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Free The Ruler

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Eine Gruppe amerikanischer Prominenter, darunter Will Smith, Chris Rock, Reverend Jesse Jackson und sogar der Senator des Staates New Yorks, David Paterson, hat kürzlich eine Petition veröffentlicht, in der sie gegen die anhaltende Inhaftierung sowie die geplante Abschiebung von Ricky Walters, besser bekannt als Slick Rick, demonstriert und zur öffentlichen Unterstützung des „Godfather of Storytelling“ aufruft. Der seit 1976 in New York lebende Slick sitzt seit dem 1. Juni in einem Knast in Tampa, wo er auf seine Abschiebung in seine ursprüngliche Heimat, England, wartet. „The Ruler“ soll wegen einer Schießerei im Jahre 1989, für die er bereits eine fünfjährige Haftstrafe in New York abgesessen hatte, von der amerikanischen Behörde INS ausgewiesen werden. Wer Flagge zeigen und dem „Ruler“ helfen will, checkt: https://www.defjam.com/slickrick/petition/slickrick_petition.htm

DJ Shir Khan veröffentlicht Boomselection 2

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Neues Tiger-Tape: DJ Shir Khan veröffentlicht dieser Tage Boomselection 2, den Nachfolger des bereits reichlich erfolgreichen ersten Teils der Tiger-Tapes. Darauf zu hören ist eine äußerst musikalisch gemischte Fusion aus HipHop, Dope Beats, Ragga, Elektro, 80s Breaks, UK-Garage sowie Pop&Trash, die der Tiger in Berliner Clubs auch regelmäßig live zum besten gibt – Mission des Selectas: „Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, verschiedene Musikstile zusammen zu bringen, die du so normalerweise nie auf einem Tape zu hören kriegen würdest.“ – erhältlich über unseren Shop. Checkt auch: https://www.dj-shirkhan.de!

Anti-Pop Consortium löst sich auf

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Trennung: Das Anti-Pop Consortium hat sich nach acht Jahren aufgelöst. Das New Yorker Avantgarde-Quartett, bestehend aus Beans, Priest, M. Sayyied und Produzent E. Blaize, trennte sich nach zwei gemeinsamen LPs in gegenseitigem Einverständnis. Nach Angaben ihres ehemaligen Managers, wollen die Vier in Zukunft getrennte Wege gehen, um ihre, „von langer Hand geplanten Solo-Projekte“ verwirklichen zu können. Man darf gespannt sein.

Joy Denalane

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1,5 Jahre hat Joy Denalane gebraucht, um gemeinsam mit Max Herre das Album "Mamani" zu produzieren, welches ab nächsten Montag erhältlich sein wird. Wer in den letzten Wochen die Gelegenheit hatte, sie live zu sehen, der weiß, dass hier etwas Außergewöhnliches auf uns zukommt. Basti und ich konnten Joy im Berliner Jazz-Club Quasimodo erleben, wo sie in Heimspielatmo den Laden in Bann hielt. Mit "Ich bin aus 61 – Sixty-One!", macht sie im Gespräch klar, dass sie ursprünglich aus Berlin-Kreuzberg kommt. Seit zwei Jahren ist sie nun in Stuttgart, der Stadt der Kehrwochen, will aber wieder in die Hauptstadt zurück, wo sie auch nach wie vor bei einer Charlottenburger Wohnung im Mietvertrag steht. Das, was man sich außerhalb Baden-Württembergs unter einem klassischen Schwaben vorstellt, ist auch ihr etwas zu anstrengend, abgesehen davon, dass Stuttgart natürlich auch wesentlich kleiner ist, was sie aber keineswegs nur als Nachteil sieht:
"Vielleicht arbeitet man in Stuttgart auch deshalb stärker Hand in Hand, weil man sich eh´ zwangsläufig über den Weg läuft und es sich auch nicht rentiert, sich zu streiten. Das kulturelle Angebot dort ist einfach kleiner, und das hat vielleicht auch das Zusammenwachsen der Kolchose erleichtert."
Natürlich kennt sie sich aber immer noch bestens in Berlin aus, hat in den 90ern auch die gesamte Clubszene, gerade auch in Ostberlin, kennengelernt. So zählt sie z.B. zu den Leuten, die von sich behaupten können, fast alle Umzüge des WMF, ausgehend vom WMF-Gebäude in der Leipziger Straße, mitbekommen zu haben. Gemeinsam mit Max hat sie zwischenzeitlich auch einen längeren Aufenthalt in Südafrika hinter sich, der sie gerade für die Aids-Problematik im gesamten südlichen Afrika stark sensibilisiert hat: "Von 30 Millionen Menschen, die weltweit HIV-positiv sind, leben 22 Millionen dort, und das ist natürlich viel zu viel. Die haben keine Medikation und kein Geld, die Lebensbedingungen sind unmöglich, und jede zweite schwangere Frau in Südafrika ist HIV-positiv. Die Menschen sterben dort einfach, und viele Kinder kommen schon HIV-positiv auf die Welt. Ich weiß nicht, was das für eine Zukunft sein soll, jetzt, wo sie die Apartheid bezwungen haben und sozusagen ´frei´ sind." Vor der nun anstehenden Platte werden die meisten Leute Joy das erste mal wohl über "Mit Dir", den Song, den sie gemeinsam mit Max und dem Freundeskreis gemacht hat, oder auf den FK-Allstars

Gigs wahrgenommen haben. Fragen dazu konnten also nicht ausbleiben.

rap.de: Wie hast du es erlebt, über "Mit Dir" das erste mal in dieser Form in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken?

