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Fat Joe rechtfertigt sich

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Erst gestern haben wir über eine Fortsetzung der leicht infantilen Streitereinen zwischen 50 Cent, bzw. Papoose und Fat Joe berichtet. Weitere Neuigkeiten diesbezüglich waren abzusehen. Dass es SO schnell gehen würde jedoch nicht.

Im Internet kursiert nämlich seit ein paar Tagen ein Foto, das Fat Joe als Gast bei einem Knicks Spiel zeigt, blaue Augen und Pflaster zieren sein Gesicht. Begleitet wid dieses Foto von einem Blog auf 50 Cent’s Homepage der behauptet, dass Fat Joe so aussehe da Papoose ihn während ihrer Auseinandersetzung ordentlich verprügelt haben soll (News vom 03.03.2008).
Noch am selben Tag der Fotoveröffentlichung drehte Fat Joe direkt wieder ein Gegenstatement, entlarvt das Foto seines geschundenen Ebenbildes als Photoshopmontage und greift 50 Cent persönlich an, aus seinem sicheren Haus in Connecticut traue er sich nicht, würde dafür aber solche Internetaktionen inszenieren.

"If I did get black eyes, why would I go to the Knicks game with black eyes? C’mon, my n—a. I’m always OK," gibt Fat Joe weiter zu bedenken, weist ebenso auf seine etwas schlankere Figur hin, die er vor einem Jahr, als das ominöse Foto entstanden ist, noch hatte. Und zu guter Letzt bedankt er sich noch bei Fiddy für die ganze Beefgeschichte, da diese ihm natürlich so einige Aufmerksamkeit hat zukommen lassen.

Curtis Jackson kündigt auf seiner Seite noch das zweite G-Unit Mixtape an, welches am 11. März dort als Free Download zu kriegen ist, auch einen Namenswechsel des Tapes hat es gegeben. Es wird nun “Elephant In The Sand“ heißen, das Cover ziert niemand geringerer als Fat Joe himself, seine süße Rückansicht in Badehose. Ein Traum!

Florian Gaag

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Seit unserem Interview mit Florian Gaag zum Kinorelease von "Wholetrain" sind zwei Jahre vergangen und der Film hat, zurecht, weltweit Wellen geschlagen und diverse Preise gewonnen. Nun steht er auch als Kauf DVD in den Läden und auch der Soundtrack ist endlich im Handel erhältlich, Anlass genug um sich ein weiteres Mal mit Florian Gaag zusammen zu setzen und über Graffiti, den Film und Deutschlands Filmlandschaft zu sprechen. Wir trafen uns morgens zu Kaffee und Quarkbällchen und was der Regisseur über illegale Downloads und der Zusammenarbeit mit KRS One zu sagen hatte, könnt ihr hier lesen.

rap.de: Bist du gerade im Rahmen der Berlinale in Berlin?

Florian Gaag: Genau.
rap.de: Wo lebst du, oder wo kommst du her?

Florian Gaag: Gebürtig komme ich aus einer kleinen Stadt an der Grenze zu Tschechien, kennst du aber vermutlich nicht. In der Nähe liegt der größte Straßenstrich Europas. Ich lebe aber in München.
rap.de: Nee, kenne ich nicht. Ich bin aber auch eine typische Berlinerin und etwas ignorant was den Rest von Deutschland angeht. Klingt idyllisch. Aber mit München verbinde ich sehr angenehme Erinnerungen.

Florian Gaag: (lacht) Diese Städtediskussionen finde ich eigentlich müßig, man kann inzwischen von überall agieren.
rap.de: Sprühst du eigentlich noch selber?

Florian Gaag: Schon sehr lange jetzt nicht mehr.
rap.de: Keine Zeit oder keine Lust?

Florian Gaag: Hm, eigentlich keine Zeit mehr, aber auch irgendwo so ein bisschen den Anschluss verloren, meiner Meinung nach, da muss man schon dran bleiben. Also so ein halbes Rentnerdasein finde ich irgendwie bescheuert, also mal paar Monate  bringt irgendwie nichts.

rap.de: Keine Ahnung. Ich kenne mich mit Graffiti ehrlich gesagt herzlich wenig aus.

Florian Gaag: Ist eh auch nur meine Meinung. Gibt genug Leute die das anders sehen. Ich müsste das aber schon manisch betreiben um zufrieden zu sein.
rap.de: Was hält eigentlich den Sprüher beim Sprühen? Ist es der Adrenalinkick beim illegalen Sprühen, ist es das fertige Kunstwerk, was bringt jemanden dazu Nacht für Nacht loszuziehen?

Florian Gaag: Ich denke, das ist für jeden etwas anderes. Es gibt keine allgemein gültige Antwort. Mich persönlich hat das fertige Bild gereizt. Und der Wettstreit, der ja sehr tief geht. Dabei geht es ja darum seinen eigenen Style zu entwickeln, etwas zu schaffen, was unverwechselbar ist.
rap.de: Diesen Wettstreit thematisierst du ja auch in "Wholetrain".

Florian Gaag: Genau. Es gibt aber natürlich unter den Sprühern auch die Zerstörer, die wirklich nur im Sinn haben den nächsten Straßenzug platt zu machen.
rap.de: Ich bin ja auch oft zwiegespalten wenn ich Graffiti sehe. Wie gesagt, ich bin keine Expertin, bzw. habe einfach keine Ahnung und es gibt Bilder an Wänden, die finde ich ansprechend und dann kann ich etwas damit anfangen und dann gibt es Sachen da denke ich: „Hm?“

Florian Gaag: Und „Wofür?“ vermutlich auch. Ja, klar, nachvollziehbar. Das, was ich in einer Stadt spannend finde, wenn man aufmerksam hinguckt, ist, dass man die Entstehung eines Artists verfolgen kann, sehen kann, wie der sozusagen „entsteht“. Das geht vom ersten Tag an einer Kirchentür, was erstens deplaziert und dann vielleicht auch noch totaler Toy-Bullshit ist und fünf Jahre später, machen seine Bilder vielleicht sogar Leuten Spaß die keine Ahnung haben. Aber ich sehe sowas natürlich auch mit anderen Augen. Ich finde sowas dann hübsch oder denke: „Ok, das ist jetzt noch nicht das Gelbe vom Ei.“

rap.de: Ja, klar. Das sind dann die Fähigkeiten die mir fehlen, ich kann halt nicht über eine klare Linienführung sprechen, weil ich nicht weiß, wie das aussieht. Ich habe immer nur einen Gesamteindruck: Gefallen oder Nichtgefallen.

Florian Gaag: Ich habe übrigens auch oft ein Problem damit, wenn dann jemand direkt neben den Friedhofseingang einen riesigen Frauen Character malt, am besten auch noch nackt, also es gibt auch Sachen im Bereich Sprühen, bei denen denke ich einfach nur: „Nee!“
rap.de: Die Pietät wahren?

