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Stieber Twins

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Seit Ewigkeiten schon sind Mar und Chris fester Bestandteil der Szene, und im Gegensatz zu vielen anderen Mitbegründern des deutschen HipHops sind sie nie von der Bildfläche verschwunden. Sicher gab es mehr oder weniger produktive Phasen, aber so solide und unprätentiös die Brüder in ihrem Auftreten sind, so solide und unprätentiös ist auch ihre Präsenz in der HipHop-Community. Die Aktivitäten der Zwillinge sind breit gefächert, und es gibt kaum einen deutschen HipHop-Act, mit dem die Stiebers noch nicht zusammengearbeitet haben, was auch nur mehr als logisch ist, meint Chris: "Klar, man lernt einige Leute kennen, wenn man schon so lange durch die Städte zieht wie wir das tun, aber es gibt auch MCs, auf die ich noch Bock habe, mit denen ich noch nichts gemacht habe." Die Stiebers haben dabei gelernt, daß die Zusammenarbeit mit anderen zum Teil auch den Platz für eigene Projekte wegnimmt, und so soll nun wieder verstärkt die Arbeit an eigenen Tracks im Vordergrund stehen. Andere featuren, aber auf der eigenen Platte, das ist das Motto. "Man muß auch schauen, wie man seine Schäfchen ins Trockene bringt. Nicht nur finanziell. Wenn Du so eine StieberTwins Platte im Regal stehen hast, dann zeigst Du die ja auch 20 Jahre später mal Deinen Kindern, oder so. Und wenn da die Jungs mit drauf sind, mit denen Du eine gute Zeit hattest, dann ist das schon was. Du speicherst ja Vergangenheit auf so einer Platte." Was ihre Arbeit angeht, so haben die Jungs sich bei ihren Fans allerdings nicht immer nur Props geholt. Die Arbeit für diverse 3p-Sprösslinge wurde ihnen besonders verübelt, und viele Fans zeigten sich enttäuscht über den angeblichen "Verrat". Die Stiebers sehen das aber in einem anderen Licht. Chris: "Ich heiße nicht alles gut, was Moses in seinem Leben gemacht hat und ich bin auch nicht 3p- Fan. Ich schätze aber Moses für das, was er erreicht hat, weil es doch verdammt schwer ist, hier seinen Weg zu gehen Es gibt nämlich einen Haufen Konkurrenz und einen Haufen Leute, die dich anpissen. Es gibt so arschviele Neider, die dich nur dissen wegen der Kohle, sich aber deine Platte gar nicht anhören. Moses hat auf jeden Fall was zu sagen, und er ist ein Workaholic. Außerdem ist es ist nicht so, daß ich jetzt zu ihm hingehe und ihm den Arsch lecke. Wir unterhalten uns, diskutieren ganz normal. Ich eröffne Moses auch nicht den Weg zur Underground Credibility oder sowas. Das ist doch Quatsch. Jeder muß gucken, was er macht und wo er bleibt, und wenn ich mit einer Person klarkomme, dann mach ich mit dem auch was. Ich muß ja nicht mit jedem gleich nach Mallorca fliegen, aber wenn´s passt, warum soll man dann nichts zusammen machen. Und rein von der Person her ist Ferris MC – ein fantastischer Texter und cooler Typ – wahrscheinlich schwieriger als Moses. Punkt." 

So umstritten die Remixe für 3p auch sind, so einig ist man sich doch, was die kürzlich erschienene "Malaria"-Maxi betrifft. Zusammen mit Samy Deluxe und Maximilian haben Chris und Mar ein weiteres Mal bewiesen, daß Heidelberg die Stube rockt. Selbst wenn Max wahrscheinlich nicht so sehr über diesen Virus lachen kann (er hatte sich beim Dreh zu "Tabula Rasa" infiziert), so geht Malaria auf den Decks doch derbe ab… Was für die Twins auf jeden Fall immens wichtig ist, ist Humor im Bezug auf die doch sehr arschige Musikszene und der Mut zu eigenem Style. "Dieser Bierernst, der zum Teil in der Szene herscht, ist schon arg krass. Die Leute brauchen mehr Humor, man darf alles nicht immer Max, Samy Deluxe und die Stiebers beim Dreh zum Malaria-Video so ernst nehmen. Man muß da locker sein, so wie die Hamburger zum Beispiel. Die sehen alles irgendwie spielerisch, machen sich lustig über das alles. Oder auch Texta oder David Pe. Man darf nicht immer alles so ernst nehmen, wir legen ja auch nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Und wenn irgendwelche Leute das dann nicht verstehen, dann tut´s mir leid. Der Geschmack einiger Leute ist zum Teil so wenig eigenständig. Wenn ich hingehe und den Leuten sage, daß dies oder jenes gut ist, dann rennen sie los und kaufen sich das oder hören sich´s an, aber sie verstehen’s nicht. Die Leute müssen sich viel mehr ihre eigene Meinung bilden. Selber sehen, was ihnen gefällt, nicht weil´s irgendwo irgendwann mal jemand gesagt hat. Jeder muß seinen Style finden." Was generell Veränderung in der deutschen Szene angeht, oder die wachsenden Aktivitäten der Majorlabels in bezug auf den plötzlich salonfähig gewordenen HipHop, so haben die Stiebers auch hier ihre klare Position. Seit Jahr und Tag gesignet auf MZEE-Records, scheint es, als wären Chris und Mar über jeden Majordeal erhaben – allerdings lehen sie ihn auch nicht kategorisch ab. "Die Majors arbeiten extrem kurzfristig. Sie geben dir den Vorschuß, dann mußt du aber auch liefern, und wenn die Zahlen nicht stimmen, dann bist du eben nicht lukrativ. Jeder, der einen Majordeal abschließt, muß sich dessen bewußt sein. Man muß abwägen. Wenn du als Fußballer bei Bayern München spielst, dann mußt du damit rechnen daß du eher auf der Ersatzbank sitzt, als wenn Du bei Fortuna oder Schalke spielst.So ist es nun mal. Und ich bin auch von dieser Welt, natürlich steht ein Majorlabel grundsätzlich schon zur Debatte. Wenn Dir so ein Label etwas bietet, dann machst du Dir als Mensch natürlich Gedanken. Aber man muß immer wissen was man kann und was man will, sonst wird man nur unglücklich." Auch wenn die Ansichten von Chris und Mar gefestigt, ihr Weg durchdacht und wohlüberlegt scheint, so gibt es also doch immer wieder Punkte, an denen sich Zweifel melden. Der Gewissenstest vor dem eigenen Spiegelbild scheint nimandem erspart zu bleiben, auch wenn dies in der Musikbranche wahrscheinlich mehr Stärke bedarf als anderswo. Mit Sicherheit kann man also annehmen, daß die Stieber Twins der Szene noch für lange Zeit erhalten bleiben, und die "Malaria" Maxi wieder eine ganze Reihe Leute mit dem Stieber-Fieber infizieren wird. Wort drauf.

