Silla – Audio Anabolika (Review)

Kurz nach der Veröffentlichung von Sillas letztem Studio-Album „Die Passion Whiskey“ hatte dieser bereits sein neues Werk angekündigt. Ursprünglich geplant für Januar diesen Jahres (Stichwort: Deadline) gewann das neue Werk immer mehr an Form. „Silluminati“ sollte es zunächst heißen. Auf dem Höhepunkt des Beefs am Jahresanfang hatte Silla sogar überlegt, den Titel „Banger“ zu verwenden, da Farid Bang wiederum sein Album „Killa“ genannt hatte. Der Rauch ist inzwischen verflogen, das Album heißt nun bekanntlich „Audio Anabolika„. Und das umreißt es auch am treffendsten.

Denn das neue Lebensmotto lautet: Vom Alk zum Hulk. Die Leere, die durch die Überwindung der Alkoholsucht entstand, wurde durch die Glückshormone kompensiert, die ein Mensch tankt, wenn er seinen Körper trainiert. In der Vergangenheit versuchte Silla sich in seinen Texten durch Selbstreflexion von seinem selbstzerstörerischen Lebensstil freizumachen, bei „Audio Anabolika“ hat man nun das Gefühl, der Berliner habe diese Phase seines Lebens endgültig abschließen können. Da Silla sich bekanntlich nach dem Album von seinem alten Label Maskulin trennen will, steht „Audio Anabolika“ gleich in doppelter Hinsicht für Neuanfang. Zum einen textlich, zum anderen geschäftlich.

Auf „Audio Anabolika“ ist viel Aufbruchsstimmung herauszuhören. Gerade die ersten Songs drücken alle eifrig nach vorne. Pathetische Beats, die den Inhalt passend untermalen, weisen den Weg hinaus aus dem Sumpf, aus Problemen und Selbstmitleid. Am eigenen Schopf gepackt und raus aus dem Dreck. Natürlich spielt der Sport dabei eine große Rolle. Auf Fitnessrap lässt sich „Audio Anabolika“ aber nicht reduzieren. Silla hat weiterhin eine Neigung zur Selbstreflexion, wenn auch weit weniger weinerlich als auf dem Vorgänger. Einen gewissen Hang zur Melancholie kann der Berliner allerdings dennoch nicht ablegen. Und Storytelling findet auch seinen Platz auf dem Album.

Aber ja, „Audio Anabolika“ lädt größtenteils dazu ein, sich vor dem Pumpen die Kopfhörer aufzusetzen, die Platte auf Repeat zu stellen und Gewichte zu stemmen. Gerade der Titeltrack kann hier als hervorragender Beleg dieser These dienen. Anabolika in musikalischer Form eben. Ohne (körperliche) Nebenwirkungen. Dass Silla auch Humor zeigt, ist dabei neu: „Cheatday“ beschreibt einen Tag, an dem alles erlaubt ist, was der eigene Diätplan sonst strikt verbietet.

Auf personeller Ebene überrascht das Album eher weniger, wenn man mal vom Flo Mega-Feature auf dem Song absieht. Bei Tracks wie „Killaware“ und „Reflektion“ vereinigt der Tempelhofer mal wieder die Schnelles Geld-Crew, bestehend aus MoTrip und Joka. Natürlich darf das obligatorische Feature mit dem Noch-Labelboss Fler nicht fehlen, auch G-Hot ist auf dem Album dabei. Gemessen am eigentlich sehr kraftvollen Soundbild, geschaffen von Produzenten wie u.a. Abaz oder Phat Crispy, wirkt der Track mit RAF CamoraStoß es ab“ fast wie ein Fremdkörper im musikalischen Gesamtbild. Trotzdem: Reggae steht Silla gar nicht mal so schlecht. Muss man halt mögen.

Alles in allem weiß „Audio Anabolika“ durchaus zu überzeugen. Silla lässt die Dämonen der Vergangenheit auf dem neuen Album in mehrerlei Hinsicht hinter sich. Es scheint, als wisse er ziemlich genau, wohin die Reise gehen soll. Ein reiferer Silla, der an seinen Stärken-und Schwächen konsequent gearbeitet hat. Silla 3.0 sozusagen. Neben „Sillainstinkt“ eines der besten Alben des Südberliners bisher. Beim nächsten Mal aber bitte die Deadline einhalten.

VÖ Datum: 2014-11-21
Verkaufsrang: 24
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