Florian Gaag: Ja, muss natürlich wie immer jeder selber entscheiden wie er das sieht, aber ich finde halt, der Tag muss nicht unbedingt auf der Tausend Jahre alten Eichentür sein. Echt nicht. Den kann man auch zehn Meter weiter setzen.

 

rap.de: Defintiv. Bringt halt auch eine ganze Kultur, die ich trotz Unwissen anerkenne, in Verruf.

Florian Gaag: Ja richtig. Ich hatte da immer eine gewisse Arbeitsehre.
rap.de: Gehen wir zum eigentlichen Thema, nämlich "Wholetrain", über. Was machst du eigentlich wenn du gerade keine Filme machst?

Florian Gaag: Viel Musik. Ansonsten schreibe ich im Moment viel. Das ist ja das ewige Los des Filmemachers, jedenfalls wenn man mit eigenen Stoffen arbeitet, dass man meistens viel Zeit auf das Schreiben verwendet um das Drehbuch zu perfektionieren, das geht ja über mehrere Fassungen. Und dann versucht man sich wieder irgendeinen Vorschuss zu erhustlen von dem man dann wieder leben kann (lacht).
rap.de: Das wird inzwischen aber leichter geworden sein, oder?

Florian Gaag: Nee. Klar, auf eine Art ist es schon leichter weil "Wholetrain" halt Preise gewonnen hat, also ich bin nicht mehr in ständiger Beweisnot. Was weiterhin halt einfach schwierig ist, ist in Deutschland einen Film zu realisieren, der fernab  der Norm ist, der nicht das gängige Schema Komödie oder Sozialdrama bedient. Dazwischen kann man in Deutschland echt nichts machen und auch "Wholetrain" hat es da sehr schwer gehabt.
rap.de: Dafür ist er doch aber auch in Deutschland ganz gut angekommen.

Florian Gaag: Hm, klar. Aber wenn man die ganze Vorgeschichte kennt, wie schwierig es war diesen Film zu finanzieren, wie viele Hürden überwunden werden mussten, das ging wirklich nur auf Kosten völliger Selbstausbeutung. Ich habe sechs Jahre in dieses Ding investiert und wenn ich das nicht gemacht hätte, wäre dieser Film niemals entstanden.
 
rap.de: Hat es sich gelohnt?

Florian Gaag: Ja, es hat sich gelohnt. Also ich bin innerlich auf jeden Fall gereift (lacht). Aber es ist wirklich lustig, dass viele Leute denken, dass wenn man so einen Film mal draußen hat, dann wird alles einfacher, aber du fängst genauso wieder bei Null an.
rap.de: Ich hätte auch vermutet, dass man nach dem ersten Erfolg quasi „gemacht“ ist.

Florian Gaag: Gar nicht eigentlich. Also man steht wieder vor diesen merkwürdigen Filmförderungsgremien, wo die Menschen überhaupt nicht verstehen wovon du eigentlich redest oder was du gerne umsetzen würdest und du hast eine 50/50 Chance, dass du deinen Film überhaupt finanziell gestemmt bekommst oder halt eben nicht.

 
rap.de: Irgendein konkretes Projekt an dem du arbeitest?

Florian Gaag: Ja, die Bezeichnung klingt so ein bisschen albern, aber es ist ein Musiktheater Projekt, was 2009 gemacht werden soll. Ich werde da wahrscheinlich mit einem Orchester und ein paar Hip Hop Acts zusammen arbeiten. Ich kann dir noch gar nichts konkretes sagen, aber es wird sehr interessant sein (lacht).
rap.de: Ich habe mir "Wholetrain" noch mal angeguckt und vermute, dass meine Mutter und ihre Generation wenn sie den sehen würden, danach nicht einen Deut mehr Verständnis für die Kultur haben. War deine Intention eigentlich den Leuten Sprühen als Kultur näher zu bringen?

Florian Gaag: Ja klar, auf jeden Fall. Aber jetzt nicht auf die Kosten von irgendeiner weichgespülten Darstellung. Ich wollte die Geschichte erzählen wie sie ist und auf keinen Fall jemanden an der Stelle abholen wo man sagen muss: "Ein Wholetrain ist ein…..“ und so weiter. Ich wollte es zeigen wie es ist. Es hängt aber immer auch von der Bereitschaft des individuellen Betrachters ab, inwieweit er sich in die Geschichte hinein ziehen lässt und auch die Schönheit und Besonderheit der Kultur erkennt oder weiterhin nichts anderes als den Vandalismus wahrnimmt.

 

rap.de: Aber die Charaktere die in dem Film dargestellt werden, die sind aber schon so ein bisschen gescheitert, oder?

Florian Gaag: Also was man sagen und sehen muss ist, dass da nur ein sehr begrenzter zeitlicher Ausschnitt zu sehen ist. Ich mache ja keinen großen Bogen, wo gehen sie hin wo kommen sie her, sondern ich erzähle einen kleinen Ausschnitt in dem sie sich mit völliger Passion und völliger Hingabe einer Sache widmen, darum geht es ja in dem Film: Um die Ausschließlichkeit sich mit ganzem Herzen einer Sache zu widmen. Und das kam man entweder aus diesem Film mitnehmen und fühlen, oder man kann es halt nicht. Der Film polarisiert in der Beziehung auch sehr stark. Aber noch mal zu dem was du gerade angesprochen hast: Es ging mir schon auch darum die ganze Geschichte und Kultur plastischer werden zu lassen, alles was die Leute in der Regel sehen sind die Tags an der Wand und interpretieren da alles mögliche rein von wütend bis asozial bis sonst wie und mir ging es darum die Menschen hinter den Bildern zu zeigen und das es wirklich eine Kultur ist, sogar eine recht Komplexe. Viele Reaktionen die ich bekommen habe waren auch von Leuten: "Ich habe da nie viel drin gesehen, aber nach dem Film sehe ich das mit anderen Augen.“

 rap.de: Ok. Ziel erreicht.

Florian Gaag: Aber es war echt nicht meine Hauptintention einen Lehrfilm zu machen, gar nicht, aber es war mir auf jeden wichtig einen Film zu machen, der kein reiner Szenefilm wird, der sich nicht so ghettomäßig verschließt und nur dem Hardcorekern Erfüllung bringt, sondern auch die Gradwanderung schafft.
rap.de: Es geht ja nicht nur um Graffiti sondern vor allem auch um Freundschaft, so habe ich das zumindest empfunden.

Florian Gaag: Klar, auch um den sozialen Kosmos. Ich wollte einen Film machen der über seine gesamte Länge Spaß macht zu gucken und den eben auch eine Kultur nicht affiner verstehen kann.

  rap.de: Pikante Frage: Als der Film 2006 anlief, hatte ja nur ein sehr begrenztes Publikum Zugang dazu, weil "Wholetrain" einfach in wenigen Kinos lief. Hier in Berlin hatte man die Möglichkeit, klar, aber XY aus Buxtehude vielleicht nicht. Ist es dir ganz pauschal grundsätzlich lieber wenn die Leute sich den dann illegal im Internet besorgen und gucken, als wenn sie ihn gar nicht zu sehen kriegen?

