzt“ – Luxuskarossen für alle also? Interessanter Vorschlag. Entschuldigung, aber das ist Quatsch.

Dann doch lieber der Storyteller „Straßen Musik„, bei dem sich Sam zu bluesigen Klängen in die Sichtweise eines Obdachlosen hineindenkt bzw. -rappt. Da gewinnt der Satz „Das Leben auf der Straße ist hart“ eine ganz neue Bedeutung. „Zurück zu wir“ fährt dann Breitwandsoul in der Tradition von Marvin Gaye sowie einen ausgeschlafenen Max Herre (dem einzigen Featuregast auf dem Album) an der Hook auf und zeigt, dass Samy doch auch Inhalt kann. Atemlos und verknappt haut er hier seine kritischen Anmerkungen raus „Kein Punkrock mehr, alles Ballade/ Klingt schön, aber schade/ Mainstream, Subkultur’n/ formatgerechter Einheitsbrei/ ich hab‘ keine Zeit für den gleichen Scheiß/ gib mir was neues, zeig mir jemand‘, der sich etwas traut“. Auch „Keine Wahre Geschichte“ erzählt in klaren Bildern eine einfach gestrickte, aber umso eindringlichere Geschichte über Gewalt, Perspektivlosigkeit und den einzigen Ausweg Musik. Ein wenig naiv, aber sehr schön.

Und gerade, als man langsam das Gefühl bekommt, es wird alles ein bisschen zu melancholisch, legt Mr. Deluxe den Schalter wieder um, dreht den Swag auf und haut dem verdutzten Hörer das herrlich primitive, ignorante und überhebliche „Rapgenie“ auf einem simplen, bouncenden Südstaaten-Beat inklusive Falsch-Verbunden-Signal um die Ohren: „Und meine Beats sind wie Foxy Brown – jetzt doppelt so dick„. Hehehe.
Allein“ schlägt ungewohnt persönliche Töne an und beschreibt den Rapper als notorischen Einzelkämpfer, das Instrumental ist passenderweise wieder sehr soulig ausgefallen. Noch ein Stück weiter lässt Sam die tiefsitzenden Hosen dann bei „Vater im Himmel“ runter, das sich mit dem Tod seines Papas sowie seinem glücklicherweise quicklebendigem Sohn  beschäftigt. Kurz vor Schluss verortet sich Samy dann im Titeltrack zwischen den Kulturen, aus denen er stammt (Mutter deutsch, Vater Sudanese) und zieht das gut sozialdemokratische Fazit: „Gegensätze ziehen sich an„. Damit liegt man nie falsch.

Abgesehen von den besagten inhaltlichen Schwächen (alle Texte findet ihr zum Nachlesen übrigens hier) präsentiert „SchwarzWeiss“ also einen Samy Deluxe, der, wenn schon nicht mit sich im Reinen, so doch recht nah bei sich ist und seine bekannten lyrischen Stärken gekonnt ausspielt. Ob man den aufreizend lässigen, manchmal nuscheligen Rapstyle des Hamburgers nun feiert oder nicht – die satten, ausgefeilten Produktionen sind im Grunde unhatebar.
So langsam setzt sich eben auch im deutschen Rap  wieder die Erkenntnis durch, dass Beats nicht nur vernachlässigbare Begleitmusik, sondern durchaus musikalischer Selbstzweck sind. Und das nicht nur bei der neuen Generation, sondern auch bei den alten Hasen – siehe das letzte Album von Bushido oder eben auch „SchwarzWeiss„. 

Featured