AIDS

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Was ist eigentlich AIDS? Wir alle haben in dem Zusammenhang wohl einige Erklärungsmodelle im Kopf, könnten Antworten auf diese Frage liefern. Der eine hat fachlich recht anspruchsvolle, der andere eher diffuse Ideen und Pauschalantworten zu bieten. AIDS bedeutet jedenfalls im medizinischen Sinne: Aquired Immuno Deficiency Syndrom, was im Endeffekt wiederum nichts anderes heißt als: Angeeignetes Immun-Defekt–Syndrom. Was aber steckt nun hinter dieser – für den Laien doch eher abstrakten – Abkürzung? Das Krankheitsbild, das mit AIDS bezeichnet wird, ist eigentlich nur das Endstadium der Erkrankung aufgrund einer Infektion mit dem HI-Virus. HIV ist eine Abkürzung, die mittlerweile einheitlich Verwendung findet. Sie steht für: Human Immuno Deficiency Virus. Das HIV ist deshalb so gefährlich, weil es sich als Wirtszellen ausgerechnet die für das Immunsystem besonders wichtigen weißen Blutkörperchen aussucht und diese funktionsuntüchtig macht. Die Folge kann auf lange Sicht der gesamte Zusammenbruch des Abwehrsystems und das Ausgeliefert–Sein gegenüber jederlei Infektion (die bei einem stabilen Immunsystem leicht abgewehrt werden könnte) sein. Im Endstadium von AIDS sind deshalb Lungenentzündungen, Pilzerkrankungen und der gefürchtete Hautkrebs Kaposi-Sarkom die Krankheiten, die gegen ein nun völlig wehrloses Immunsystem die Oberhand gewinnen und somit zum Tode führen können. Allerdings muss nicht jede Infektion einen derart dramatischen Verlauf einnehmen. Viele Infektionen sind jahrelang unauffällig und entwickeln keine Symptome von schwindenden Abwehrkräften. Andere Verläufe werden nach ein bis zwei Jahren, im Mittel nach etwa sechs Jahren negativ und gehen in das sogenannte Vollbild AIDS über. Dann tritt ein Gewichtsverlust ein und es bilden sich andere dauerhafte Symptome wie Nachtschweiß, Durchfall und die opportunistischen Infektionen aus. Auch in diesem Stadium kann es relativ lange Phasen geben, in denen sich das klinische Bild nicht verschlechtert. In vielen Fällen ist dann sogar noch eine völlig selbstständige Lebensführung möglich. Das HI-Virus ist in allen Körperflüssigkeiten vorhanden. Die höchste Konzentration weisen Blut und Sperma auf, mit geringem Abstand gefolgt vom Vaginal-Sekret. Deutlich geringer ist die Konzentration in der Muttermilch. Eine Infektion durch Urin, Tränen oder Speichelflüssigkeit konnte bisher nicht nachgewiesen werden, da scheinbar eine HIV 1 Virus weitaus größere Menge Virus-Material vonnöten ist, um eine Infektion herbeizuführen. Der Austausch von Blut ist eines der größten Risiken. Soweit Blutaustausch aus medizinischen Gründen geschieht (Blutspenden), sind seit 1985 in Westeuropa die Risiken fast völlig ausgeschlossen, weil die Blutkonserven auf HIV-Antikörper getestet und die Blutprodukte unter starker Erhitzung hergestellt werden. Hauptinfektionsweg ist jedoch – und das ist ja allseits bekannt – die Sexualität; hierbei vorrangig der ungeschützte Anal-, Vaginal- oder Oralverkehr. Das zeigt, das nicht nur homo- und bisexuelles Sexualverhalten AIDS-gefährdend sind, sondern durchaus auch Heterosexualität Risiken zur Infektion birgt. Männer weisen weltweit jedoch die größte Anzahl an HIV-Infizierten auf. In bestimmten Lebenssituationen kümmern sich Männer eher weniger um ihre sexuelle Gesundheit als Frauen. Beispielsweise lehnen Männer es oft als „unmännlich“ ab, sich um die mit Drogenkonsum verbundenen Risiken Gedanken zu machen oder Kondome zu benutzen. Ein derartiges Verhalten gefährdet dann natürlich wiederum die Frauen, was dazu führt, dass auch hier die Infektionsrate weiter zunimmt. Eigentlich wäre es nach einer simplen Faustregel gar nicht schwierig, sich optimal zu schützen: Man schütze sich vor Eindringen fremden Blutes in den eigenen Organismus, außerdem greife man bei riskantem Sexualverhalten stets und technisch einwandfrei auf ein Kondom zurück. Schwierig wird es jedoch, wenn nur ein Partner sich schützen will und hinter dem Wunsch des anderen, Kondome zu nutzen, Untreue vermutet

Manche Männer haben wohl auch Angst vor einem "Männlichkeitsverlust" nach einer jahrzehntelangen entspannten Freiheit durch die empfängnisverhütenden Pillen. Seine Männlichkeit jetzt wieder in Latex zu hüllen, scheint eben nicht jeder“manns“ Sache. Nach der Revolution der Anti-Baby-Pille gab es kaum mehr eine Aufklärungskultur, geschweige denn eine Kultur der Sexualität, die in der Lage wäre, das Präservativ lustvoll in ihr Liebesspiel zu integrieren.  Außer der überaus langweiligen und unansprechenden „Mach´s mit“ –Kampagne, die seit Jahren den gleichen Werbegag präsentiert, scheint nicht viel in Sachen Aufklärung zu passieren. Denn obwohl versucht wird, den Wissensstand der gesamten Bevölkerung zu erweitern, scheint davon nicht allzu viel bei dieser anzukommen. Die überregional eingesetzten Faltblätter werden oft kaum beachtet, öffentliche Diskussionen werden wahrgenommen – jedoch nicht verinnerlicht, Anzeigen scheinbar übersehen. Die Thematik AIDS ist eben auch mit Angst und Verdrängung verbunden. Es herrscht das allgemeine, altbewährte Verdrängungssymptom: „Mir wird schon nichts passieren! Ich jedenfalls kenne niemanden, der AIDS hat.“ Aber auf dieses Phänomen sind vor ein paar Jahren ja schon TicTacToe genauer eingegangen: „Noch nie gehört von EEHDS?“ Das wichtigste Instrument der Aidsbekämpfung sind derzeit wohl die AIDS-Hilfen: Gruppen von engagierten Menschen aus verschiedensten Berufszweigen, die sich zusammengefunden haben, um Informationen zu sammeln und weiter zu tragen. Materialien und Aktionen werden entwickelt und Betroffenen Hilfestellung geleistet. Klar ist jedoch nach wie vor: Solange es keine Impfmöglichkeit gegen HIV gibt und keine wirksamen Medikamente gegen die Vermehrung von AIDS-Viren entwickelt worden sind, ist die Prävention keine medizinische Aufgabe. Helfen kann da also nur Lernen aus eigenem Antrieb, das durch öffentliche Kampagnen, vor allem aber durch eigenständige Prävention auf den unterschiedlichsten Ebenen gefördert werden kann. Zwar hat sich die Lebenserwartung und -qualität durch die seit ca.1996 fortschreitende Entwicklung neuer Medikamente erhöht, eine Heilung ist jedoch nach wie vor ausgeschlossen. Der erste AIDS-Fall der BRD wurde im Jahre 1981 bekannt. Insgesamt leben derzeit etwa 37.000 HIV-infizierte Menschen in Deutschland, davon 29.000 Männer und 8.000 Frauen. Unter den Neuinfektionen bilden zwar noch immer homo- bzw. bisexuelle Männer den größten Anteil (50%), aber auch der Anteil der über heterosexuelle Kontakte Infizierten (17%) hat in Deutschland in den letzten Jahren zugenommen. Die Zahl der durch Drogenkonsum Infizierten ist jedoch relativ stabil geblieben (12%). Die Zahl der infizierten Kinder konnte inzwischen auf wenige Einzelfälle reduziert werden. Noch dramatischer ist die AIDS-Problematik in Ländern der sogenannten 3. Welt. Hierbei sind vor allem Afrika (besonders die Regionen südlich der Sahara), die Karibik und Südostasien betroffen. Aber auch Russland kämpft derzeit mit einer Welle neuer AIDS-Infektionen. Eine Entwicklung, die auf eine explosionsartige Ausbreitung des (intravenösen) Drogenkonsums, vor allem unter Jugendlichen, zurückzuführen ist. Was bleibt uns also noch übrig, nach Jahrzehnten der wohl größtenteils an uns vorbeigerauschten Aufklärungsversuche? Es müsste eigentlich jeder zumindest soviel mitbekommen haben, dass er weiß wie man sich (nicht) ansteckt, welches die Risikofaktoren sind, und wie man die Risiken möglichst meidet. Solidaritätsaktionen wie die „Red-Ribbon“-Initiative können zwar schon manchmal etwas nerven, im Endeffekt scheint es jedoch nach wie vor nötig zu sein, die Menschheit immer wieder mit der Nase auf den bestehenden Sachverhalt zu stoßen. Checkt die Red Ribbon Beatz jedenfalls mal aus: Vom Erlös gehen nämlich mindestens 8DM (!) an die sechs großen AIDS-Hilfen in Berlin. Das Einzige, was zählt, und dessen sich jeder klar sein sollte, ist ihr wisst es schon: „Gib AIDS keine Chance“. Oder, O-Ton Red Ribbon Beats Sampler: „Sex ist wie Freestyle! In Echtzeit und ohne Regeln. Just respect your partner.” Also macht euch locker. Übrigens: AIDS Tests sind bei den Gesundheitsämtern kostenfrei..