Florian Gaag: (lacht) Gute Frage. Also wenn du mir nur die zwei Optionen bietest, sage ich auf jeden Fall ja, dann wäre mir das lieber. Aber ich glaube, was viele jüngere Leute nicht verstehen ist, dass wenn sie sich den rippen, das ein tödliches Signal ist. Worauf schauen Produzenten, Redakteure, Leute die sich mit Filmen beschäftigen und die finanzieren? Die gucken darauf, ob der Film Quote macht, ob der DVDs verkauft und so weiter. Und wenn das so ist, dann machen sie vielleicht noch mal einen ähnlichen Film oder einen der mit dem Thema zu tun hat und da greift diese Downloadmentalität ganz allgemein einfach zu kurz, der Supportgedanke für jemanden der etwas auf die Beine stellt ist bei vielen halt einfach komplett verloren gegangen. Per se ist die Download Geschichte ja nichts schlechtes, man hat mehr Kanäle über die man sich verbreiten kann und kann mehr Leute erreichen. Aber gerade dieses Thema Hip Hop/Graffiti wird es leider weiterhin schwer haben im deutschen Film, auch dadurch, dass es so viele Probleme mit den Kinos gab, viele Kinos wollten den erst nicht zeigen.
rap.de: Hab ich gelesen. Erzähl noch mal.

Florian Gaag: Das war ein ziemlich harter Kampf, wie gesagt, viele Kinos wollten den gar nicht zeigen mit Originaltext in der Begründung: "Wir wollen dieses Publikum nicht im Kinosaal,“ und deswegen gab es wenige Kinos die den überhaupt ins Programm genommen haben. Das ist sehr schade, ich treffe jetzt jeden Tag Leute die mir sagen: "Hey, ich habe so lange auf den Film gewartet, als er dann draußen war, habe ich den verpasst weil ich nicht wusste wo und wann er zu sehen ist.“ Und das hatte natürlich viele komplexe Gründe. Es gibt eine Förderung für Marketingaktivitäten, aber diese Quelle wurde uns einfach drei Mal abgelehnt und damit war überhaupt kein Geld da um zu plakatieren oder sonstwie Promo zu machen. Riesenproblem. Aber um noch mal auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen. Klar ist es mir lieber die Leute gucken sich den im Internet an, als das sie ihn gar nicht zu sehen bekommen, aber am allerliebsten wäre mir, sie würden sich dann jetzt auch die DVD kaufen (lacht).
 
rap.de: (lacht) Eh klar.

Florian Gaag: Da steckt mehr dahinter als ein reiner Bereicherungsgedanke, sondern man muss so was wirklich unterstützen, damit es wiederkommen kann. Den Soundtrack habe ich zum Beispiel komplett selbst finanziert, wenn ich den nicht ansatzweise wieder rein bekomme, kann ich halt keine Musik mehr machen. Ich habe dafür einen Kredit aufgenommen, da geht es für mich darum, kann man so was weiter machen oder nicht.
rap.de: Bleiben wir beim Soundtrack. Der soll ja hier auch Thema sein. Kommt ein Soundtrack nicht normalerweise mit dem Kinofilm in die Läden?

Florian Gaag: Ja, schon, das war ursprünglich auch so geplant, aber es gab so viele vertragliche Dinge die da quer gelaufen sind. Meine Produktion wollte keine Verträge machen, die auch den Soundtrack mit abdecken, also wurde mir das zugeschoben und ich musste mit jedem einzelnen Ami noch mal einen eigenen Vertrag für den Tonträger machen, was bei zehn Amis wie du dir vielleicht vorstellen kannst relativ komplex ist. (lacht)



rap.de: Wie oder nach welchen Kriterien hast du dir die Interpreten für den Soundtrack ausgesucht?

Florian Gaag: Als erstes natürlich mein eigener Geschmack, Leute die mich schon lange prägen und begeistern, also zum Beispiel KRS One. Und dann natürlich Leute die für eine Haltung stehen und die Kultur ernsthaft vertreten und nach Möglichkeit auch eine Affinität zum Writing haben.
rap.de: Ok, es also so authentisch wie möglich halten? Wie muss man sich das eigentlich vorstellen? Ganz plump gefragt: Florian Gaag ruft irgendwo in einem Büro, bei einem Label an und sagt: "Hey, ich hab da einen Film und möchte, dass XY dazu einen Track macht?“

Florian Gaag: Das wäre so schön, wenn das so wäre. (lacht)
rap.de: (lacht) Aber wie ist es denn in Wirklichkeit?

Florian Gaag: Die Wahrheit ist, dass du monatelang in ein hohles Loch hinein rufst und es kommt nichts zurück bis irgendwann endlich was passiert. Nein. So auch nicht. Nicht ganz. (lacht) Es gab verschiedene Strategien. KRS One habe ich zum Beispiel mal nach einem Konzert aufgesucht, andere Leute habe ich in New York getroffen, bei Tame One hat zum Beispiel dessen Mutter den Kontakt hergestellt, bei anderen Leuten musste ich mit dem freaky, durchgeknallten Manager sprechen. Jeder Kontakt hat seine eigene kleine Geschichte. Es ging nur nie schnell. Was ich danach gemacht habe, als der Kontakt hergestellt war, war, dass ich jedem einzelnen „seine“ Szene geschickt habe, geschrieben habe worum es mir geht, ein paar inhaltliche Ideen und dann relativ schnell die Zusagen zurück kamen, weil die Künstler halt gefallen dran gefunden haben und gemerkt haben das ist real.


rap.de: Du hast die Beats selber produziert und dann dem entsprechenden Künstler geschickt, der hat seine Parts geschrieben, zurückgeschickt.

Florian Gaag: Genau. Also klar, ich hatte inhaltliche Ideen für die Tracks, habe denen aber natürlich auch viel Freiheit gelassen. Es gibt zum Beispiel den Track mit Grand Agent, wo die beiden beim Zeichnen sitzen, das ist eher eine Introspektive, ein Moment in dem inne gehalten wird, die Jungs einfach zusammen chillen, dementsprechend muss der Track das bzw. die Stimmung auch repräsentieren.

rap.de: Und hat der Track es geschafft? Bist du zufrieden mit dem Gesamtwerk?

Florian Gaag: Ich mag den Soundtrack gerne. Sehr.

rap.de: Gibt es einen Künstler den du ursprünglich mal angedacht hattest und mit dem die Zusammenarbeit aber nicht geklappt hat?

