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JAW – Lebendiger Toter

Bekannt wurde JAW wie so viele Rap-Phänomene der heutigen Zeit durch die Battle-Internetplattform RBA. Dort lernte er auch den Boss schlechthin, Kollegah, kennen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Freiburger, der auch als Produzent tätig ist, mit dem ein oder anderem Beat auf „Alphagene“ vertreten war. Mit seinem Label „Weisse Scheisse“ hat JAW ebenfalls noch viel vor, deshalb reichte es uns auch nicht, euch einfach nur einen exklusiven Song zu präsentieren. Nein, wir haben den jungen Mann auch gleich noch interviewt.

 

Du studierst Musikwissenschaften. Ist das für eine Tätigkeit als Künstler hilfreich?
Ja das tue ich, nebenberuflich versteht sich. Ich erfreue mich einer hervorragenden musikalischen Erziehung und künstlerisch-intellektueller Leitmotive, welche mir auch eine Generalbassuntersuchung einer Neptunes-Produktion ermöglichen.
Fehlt Hip Hop intellektueller Input? Braucht Rap wirklich Abitur?
Ach, egal! Die meisten sind strunzdumm, aber das ist ein eher generell menschliches Problem. Nur, die Schlauesten machen oft noch behindertere Musik. Am Besten ganz die Finger von Rap lassen und die Kultur langsam und saftig verrotten lassen.
Du stehst in engem Kontakt zu Selfmade Records. Wo bleibt das Feature?
Kommt, kommt! Lasst euch überraschen. Die haben ja irgendwie auch alle nie Zeit, weil sie mit Britney Spears zu Mittag essen und abends mit George Clooney den nächtlichen Umtrunk des Wiener Philharmonieorchesters unsicher machen.
Welche Rolle spielt das Internet im Künstlerdasein heutzutage? Sind Plattformen wie MySpace eine Chance oder gehen wirkliche Talente in der Masse unter?
Ich bin ja ein reiner Internetrapper. Ich verkaufe die Musik im Internet, bewerbe sie im Internet und lese mir schwachsinnige Kommentare von Päderasten und Weltverbesserern durch. Päderast ist ein gutes Wort,  SD hat das mal gesagt. Das Problem ist natürlich, dass man jetzt noch mehr von Kacke überflutet wird, als das schon seit Unzeiten der Fall ist. Aber  es gibt halt auch ordentliche Competition und alle bellen sich gegenseitig an und ein mancher beißt sogar. Das ist gut, das ist Competition.
Du hast dein eigenes Label namens „Weisse Scheisse“. Rentiert sich so etwas in der jetzigen musikwirtschaftlichen Lage überhaupt noch?
Rentieren tut es sich rein finanziell natürlich nicht, aber darum geht  es nicht. Wir machen Alben, schüren Hass und Antipathien unterm Volk und irgendwann liegt das Geld eh auf der Straße.
Was kommt in Zukunft von dir? Ein Album mit Hollywood Hank war da ja im Gespräch…
Es wird eine EP mit Hollywood kommen mit dem Namen „Menschenfeind EP„. Mehr wird noch nicht verraten. Wir releasen aber erst nach Selfmade.
Wenn du dich zwischen dem Rapper- und dem Produzentendasein entscheiden müsstest: welchem würdest du den Vorzug geben?
Aktuell auf jeden Fall dem Rapperdasein. Ich bin eh ein lausiger Produzent, wenn die ganze Scheiße hier vorbei ist, werde ich endlich mal wieder richtig Klavier spielen oder Gitarre lernen oder so etwas in der Art.

Freiburg gegen Frauenarzt

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Schlechte Nachrichten für alle Fans des gerne mal auch etwas derberen Rap. Wie die "Badische Zeitung" heute berichtete, wird das für den 16. Dezember angesetzte Frauenarzt und Manny Marc Konzert im Freiburger Jazzhaus nicht stattfinden. Laut dem Geschäftsführer des Veranstaltungsortes sei von Seiten der SPD-Fraktion des Gemeinderats "zu viel Druck" ausgeübt worden, als dass man den Auftritt wie geplant durchführen könnte.

 

Die Partei hatte Protest eingereicht, da das Jazzhaus von der Stadt mit 48 000 Euro im Jahr bezuschusst wird und man zwar nicht die Zensur vorantreiben wolle, allerdings sei man "sehr wohl der Meinung, dass frauenfeindlich, rechtsfaschistisch wie auch rassistisch eingefärbte Veranstaltungen nicht mit finanzieller Unterstützung der Stadt stattfinden sollten", so der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hans Essmann.

 

Da die "Atzen Musik"-Tour von den Herren Arzt und Marc also anscheinend sowohl frauenfeindlich als auch rechtsfaschistisch und rassistisch ist, darf das Ganze nicht stattfinden. Das ist schade für all Jene unter euch, die im beschaulichen Freiburg wohnen und gerne Party mit den Atzen gemacht hätten. Etwas peinlich hingegen ist es für die SPD im schönen Breisgau, die sich offensichtlich unzureichend informiert, bevor sie Beschwerde gegen irgendwelche "Porno-Rapper" (Badische Zeitung) einlegt. In München wurden die aktuellen Texte der beiden Rapper übrigens geprüft und für vertretbar befunden. Das Konzert dort ist ab 14 Jahren freigegeben.