Aphrodelics

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Die Aphrodelics, deren Gassenhauer "Rollin´ on Chrome" europaweit ein Erfolg war und sicher dem einen oder der anderen noch im Ohr klingt, haben mit einem neuen Album namens "Enormis" nachgelegt. Die ursprünglich aus Wien stammende Gruppe hat mittlerweile Homebases auf der ganzen Welt. Ihr erklärtes Ziel ist es, international zu sein – überall gehört zu werden. Die Beats der Aphrodelics haben einen deutlichen Schlag ins elektronische, werden sie doch u.a. von niemand geringerem als Peter Kruder produziert. Während der Popkomm hatte rap.de die Gelegenheit, mehr zu erfahren. Die Sonne knallt von Kölns Himmel auf alle Köpfe, die doof genug sind, sich ihr jetzt voll auszusetzen. Vor dem Hyatt lungern dicke Mädchen, um im richtigen Moment im Pulk auf Fernseh-Fressen zuzustürzen. Fotos werden gemacht, es wird geschoben und gedrückt, auch wenn man nur zu fünfzehnt ist und weil man fünfzehn ist – Hauptsache, is´ cool! "Kumma is´ des nich dä…". Die Sonne setzt allen zu. Die Aphrodelics schlendern gechillt zum Rhein, und ein paar verwegene Fotosafarimädchen hocken sich tuschelnd daneben. Zwischen Hyatt und Rhein hat BMG eine VIP Lounge aufbauen lassen, die Leute zum Leute-reingehen-gucken zieht. Dann kann´s ja losgehen. Zwei Interviewer bekommen zuvor noch Antwort auf ihre Fragen, bevor meine Nägel vom Brennen befreit werden.
rap.de: Was bedeutet der Titel?
Shegun: Wir wollten einmal ein Wort finden, das "außergewöhnlich" heißt. Von der Norm abweichend – das heißt es ja: Enormis! Deswegen passt das auch sehr gut zum Album, weil es voll anders ist. Es gefällt nicht jedem. Ich glaube, die, die genau hinhören und es verstehen, denen wird es gefallen.
rap.de: Wie war die Resonanz auf die Platte, auch der HipHop-Puristen?
Shegun: Die Resonanzen waren bis jetzt positiv. Old School Beats sind auch nicht anders gemacht, auch elektronisch – z.B. Afrika Bambaataa. Das hat alles früher mit Elektronik angefangen, für die, die es nicht wissen. Nicht elektronisch, wie es heute gemacht wird, aber es war schon ein funky Sound. Ich denke, man kann nicht sagen, dass es für einen HipHop-Head zu schlimm ist. Leute, die irgendwie auch gern verschiedene Sachen hören, nicht nur eine Richtung von HipHop, nicht nur New York Rap oder so, die verstehen uns aus jeden Fall. Es geht darum, dass du mehr Richtungen im HipHop hörst, nicht nur Premier, DMX, Biggi. Auch die, die z.B. aus dem Süden der USA kommen. Oder halt Leute von der Westcoast, Snoop zum Beispiel, der hat auch einen eigenen Sound, das gefällt nicht jedem – mir gefällt´s!
rap.de: Wie lautet eure Definition von HipHop?
Shadee: HipHop ist die Form für uns. In dieser Form können wir uns selber entwickeln – in der gesamten Matrix. Der scheiß Kodex, der da die ganze Zeit herrscht, der ist voll für´n Arsch, weil das das ganze HipHop Ding stoppt, verstehst du? Darum gibt es auch 100 Gruppen, die gleich klingen. Weil alle glauben, wenn du jetzt keinen Breaker und keinen Maler drin hast, bist du voll nicht cool, und wenn auf´m Splash die Breaker-Bühne nicht genau so groß ist, wie die von den Artists, ist´s auch nicht cool. Das sind lauter so Images. HipHop ist ein Riesending. Es gibt Leute, die machen Möbel, es gibt Leute, die malen Bilder oder Kleidung, Schuhe. Einer ist vielleicht nur ein HipHop-Frisör und macht nur Frisuren. Du kannst dir halt deine Nische aussuchen. Wir haben unsere gefunden, wir machen eben Beats. HipHop ist eine Riesenwelt, eine Kultur, und in der Kultur kannst du dich frei bewegen. Da gibt es keinen Kodex oder irgendwas, also es gibt schon gewisse Regeln: Man darf nicht wack irgendeine Scheiße machen, aber in seiner künstlerischen Freiheit ist man nicht eingeschränkt. That´s HipHop for me. "Do your thing the way you feel it and the way you want to express yourself". Es ist auch irgendwie das Coolsein und das: "Jetzt ist Hardcore HipHop angesagt!" Jetzt darf man keine Partys mehr machen oder in den Club gehen oder so was. Das finde ich auch irgendwie komisch, weil wir doch eigentlich alle erwachsene Menschen sind und auch unseren Spaß haben wollen. Wir wollen nicht nur für HipHop leben. HipHop lives for us! Nicht umgekehrt. Das ist der springende Punkt.
rap.de: Ihr scheint gelöst von Orten zu sein, ihr wohnt nicht nur in Wien, auch in N.Y. und Köln? 
Shadee: Wir repräsentieren Wien natürlich, weil wir Wiener sind. Wir sind auch stolz drauf. Aber das muss ich nicht die ganze Zeit erwähnen – T-Shirts tragen, wo das draufsteht. Für uns ist eben wichtig, dass wir in Mailand genauso gespielt werden wie in Paris oder wie in Holland. Das ist echt der Punkt. Wenn dann Leute in Holland zu dir kommen oder dir eine Mail schreiben, auf deiner Internetseite (www.aphrodelics.com), und sagen: "I´m peepin‘ your sound!" Das ist echt ein fettes Ding, ´s gefallt ma! Das finden wir cool, und d´rum schauen wir, dass wir über die Grenzen hinaus schießen, und darum auch das Englische: International, you know! Try to stay international!