Florian Gaag: Also der einzige Künstler mit dem ich auf Biegen und Brechen nicht auf einen Nenner gekommen bin, inhaltlich, war Freddie Foxxx. Kann man sich bei dem Typen aber vielleicht auch vorstellen…(lacht). Aber ansonsten war die ganze Geschichte echt erfreulich.

 

rap.de: Welches war der wichtigste Preis den der Film eingefahren hat?

Florian Gaag: Schwer zu sagen, auf ihre Art sind die Preise alle sehr besonders und wichtig.
rap.de: Professionelle Antwort.

Florian Gaag: (lacht) Nee, besonders nahe gegangen sind mir die Preise in New York, weil das die Wiege dieser Kultur ist. Es waren viele Leute da, die das Writing mit "erfunden“ haben und dann einen Preis für einen Film über das Writing zu bekommen, ist schon ein sehr spezieller Moment.
 
rap.de: In den USA läuft der vermutlich auf Deutsch mit englischen Untertiteln?

Florian Gaag: Genau. Normalerweise reagieren Amis bei ausländischen und vor allem deutschen Filmen ein bisschen "verschnupft“, aber der ist denen wie Öl runter gegangen. Ich arbeite auch gerade an einem amerikanischen Release.
rap.de: Dann auch synchronisiert?

Florian Gaag: Es gibt Überlegungen dazu, ich bin mir aber einfach echt noch nicht sicher wie ich das handhabe. Synchronisierte Filme sind etwas, was in der amerikansichen Kultur einfach nicht besonders gemocht wird, die sind in ihrer ganzen Art Filme zu sehen so viel sensibler als wir, wenn Film nicht exakt Lipsync ist, dann kommen die einfach nicht klar, die wollen grundsätzlich lieber Untertitel.
rap.de: Dann sollen ’se doch Untertitel haben, oder?

Florian Gaag: (lacht) Dann sollen sie kriegen was sie wollen, ja. Ist auf jeden Fall einfacher.
rap.de: Verbleiben wir so. Viel Erfolg für deine Projekte, halte uns auf dem Laufenden. Danke für’s Fragen beantworten.

Florian Gaag: Ja, ebenso und bis dann.

Morlockk Dilemma

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Nach dem ersten Streich mit Damion Davis, lassen wir die Herren Dexter und V.Raeter auf Deutschlands absolute Nachwuchshoffnung Morlockk Dilemma los. In diesem Fall passt die Mischung schon aus dem Grund, weil unsere Interview-Produzenten beide auch auf Dilemmas to-go-for und to-listen-to Album "Omnipotenz In D-Moll" mit ihren Produktionen vertreten sind. Außerdem sei an dieser Stelle daran erinnert, dass genau jener Herr Dilemma mit einer unfassbar lesenswerten Kolumne über "Feuer Über Deutschland 2" unsere "Aus der Szene, für die Szene"-Reihe gestartet hat. Nun präsentieren wir euch das Protokoll einer Konferenz unter Arbeitskollegen. Gute Sache das.

V.Raeter: Hallo lieber Morlockk, wie geht’s dir?

Morlockk Dilemma: Es geht mir blendend. Nein, nicht blendend, es geht mir wie immer.
 
V.Raeter: Ich erlebe dich immer als sehr freundlichen und lustigen Zeitgenossen. Du lebst also in den Texten deine andere Seite aus? Stichwort: Bloody Cartoons…

Morlockk Dilemma: Naja, ich bin auch in den Texten sehr freundlich und lustig. Kommt auf den Humor an, den der Zuhörer hat. Das „Bloody Cartoons“-Ding ist einfach bloß eine ans Absurde grenzende Überspitzung der Sachen. Das lässt sich auf alles übertragen. Ich bin wie jeder andere auch. Mal geht’s mir gut, und mal nicht. In der einen Sekunde halte ich mit dir ein lockeres Schwätzchen über die Leichtigkeit des Seins, und im nächsten Moment möchte ich dich zu Staub zermalmen, weil dein Verhalten keinen anderen Schluss zulässt, als dass du der Inbegriff des Bösen bist. Nein mal im Ernst, ich bin geradezu ein Harmoniejunkie, aber glaube daran, dass es nicht nur Licht oder Schatten gibt. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sympathischer Haudegen bin, bei aller Bescheidenheit. Ich habe so viel Liebe zu geben. Daraus kann man ableiten, zu wie viel Hass ich in der Lage bin.
Dexter: Apropos Liebe geben: Es herrscht ja doch ein gewisser Undergroundhype um deine Person. Die Leute mögen dich, egal ob das nun der typische Backpacker ist oder die Bling Bling Fraktion. Auch die Juice erwähnte dich oftmals in ihrem Jahresrückblick 2007 und Falk "Hawkeye" Schacht scheint mir auch einen an dir gefressen zu haben. Was gedenkst du zu tun um diesen Hype aufrechtzuerhalten?

Morlockk Dilemma: Ich mach alles so, wie ich es gemacht habe, bevor mich diese Leute mochten. Natürlich hat mich der Hype verändert. Ich putz mir zum Beispiel jetzt mit Sekt die Zähne und benutze ein 1:1 Replikat des heiligen Grals als Aschenbecher. Aber musikalisch mache ich den selben Crap wie vor 3 Jahren, nur besser. Hawkeye meinte letztens irgendwo, er habe die Büchse der Pandora geöffnet, indem er mich empfohlen habe. Jetzt will natürlich jeder Horst eine Empfehlung von ihm. Ich könnte ihm daher auch aus reiner Nächstenliebe verzeihen, wenn er mich nicht mehr erwähnt. Ich weiß ja, dass er meine Sachen feiert. Und ich weiß auch, dass er weiß, dass alle Menschen, die mich nicht feiern, ignorante Unmenschen sind. Und ich weiß, dass er damit Recht hat.



Dexter: Hast du eigentlich Angst, dass dieser Hype ganz plötzlich wieder verpufft?

Morlockk Dilemma: Nein, ich habe nur Angst davor, von Charlotte Roche vergewaltigt zu werden. Im Ernst, ich bin mir sogar sicher, dass der Hype weniger wird. Ich muss mich bloß jetzt schon seelisch darauf vorbereiten, dass ich in einem halben Jahr weniger Heiratsanträge und Briefbomben bekomme. Ich werde also in kein psychisches Loch fallen. Aber vielleicht ist das alles hier erst der Anfang einer Karriere voll demagogischen Zaubers.
Dexter: Ein Ende deines Hypes ist ja auch im Moment wirklich nicht abzusehen. Ich würde sogar eher vom Gegenteil ausgehen: Am 29. Februar erschien dein drittes Soloalbum "Omnipotenz In D-Moll". Was hast du dir damit für Ziele gesteckt und was wird uns auf den Tracks erwarten?