Joy: Das kam sehr unerwartet. Ich wollte das am Anfang auch gar nicht als Single releasen…
rap.de: Haben sie dann auf dich eingeredet?

Joy: Ja schon … Ich wollte das damals auch deshalb nicht, weil ich gerade noch dabei war, mein eigenes Album bei der BMG zu produzieren. Ich hatte da auch noch Berührungsängste mit der Sprache und wollte mich auch nicht unbedingt als deutsche Sängerin etablieren. Mein Album war auf englisch, und deshalb war ich von der Idee nicht so begeistert. Ich mochte das Lied aber sehr, und als die R&B-Version dann stand, meinte ich auch "Lass uns das rausbringen", weil die mir persönlich noch besser gefallen hat. Als die dann so erfolgreich war, hat sich unser gemeinsames Leben schon verändert, weil ja dazu kam, dass wir auch damals schon im privaten Leben zusammen waren und das im Video eben alles echt war. Für die Leute auf der Straße war das dann vielleicht so, als wären da zwei von der Leinwand gestiegen – das war ´ne Zeitlang sehr krass. Das Stück lief ja überall, und irgendwann waren wir auf der Straße vor ´nem Musikgeschäft, in dessen Schaufenster unser Video auf zig Monitoren lief. Ich fand es dann auch ein bisschen anstrengend. Wenn Fans dich über zehn Minuten verfolgen, wird es ein bisschen too much, und ich kann mir das auch nicht reinziehen und die Ruhe bewahren.
rap.de: Wie lief das denn bei der Produktion ab, flogen da auch mal richtig die Fetzen zwischen dir und Max?

Joy: Klar gibt es auch Stress, und es ist natürlich auch so, dass ich auf Max viel sensibler reagiere, als auf andere Leute, die an der Produktion beteiligt sind. Wenn er gesagt hat "Mach das noch mal", habe ich oft zurück gegiftet: "Was heißt, mach das noch mal?". Wenn Philipp das wollte, war es dann wieder o.k.. Es bedarf halt echt Disziplin, Privates und Arbeit zu trennen, was man aber nicht immer kann. Wenn dann noch eine musikalische Meinungsverschiedenheit dazu kommt, kracht es. Leider kann man dann auch nicht nach hause gehen und sagen "Was für ein Idiot!", weil der sitzt dir ja gegenüber. Umgekehrt ist es natürlich genauso – ich bin bestimmt nicht einfach. Irgendwann fängt dann immer einer an, zu lachen.
rap.de: Du sollst ja auch gesagt haben, dass die Produktion des Albums ohne Max schneller gelaufen wäre…
 
Joy: Was ich damit meinte, war, dass ich durch Max auch viele Musiker kennengelernt habe und er auch jemand ist, der Visionen und Vorstellungen hat, die er einfach durchsetzt. Wenn ich mir z.B. denke "Es wäre cool, auf dem Stück Streicher zu haben und ´ne Querflöte, aber das können wir uns nicht leisten, dafür gibt das Budget nichts her", dann sagt er: "Natürlich" und fängt an zu fragen, bis er die Leute zusammen hat. Er ist jemand, der das Unmögliche möglich macht, und das braucht einfach Zeit. Das war es, was ich meinte.

rap.de: Deine Mutter ist während der Produktion der ersten beiden Songs gestorben. War das absehbar, oder hat dich das überrascht?
Joy: Nein – meine Mutter ist an Krebs gestorben, hat sich schon ziemlich lange gequält, und es war absehbar. Ich habe gedacht "Vielleicht noch ein halbes Jahr", aber in diesem Stadium kann natürlich jeden Moment etwas passieren. Wenn es dann aber tatsächlich passiert, bist du trotzdem nie vorbereitet. Meine Schwester hat mich an dem Tag, als meine Mutter gestorben ist, auch angerufen und meinte "Es sieht schlecht aus". Als ich dann fragte, ob ich kommen soll, war meine Mutter schon zu weggetreten, um noch zu antworten, und meine Schwester meinte, ich solle zu hause bleiben und weiter arbeiten. Meine Mutter wollte auch immer, dass ich dieses Album mache. Der Tod meiner Mutter und auch mein Mutter-Dasein haben mein Leben natürlich schon verändert. Reifer klingt immer dämlich, aber ich sehe Dinge wohl differenzierter. Einen solchen Verlust steckt man einfach nicht so leicht weg, auch wenn ich nun darüber reden kann, obwohl es mir nicht leicht fällt. Ich denke natürlich immer an sie und kann sie nicht anrufen. Aber das Leben ging weiter, und auch die Platte ging weiter – vielleicht hat sich die musikalische Richtung ein bisschen verändert. rap.de: Ich wollte eh´ fragen, ob das auch zu einer Wendung auf deinem Album geführt hat? Das letzte Stück ist ja auch deiner Mutter gewidmet…