Cage

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Cage ist berüchtigt. Viele kennen ihn nur als denjenigen, der niemals aufhören wird Eminem zu dissen, weil dieser ihm, seiner Aussage nach, den Style geklaut hat. Cage ist aber nicht über den Superstar-Counterpart definiert und hat auf mehreren Solo-Joints, wie Kollabos Charakter gezeigt. Alexander Alberti hat Cages Untiefen ausgelotet. Eminem rennt mit meinem Verrückten- Weissen- Jungen- Fuck-You-Mama-Style von `94 rum. Nicht, dass ich ihn unbedingt kreiert hätte, aber er hat ihn von mir gebitet". Cage hat sich weiter entwickelt und ist nun so etwas wie die Eminem Version für Erwachsene geworden, den weder Radio noch MTV jemals spielen würden, zensiert oder auch nicht. Mittlerweile hat er es auf 5 Singles und unzählige Features gebracht. Sein bekanntester Track ist wohl „Agent Orange", für das er sich von Stanley Kubricks „Clockwork Orange" inspirieren ließ und den Hauptcharakter des Films „Alex" zu seinem aggressiven Alter Ego „Alexxx" umgestaltete. Soviel zur Gewalt. Dass es sich auch um Sex dreht, ist nur die logische Folge und so gründete Cage zusammen mit Mr. Eon und Mighty Mi (The High and The Mighty) die Smut Peddlers, deren „Porn Again"-EP in den nächsten Wochen auf Eastern Conference/Rawkus erscheinen wird. „Ich mag es, über Dinge zu reden, über die viele noch nicht einmal gerne nachdenken würden", beschreibt sich der in Würzburg geborene Cage selbst. Dass man mit dieser Mentalität aufsehen erregt, ist ihm auch klar: „Telefonterror von irgendwelchen Typen, die mich verarschen wollen, gehört bei mir zum Alltag. Auf der anderen Seite lassen aber auch viele Girls die übelsten Sachen mit sich anstellen, was ich als Pluspunkt sehe." Wer auf eine Smut Peddlers-LP gehofft hat, um über möglichst viele von Cage‘s Sex Praktiken zu hören, muss sich nun mit einer EP begnügen. „Ich weiss selber nicht, wieso es jetzt eine EP geworden ist. Wir haben eigentlich genug Joints für ein ganzes Album. Wir haben uns halt zu einer EP entschlossen, bevor wir (Mr. Eon und Mighty Mi) diese ganzen anderen heftigen Tracks zusammen gemacht haben. Es wird aber auf jeden Fall eine sehr lange EP." Solo befindet sich Cage auf der Suche nach einem geeigneten Label für seine geplante LP. „Ich werde wahrscheinlich nichts mehr unter Fondle Em rausbringen. Ich denke, es war ein gutes Sprungbrett, aber ich halte jetzt nach etwas Besseren Ausschau." In der Zwischenzeit erstellt Cage Anti-Versionen von „Slim Shady" („Bitch Lady") oder auch „Still Cage" („Since bitin is legal, I stole Cage Day from Dr Dre Nigguh"). Ein humoristisches Highlight. „Ich weiss gar nicht, wie ich auf die Ideen für solche Sachen komme, um dir die Wahrheit zu sagen. Das sind einfach Bullshit- Skits oder was auch immer." Worum sich sein Solo Album dreht, verrät er allerdings nicht. „Ich kann es dir nicht sagen. Würde ich es tun, würde ich den Selbstmord zum Schluss ruinieren." Ob Cage nur versucht, ein Image aufrecht zu erhalten oder ob er wirklich so ist, wie es seine Texte nahelegen, ist schwer zu sagen. 80% sind ihm selbst zufolge wahr. Und was die anderen 20 % angeht: Wer würde sich schon gerne Zahnstocher für Selbstporträts bis zum Bluten in den Mund stecken? Andererseits investiert er auch jede Menge in die Indie-Szene, formte die Weathermen Crew, nimmt sorgfältig Tapes in Eigenregie auf und pflegt viele Kontakte zu seinen Fans. „Mein Scheiss ist nicht wirklich Horrorcore. Ich empfinde viel mehr das Leben als den wirklichen Horror." Jemand mit einer solchen Mentalität, antwortet auf die Frage wo er sich selbst in zehn Jahren sieht, natürlich mit einer Antwort wie: „Du meinst wenn ich dann noch lebe? Wahrscheinlich werde ich eine erfolgreiche Firma in den Konkurs treiben. Es wird alles den Bach runter gehen und ich werde obdachlos auf der Strasse enden." Noch ist es jedoch nicht soweit, und erstmal plant Cage die Veröffentlichung seiner neuen 3 Track- Single, die wahrscheinlich über Eastern Conference/Rawkus Records vertrieben werden soll. Es wird mit Sicherheit Psycho-Material sein, das Cage da wieder an den Start bringt. Wenn man sich auf diese Gedanken einlässt, erwartet man keine gute Antwort auf Fragen wie z.B. solche: Was er als Präsident der Vereinigten Staaten anstellen würde. Cage gelassen: „Ich würde einfach den selben Scheiss machen wie Clinton. Nur schlankere Bitches und ich würde mich nicht entschuldigen".

Spearhead

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Six foot six above sea level… singt Michael Franti in seiner rauen, aber warmen Stimme ins Telefon. Und damit zitiert er nicht nur einen Zeile aus seinem neuen Album, sondern beschreibt auch seine nicht zu knapp bemessenen körperlichen Ausmaße. Damit allein lassen sich schon so manche Leute beeindrucken, doch Franti und seine Band Spearhead haben noch einiges mehr zu bieten. Michael Franti ist bereits seit den späten Achtzigern im Musikbusiness. Angefangen hat er als Bassist bei den Beatnigs, dann gründete er Anfang der neunziger Jahre die Band "Disposible Heroes of Hiphoprisy". Durch ihre sehr aggressiven, sozialpolitischen Texte erreichte die Band große Aufmerksamkeit. 1994 rief Franti dann Spearhead ins Leben, die mit "Home" im selben Jahr ihr Debütalbum rausbrachten. Textlich blieben die Ansprüche von Michael Franti auf sehr hohem Niveau. Er tourt bis heute auch als Slam Poetry-Künstler durch die Lande. Das musikalische Spektrum erweiterte sich bei Spearhead gewaltig. Sowohl bei "Home", wie auch bei den Nachfolgealbum "Chocolate Supa Highway" und der brandneuen LP "Stay Human" reicht die Palette von Soul, Funk und Reggae Vibes bis hin zu groovenden und auch mal harten HipHop-Beats. Im Interview mit Michael Franti, dem charismatischen Frontmann von Spearhead, konnten wir einiges über die Entwicklung der neuen Platte "Stay Human" und seine persönlichen Erfahrungen in der Musiklandschaft erfahren.
rap.de: Michael, ich komme gerade aus San Francisco, deiner Heimatstadt. Wie ist es möglich, dass ich da drüben nichts von der neuen Platte mitbekommen habe? Macht ihr etwa keine Promotion in den USA?
MF: Das liegt wahrscheinlich daran, dass die LP noch nicht draußen war. Wir fangen gerade erst an, sie zu promoten, und das tun wir hier in Europa. Es gibt also noch viele Leute, die noch nichts von dem neuen Album wissen. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern.
rap.de: "Stay Human" ist bereits das dritte Album von Spearhead. Warum nennt ihr euch jetzt Michael Franti und Spearhead? Willst du dich auch als Solo-Künstler herausstellen?
MF: Es ist einfach so, dass ich bei dieser Platte alles selber gemacht habe. Vom Produzieren, Abmischen, Songs schreiben usw. Einige Bandmitglieder haben zwar auch im Studio miteingespielt, waren aber dafür nicht mit auf unserer US-Tour, dafür waren andere Musiker mit auf Tour, haben aber nicht mit aufgenommen. Das ist der eine Grund. Außerdem habe ich in den letzten Monaten einige Spoken-Word-Auftritte gemacht. Auf der Bühne gab es dann nur mich mit meiner Gitarre, weshalb es sicherlich einige Leute gibt, die mich nur von daher, als Solokünstler kennen und nicht mit Band. Das waren die Gründe für die Erweiterung des Namens.
rap.de: Hast du auch in Deutschland mal die Spoken-Word-Szene erkundet?
MF: Ja, ich war auf einigen Spoken-Word-Veranstaltungen in Deutschland, und die ganze Szene kann ich nur mit einem Wort beschreiben: intellektuell. Da fehlt mir so ein bisschen die Lockerheit.
rap.de: Kommen wir auf euer neues Album "Stay Human" zu sprechen. Beschreibe uns doch bitte die Art und Weise der Produktion. Ich habe gelesen, dass es eine sehr emotionale Zeit gewesen sein soll. Was genau heißt das?
MF: Als ich Capitol Records verlassen habe, kostete es mich eine lange Zeit, aus dem Vertrag rauszukommen. Ich musste einige rechtliche Schritte einleiten, und es war wirklich sehr anstrengend. Das war eine Sache. Während dieser Zeit habe ich auch noch ein weiteres Kind, einen Sohn, bekommen, was einem natürlich viel abverlangt, außerdem hatte mein Vater einen Schlaganfall, nach dem er beinahe gestorben wäre. Es war also eine schwierige Zeit in meinem Leben. In mir kam dann plötzlich der Gedanke hoch "Was würde ich der Welt sagen wollen, wenn das die einzige Platte wäre, die ich in meinem Leben machen könnte?". Also nahm ich mir einige Zeit darüber nachzudenken, was ich der Welt mitteilen möchte. Auf dem neuen Album drücken sich genau diese Gedanken aus. Die Idee besteht darin, zu versuchen, in einer Zeit wie der heutigen menschlich zu bleiben (to stay human), und das ist sehr schwierig. Genau so wichtig waren mir Themen wie: die Todesstrafe, Rassismus, Marihuana als Medizin oder der heutige Globalismus. Über all diese Punkte spreche und singe ich auf der neuen Scheibe "Stay Human".