Morlockk Dilemma: Keine Ziele, keine Erwartungen. Es ist einfach ein weiteres nichtiges Puzzleteilchen meines Gesamtwerks. Ich könnte ja an der Stelle noch mal den Pressetext runterbeten… Das ist auch eine echt üble Standardfrage. Andere Rapper lassen sich dann hinreißen zu Sätzen wie "Da sind auch deepe Sachen drauf, so was zum Nachdenken" oder "Also die Fans erwartet auf jeden Fall viel“.

V.Raeter: Du hast ja ein Lied geschrieben, in dem du einen Hip Hop Redakteur besuchst. Lass uns nicht über die überraschende Wendung in dem Song sprechen sondern über dein Verhältnis zu illegalen Downloads. Sind die nicht als Chance zu sehen neue Fans zu gewinnen? Kaufen Fans nicht auch Sachen die sie zunächst runtergeladen haben? Muss es nicht sogar so laufen, um letztlich ins große Spiel zu kommen?

Morlockk Dilemma: Kann sein. Es wäre jedoch ein frommer Wunsch, dass sich jeder, der sich das Album downloadet, das dann auch kauft, aber die Hoffnung an das Gute stirbt zuletzt. Dass irgendwelche Leute den Kram irgendwann ins Netz stellen, find ich auch nicht so schlimm. Hart wird es, wenn es Redakteure machen, die die Sachen ja schon vor dem Release bekommen. Die wissen ja, dass da ein kleines Indielabel dahintersteckt, und dass da immer mit Risiko gefahren wird. Mit diesen Kreaturen hab‘ ich kein Mitleid, weil es bewusstes Schaden ist. Aber wir werden sie kriegen, diese Maden.
Dexter: Was viele vielleicht nicht wissen, du bist selber Produzent und hast den Großteil deines Albums selbst produziert. Was muss ein Dilemmabeat alles haben?

Morlockk Dilemma: Eine Kick, eine Snare und ein rasselndes Etwas von einer HiHat. Eine gequälte Melodie ist auch nicht schlecht. Grundsätzlich ein Loop, bei dem man vorm geistigen Auge die Stadt in Flammen stehen sieht. Ein Dilemmabeat sollte im besten Fall als Soundtrack dienen können, für ein kurzes Scharmützel, indem ein Heer aus Reitersoldaten ein paar Bauern niedermacht. Im Vorbeireiten und für die gute Sache natürlich. Manchmal darf er aber auch funky sein.

Dexter: Wo gehst du diggen? Deine Samples sind obskur und selbst für Die-Hard Digger nicht immer einfach zurückzuverfolgen…

Morlockk Dilemma: Das verrate ich nicht. Es ist aber einfacher, als man denkt. Man braucht bloß viel Geduld, und muss sich den Tag speziell organisieren. Ich zieh‘ mir viele Sachen auf den Player und höre die unterwegs durch. Dann habe ich abends meist schon viel eingegrenzt.
 
Dexter: Verrätst du V.Raeter und mir das Sample von "Ruff Rugged´n Raw Pt. 2" ? Ich muss nämlich gestehen, dass der Beat alles killt…(oder hältst du es wie Necro: "Dig a grave for yourself…")

Morlockk Dilemma: Ich werde es euch später sagen. Man kann nie wissen, wer diese Information wie benutzt.
V.Raeter: Ich werde dich dran erinnern. Sag mal. Siehst du dich eigentlich als Teil der Kampfgruppe die den Osten auf die Karte bringt? Oder hängt dir das Ost-West Ding auch so zum Hals raus?

Morlockk Dilemma: Hmm. Da hast du ja geschickt auf Joe Rilla angespielt. Also ich find‘ die Sache cool, sie lenkt den Fokus ja auch automatisch auf meine Sachen. Ich wäre auch gar nicht zu so einer Kampagne in der Lage gewesen. Grundsätzlich mache ich keine Unterschiede zwischen Ost und West. Klar gibt es innerhalb Deutschlands Mentalitätsunterschiede, aber die wirst du auch mitbekommen, wenn du aus Bayern an die Küste kommst. Solche Unterschiede bereichern ja auch ein Land. Wäre doch furchtbar, wenn alle im Gleichschritt ticken würden. Aber zurück zur Frage. Ich glaube, jeder repräsentiert automatisch seine Gegend, wenn er authentische Musik macht. Und Plattenbau Ost machen das. Von daher unterstütze ich das auch auf meine Art.

V.Raeter: Ist der Grund für deine zynische, ja fast pessimistische Weltsicht auf deine Vergangenheit zurückzuführen? In Berlin haben wir die Wende ja ganz anders wahrgenommen als weiter östlich zum Beispiel in Leipzig.

Morlockk Dilemma: Das kann ich dir nicht sagen, weil mir der andere Blickwinkel fehlt. Man kann sich und sein Umfeld schlecht von Außen betrachten. Aber es steht den Menschen auf der Straße ins Gesicht geschrieben. Nach der Wende war Hoffnung, Aufbruchsstimmung. Ein paar Jahre später wusste jeder wie Kiwis schmecken aber vor allem auch wie Joblosigleit schmeckt. Nix „blühende Landschaften“. Klar, hier ist ’ne Menge Asche reingerollt, aber perspektivlose Kids besaufen sich genau so an einer neu gemachten Bushaltestelle wie an einer alten. Ich bin aber kein Pessimist, sondern Realist. Wenn jemand den Menschen eine Perspektive gibt, wird man definitiv weniger Babys in Blumenkästen finden. Versprochen. Dieser Jemand bin aber nicht ich. Ich schreibe bloß auf, was ich sehe. Ich habe bloß geschärfte Sinne, die ein Fluch sein können. Ich wäre viel lieber ein Autist, der mit komplexen Zahlenrechnereien ein Vermögen macht.

Dexter: Du sagst, dass deine geschärften Sinne ein Fluch sein können. Gab es denn mal eine Zeit in der dir genau das, also Rap, kein Spass mehr gemacht hat und du gesagt hast, "Scheiss drauf", ich lass den Kram jetzt?

Morlockk Dilemma: Ja. Weihnachten. Da bin ich in Leipzig vor Alcoholics aufgetreten. Die haben mir Probs für den Flow gegeben, aber ich habe überhaupt nichts gefühlt. Gar nichts. Ich mein, wenn du anfängst zu rappen, steckst du dir kleine Ziele. Und der Abend wäre so ein Ziel gewesen. Aber ich war total leer und der Gig hat auch keinen Spaß gemacht. Da hab ich kurz überlegt, aufzuhören. Zum Glück bin ich aber noch für die nächsten 82 Jahre an meinen SnuffPro-Knebelvertrag gebunden. Ich muss also weitermachen.
V.Raeter: Nochmal zu meiner letzten Frage: Ist diese Perspektivlosigkeit das, was dich mit dem Pott / Lakman verbindet, der ja auch einen Featurepart auf deinem neuen Album hat?

