Frauen im Deutschrap: Die Wegbereiterinnen (Teil 2)

Kaum ein anderes Musikgenre befindet sich in einer ähnlich langanhaltenden und kontroversen Debatte um Sexismus und Geschlechterrollen. Dass Frauen im Deutschrap unterrepräsentiert sind, ist und bleibt kein Geheimnis. Dennoch feiern zur Zeit vermehrt auch Rapperinnen große Erfolge. Im zweiten Teil der Artikelreihe schauen wir auf weitere Pionierinnen, die schon früh das Rapgame aufgemischt haben.

Pyranja

Anja Käckenmeister fing schon als Teenager mit Breakdance und Sprayen an, bevor es sie von Rostock nach Berlin zog. Aus Anja Käckenmeister wurde Pyranja. Und so wie die Fische musste auch sie sich erst mal durchbeißen.

Py ging 1999 mit der Underdog Cru und Smoking Tuna System auf ihre erste Tour. Erste größere Bekanntheit erlangte sie aber durch ihr Auftreten auf der „Feuerwasser“-Tour von Curse. 2001 erschien ihre erste EP „Im Kreis“ bei Def Jam Germany. Nach ihrem Album „Wurzeln und Flügel“ folgte die Gründung ihres eigenen Label Pyranja Records und zwei weitere Album-Werke. Sie bildete zusammen mit Joe Rilla, Mesa, Dra-Q, Sera Finale und Jamie White die Ostblokk-Crew.

Pyranja erlebte den Sexismus in der Szene am eigenen Leib. Wie sie 2005 bei einem Interview erzählt, muss sich die Rostockerin oft Kommentaren stellen, dass sie aufhören solle. Man wird ihrer Meinung als Frau entweder in die Rolle der sexy Rapperin gesteckt oder als hässlich und „wie ein Mann“ abgestempelt. Gerade deshalb müsse man als Frau doppelt so hart arbeiten, um Respekt und Anerkennung in der Szene zu bekommen.

Eines ihrer Alben heißt „Frauen und Technik“. Darauf nimmt sie sich, wie der Titel schon verrät, unter anderem der Sexismus-Debatte an. Auf „Blondes Gift“ rappt sie:

„Die Zeit ist reif und eine muss es ja machen. Ich tag‘ Dir an die Backe, Punk, und spuck‘ in Deinen Rachen.
Ich setz‘ die Messlatte höher an. Na, wollen mal sehen, wer mich nachher noch vögeln kann.
Die richtigen Ladies sind die besseren Männer, weil wir genauso wie die denken, nur schneller.“

Auch das Geprotze und „Lutsch meinen Schwanz“-Gerede überließ sie nicht mehr nur den Rappern. Sie nahm dieselben Wörter wie ihre männlichen Kollegen in den Mund und brach damit die typischen Geschlechterrollen auf. 

„Fick‘ Dich doch selbst, ich fick‘ Deinen Freund, fick‘ Deine Jungs, Mann, ich leg‘ mich in’s Zeug,
fick‘ Deine Homies und hol‘ mir Dein Cash. Fick‘ Dich, Du Stricher, komm‘ endlich aus Tash!“ 

2006 trat sie für Mecklenburg-Vorpommern am Bundesvision-Songcontest an. Im Jahr darauf begann sie bei Radio Fritz als Moderatorin zu arbeiten. 2017 überraschte Pyranja mit einem musikalischen Comeback.

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