rap.de: Das Album basiert auf einer fiktiven Radiosendung, in deren Mittelpunkt die Hinrichtung von "Sister Fatima" steht. Was hat es damit auf sich?
MF: "Sister Fatima" ist ein Charakter, den ich für das Album erfunden habe. Ihr Charakter ist symbolisch für viele andere Menschen auf dieser Welt, die tatsächlich existieren. Sie ist ein ehemaliges Black Panther-Mitglied und eine Heilerin, die u.a. Marihuana als Medizin verwendet. Sie wurde ohne rechtmäßige Beweise wegen Mordes angeklagt und erhielt die Todesstrafe. Der Gouverneur des betreffenden Bundesstaates benutzt sie bzw. ihren Tod, um die Wahl zu gewinnen. Er suchte halt einen Sündenbock und fand ihn in Sister Fatima. Der Gouverneur wird von den Schauspieler Woody Harrelson gesprochen, ein guter Freund von mir, den ich vom "Medical-Marihuana-Movement" her kenne.
rap.de: Als Medium nutzt du das Radio. Ist das immer noch ein wichtiges Medium für dich?
MF: Ich benutze das Radio als eine Piratenstation. Wir sagen heute oft: "Mann, ich hasse die Medien!", aber Fakt ist, wir sollten eins werden mit den Medien. Internet, Radio, Zeitungen, Magazine, Platten etc., durch diese Medien haben wir die Möglichkeit, mehr als in der Vergangenheit, unsere Stimme zu erheben und den Leuten da draußen etwas mitzuteilen. Die Chance dürfen wir uns nicht nehmen lassen. 
rap.de: Kann man auf dem neuen Album auch eine musikalische Veränderung von Spearhead hören?
MF: Ich denke, wir haben es geschafft, viele Emotionen auf dem Album zu präsentieren. Du findest Lieder, die Freude oder Leid ausstrahlen, Liebe und Hass, Neid u.a.. Auf jeden Fall tauchen diese Emotionen alle im Zusammenhang mit der Todesstrafe auf. Bei dem Thema Todesstrafe sind schon automatisch eine ganze Reihe Emotionen involviert. Das ist ein sehr persönliches Thema. Mit der Musik wollte ich das alles reflektieren, der Welt meine Gefühle und meine musikalischen Erfahrungen mitteilen. Wie es vor Jahren Stevie Wonder, Marvin Gaye, Sly Stone oder Bob Marley getan haben.
rap.de: Was hältst du eigentlich von der heutige Musikszene, ganz besonders natürlich von der HipHop- und R’n’B-Szene? MF: Ich denke, dass für die meisten der Hauptgrund Geld ist, erst Geld verdienen und sich dann zur Ruhe setzen. Ich wollte Musik machen, weil es meine Leidenschaft ist – ich wollte Wahrheit in die Musik packen, auch wenn ich nicht eine Millionen Platten verkaufe. Unter diesen Bedingungen ist es wesentlich schwieriger, im Business zu überleben, als einfach nur die Mainstreamschiene zu fahren. Ich mache Musik in diesem Sinne seit 1987, und es hat bis heute funktioniert.
rap.de: Wer oder was hat dich in musikalischer Hinsicht beeinflusst?
MF: Es ist so, dass ich manchmal die Musik, aber nicht das Drumherum mag. Heute müssen in jedem Video irgendwelche halbnackten Frauen mit dem Arsch wackeln, teure Autos rumfahren usw.. Es gab eine Zeit in der Musik, als man sich einig war, dass das System "fucked up" war, und man sich noch untereinander respektiert hat und miteinander umgegangen ist anstatt gegeneinander. Heute ist es doch so: Your ego against my ego! Das finde ich sehr enttäuschend. Es gibt natürlich auch heute noch einige gute Künstler, die Consciousness und Spirit in ihre Musik mit einfließen lassen.
rap.de: Du hast das Geld im Musikbusiness angesprochen. Was denkst du über die europäische HipHop-Szene, verglichen mit den USA?
MF: Am Anfang wurde nur kopiert, aber heutzutage haben sie ihren eigenen Stil gefunden. Sie reden über ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Geld hat aber auch hier einen großen Einfluss. Ich will nicht sagen, dass jeder Künstler die Pflicht hat, über Politik oder das Weltgeschehen zu sprechen. Aber meiner Meinung nach gibt es die Verantwortung, gute Kunst zu machen. Und gute Kunst kann man nur machen, wenn man eine gewisse Ehrlichkeit und Individualität an den Tag legt.
rap.de: Du sprichst sehr viel über Spirit und Geist, bist du ein sehr religiöser Mensch?
MF: Religion basiert für mich in erster Linie auf meinem eigenen Bewusstsein und der bewussten Wahrnehmung meiner Umwelt. Religion ist immer das, was das Wichtigste für dich ist. Das ist deine Religion. Die Familie, Kinder, Freunde, Musik, das sind Sachen die mir wichtig sind, daraus schöpfe ich meine Kraft. Für die meisten ist leider Geld das Wichtigste. Ich praktiziere keine spezielle Religion, ich lese viel, bete, höre sehr viel Musik, daraus versuche ich Weisheit zu schöpfen.
rap.de: Was würdest du als das Beste auffassen, was dir in der Zeit, in der du Musik gemacht hast, bisher passiert ist?
MF: Das kann ich dir leicht beantworten: Reisen! Andere Kulturen und Menschen kennenlernen, neue Erfahrungen sammeln. Ich verbringe meine Zeit nicht bloß im Tourbus oder im Hotel, ich versuche, so viel zu sehen wie möglich und mich auch mit so vielen Menschen zu unterhalten wie möglich. Wer noch mehr über Micheal Franti und Spearhead erfahren will, und es lohnt sich bestimmt, der sollte mal ihre Homepage www.spearheadvibrations.com auschecken.

