Prinz Pi über 2011

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit, die wichtigsten Ereignisse der letzten 12 Monate Revue passieren zu lassen. Prinz Pi beispielsweise hat zu Beginn des Rap-Jahres als erster von später ziemlich vielen die Top 10 der deutschen Albumcharts gestürmt und könnte sich somit zum Trendsetter ausrufen lassen (tut er aber nicht, doch dazu später). Nicht nur deshalb, sondern auch, weil der Prinz soeben ein formidables Akustik-Album, das auf den Namen "Hallo Musik" hört, auf den Markt geschmissen hat, traf sich rap.de-Chefredakteur Oliver Marquart mit ihm. Spontan entschied man sich zum Sushi-Essen, was Pi die Gelegenheit gab, nicht nur über aktuelle Trends und Hypes zu raisonieren, sondern auch ein paar Einblicke in sein unerhört umfassendes Gastrowissen zu gewähren.

rap.de: Dein Fazit des Jahres 2011?

Prinz Pi: Ich bin ja jetzt nicht unbedingt der gespannteste Verfolger des Rapgames…

rap.de: Wir können ja auch erstmal mit deinem persönlichen Jahresrückblick anfangen. Immerhin war es ja ein Jahr, in dem du eine sehr schöne Chartposition ergattern konntest.

Prinz Pi: Auf jeden Fall.

rap.de: Du warst sogar der erste. Der, der den ganzen Top Ten-Hype quasi losgetreten hat.

Prinz Pi: Naja, ich habe ja auch als erster releast. Kunststück. Aber es war schon sehr schön. Wobei diese Chartplatzierungen immer gefährlich sind. Wenn andere Leute dich daran festmachen, ist es nervig. Und es ist auch nervig, wenn man beginnt, sich selber daran festzumachen. Man sollte sich nie an Zahlen festmachen. Weder am Kontostand noch an der Penislänge noch an der maximalen km/h-Zahl deines Autos. Noch der IQ-Zahl. Zahlen sind immer schwierig.

rap.de: Gut, Zahlen sind also gefährlich. Gelohnt hat es sich aber trotzdem.

Prinz Pi: Ja, super. Es war auf jeden Fall mein mit Abstand erfolgreichstes Album, verkaufszahlenmäßig. Für mich natürlich total schön, weil wir mit unserer Struktur ein Gegenentwurf zum Major sind, bei dem wir davor waren – Wassif (Pis Geschäftsparnter bei Keine Liebe Musik – Anm. d. Red.) und ich sind ja nur zu zweit. Und es ist so erfolgreich wie noch nie. Man merkt, dass sich dieses Modell durchsetzt, dieser State of Mind. Es freut mich auch, wenn andere Indie-Künstler gute Chartplatzierungen einfahren können. Savas zum Beispiel, der ja auch einen wahnsinnigen Erfolg hat mit seinem neuen Album. Der ist ja auch ein Indiekünstler. Schön zu sehen, dass man die ganzen alten Strukturen gar nicht mehr braucht und es so viel geiler läuft. Und es macht vor allem viel mehr Spaß. Das ist glaube ich auch gut fürs Produkt. So ein großes Label überlegt sich ja bei jeder Sache immer, bringt uns das jetzt Geld? Die trauen sich nie Sachen, weil die immer sicher investieren wollen.
 

rap.de: Die letzten Zeilen auf "Rebell Ohne Grund“ waren ja "Tschüss deutscher Rap – hallo Musik". Daran knüpfst du mit deinem Akustikalbum jetzt ja an.

Prinz Pi: Genau.

rap.de: Eine generelle Verabschiedung von Rap ist das aber nicht.

Prinz Pi: Nö. Ich habe nichts dagegen, wenn die Leute sagen, dass ich Rap mache und nicht singe, denn das mache ich ja auch. Das ist mein Metier. Meine Ausdrucksform. Aber du kennst das doch sicherlich auch: Wenn einen Leute jenseits der 20  fragen, was man so macht und man sagt, was mit Musik, sind alle so: Ach toll, ist ja interessant. Wenn du aber dann sagst, es hat irgendwas mit Rap zu tun, sind alle so: Ach so, diese Idiotenmusik. Das ist schade. Und darum finde ich es geil, dass es jetzt Bands gibt wie Kraftklub, Casper, Marteria, vielleicht auch in einem weiteren Sinne Peter Fox, die ganz selbstverständlich rappen und nicht singen. Trotzdem wird das als Musik wahrgenommen und nicht in irgendeine Schublade gesteckt. Ein Kollegen, dem ich das auch sehr gönnen würde, weil ich ihn für wahnsinnig gut halte, ist Tua. Ein ganz irrer Musiker. Wenn man den man mal fernab von dieser Deutschrap-Schublade wahrnehmen würde, wäre er bestimmt unheimlich erfolgreich – und reich.

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