Morlockk Dilemma: Naja, im Pott sind ja leider vergleichbare Verhältnisse was Arbeitslosigkeit betrifft. Aber ich fühle mich dort auch wohl. Die Leute sind wirklich sehr herzlich. Das haben wir erst wieder beim Dreh von FÜD2 bemerkt. Auf der anderen Seite ist Laki auch ein Typ, den man lieben muss für seine Art. Ich war früher großer Fan von seinen Sachen, und bin froh, dass ich ihn endlich auf meinem Album habe. Das wird auch zukünftig so weitergehen, hoffe ich.

V.Raeter: Zurück zu diesem nach der Wende-Ding: Ich komme aus Berlin Prenzlauer Berg, ein Viertel das sich in den 90er Jahren sehr stark vor allem durch Schwaben (no Dexter) veränderte, was zum Protest der Jugend führte, welcher sich auch stark in unserer Musik wiederfand. Leipzig erfährt in den letzten Jahren auch einen gewissen Aufschwung durch die dort ansässige Kunsthochschule und immer mehr Galerien. Wie siehst du diese Veränderung? Verarbeitest du sowas?

Morlockk Dilemma: Leipzig wandelt sich seit der Wende, aber man erkennt noch nicht wohin. Das ist in Leipzig auch stark vom Stadtteil abhängig. Leipzig Grünau, das Viertel meiner Jugend z.B., wird immer mehr abgerissen. Das ist auch eine Entwicklung. Südvorstadt und Zentrum blühen auf zu Kulturzentren. Mal sehen, wann es versnobt. Die Wurfgeschosse liegen schon bereit.

 


V.Raeter: In Leipzig bist du ja fast schon ein Urgestein. Gibt es schon Leute die nachziehen? Wie sieht die Leipziger Rapszene aus?

Morlockk Dilemma: Urgestein klingt gut. Es gab aber auch schon viele Leute vor mir: DJ Oppossum, Microphoenix, Lockstoff… Natürlich habe ich längst den Überblick verloren, wer da heute alles rappt. Vor 5 Jahren kannte sich da noch jeder. Aber das ist völlig okay. Soweit es geht, versuchen wir die jungen Leute auch zu unterstützen, aber wir sind ja selbst noch im Aufbau. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was noch kommt. Es ist definitiv schwerer geworden, Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber dafür steigen die Kids mit einem viel höheren technischen Standard ein, als zu der Zeit, wo ich angefangen habe.

Dexter: Mal ganz einfach gefragt: Was sind denn eigentlich deine Ziele im hiesigen Rapgeschäft? Bist du zufrieden wie es läuft oder möchtest du tatsächlich die große Kohle mit Rap machen und ein Feature von Bushido?

Morlockk Dilemma: Ich möchte ein Feature mit Avril Lavigne. Ich benutze ihre Krawatte als Reitgeschirr. Danach werde ich sie verlassen und sie wird ihre Gesangskarriere an den Nagel hängen und drogenabhängig werden. Irgendwann wird sie die Trennung verarbeitet haben, weil sie erkannt hat, dass ich doch nicht der Messias bin, sondern nur ein ziemlich gerissener Ficker. Meine Karriere habe ich schon längst skizziert. Ich werde noch 1,2 Jahre den bodenständigen, selbstreflektierten HipHop-Soldier mimen. Ohne dass es jemand bemerkt, werden sich die Themen ändern, genauso wie mein Erscheinungsbild. Am Ende werde ich das Schwein sein, das ich heute noch verteufel. Dann wird es aber schon zu spät sein, denn es wird keine Kontinente mehr geben, sondern eine Art neues Pangea. Ein einziger Kontinent, der die Form meines Konterfeis angenommen hat. Dann wurde aus dem Morlockk ein Eloy. Der Obereloy.
Dexter: Um mal im Beckmann´schen Ton zu fragen: Was macht ein Morlockk Dilemma im "richtigen" Leben?
 
Morlockk Dilemma: Er besucht Präparartionswettbewerbe, hilft alten Menschen über die Kreuzung, kreuzt sich mit Abschlussballköniginnen, beobachtet den Sonnenverlauf, pisst im Stehen, frisst, verdaut und scheißt. Das macht er.

Dexter: Aha. Folgendes habe ich auch Damion gefragt: Im Jahr 07 kamen sehr viele andersartige, neue Künstler in Deutschland empor. Damion Davis, Huss und Hodn, Sir Serch, V.Mann und viele mehr. Mit ein paar von ihnen hast du selber musikalisch zu tun. Siehst du dich als Teil dieser neuen Bewegung im deutschen Rap, oder eher als Einzelkämpfer?

Morlockk Dilemma: Sowohl als auch. Ich arbeite am Liebsten im Team, aber gerade bei Solos bist du, was die kreative Gestaltung betrifft, weitgehend auf dich gestellt. Du musst dafür gerade stehen, das macht dich zu einer Art Einzelkämpfer. Ich sehe das auch nicht unbedingt als eine Bewegung an. Damion, Serch und Co. haben ja schon viele Jahre vorher Musik gemacht. Jetzt bemerkt es die Öffentlichkeit. Dass das bei vielen Künstlern in einem ähnlichen Zeitraum passiert ist, ist Zufall. Und die positive Resonanz der Leute liegt vielleicht auch darin, dass sie mal was anderes hören wollen.



Dexter: Wird es einen Nachfolger des allerorts gefeierten "Hang Zur Dramatik" mit V.Mann geben? Knüpft ihr an dessen Erfolgsrezept an oder sollten wir etwas anderes erwarten?

Morlockk Dilemma: Ja. Erwartet nichts und werdet reich belohnt.
Dexter: Wer bitet eigentlich wen? V.Mann dich, oder du V.Mann?

Morlockk Dilemma: Wir haben uns an einem wichtigen Punkt unserer kreativen Entwicklung kennengelernt und fast parallel weiter entwickelt. Auch wenn es sich für viele Leute gleich anhört, ich finde immer noch große Unterschiede bei uns im Flow. Das ist aber auch nur deshalb so kompliziert für die Leute, weil sie sich voll an diese Standard Reimschemen gewöhnt haben. Deren Horizont endet mit Doubletime. Die Stakkatoflows wollen die nicht begreifen. Die Frage müsste man anders formulieren. Haben wir beide Lord Scan gebitet? Aber wir haben viel von einander gelernt. Beim Schreiben von "Hang Zur Dramatik“ haben wir uns ja gegenseitig immer wieder an Geschwindigkeit überboten, noch mehr Silben in die Lines gepackt usw. Das prägt den Style. V.Mann ist definitiv poetischer und kann morbidere Bilder zeichnen. Ich schreib bessere Lines. Hah!