Joy: Ja – Mathatha Agotlokamna. Das ist ein Nachruf auf meine Mutter gemeinsam mit den Mahotella Queens aus Südafrika, drei ältere Damen so zwischen 65 und 70. Die haben dieses Stück auf Pedi gesungen, das ist die Stammessprache meines Vaters aus Südafrika, der ein Pedi ist. In Südafrika herrscht ja das Patriarchat, und die Frau nimmt immer das an, was dem Mann gehört. Das ist also ein traditionelles Trauerlied. Ansonsten haben mich diese Erfahrungen inhaltlich wohl fokussierter gemacht. Auch das Selbst-Mutter-Sein. Stücke wie "Höchste Zeit" oder "Wem gehört die Welt" sind auch aus Muttersicht geschrieben und sollen meinem Sohn auch etwas sagen, wenn er alt genug ist, es zu verstehen. In der letzten Strophe von "Ghetto von Soweto" rede ich z.B. über Aids, und da soll er auch Bescheid wissen. Ich denke auch, dass es nötig ist, darüber in einem Song zu reden, weil das in den Medien ansonsten gerade nicht stattfindet. Das ist hier im Moment kein Thema. Es geht auch darum, zu zeigen, dass wir in Parallelwelten leben, und oftmals kommen diese Welten nirgends zusammen. Das ist den Leuten ja auch gar nicht immer vorwerfbar, weil wir das Informationsangebot auch filtern müssen, um klarzukommen. Dennoch versuche ich, da eine Schnittstelle zu sein und diese Problematik aufzuzeigen. 

 
rap.de: Wo wir gerade auch bei anderen Sprachen sind – du meintest ja vorhin, deine erste Platte sei noch auf englisch gewesen. War die Umstellung schwer – man muss ja auch zugeben, dass deutsche R&B- und Soul-Sachen oft etwas peinlich sind?

Joy: Klar – die deutsche Sprache ist durch Volks- und Schlagermusik negativ belegt, und ich hatte da große Berührungsängste. Als ich dann aber mit FK auf Tour war und auch mit Afrob abgehangen habe und über die Jungs ganz viele deutschsprachige Musik im Tourbus kennengelernt habe, habe ich die Angst auch abgelegt. Ich habe gesehen, dass man die deutsche Sprache auch so einsetzen kann, dass sie auch gut klingt. Auch die Alben und Texte von FK und Max haben mir gezeigt, dass es funktioniert. Bei "Geschichte" habe ich z.B. nie darüber nachgedacht, ob der Text peinlich ist. Das war einfach ein Stück, wo ich zuhörte und immer nur dachte "Boah". Ab da dachte ich dann, es ist richtig, die Sache auf deutsch zu machen, weil ich mich inhaltlich auf Englisch schon vom Vokabular her nie so ausdrücken könnte. Das heißt aber nicht, dass ich nie wieder was auf Englisch machen würde – das ist schließlich auch die Muttersprache der Black-Soul-Music.
rap.de: In deinem Song "Geh jetzt" hast du die Zeilen "Ich hab nichts gesagt – beim ersten Mal", und du sollst ja auch kein eifersüchtiger Mensch sein…

Joy: Also ich lasse mich nicht gerne betrügen. Bei so einem One-Night-Stand ist das auch so eine Sache. Wenn ich einen hätte, wäre das was anderes, weil da schon ein bisschen mehr dahinter wäre. Ich kann nicht einfach so mit jemandem ins Bett gehen, nur weil ich einfach Lust habe…
rap.de: Es wäre dann wohl auch keiner…

Joy: Nein – daraus würde sich wahrscheinlich mehr entwickeln. Bei Männern ist das wohl anders. Ich glaube, dass die nicht unbedingt so verliebt sein müssen, um ´ne sexuelle Vorstellung mit einer Frau auszuleben. Nicht, dass ich mich jetzt freuen würde, wenn Max nach hause käme und sagen würde "Ich hatte ´nen One-Night-Stand" – glaub nicht, dass es da nicht Ärger geben würde. Das kann halt immer aus verschiedenen Situationen heraus entstehen. Wenn man sich z.B. total gestritten hat und die Frau den Typen auf ´nen Vollidioten reduziert hat – vielleicht macht er es dann aus Rache, ich weiß es nicht. Da gibt es verschiedene Gründe. Natürlich gibt es auch die Männer, die sich immer bestätigen müssen, die sogenannten "Wiederholungstäter", wie dieser Typ in diesem Song, die brauchen das immer wieder. Dann gibt es die, die es gar nicht machen, und die sind mir natürlich die Liebsten. Ich kann mir nicht vorstellen, mit einem Mann zusammen zu sein, der mich ständig betrügt. Was ich meine, wenn ich sage "Ich bin nicht eifersüchtig", ist, dass ich nicht sofort hingehe, wenn Max sich mit einer Frau unterhält, und überprüfe, worum es geht. Ich drehe auch nicht durch, wenn seine Ex-Freundin anruft und sich mit ihm auf ´nen Kaffee treffen will, weil sie gerade in Stuttgart ist. Ich habe ja auch guten Kontakt zu meinem Ex-Freund. "Geh jetzt" ist ja auch nicht meine Geschichte – das ist wohl die Geschichte von Millionen Frauen, auch von einigen aus meinem weiblichen Freundeskreis, wo ich sage "Schmeiß ihn raus – was machst du?"
rap.de: Danke für das Gespräch.

ABS

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Wie unendlich der Ruhrpott ist, zeigten ABS, als es sie vor einiger Zeit von Wesel nach Bochum verschlug. Die Crew setzt sich aus den beiden MCs Ercan und Short, Dj Salicious und dem Produzenten dISCOpOlO zusammen. In kleineren Auflagen brachten sie zunächst ihre Singles "Null8-15" und "Mathematik" heraus, bis sie mit ihrer "Weisst Du…?" – All Star Single richtig einschlugen. "Kinderspiel – Leichter getan als gesagt" ist das Motto, welches sich ABS nun für ihre Debüt LP gesetzt haben. Alexander Alberti traf sich zum Pott-Gipfel.

"Das Album ist sehr abwechslungsreich, es gibt Party-Stücke, aber auch persönliche wie "Komplex" oder "80 Quadratmeter", erzählt MC Ercan über den Charakter des Albums.
"Was ABS von anderen Gruppen unterscheidet, sollen am besten die Zuhörer selbst entscheiden".

