Silla – Vom Alk zum Hulk [Review]

Nach der beruflichen Trennung von Fler und dessen Label Maskulin veröffentlicht Silla Studioalbum Nummer acht nun auf Gan-Gs Label Major Movez. „Vom Alk zum Hulk“ verspricht den Soundtrack für Höchstleistungen im Gym, an den Reglern werkelten neben den Hijackers die Produzenten Manuel Mayer, MENJU sowie KD Beatz. Als Anheizer schickte der 31-Jährige Ende Juli bereits die zweite Ausgabe seines „Testo Tape“ ins Rennen. „VAZH“ wartet mit einer ebenso umfangreichen Tracklist auf, allerdings befindet sich zumindest auf der Standardversion kein einziges Feature.

Wie sich auf dem Vorgänger „Audio Anabolika“ bereits abzeichnete, gehört die „Passion Whisky“ endgültig der Vergangenheit an. Den selbsternannten „Cardio King“ aus Tempelhof beherrschen mittlerweile Selbstdisziplin statt Selbstmitleid und dieser Umstand wird von ihm ausgiebig zelebriert. Aber nicht einmal Silla käme auf die wahnwitzige Idee, einen kompletten Longplayer mit Fitnessrap zu füllen und so packt er mit „Du bist echt“ noch einen Liebestrack obendrauf. Im Gesamtkontext betrachtet, wirkt der aber ebenso fehl am Platz wie Ali Bumaye im Fitnessstudio.

„Wenn du wissen willst, wo gerade deine Bitch steckt“ – natürlich an seinem „Sixpack“. Godsilla spielt mit Wolkenkratzern Domino, geht straight nach vorne wie Türme beim Schach und beschreitet als „Mr. Olympia“ den mit lila Scheinen gepflasterten Weg Richtung Siegertreppchen. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Protagonisten ganz bestimmt nicht: Seine inneren Dämonen bekämpft der Berliner solange auf der Hantelbank, „bis das Shirt aus allen Nähten platzt wie’n indischer Bus.“ Mehr oder weniger ausgeklügelte Wortspiele und Vergleiche wie dieser finden sich auf „VAZH“ zuhauf.

 „Die Letzten ihrer Art“ richtet sich an all jene, die sich in der Hood nicht unterkriegen lassen und geht, ebenso wie der Titeltrack, dank brachialer, breitbeiniger Beats mit Synthie-Fanfaren gut nach vorne. „Gainz“ sowie „Adrenalin Boost“ eignen sich dagegen eher zur progressiven Muskelentspannung als zum Pumpen. Trotzdem steht natürlich alles im Zeichen des Kraftsports: Silla erzählt jedem, der es wissen will, dass er inzwischen Magerquark statt Martini konsumiert und möchte weder aufs Cover der Juice oder gar Vanity Fair, sondern auf das der weltweit führenden Zeitschrift für Hardcorebodybuilding, der Flex.

Da macht man sich als Hörer beinahe schon Sorgen um dessen ungeborenen Sohn, welcher natürlich den Namen „Arnold“ tragen wird: Nach „neun Monaten Massephase“ der Mutter erhält der Kleine wohl noch vor der Geburtsurkunde einen Mitgliedsausweis von McFIT. Trotz der Eintönigkeit in Sachen Inhalt und Vortrag scheint Silla innerhalb der Szene hohes Ansehen zu genießen: Satte 20 Gäste rappen über 14 Minuten des Mammutmixes von „Die Letzten ihrer Art“, darunter MoTrip, Raf Camora, Basstard, B-Tight und Lakmann. Wie es bei so einem Projekt kaum anders sein kann, klingt das Ergebnis eher zusammengewürfelt, bringt als Finale der Premiumversion aber immerhin ein bisschen Abwechslung in die Sache.

„Vom Alk zum Hulk“ hält keine Überraschungen bereit, sondern liefert exakt das, was man von einem Silla-Album anno 2015 eben erwartet. Für die eine oder andere Einheit im Fitnessstudio sicher gut geeignet, viel mehr aber auch nicht. Immerhin hat der „Dope Dealer“ den Grund dafür schon selbst erkannt: „Lös’ die Schreibblockade auf, indem ich Hits rap’ in den’ es nur um Muckis geht oder mein’ Sixpack.“

VÖ Datum: 2015-08-07
Verkaufsrang: 369
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