The Pharcyde

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Wenn man an die fluffig freundliche Musik der Pharcydes denkt, hat man automatisch das entsprechende Bild von guten Vibes ausstrahlenden Menschen aus dem Sonnenstaat Kalifornien vor Augen, die das Leben locker nehmen und mit einem „It is like it is“ über das Negative hinwegsehen können: -über ernsthaften Stress mit Freunden -Fatlip und Slimkid haben die Gruppe vor kurzem wegen persönlicher Differenzen verlassen -Streit mit dem Arbeitgeber -ihr Label Delicious Vinyl unterstützte sie weder so, wie sie es gern gehabt hätten, noch ließe man ihnen die nötigen Freiheiten -oder dem kapitalistischen und rassistisches System, in dem sie leben und vor dem sie ganz offensichtlich nicht die Augen verschliessen können. Dass Four Music zumindest in Deutschland die Betreuung für ihre Musik übernommen hat, freut die Übriggebliebenen, auch wenn man ihnen anmerkt, dass sie mehr Wert auf ein bisschen Respekt in Amerika gelegt hätten. Bitterkeit und Zynismus rules, wenn sie über amerikanische Geschäftspraktiken reden. Viel ihrer Energie scheint entweder verloren oder in die Produktion der Platte gewandert zu sein. Auf der Battle of the Year, Expo 2000, waren sie überwältigt von der jungen und aufstrebenden Saian Supa Crew aus Paris. Waren sie nicht auch einmal so? Enthusiastisch nutzten sie die Bühne, Tanz und Gesang waren wichtig, Ausstrahlung, Performance. Vielleicht kommen die Zeiten wieder, doch im Augenblick wirken sie sichtlich ausgelaugt und so sitzen mir zwei übernächtigt aussehende, aber aufmerksame Imani und Booty Brown gegenüber, wandern mal ziellos im Raum herum oder schauen aus dem Fenster. Sie scheinen sich noch über ganz andere Dinge Gedanken zu machen als über ein Interview für eine deutsche HipHop Website.
Plain Rap – Warum dieser Titel?
Imani: Wir haben keine Lust mehr, uns bestimmte Bezeichnungen aufkleben zu lassen. „Plain Rap“ ist der gemeinsame Kern von allem. Darauf lässt es sich reduzieren, darauf können sich viele einigen. Darum geht es: Plain Rap.
Glaubt ihr denn an einen universellen HipHop- Gedanken?
Imani: Jeder ist unterschiedlich. Es ist schön, wenn Du zusammenkommst, aber unter einem Deckmantel sollte das nicht geschehen. Außerdem entwickelt sich Hip Hop auch immer wieder in ganz unterschiedliche Richtungen, spricht unterschiedliche Leute unterschiedlich an, bildet neue Unterkulturen. Viele Leute glauben, dass das, was zur Zeit im HipHop passiert, nämlich Kommerzialisierung, Machismo, etc., schlecht ist. Aber HipHop gibt es seit so langer Zeit, er verändert sich stetig und wird sich immer weiterentwickeln. Wie könnte da eine von vielen Entwicklungen auf einmal schlecht sein? Genausowenig, wie man solche Entwicklungen aufhalten kann, kann man Leuten vorwerfen, sie zu forcieren.
Glaubt ihr, dass man mit Musik die Welt verändern kann, in dem man politische Ziele ausdrückt oder zu Taten aufruft?
Imani (stöhnt zunächst auf und verdreht die Augen): Ich habe eine bestimmte Meinung zu einigen Dingen, die ich auch in der richtigen Situation vertreten würde. Aber ich werde nicht die Stimme für viele andere erheben und mich gegen das System stellen. Das ist nicht meine Position. Darüber hinaus sind Worte sicherlich nicht genug in diesen Tagen. Ich habe das alles gehört. Du kannst es lesen, du kannst darüber erzählt bekommen, aber wenn Du nicht selbst etwas tust, macht es keinen Unterschied. Um wirklich das Richtige zu erreichen, braucht man Taten. Und niemand möchte gerne sterben, oder?
Booty: Wenn man gegen das politische System sein will, muss man sich auch gegen die Plattenindustrie und vor allem das Geld stellen. Man sollte auch wirklich konsequent sein, wenn man anfängt, Dinge anzuklagen. Viele haben solche Auffassungen, aber sie gehen nicht den ganzen Weg. Ich versuche das simpelste: ich repräsentiere mich selbst.

Wie abhängig fühlt ihr euch von den Menschen, die Eure Musik vermarkten?
Imani: Man kann nicht vermeiden, sich in Abhängigkeit zu begeben, wenn man Musik macht und sie veröffentlichen will. Es gibt bestimmte Regeln, du nimmst deren Geld und arbeitest damit. Du kannst nur das beste hoffen, dass dein Meisterstück auf dem weiten Weg nicht Schaden nimmt. Wirklich, das ist alles, was du tun kannst. Booty: Zwar haben wir gerade ein Label gegründet, „Chapter One Situation“, wo wir ein paar Freunde und Projekte herausbringen wollen. Supernatural wird z.B. etwas machen. Aber es muss noch ein bisschen wachsen. Es gibt viele Wege, sich ein bisschen Unabhängigkeit zu erhalten, aber es gibt immer noch vieles, das man nicht selbst erledigen kann.
Woher kamen die Ideen für den Vidodreh [Zunächst werden Booty und Imani von immer größer werdenden schwarzen Balken aus dem Bild gedrängt, um sich nachher mit Sexpuppen in einem Motel zu vergnügen]
Imani: Die Deutschen hatten eine Idee und die Amis auch, schliesslich kamen sie rüber und machten das Video. Im Grunde sind es beide Ideen, die in dem Video mehr oder weniger verbunden werden. Es interessant, es ist eigen, aber wahrscheinlich ist es einigen Leuten zu riskant, unsere nackten Körper zu zeigen. Wahrscheinlich werden wir es ändern müssen. Wir wollen unser Video da draussen spielen lassen, also ist es nur ein guter Businessmove, sich dem Willen seiner Geldgeber zu beugen. Man muss Kompromisse machen und die Regeln kennen. Es macht uns aber auch nichts aus. Es ist wie ein Radioedit ohne Schimpfwörter zu machen. Es ist albern, weil alle genau wissen, welche Wörter herausgeschnitten werden oder welche Sequenzen wir nicht bei MTV spielen lassen können – aber das sind die Regeln.
Welche Musik hat euch beeinflusst und welche Platte habt ihr euch zuletzt gekauft?
Imani: Wenn ich alles aufzählen sollte, was mich beeinflusst hat, würde ich einen ganzen Tag brauchen. In jeder Epoche, in jedem Stil gibt es ganz großartige Sachen. Und die Sachen, die du wack findest, beeinflussen dich schliesslich auch, denn so willst du es ja ganz bestimmt nicht machen. Booty: Ich kaufe keine Platte, denn ich bekomme sie immer umsonst. Die letzte Platte, um die ich mich bemüht habe, war die Jil Scott. Ich kann sie fühlen.
Was für ein Gefühl ist es, „Plain Rap“ jetzt zu hören, nachdem sie fertig und veröffentlicht ist?
Imani: Wenn ich die Platte höre, kann ich nur sagen: sie ist, wie sie ist. Es ist cool. 