"Die Beats sind buntgehalten. Da ist schon mehr Melodik drin, als in den meisten anderen Beats", äußert sich Produzent dISCOpOlO zu dem musikalischen Part des ABS Debüts.
"Die Platten kaufe ich vom Trödelmarkt und schnippel mir dann die Samples zurecht. Ich sampel erstmal, schneid dann wild in der Gegend rum, gucke was man machen kann, wo es noch eine Soundecke gibt, die man in einer bestimmten Art und Weise abschneiden kann und dann wird das ganze auf Logic zusammengesetzt"
. ABS sind noch weit davon entfernt, nur von der Musik zu leben. Die MCs studieren und DJ Salicious und dISCOpOLO machen Beats. "Wodurch wir halt was in die Tasche kriegen, sind Auftritte. Viele Leute sehen, oh da ist ´ne LP raus, oh da ist ´ne Maxi raus, die sich über 10.000 mal verkauft hat und denken sofort, wir haben Geld, aber eigentlich ist das nur Schall und Rauch. Das Geld, das wir zur Zeit kriegen, ist nur ´nen Tropfen auf den heißen Stein".

Wie beurteilen ABS die Situation des deutschsprachigen HipHops in den Charts?

"Ich bin der Meinung, dass sich HipHop mittlerweile stark etabliert hat, wenn man sich mal die Charts anguckt". HipHop gehört zum Alltagsleben. Einige Lieder auf dem Album sind schon zwei Jahre alt, mit denen wir damals nicht so einen Erfolg gehabt hätten, wie wir ihn jetzt erleben". dISCOpOlO fügt hinzu: "Ich denke im Moment ist auch das Problem, dass viele Sachen, die eigentlich auf Demo-Tapes zu hören sein sollten, direkt über die Mattscheibe mit´nem Video laufen. Damit hab ich echt ´n Problem". "Die Kids hören sich aber mittlerweile auch guten Rap an", so Dj Salicious. "Ich glaube, die Charts würden auch noch ´nen Tick anders aussehen, wenn sie die Vinyl Verkäufe mit drin hätten. Die Leute kaufen relativ viel Vinyl, da ist es schon möglich,10, 12-15.000 Vinyls zu verkaufen."
Wohin wollen ABS mit ihrem Debüt Album?

"Nach den ganzen Veröffentlichungen, die wir bisher hatten, ist jetzt erstmal das Album der erste Punkt, wo wir uns mit einem kompletten Werk der Öffentlichkeit vorstellen wollen. Wir haben in den letzten 3 Jahren schon sehr viele Auftritte gemacht. Das erste Album soll uns erst mal einen Standpunkt schaffen und uns noch mehr in den HipHop integrieren. So dass die Leute auch sehen, wer wir sind. Am Ende der Tour im Herbst werden wir uns auch an unser neues Album setzen und wieder unser Bestes geben. Die Richtung vom Debüt wollen wir beibehalten. Uns fällt auf, dass wir uns von Lied zu Lied weiter entwickeln und uns ist es wichtig, musikalisch und textlich abwechslungsreich zu bleiben. Wir wollen unsere Sachen ausserdem auch nicht mit Zeitdruck machen, sondern lassen die Dinge reifen".

Ein solcher Reifungsprozess stellt Ansprüche:

"Natürlich versuchen wir primär, unsere Persönlichkeiten mit ins Spiel zu bringen. Die ernsthaften Sachen mit denen wir uns auseinandergesetzt haben, hört man schon aus dem Album raus. Wir sind nicht die einzigen MCs in Deutschland und versuchen uns auch mit anderen zu messen. Ich finde es heutzutage auch schade, dass sehr viele Leute einige Sachen viel zu ernst nehmen. Die Gefahr besteht besonders bei jüngeren Leuten, dass sie das einfach für sich annehmen und wir sehen da auch eine Verantwortung. Auf "Booggie Knightz" z.B. geht es zwar freizügiger zu, aber das ist auch mehr ein Spaßding. Das heisst nicht, dass wir frauenfeindlich sind, es ist nur mehr die HipHop-Seite. Man wird schon den Unterschied erkennen. Da gibt es auch ganz andere Beispiele von Leuten, die wissen, dass sie viel mehr in der Öffentlichkeit stehen und die das dann auch ausnutzen. Wenn Eminem z.B. eine Ecstasy-Tablette auf einem Konzert in Hamburg vor vielen jungen Leuten einschmeisst, ist das scheisse. Mit solchen Sachen sollte man vorsichtig sein. Wenn ich battle- technische Sachen sage, versuche ich sie so zu übertreiben, dass man es auch auf Anhieb merkt."
so MC Ercan zur Verantwortung in seinen Lyrics. Warum die Tracks mit Inhalt Solo-Tracks sind, beschreibt er wie folgt:

"Wir sind schon zwei verschiedene Persönlichkeiten, die gut miteinander klarkommen, aber einen anderen Background haben. Deswegen sind es halt Solo-Tracks, weil die persönlichen Sachen immer aus einer ganz eigenen Sicht kommen. "80 Quadratmeter" richtet sich auch an meine türkischen Landsleute und auch meine Freunde, die auch zum Teil nicht mehr meine Freunde sind. Es gibt nicht viele, die morgens aufstehen und sich im Spiegel in die Augen schauen können, weil sie nicht hinter dem stehen, was sie tun.  Ich will mit dem Lied erreichen, dass sich auch viele türkische Leute mal den Track anhören, auch wenn viele in meinem Bekanntenkreis Vorurteile gegenüber deutschen Rap haben. Ich will, dass man sieht, dass ich nicht irgendein Vogel bin, der vergessen hat wo er herkommt. Ich lasse es dahingestellt, was andere Leute denken.".

