Casper

Es regnet. Gut, das ist in diesem Sommer, wie wir alle wissen, nichts ungewöhnliches. Heute aber passt es, und das in doppelter Hinsicht. Zum einen, weil ein Interview mit Casper auf dem Programm steht, und dessen Musik ist zweifelsohne auch und gerade an Regentagen gut geeignet. Zum anderen wird das Interview gemeinsam vom alten und neuen rap.de-Chefredakteur geführt, Staiger und Oliver Marquart nehmen den feinen Herrn Chartstürmer gemeinsam in die Mangel. Als wäre das nicht schon schön genug, ist das Büro, in dem das Interview stattfindet, auch noch genau über dem ehemaligen Royalbunker-Büro, von dem aus Staiger einst Rapdeutschland nachhaltig mitveränderte und wo auch Oliver Marquart mal ein Jahr lang gearbeitet hat. Ein, man kann es kaum anders sagen, historisches Gespräch.
Casper sitzt schon in der Küche, als wir ankommen, und regt sich erstmal auf. Irgendein Kollege, der für die "Sächsische Zeitung" schreibt, hat ihn mit nicht gerade schmeichelhaften Worten bedacht. Sofort entzündet sich ein angeregtes Gespräch über Presse im besonderen sowie die Rezeption von Caspers Musik im allgemeinen, in das wir hier ohne weitere Umscheife direkt einsteigen.

Casper: Ich find's ja voll okay, dass so'ne Hurensohn-Journalisten Scheiße über mich schreiben wollen. Aber dann sollen sie wenigstens die Fakten richtig kriegen. Wie zum Beispiel jüngst in der Sächsischen Zeitung, da war ich plötzlich aus Austin Texas, 1985 geboren und Caspar mit A. Das gibt's doch gar nicht!

Staiger: Haben die denn positiv oder negativ über dich geschrieben?

Casper: Ganz negativ. Der hat geschrieben, das sei alles so Möchtegern-Revoluzzertum, eigentlich sei ich ja ein konservativer, lieber Boy und gehöre im Grunde mehr so in die Schlagerrichtung.

Maquart: Hat der das bei der “Welt“ abgeschrieben?

Staiger: Hat die Welt das auch geschrieben?

Marquart: Ja, beziehungsweise Harald Peters.

Casper: Aber dann hat der ja nur von dieser Laura Ewert abgeschrieben, die das gleiche vorher schon in der Welt geschrieben hatte.

Staiger: Aber das ist nur Selbstprojektion. Harald Peters hat früher für die Berliner Zeitung geschrieben, viele der Autoren die jetzt bei der WAMS im Kulturbereich arbeiten haben früher bei der taz gearbeitet. Die sind von Springer abgeworben worden, weil das einfach das Verlagshaus ist, das am meisten bezahlt. Und ich glaube, die haben einfach ein ganz großes Identitätsproblem.

Casper: Aber die taz mag mich.
 

Staiger: Ja eben! Die taz mag dich, aber nicht die Leute, die von der taz weggegangen sind, die selber ihre Ideale verraten haben.

Casper: Aber das ist ja das Ding, dass ich das vollkommen nachvollziehen kann. Dass ich sage: Es war so omnipräsent und so lange gutgeschrieben und hochgelobt, dass es natürlich chic und cool ist, dass jetzt zu hassen. Wenn du jetzt auf Royalbunker Mitte 90er zurückspulst, würdet ihr das sicher auch aus Prinzip Kacke finden.

Staiger: Wir haben nie gute Musik gehated.

Marquart: Nein, nur bestimmte Städte. Und du bist ja nicht aus Hamburg

Casper: Vielleicht hätte ich Bielefeld ja zur Hassstadt machen können.

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here