National Poetry Slam

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Vom 30. September bis 3. Oktober 2000 fand im zakk in Düsseldorf der diesjährige National Poetry Slam statt, nach Berlin, München und Weimar die vierte deutsche Meisterschaft der Slam Poeten: Dichter treten auf eine Bühne und stellen sich im gegenseitigen Wettstreit ihrem Publikum. Es ist klar, dass diese Form poetischer Präsentation und Auseinandersetzung ihre Wurzeln im Battle-Gedanken der HipHop-Kultur und bei den Last Poets hat. Tatsächlich hat Udo Scheer Slam Poetry einmal als Dichtung, „wachgerüttelt durch den Rap" bezeichnet. Slam Poetry ist die Dichtung nach Rap, ungeschminkt, direkt und wütend. Und wer einmal die Texte von Ursula Rucker oder Tarin Towers mit den Freestyles von Speech oder KRS ONE vergleicht, der weiß, wieviel Slam Poetry und Rap gemeinsam haben. Auch auf den deutschsprachigen Slam-Bühnen tummeln sich einige Rapper, bekanntestes Beispiel ist Bastian Böttcher , der Rapper von Zentrifugal . Erhat 1997 den ersten National Poetry Slam gewonnen und ist inzwischen auch schon einige Male in den USA aufgetreten, unter anderem im legendären Nuyorican Poets Café . Und auch der Gewinner des diesjährigen National Poetry Slam, Jan Off hört fast ausschließlich Rap-Musik. Außerdem stand in Düsseldorf eine junge Rapperin aus München auf der Bühne, MC Meral , von der auch für die HipHop-Szene noch einiges zu erwarten ist. Wie läuft eine solche Meisterschaft der Slam Poeten ab? Zunächst ist jede Stadt, in der ein regelmäßiger Poetry Slam stattfindet, teilnahmeberechtigt – in diesem Jahr waren erstmals auch Slammer aus Österreich und aus der Schweiz am Start. Diese Städte schicken dann ein Team aus drei bis fünf Slammern in den Gruppenwettbewerb und zwei Slammer in das Einzelfinale. Wie in Düsseldorf üblich, wird unmittelbar vor der Veranstaltung eine Zufalls-Jury aus dem Publikum rekrutiert, die die Leistungen der Slammer in Noten zu fassen hat, eine schwierige und oft undankbare Aufgabe. Das Einzelfinale des diesjährigen National Poetry Slam sollte zu einem denkwürdigen Ereignis in der Geschichte der deutschsprachigen Slam Poetry-Bewegung werden: Es fing mit Wehwalt Koslovsky an, dem Lokalmatador aus Düsseldorf, der – zum Glück für alle anderen -außer Konkurrenz das Publikum anheizen sollte. Und für alle, die noch nie einen Poetry Slam erlebt haben, hier ein O-Ton aus Düsseldorf, nittigritti von Wehwalt Koslovsky . Jan Off trat dann mit einer Publikums- und Jury- Beschimpfung auf die Bühne, die die Spannung und Aggression vor und hinter den Kulissen auf den Höhepunkt trieb. Eigentlich sollte das sein letzter Slam werden, seine Abrechnung mit einer Szene, die immer mehr Spaß und Klamauk, dafür aber immer weniger anspruchsvolle Dichtung hören will. Doch anstatt ihn von der Bühne zu brüllen und mit null Punkten abzuservieren, feierte ihn das Publikum und die Jury belohnte ihn mit Höchstnoten. Direkt danach kam Tom Combo aus der Schweiz auf die Bühne, das zakk war zu diesem Zeitpunkt ein einziger Hexenkessel. Und Tom Combo singt ein Lied für die Toleranz, gerade auch für die Proleten im Publikum, die ihn stören und verunsichern wollen. Ein Lied für die Toleranz nach Jan Offs Publikumsbeschimpfung! Plötzlich fand ein Dialog statt zwischen den Dichtern und zwischen Dichter und Publikum. Da waren nicht mehr nur Dichter, die einer nach dem anderen brav ihre Texte zum Besten gaben, mal besser, mal schlechter, sondern jetzt begann der Slam zu leben – und keiner wusste das mehr zu schätzen als der spätere Sieger dieses Duells, Jan Off . Leider hatte die Jury nicht den Mut, Tom Combo den Sieg zuzusprechen, denn wie er mit der Stimmung im Publikum umgegangen war, die Aggressionen beruhigte und die Stimmung im Publikum wieder öffnete für die folgenden Poeten, das war ganz groß!  Slam Poetry und HipHop sind in vielem vergleichbar, doch der entscheidende Unterschied liegt darin, dass sich die Slam Poeten allein auf die Kraft ihrer Texte verlassen, verlassen müssen. Auf der Slam Bühne zählt allein das gesprochene Wort. Da ist kein DJ, keine Musik, kein Beat, nichts, was die Schwächen des Textes ausgleichen könnte. Und dem einen oder anderen HipHop-Star könnte es nicht schaden, sich einmal in die Höhle der Slam Poeten zu wagen und ohne musikalischen Rückhalt auf die Bühne zu treten. Bill Stephney , der Entdecker von Public Enemy, hat einmal über Rap geschrieben: „Was Rapper machen, ist sehr musikalisch, die Art und Weise, wie sie Worte auf bestimmte Rhythmen abstimmen. Wenn du bei einem Song die Musik weglässt, dann kannst du immer noch zu den Worten tanzen." DJ Marius No. 1 wiederum sagte in einem Interview, wenn sich die Rapper so viel Mühe mit ihren Texten geben würden, wie die DJs und Produzenten mit ihrer Musik, dann müssten wir uns viele der Texte da draußen gar nicht anhören. Und a-capella zeigt sich, was ein Text wert ist.In diesem Sinne, lasst die Verse tanzen! Auf den folgenden Internet-Seiten kann man sich weiter über Slam Poetry informieren, Hintergründe, Literatur, Veranstaltungen, Texte etc: www.pons.de www.stattbuch.de/poetryslam www. socialbeat.de www.kulturszene.de/slam www.nuyorican.com https://slam.bcn-cafe.de