Afu Ra

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„Change your style, change the weather!“

 Wenn es um clevere Reime und Rasta- Weisheiten in B-Boy Flows geht, ist Afu Ra aus New York genau der richtige Mann. Nach einigen 12“, einem in Konkurs gegangenen Label und jahrelanger Zusammenarbeit mit den D&D Studios (DJ Premier) ist nun endlich sein Debüt- Album „The Body of a Lifeforce“ erschienen. Grund genug für Alexander Alberti, sich mit dem Meister zu unterhalten. Wenn es etwas gibt, das ich aus dem Mathematikunterricht behalten habe, dann ist es dies: je mehr Zahlen, desto schwieriger wird die ganze Angelegenheit. Das sollte sich auch bei meinem Telefoninterview mit Afu Ra bestätigen. Nach dem ersten Teil der Telefonnummer befand ich mich bei einem Telefonservice, dessen Band mich aufforderte, meinen Passcode inklusive Number-Point einzugeben. Gesagt getan, leider landete ich bloß wieder dort, wo ich angefangen hatte. Die Prozedur wiederholte sich, so dass ich nach zehn entnervten Minuten bereits im Begriff war, das Handtuch zu werfen. Doch plötzlich fragte mich ein Mann, ob er mir weiterhelfen könne. Ich erklärte ihm kurz mein Problem und wurde nach dem Passcode gefragt. Dann passierte auf einmal gar nichts mehr. Stille in der Leitung, bis schließlich nach 15 Sekunden jemand sein Telefon abnahm und zu mir sagte: "This is Afu Ra. Who´s there?" Ein langer Weg war es auch für Afu Ra, dessen Debüt "Body Of The Lifeforce" von der Fertigstellung bis zur Veröffentlichung so manche Hürde zu überwinden hatte. "Gee Street hatten ihre Urban-Abteilung zugemacht, so dass ich zunächst einmal ohne ein Label mit meinem fertigen Album dastand. Ich habe mich dann nach einem neuen Label umgeschaut und bei Koch Records unterschrieben. Das Label hat dann das fertige Album sehr schnell veröffentlicht. Ich bin glücklich, dass es jetzt endlich draußen ist".

Sein eigenes Album beschreibtAfu Ra als eine Zusammenstellung von verschiedenen Stilen und Themen.

"Eigentlich heißt ‚Body Of The Life Force‚ nur Afu Ra. Ich habe versucht, das Album vielfältig zu halten- und unterschiedliche Thematiken erfordern verschiedene Styles, genauso ist es mit den Produzenten".

Bei einer so großen Vielfalt interessiert es mich, welcher denn Afu Ra’s persönlicher Favorit ist. Zunächst antwortet er, dass das ganze Album zusammen sein Favorite-Track ist, aber nachdem ich ihn kurz bearbeitet habe, wird er genauer:

"Whirldwind Through Cities", das war mein erster Track und auf ihm habe ich mich selbst gefunden. Ich sehe den Track wie eine Art Leistungsmarke: Jeden späteren Track habe ich an ihm gemessen, und wollte ihn besser machen. "Whirldwind Through Cities" hat mich sehr angespornt."
Was treibt einen Afu Ra in in seinen Lyrics voran?

"Ich schreibe meine Lyrics mit verschiedenen Methoden. Manchmal schreibe ich sie einfach für mich oder richte sie an eine Person in meiner Einbildung. Ich versuche, meine Lyrics universell, allgemein für alle zu halten. Dazu gehören Battle Lyrics genauso wie Lyrics, die sich zu der negativen Kultur von HipHop äußern: Sex, Geld und Drogen. Mir geht es da nicht direkt gegen bestimmte Personen, die damit leben, sondern vielmehr um die Einstellung im Allgemeinen. Gegen diesen Mindstate versuche ich in meinen Lyrics anzugehen". Ein Mindstate, der mit der Zeit sehr gewachsen ist. "Es geht im HipHop viel mehr um Politik als früher. Es hängt nicht mehr davon ab, wie talentiert oder wie gut du als Writer bist. Die Medien haben heute einen viel größeren Einfluss als früher."

Als Zeitpunkt für die Veränderung im Hip Hop gibt Afu Ra "The Chronic" von Dr. Dre an.
"Als "The Chronic" rauskam, machte sich das alles stark bemerkbar. Das Album wurde millionenfach verkauft, und auf einmal ging es um mehr Geld als jemals zuvor im Hip Hop. Jetzt ist es egal, wie gut die Arbeit ist, die du da machst. Viel wichtiger sind die Connections, die du hast".Afu Ra wird für einen Moment still, dann fügt er hinzu:
"Ich denke nicht, dass ich die Unterstützung bekomme, die ich wert bin. Beziehungen im Musikgeschäft zu haben, ist echt alles, worum es geht." Connections im positiven Sinne hat aber auchAfu Ra, z.B. mit DJ Premier, der die Produktion seines Debütalbums "Body Of The Lifeforce" überwachte und eine Reihe von Tracks beisteuerte.