Various – WholeTrain OST

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Für viele ist der Film vielleicht schon in Vergessenheit geraten, deshalb umso besser, hier in meiner Funktion als Rezensent des Soundtracks von "WholeTrain“ von Florian Gaag, darauf hinzuweisen, dass der Streifen, der 2006 auf der Berlinale eine besondere Erwähnung fand und nun auf DVD erscheint, wirklich sehenswert ist.  Aber es soll hier um die Musik gehen, die – obwohl eng mit dem Bildmaterial verbunden – doch auch eigenständig etwas hermacht!

Das Besondere ist, dass eben jener Florian Gaag, der nicht nur die Regierolle innehatte, sondern sich auch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich zeichnet, nebenbei auch noch (unter seinem Künstlernamen Aero One) den Soundtrack produziert hat – und das ausgesprochen gut!

Doch noch nicht genug des Verwunderlichen, denn als Rapper, die unweigerlich auf dem Soundtrack eines Films über Graffiti-Writer vertreten sein müssen, konnte der Deutsche auf einige der charismatischsten Vertreter des amerikanischen Hip Hop zurückgreifen – und hat dabei darauf geachtet, dass diese größtenteils auch noch mit Graffiti zu tun haben – also Repräsentanten eines vollständigen Hip Hop Lifestyle-Daseins sind.  An vorderster Front wäre hier natürlich "The Teacher“ KRS One zu nennen. Mit dabei sind auch Afu-Ra, die aus Philadelphia stammenden Grand Agent und Reef The Lost Cauze, Akrobatik, O.C., Planet Asia und Artifacts Mitglieder El Da Sensei und Tame One.

Das Album wirkt wie aus einem Guss, ein Kunststück, das selbst gestandenen Produzenten und Artists leider viel zu selten gelingt. Das mag bestimmt an der Zweckmäßigkeit eine Soundtracks liegen, der eine bestimmten Stimmung im Film zu bedienen hat, aber erwähnenswert ist das allemal. Denn es handelt sich immer noch um eigenständige  Hip Hop Tracks (11 an der Zahl), die sich auf diesem Album tummeln. Der Sound ist zugleich ruff, aber auch in einem erträglichen Maße  glatt und rund und speist sich aus einer sehr ansprechenden Soundscape, die vornehmlich aus verfälschten Samples echter Instrumente und Synthies bestehen – es ist also kein knochentrockener Oldskool Sound, sondern eher ein weiter, moderner, der mit ordentlichem Punch in den Drums die Köpfe ordentlich zum nicken bringt. Und so machen sämtliche Rapper auch eine tadellose Figur, angefangen mit KRS-Ones unwiderstehlichem Flow, über die gewohnt guten und gestandenen MCs der Ostküsten-Undergroundszene wie Grand Agent und Reef The Lost Cauze oder Akrobatik aus Boston, der auf "Slow Burna“ (der Name ist Programm) mit seiner bemerkenswerten Stimme dafür sorgt, dass man sich seinen Namen merkt. Auch Premo-Liebling Afu-Ra zeigt auf "Do You Want It“ gewohnte Qualität. Mit dem tendenziell eher düsteren Sound brechen die Tracks "My Name“ (Planet Asia), der etwas Funkyness versprüht, "This Is What I Do“ (wieder Akrobatik), ein Banger, der sogar im Club funktionieren würde, und "Infamous“ (Reef The Lost Cauze), der sich eindeutig am Soul bedient hat. Zu erwähnen wären auch noch die Cuts, die Roger Rekless, beigesteuert hat. Sie sorgen zwar für Abwechslung, wirken dennoch etwas aufgesetzt, wie um in Sachen Realness noch einen draufzusetzen. Schön und gut, wäre aber nicht nötig gewesen. Denn so reicht das Gesamtpaket wirklich aus, um eine coole halbe Stunde damit zu verbringen – ja, ein Album ist natürlich länger, ist klar, aber wenn man Qualität der Quantität vorzieht, ist man hier bestens bedient – und spart sich nebenbei auch noch nervige Skits und obligatorische Albumfüller. Es ergibt sich unterm Strich eine eindeutige Kaufempfehlung!

Sprachtot – Gottes Blutiger Pfad

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Wer meinte Sprachtots Mixtapereihe hätte bereits ihr Ende gefunden wurde dem Relase von "Gottes Blutiger Pfad“ eines besseren belehrt. Hier waren DJ Ron und DJ Shusta am Werk, die ja bereits für eine ganze Menge sehr interessante Produktionen und qualitativ hochwertige Mixtapes (Reihen) am Werk waren. DJ Shusta war auch für den Grossteil der Beatproduktionen auf "Gottes Blutiger Pfad“ verantwortlich. Erste Bilanz ist also, dass da drei Profis an die Arbeit gegangen sind. Viel versprechend.

Das besondere an "Gottes Blutiger Pfad“ ist sicherlich Sprachtots Stimme die so bassig über die Beats rollt, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Bereits das Cover des Mixtapes spiegelt dessen Atmosphäre wieder. Ziemlich düster, was auch hier wieder von dieser massiven Stimme hervorgerufen und unterstrichen wird. Erwähnenswert sicherlich auch das Feature von Tefla auf "Deine Stadt“, ein Track der zu den Besten auf "Gottes Blutiger Pfad“ zählt.

Ansonsten: Nicht besonders kreative Themenwahl oder Umsetzung, aber schöne Wortspiele & sehr klare Ansagen. Etwas mehr Story und weniger inhaltlose Lines hätten dem Release gut getan, zumindest waren es Tracks wie "Selbstmord“ oder "Glaub Mirs“, die mich bisher für Sprachtot eingenommen haben. Der einzige richtige Aussetzer auf "Gottes Blutiger Pfad“ ist aber "Willst Du Mich?“ dessen gepitchter Refrain wirklich gar nicht geht und damit leider die tiefgehenden Lines ruiniert. Positiv aufgefallen ist das melancholische Outro "Ich Erzähl Dir“ und die Ansage an Rapdeutschland "Wo Seit Ihr?“. Filmliebhaber werden sich an den mehrfach eingeschobenen Zitaten erfreuen können. Etwas anstrengend dagegen sind die ständigen DJ Ron/DJ Shusta Einspieler, die natürlich das Prädikat "Mixtape" rechtfertigt, aber der durchschnittliche Zuhörer hat spätestens ab Track 4 von 21 verstanden wer hier wen präsentiert. Überflüssig.

Zum Abschluss möchte ich Sprachtot noch das konsequente Verwechseln von "wie“ und "als“ vorwerfen, ich bin bestimmt nicht pedantisch, war aber mehrmals irritiert. Wer sich daran nicht stört, sollte aber in "Gottes Blutiger Pfad“ reinhören, denn mit Sprachtot ist auch in den nächsten Jahren definitiv zu rechnen. Wer etwas auf sein Deutschrapwissen hält, kommt an Sprachtot längst nicht mehr vorbei. Und an dieser Stimme!