Square One

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Englischsprachiger Rap aus Deutschland: Ein Thema für sich! Reimten in der Oldschool noch sehr viele MCs hierzulande in der Muttersprache des Rap, hat sich in den letzten Jahren doch ein dramatischer Wechsel hin zum überwiegenden Gebrauch des Deutschen vollzogen. Dieser Wandel ist so dramatisch, dass auch viele der MCs, die vorher noch Stein und Bein auf Englisch als perfekte Rap-Sprache geschworen haben, ihr Vokabular gegen das Germanische ausgetauscht haben. Auch die ganzen in Deutschland ansässigen Migranten-Sprachen sind 2001 im Deutschrap viel seltener zu vernehmen, als dies noch vor – sagen wir mal – acht Jahren der Fall war (auch wenn die türkische Szene sich gerade wieder zu regen beginnt). Wie dem auch sei: Vorteile hin, Nachteile her: Es gibt sie noch, die Gruppen, die dem Englischen treu geblieben sind. Eine dieser Gruppen heißt Square One, kommt aus München und hat nach zwei beachteten Maxis nun ihr Debüt-Album "Walk of Life" auf Showdown vorgelegt; ein Label übrigens, von dessen fünf gesignten Gruppen und Künstlern drei englisch rappen. Jan Kage hat sich mit den Rappern der Gruppe, Ali und Scott, zum Gespräch zusammengesetzt.
rap.de: Wie lange habt ihr an eurem Album gearbeitet?
Scott: Willst du die Wahrheit? Wir haben eigentlich im September 2000 angefangen. Aber bis März hatten wir nur vier Lieder. Der Hauptteil ist innerhalb von zwei März-Wochen entstanden.
Ali: Aber das waren auch nur die Aufnahmen.
rap.de: Wie schreibt ihr eigentlich eure Texte? Habt ihr da vorher Konzepte?
Ali: Ich glaube, wenn man seine Debüt-LP macht, hat man gewisse Dinge, die man schon immer machen wollte – man kann auf verschiedene Dinge zurückgreifen. Viele Sachen waren uns vorher klar, viele sind während des Album-Prozesses entstanden. Grundsätzlich zum Texteschreiben: Es ist so, dass wir von Iman einen Beat bekommen und versuchen, die Stimmung des Beats aufzugreifen. Ich weiß, das hat man auch schon tausendmal gehört, aber es ist bei mir wirklich so, dass ich die Gefühle erst richtig im Text weiterzutragen versuche.
rap.de: Das Album ist ja auch sehr gefühlvoll. Eine Hook hat zum Beispiel Patrice gesungen. Da ist noch eine andere gesungene Hook drauf…
Ali: Das ist "Dreams" von Kevin Iszard aus Carolina, der seit ein paar Monaten in Frankfurt lebt.
rap.de: Ist es, was die Aufmerksamkeit angeht, in Deutschland momentan nicht schwer, englischsprachigen HipHop zu machen? 
Ali: Selbstverständlich. Da brauchen wir gar nicht drüber diskutieren. Wir haben halt am Anfang diesen Weg gewählt, und mir hat sich nie die Frage gestellt, ob ich umswitchen soll, weil ich mich einfach auch immer noch nicht mit der deutschen Sprache identifizieren kann. Natürlich ist es schwer. Es ist auch für unser Label schwer. Die sind sehr commitet. Es ist ja auch alles sehr aufwendig, was wir da gemacht haben. Aber wenn man weiß, dass jemand an einen glaubt, ist es ja auch schon wieder einfacher. Auf der anderen Seite ist der Vorteil, dass man vom Ausland Feedback bekommt. Leute aus den Staaten oder aus Japan sagen: "Das ist gut!". Und da gleicht es sich ein wenig aus.
rap.de: Das ist natürlich ein Vorteil, den man als deutscher MC nicht hat.
Ali: Ganz genau.

rap.de: Was habt ihr denn an internationalen Kontakten? Und wie war das Feedback?
Ali: Bis jetzt war es eigentlich ziemlich gut. Bei der ersten Maxi "Mind, Body and Soul" war es ziemlich gut, bei "State of the Art" war es richtig groß. Wenn du x-tausend Platten verkauft hast und dann erfährst, dass du ein Drittel hier verkauft hast und ein Drittel ganz woanders, dann ist das schon gut. Wir kriegen auch ab und zu mal E-Mails von hier und dort. Beim Album bin ich selbst gespannt, wie es ankommt, weil du eine Gruppe auch nicht unbedingt nach Maxis beurteilen kannst. Das ist nicht repräsentativ für die Gesamtstimmung, das Gesamtwerk. Nach einem Album hast du eine Geschichte zu erzählen. Da schaut das dann ein wenig anders aus.
rap.de: Ihr macht wahrscheinlich Musik auch seit den Teenie-Jahren. Was ist das für eine Erfahrung, sein erstes Album zu machen? Ist es im Grunde das Gleiche, was man immer gemacht hat: Texte schreiben und Tracks machen, oder ist es doch was anderes, weil man sich sagt: O.K., in neun Monaten hauen wir fünfzehn Tracks zusammen und arbeiten konzentriert an einem Stück durch.
Ali: Man denkt, dass man keine Probleme hat, sobald man einen Plattenvertrag unterschrieben hat. Man denkt als Künstler, ab dem Trag sei alles rosig. Die Realität ist einfach, dass, sobald du einen Plattenvertrag unterschrieben hast, die Probleme erst anfangen. Gar nicht mal negativ: Ich hab´ seit ´89 Musik gemacht und hab´ auch immer das Glück gehabt, dass ich von Anfang an ins Studio gehen konnte und richtig Lieder machen konnte. Das Glück haben nicht sehr viele. Viele schreiben und schreiben, und irgendwann finden sie dann einen Produzenten, der das für sie macht. Bei mir war das so, dass ich von Anfang an mitbekommen habe, wie man Lieder macht. Aber das, was wir in den letzten Jahren von der politischen Vielfältigkeit des ganzen Geschäftes mitbekommen haben, hat alles übertroffen: Es geht nicht mehr nur um deine Musik. Obwohl wir mit Showdown wirklich definitiv die coolsten Leute haben, die es gibt – ich bezeichne die nicht als mein Label, sondern schon als meine Freunde, ich hab wirklich eine persönliche Beziehung zu den Jungs. Und das ist auch gut so. Aber trotzdem gibt es tausend andere Sachen drum herum, wo du enttäuscht wirst. Wo das, worum es wirklich geht: nämlich, dass wir eine Kultur haben, dass es eine Lebensform ist und dass es nicht nur um die Musik geht, sondern dass sehr viel mehr damit verbunden ist – solche Gedankengänge werden in der Industrie, bei den Ausmaßen, die HipHop heute hat, nicht mehr realisiert.
rap.de: Was ist euch denn wichtig? Ich meine jetzt nicht ein Thema oder so, sondern: Was ist das, was Square One ausmacht?
Ali: Musik. Dass wir Musik machen, Musik lieben, leben und dass es primär nicht um HipHop geht, sondern, dass wir Musik wirklich leben. Und wir machen das. Wenn man das Album von uns hört, dann machen wir Musik. Es gibt tausend Themen, die wir da aufgegriffen haben, und ich glaube auch tausend wichtige Themen, aber letztlich ist das HipHop-Musik, was wir machen; unterhaltende HipHop-Musik.
rap.de: Ihr habt ja gerade erzählt, dass viele Leute denken, wenn man einen Plattenvertrag hätte, hörten die Probleme auf, man hat endlich Geld. Wie kann man sich denn euer Leben momentan vorstellen?
Ali: Also, ich arbeite nicht mehr. Ich habe bis Ende März noch gearbeitet. Ich hab´ in einem Buchladen gearbeitet, was sehr gut war. Aber es hat sich nicht mehr arrangieren lassen. Wir mussten nach New York, mastern, die ganzen Auftritte, was ja auch wichtig ist. Ich komm‘ zurecht. Ich hab eine Frau zuhause, ich muss zurecht kommen. Aber wenn ich das Gefühl hab´, ich muss wieder arbeiten, weil es kurz und knapp wird, dann mach ich das auch gern. Ich hab‘ kein Problem, zu arbeiten. Wo ich die letzten zwei Jahre richtig gearbeitet hab, gab es mir auch einen Ausgleich. Für mich ist das cool. Iman und Eddie arbeiten aber noch. Scott: Ich arbeite auch nicht mehr. Es ist zu hart. Wollen wir hoffen, dass den Jungs ein wenig Erfolg vergönnt ist und sie lange und kräftig ihre Musik produzieren können. Live long and prosper, square!  P.S.: Wer die Musik der Achtziger kennt, weiß übrigens, dass die Rockband Dire Straits auch ein Album veröffentlichte, das "Walk of Life" hieß, was an sich noch nicht wirklich erwähnenswert ist, aber ergänzt durch die Tatsache, dass Kollege Huey Lewis einen Hit hatte, der "Hip to be Square" hieß, wird doch ein Flash draus. In dem Sinne: Es lebe die Musik!

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