"Ich habe Premier über die Arbeit mit Jeru kennengelernt, der mich mit ins D&D-Studio nahm. Als Premier dann hörte, dass ich mein Debütalbum auf die Beine stellen will, wollte er unbedingt ein Teil des Ganzen sein. Die Zusammenarbeit mit ihm ist einfach fantastisch. Er ist wie ein Bruder für mich. It’s like that: Er gibt mir den Beat und ich gebe ihm die Lyrics. Weißt du, was ich meine? Das ist ein wirkliches Level an Qualität, das wir da zusammen halten. Ich bin Premier sehr dankbar, dass er mich als Newcomer gefördert hat". Ich frage nach, warum "Body Of The Lifeforce" kein von Premier vollständig produziertes Album ist, wie z.B. die beiden ersten von Jeru. Als ich gerade dabei bin, meine Frage in Punkto Kostenfaktor auszuformulieren, werde ich energisch von Afu Ra unterbrochen:
"Nein, das war keine Kostenfrage… DJ Premier, so gut er auch sein mag, ist nur eine Kammer, aber ich brauchte für meine Sachen einfach verschiedene Styles. Ich wollte mit "Body Of The Lifeforce" ein wirkliches Masterpiece abliefern, und musste mich dafür auch anderer, sehr guter Produzenten bedienen". Auch von Jeru, seinem ehemaligen Partner aus Anfangstagen, machte sich Afu Ra erstmal frei. "Ich musste auf meinem Album einfach ich selbst sein und da hätte Jeru im Moment nicht mit reingepasst. Wir hatten unsere Differenzen, aber ich denke, dass wir in der Zukunft möglicherweise wieder etwas zusammen machen werden". Zukunftsmusik ist das nächste Afu Ra Album allerdings schon jetzt nicht mehr. Zwar ist sein Debüt gerade erst erschienen, aber mit Jahren in der Mache, denkt Afu Ra bereits jetzt über eine Fortsetzung nach. "Ich mache mir jeden Tag über einen Nachfolger zu "Body Of The Lifeforce" meine Gedanken. Ich will es nach der gleichen Formel kreieren, es soll nur besser sein. Einige Artists, mit denen ich schon auf meinem Debüt gearbeitet habe, werden wieder mit dabei sein und es wird ein paar neue geben. Es soll sich alternativ anhören, aber immer noch 100% HipHop sein. Ich will alle Vibes einfangen".

Afu Ra

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Finden wir mal einen gemeinsamen Nenner. Status und Geprotze ausgeschlossen. Wie wäre es also mit Wissen, Weisheit und Verständnis. Damit kann man sich ja als fühlender und denkender Mensch auch identifizieren. Klug erkannt von Afu-Ra, MC aus New York. Knowledge droppen, gerade wenn es ums Geld geht: Vor ein paar Jahren traf Afu-Ra in seinem Heimatbezirk Brooklyn auf Jeru The Damaja und durfte auf dessen Debüt-LP ein paar Zeilen mitrappen, worauf er sich heute gerne beruft. Fame vorprogrammieren: „Mental Stamina“ hiess das Lied, und diesem Pfad ist er immer treu geblieben. So auch auf seiner LP "Body Of The Lifeforce", die allerlei Leute aus dem D&D Studio-Umfeld featuret und von Premier produziert wurde. Afu-Ra’s Mission ist es, genießbare Musik zu machen. Und gleichzeitig "eine Art der Weiterentwicklung voranzutreiben". Das soll mittels seiner fürs Rappen gut geeigneten Schlagwort- Philosophie geschehen.
"Influential Scientifical Power"
und Gleichheit, Friede und Einheit. Zudem macht Afu-Ra Taek-Won Do, denn das Leben ist ein Kampf. "Du musst mit dir selber kämpfen, um nicht in Versuchung zu geraten. Der eigentliche Kampf ist es, darüber nachzudenken, was das ultimative Ziel deines Lebens ist." Und gegen die unsichtbaren negativen Energien in der Gesellschaft anzukämpfen, Positivität und Negativität auszuwiegen.

Außerdem Selbstüberwindung: "Seinen Willen zu beherrschen, das ist alles, worum es geht." Die Konsequenz ist für Afu-Ra, die erkannte Weisheit durch HipHop weiterzugeben. Ein überlegtes Erbe für die Nachwelt. "Denn wenn es etwas gibt, wofür ich den Leuten auf meine Musik bezogen in Erinnerung bleiben möchte, dann ist es influential scientifical power." Das Ganze gestaltet sich etwas widersprüchlich, denn Afu-Ra ist zwar Fünf- Prozenter, fühlt sich den fünf Prozent aber nicht zugehörig. Dennoch kein Zwiespalt, denn auch wenn die Weisheit nicht aus einem selbst rauswächst, kann man sie trotzdem vermitteln. Zumindest die dazugehörigen Wörter und damit positive Energie. So hat sich Afu-Ra Mitte der 90er seinen Namen, der auf deutsch genau wie sein Album "Körper der Lebenskraft" heisst, in Anlehnung an ein Buch über altägyptische Weltsicht angeeignet. Um sein Leben ein wenig zum Positiven hin zu verändern und Spiritualität reinzubringen. Denn sein Karma schien damals ungut, daher kam ein Namenswechsel zur Lebensverbesserung ganz gelegen.