Take Back HipHop

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Craig G und Marley Marl, Mitglieder der legendären Juice Crew haben beschlossen, die Ruder der untergehenden Qualitätsmusik selbst in die Hand zu nehmen und wieder ordentlich in die richtige Richtung zu reissen. Statt sich nur zu beklagen, wollen die beiden lebenden Legenden mit einem Kollaboalbum namens “Take Back HipHop“ dem Rap das zurückgeben, was ihm die letzten Jahre genommen wurde. Die Liebe und Leidenschaft zur Musik soll im Vordergrund stehen, und nicht wie viele Verkäufe man eventuell mit seiner Platte vermerken kann.

“Operation: Take Back Hip-Hop is just what it is, instead of me wasting years complaining along with journalists and everyone else, Marley and I are trying to make change through music. This is my passion, this is what raised me, and I refuse to stand by and watch my culture get destroyed any further with poor quality music,” so Craig G über die Ambitionen der Zusammenarbeit. Auch Marley Marl ist sich sicher, dass die wahren Rapfans nur auf “Take Back HipHop” gewartet haben.

Auch Talib Kweli, Sadat X, Raaka der Dilated Peoples und KRS-One dürfen natürlich nicht bei der Raprettungsaktion fehlen und Marley Marl selbst wird das ganze Projekt produzieren. Das in Philadelphia sesshafte Indielabel Good Hands Records, das unter anderem bereits Camp Lo, Reef The Lost Cauze, Kurupt und Killah Priest eine Heimat bot, wird nun auch dieses einmalige Projekt releasen.

Eine wahrlich rühmliche Platte scheint es zu werden, ein Grund mehr sich auf den Frühling zu freuen, denn da soll das Album bereits veröffentlicht werden.

Der Hahnenkampf geht weiter

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Wie wir bereits mehrfach berichten durften, haben 50 Cent plus Anhang ja bekanntlich diverse Meinungsverschiedenheiten mit Fat Joe und Anhang. Erst am Freitag ließ Fat Joe in einer Videobotschaft verlauten, dass er 50 Cent gerne seine gerade kürzlich gerichteten Beißerchen einschlagen würde.

“He’s mad. We never fought a one-on-one. He should win. I’m being honest with you. You can put your money on that guy. I just want to bust his fucking new teeth he got.”,  so Fat Joe über Fiddy.

Doch damit nicht genug der harten Worte Richtung des G-Unit Rappers, “What he doesn’t understand is that Fat Joe is straight brave heart. I’m a warrior, win or lose…I’m a warrior,” so die Kampfansage des New Yorker MC’s weiter. 

Auch bei einer Radioshow, die 50 Cent moderierte, wäre es mit den Rappern Papoose und Max B, der auch zu Fat Joes Umfeld zählt, zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen, die der Fuffziger gerade noch so vermeiden konnte. Doch bereits einen Tag später, als Papoose und Cassidy sich gerade in einem Hotelzimmer aufhielten, habe Fat Joe mit neunköpfiger Unterstützung Berichten zufolge eben jenes Zimmer gestürmt, wobei es während einer heftigen Auseinandersetzung auch zwei Hiebe von Papoose’ Faust in Fat Joe’s Gesicht gegeben haben soll. Sicherheitspersonal soll dem ganzen Spektakel schließlich ein Ende bereitet haben.

Da wird wohl noch so einiges auf uns zukommen, wollen wir nur hoffen, dass es tatsächlich auch „nur“ bei dem Gebrauch von Fäusten bleibt und vor allem, dass sich die Streithähne bald wieder beruhigen!

Pete Rock – NYs Finest

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Zu Pete Rock muss ja nicht mehr allzu viel gesagt werden. Jeder kennt das New Yorker HipHop-Urgestein, ob bewusst oder unbewusst, jeder Fan amerikanischer Rapmusik kam früher oder später in Berührung mit Pete Rocks  Produktionen, sei es durch eines seiner Alben die er seit 1998 regelmäßig ohne CL Smooth veröffentlichte oder Remixe für jeden erdenklichen New Yorker Rapper und darüber hinaus. Seit Ende der 80er hat er von A wie AZ, B wie Brand Nubian, E wie EPMD, alle Größen des Genres mit seiner Musik verfeinert und mit seinem unverkennbar souligen und jazzigen Style erst den richtigen Charakter verpasst. So wundert es auch nicht, dass nach vier Jahren sein erstes Studioalbum “NY’s Finest“ ausschließlich bekannte Featuregäste beherbergt. Jim Jones, Max B, Sheek Louch, Redman, Little Brother, The Lords Of  The Underground, Raekwon, Masta Killa, Papoose, Namen die die Szene schon seit langem bereichern oder diejenigen, die innerhalb dieser gerade wieder Staub aufgewirbelt haben.

“I’m one of New York’s finest producers”, sagt Pete Rock selbstbewußt auf die Titelwahl seines Albums angesprochen, so simpel ist es also.

Nun habe ich “NY’s Finest“ schon diverse Male durchgehört, und obwohl ich mich sehr auf dieses Release gefreut habe, bleibt bis dato der gewünschte Aha-Effekt aus. Da der gute Mann bereits seit etwa 20 Jahren dem Rapgame angehört, muss man leider sagen, dass es sich eben genau so anhört. Was heißt “leider“, für die einen ist es vielleicht genau das was ihr Herz zum Hüpfen bringt, ich habe allerdings gehofft, dass Pete Rock sich in den letzten vier Jahren um Innovationen bemüht hat.

Nun gut. Nichts desto trotz sind die 15 Tracks natürlich super produziert und eben Pete Rock-mäßig professionell! Die erste Singleauskopplung “914“ mit Styles P und Sheek Louch ist auf dem gesamten Album auch derjenige Track, der am meisten nach vorne geht, erinnert ein wenig an gute alte Wu-Tang Zeiten und lässt einen auf jeden Fall mithoppen. Deepshit, bis hin zu gediegenen Roots-Reggae (“Ready Fe War“). Auch “Don’t Be Mad“, von DJ Green Lantern produziert, ist einer dieser Mitnickmotoren gegen die man sich schwer wehren kann, genauso  bei  “The Best Secret“ mit den Lords Of The Underground. Schmusimusi mit R’nB Hook darf nicht fehlen (“Thats’s What I Am Talking About“).  Man hat das Gefühl sich auf einer Zeitreise zu befinden, auf einer abwechslungsreichen, diverse Styleepochen abgrasend. Vielfältig ist “NY’s Finest“ ganz bestimmt, wer allerdings neue, innovative Schritte der New Yorker Legende erwartet, wird enttäuscht sein, die weniger anspruchsvollen, die von Pete Rock das erwarten was er schon immer gemacht hat, werden mit NY’s Finest ganz bestimmt auf ihre Kosten kommen.

Fazit: Ein bisschen enttäuscht, dass Neuerungen wohl nicht so gerne gesehen sind in New York, ein bisschen beruhigt darüber, dass alles so ist wie es schon immer war.

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