Wiedergeburt durch veränderten Weltumgang. Boot des Sonnengottes Afu Ra Trotz allem hat Afu-Ra keine Ambitionen zur konkreten Weltverbesserung: "Ich will kein Rapper sein, der die politische Struktur unserer Nation aufbricht, indem ich zeige, was falsch ist. Ich glaube nicht, dass es das ist, was unser Volk braucht. Ich meine, dass unser Volk ein Gespür für mentale Weiterentwicklung über den Dingen braucht, das bedeutet alles. Selbstbeherrschung ist dein Schlüssel für alle Probleme, die dir im Leben begegnen." Dazu will Afu-Ra den Matschbirnen dieser Erde mit Hilfe seiner Texte verhelfen. Die bestehen grösstenteils aus bedeutungsschweren Wörtern, deren Inhalt vor lauter Reimen vielleicht ein wenig in den Hintergrund gerückt ist (zumindest für den Vortragenden). Aber auch leere Weisheit rockt auf dicken Beats. Im September gibt es wahrscheinlich ein neues Album von Afu-Ra. "Body of the Lifeforce" ist bereits mit allerlei Gast-Features bei Koch Records erschienen.

Afrob

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Ein deutschsprachiger MC, den alle kennen, aber nicht alle lieben – im Gegenteil: viele sogar wack finden, weil er sich dem derzeitigen Double-Rhyme- und Metaphern-Diktat nicht beugt – ist wieder auf der Plattform. Mit neuem Album steht er für alle sichtbar da und stellt mal wieder unter Beweis, dass auch in Deutschland HipHop Message heißen kann und dass es auch hier genug Themen gibt, die es anzufassen lohnt. Sicher werden das einige Leute in ihren Vorgärten wieder nicht kapieren und lieber weiterhin Porno- und Gangster-Klischees fröhnen, aber sollen sie doch. Ein gallisches Dorf namens Afrob steht mit Stimme und Flow dagegen. Lest, was er Jan Kage im Interview anvertraute.

rap.de: Was ich bei dir besonders schätze, ist zum einen der Flow, weil du für ´nen Deutschen so untypisch bist. Du hast so ´ne Energie, die an sich eigentlich eher Franzosen haben oder afrikanische Sachen. Und was ich richtig geil finde, ist, dass du auch über Schmerzen und Leiden sprichst. Inwieweit inspirieren dich diese Schmerzen oder das Überstehen von Schmerzen auch?

Afrob: Ich würde auch lieber ohne Schmerzen leben, aber es gibt eben viele Sachen, die mich einfach frustrieren, als Schwarzafrikaner in Mitteleuropa. Manche Leute – hab´ ich auch gerade gerappt – machen sich lustig über Leute wie Skills en Masse. Natürlich kommen wir nicht aus dem Ghetto, ich ja auch nicht. Aber es gibt schon bestimmte gesellschaftliche Ausgrenzungspraktiken, die nur auf uns greifen, und ich sehe auch Sachen, die manche Leute gar nicht sehen. Ich verarbeite da auch gar nichts, sondern versuche nur, ein Bewusstsein für Leute zu schaffen, denen es genauso geht wie mir. Aber nicht nur für Schwarze, sondern auch für Leute mit den gleichen Träumen und Schmerzen. Das kannst auch du sein oder was weiß ich wer – wir wollen da niemanden ausgrenzen. Ich wäre auch froh, wenn ich nicht über Schmerzen rappen müsste, und ich mache ja auch normale Sachen. Ich rappe auch mal ´nen Battletrack oder ´ne Story oder so. Aber hauptsächlich… das ist halt mein Leben, und davor kann ich mich auch nicht verstecken.
rap.de: Wahrscheinlich ist es, wie Meli sagt: ‚Alle Leute mit Schmerzen sehen aus wie wir‘, oder?

Afrob: Ja – im übertragenen Sinn. Ich meine, du kannst dich mit vielen Leuten cool unterhalten, und viele begreifen das auch. Das ist ja auch kein Spaß, hier werden ja Leute getötet. Das ist ja nicht einfach so dahergequatscht. Das trifft schon zu.
rap.de: Es gibt Leute, die ausgegrenzt werden – und ich denke, das kann verschiedene Gründe geben: Du kannst ´ne andere Hautfarbe haben, kannst uncoole Klamotten haben, der Klassendepp sein…

Afrob: Ja, du kannst uncoole Klamotten haben, oder deine Schuhe sind im Arsch und die Leute machen sich über dich lustig, z.B. in der Schule… das ist alles schlimm. So hart das jetzt klingt: Du musst trotzdem wissen, worüber es sich wirklich lohnt, zu rappen. Es reicht nicht, wenn du über die Mängel in Schulen oder pädagogische Mängel und sowas rappst, weil es nicht so wichtig ist, wie das Thema, das wir jetzt voranbringen.
rap.de: Du wirst ja auch nicht umgebracht für beschissene Schuhe oder so….

Afrob: Genau… ja, so ungefähr…
rap.de: Ich habe da neulich mit Harris von den Spezializtz drüber gesprochen, und der meinte, dass ihn diese Probleme und die Thematik ‚Schwarze in Deutschland‘ gar nicht interessiert. Ich glaube auch, dass es ein Unterschied ist, ob du jetzt in Berlin aufwächst oder in Süddeutschland. Die ganzen Türken, die ich aus Süddeutschland kenne, sagen z.B. alle zu sich selber ‚Ausländer‘, obwohl sie ja hier geboren sind. Das macht in Berlin keiner…

Afrob: …die sagen: ‚Ich bin Berliner!‘, und das ist auch cool. Das hat eben auch was mit der Lage zu tun, das sind ja alles Ideologien. Bei uns in Baden-Württemberg waren die Republikaner 10 Jahre lang mit über 10% im Landtag, von den 70%, die wählen gehen, wählen 10% diese Leute – das ist viel zuviel. Und deshalb kann man sich in Berlin vielleicht nicht vorstellen, was da los ist. Hier ist das ganz anders. Und wenn ich nach Hamburg, Köln oder Berlin komme, fühle ich mich wie ein Mensch. Du wirst nicht blöd angekuckt, das ist wunderschön.

rap.de: Das ist wirklich so, dass es in Süddeutschland ´ne andere Erfahrung ist.

Afrob: Das ist ´ne komplett andere Welt, richtig krass. Darunter leidet auch mein Lokalpatriotismus, ich kann nicht sagen: ‚Hier Stuttgart, Stuttgart!‘ – ich scheiß auf Stuttgart, weißt du. Ich scheiß auf den ganzen Apparat da, das interessiert mich einen Dreck. Da gibt’s meine Homies, mit denen ich aufgewachsen bin, das sind meine Leute. Aber die Stadt… die tun ´nen Scheiß für mich. Ich represente und represente und sag: ‚Yeah, Stuttgart ist cool!‘ , aber Stuttgart ist nicht cool, Stuttgart ist Scheiße. Und die Leute, die cool sind, die tun nichts dafür, dass sie ´ne coolere Atmo haben. Von denen geht auch keiner wählen, das interessiert die ´nen Scheiß. Wenn du auf Konzerten erzählst, es ist wichtig, dass ihr wählen geht, dann interessiert die das einen Scheißdreck. Und weißt du, warum? Weil die nicht betroffen sind. Du wirst sehen, wenn in Deutschland was passiert, so wie in Oklahoma… Mann, der hat einfach 168 Leute getötet, mit ´ner Bombe. Warte mal, bis hier das KaDeWe in die Luft geht oder sowas, dann werden die erst sagen: ‚Oooh, die tun ja auch was.‘ All die Leute dieser neuen Mitte mit ihrer Einwanderungspolitik und all dem. Dann überlegen sie, ob diese Parteien verfassungsfeindlich sind. Die rennen rum mit solchen Transparenten wie: ‚Nationaler Widerstand‘. Ich bitte dich! Also, da brauchen wir doch nicht drüber zu reden, ob die verfassungsfeindlich sind oder nicht. Das Schlimmste: Bei der Wahl jetzt haben die voll gelost. Aber die Leute, die die sonst wählen, wählen dann halt mal die SPD oder CDU. Das juckt die einen Scheiß. So ist das, und bis du da mal ´ne Wohnung gefunden hast als Neger, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Am Telefon sind sie die Nettesten der Welt. Du sprichst super Deutsch ohne Dialekt, die stellen sich dich superjung vor, bis man vorbeikommt. Dann machen die vor dir die Tür zu und sagen: ‚Nee, mit dir hab ich nicht geredet!‘. Ich will jetzt auch nicht rumheulen, ich will auch nicht mehr dazugehören. Früher war das anders, als kleiner Junge. Aber ich hab´ schon so viel erlebt. Ich leb´ seit 24 Jahren hier. Und glaub mir, ich kenn´ dieses Land. Ich hab 7 Jahre in Niedersachsen gelebt, in Karlsruhe und in Stuttgart. Ich bin oft in Berlin und fahre auch oft rum, ich hab dieses Land echt aufgegeben.
rap.de: Lass uns mal über Doublerhymes reden. Es gibt ja viele Leute, die dich da anfeinden und sagen, Afrob nimmt immer nur die einfachen Reime…

Afrob: Die halten mich für blöd und denken, ich sei dumm und ungebildet und so ´nen Scheiß. Aber das ist o.k., die sollen ruhig denken, dass ich ein blöder Neger und ein blöder Tanzafrikaner bin, weil die keine Ahnung haben. Die haben überhaupt keine Ahnung. Ich hab mich auch nicht angestrengt und gedacht, ich muss jetzt hier die Doublerhymes machen… Mann, das ist mein Ding, mein Style. Ob mich die Leute dafür respektieren, interessiert mich einen Scheiß. Die sollen ihr Ding machen und ich mach meins.
rap.de: Ist es nicht so, wenn man mit mehr Inhalt schreibt …
Afrob: Ja Mann… ich will mich ja auch nicht entschuldigen… weißt du, ich hab mir auch überlegt, was ich machen will. Will ich mehr, dass es skillmäßig tighter ist, oder möchte ich was transportieren? Und so weiter. Und ich hab mir gedacht, ein bisschen von beidem wäre ganz cool. Ich denke auch, dass mir das gelungen ist. Ich meine, kuck mal, die Leute, die sind so wack… die hören meine Singles an und denken dies und das. Wenn die sich schon die Mühe machen, mich zu judgen, dann sollen die sich mal das Album anhören. Das muss denen nicht mal gefallen. Wenn die immer sagen, der benutzt nur einfache Wörter – ich weiß schon, wie das hier läuft, mir wird das hier alles zu faschistoid.
rap.de: Das ist doch auch so ein Ding, dass im deutschen HipHop Rap nicht als Kommunikation betrachtet wird, sondern einfach erst mal als ein technisches Spielchen. Hör mal, ich kann vier Silben aufeinander reimen… 

Afrob: Genau – die sind schon intelligent, die da kommen. Aber ich persönlich steh´ mehr auf Typen. Für mich müssen das keine Megacannabisstyletypen sein: 8 Doublerhymes, weißt du. Ich bin ferrisgeil, Da Fource oder so Typen mag ich. Das ist immer Geschmackssache. Aber wenn die sagen, ich hätte weniger Skills, weil ich die einfachsten Rhymes hätte, ist das auch o.k., sollen die ruhig denken, dass ich keine Skills hätte. Ich mach mich nicht zur Bitch, nur um den Leuten zu gefallen. Ich bin zu alt für so ´ne Scheiße.

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