Neues aus Amerika

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Irgendwie scheint es unter alternden Hip Hop Stars gang und gäbe zu sein, eine eigene Reality Show zu besitzen. Die Frage, ob es sich dabei ausschließlich um Stars am Ende ihrer Karriere handelt oder ob sich auch welche auf dem Höhepunkt ihres Ruhms dazu entschließen ist noch nicht ganz geklärt. Bei Fifty dürfte es ein Grenzfall sein. Snoop ist definitiv außer Konkurrenz – der darf alles. Flavour Flav’s Show hatte definitiv etwas mit Crack zu tun und Reverend Run war von irgendeiner freikirchlichen Gemeinde zur Erhaltung der Familienwerte finanziert. Ach ja und Coolio. Da regiert offensichtlich Geisteskrankheit.
Bei Suge Knight hätte das ganze auf jeden Fall einen Touch von "broke but busy“ oder auch "komplett bankrott aber real“, zumindest kündigte er im März 2008 vollmundig eine ganz neue Art von Reality Show an: "It ain’t like the fake reality shit. It’s a lot of stuff going on but you gotta watch the show to see what it is. It’s like real life. So whatever it is it’s real life. If you see me in Compton, I’m in Compton. Watts, South Central, Inglewood wherever the fuck it is. No matter where it is. We do it how we do it."

Seit damals war der ehemalige Death Row Besitzer in mehrere aktenkundige Vorfälle verwickelt unter anderem schlug er im August seine langjährige Freundin und bedrohte diese mit einem Messer, rap.de berichtete. Dabei war er zu diesem Zeitpunkt high on Ecstasy, was auf seinen Geisteszustand zurückschließen lässt – wie mag der Mann wohl drauf sein, wenn er nicht auf Liebesdroge ist?

Wie auch immer. Den Fernsehsendern scheint diese Art von Reality nun ein wenig zu real zu sein und offensichtlich findet sich keine Sendeanstalt, welche die Serie tatsächlich produzieren und ausstrahlen möchte. – Schade eigentlich.

Dafür bekommen die Truppen der US-Armee eine unterhaltsame Show der Ying Yang Twins geboten. Wie allhiphop.com berichtete, sind die beiden Flüsterer aus Atlanta Teil einer Show um den ehemaligen UFC Champion Chuck Lidell und werden an 5 unterschiedlichen Truppenstützpunkten weltweit spielen.
Darüberhinaus wollen die beiden Rapper die Einnahmen ihrer neuen Single "Wild Out“, die in den nächsten Wochen auf i-Tunes verkauft wird, dem Brook Army Medical Center in San Antonio spenden, was die Frage aufwirft: Warum so viel Patriotismus? Oder haben die beiden ein schlechtes Gewissen, weil sie nicht gedient haben?

Fragen, die man T-Pain besser nicht stellen sollte. Dieser verschickte zuletzt eine Liste mit Anweisungen an Journalisten, in denen er vorab klar gestellt hat, welche Themen er  zu diskutieren wünscht und welche nicht.
Unter anderem wurde in dem Schreiben klar gestellt, dass Herr Pain genau eine Frage zu Lil Wayne und zukünftigen Projekten mit diesem zulassen würde.
Keine Frage hingegen ist erlaubt, ob und mit wem er ansonsten noch zusammen arbeiten wollen würde.

Falls die Kollegen damit einverstanden sein würden, wäre das alles cool und sie dürften exakt 5 Fragen zum spannenden Leben von T-Pain stellen "otherwise he may he may [sic] get mad."

Tja. Das ist Profishit. Da können sich manche deutschen Künstler noch eine Scheibe abschneiden. Alle Fragen zulassen! Das ist doch scheiße!

Kano

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Nach Home Sweet Home und London Town meldet sich der gerade mal 23-jährige Brite zurück. Mit freshem neuem Album 140 Grime Street, veröffentlicht über eigenes Label Bigger Picture Music traf ich einen weniger freshen, gerade in Berlin angekommenen Kano im schicken Shiro I Shiro, dem weissen Schloß in Mitte. Wie es zur Kollaboration zwischen dem jungen Gentleman und Marteria kam, warum er 679 verließ und wie er zu seiner Heimat London steht – das alles hier und jetzt.

 

rap.de: Ein Name, der Fragen aufwirft, ist der deines Albums, "140 Grime Street". Was bedeutet dieser Titel?

Kano: Es ist das Konzept hinter der Musik. 140 ist die Anzahl der BPM in traditioneller Grime Musik und der Style ist von der Straße. Du hörst Grime überall in den Straßen. 

rap.de: Wie kommt es, dass sich die meisten deiner Album-Titel auf dein Zuhause beziehen? "Home Sweet Home", "London Town", du scheinst deine Stadt zu representen wo du nur kannst. Ist das so und in wie weit ist London kreativer Input für dich und deine Musik?

Kano: Ich werde von mehreren Orten dieser Welt kreativ beeinflusst. Jamaika ist einer davon, Dancehall Musik, die Staaten bilden mit Hip Hop ihren Einfluss, aber London ist mein Zuhause und deshalb Haupteinflussquelle. Die Titel der Alben kommen erst nachdem das Album fertig ist und nicht umgekehrt. Ich höre der Musik zu und sie sagt mir, was es ist. Es ist London, es ist Heimat. Ich denke, ohne London hätte ich es nie soweit gebracht. Viele Leute fliegen in die Staaten um aufzunehmen oder nach Frankreich, aber ich muss hier sein, ich muss mittendrin sein. Vielleicht mache ich das eines Tages anders, aber momentan ist London die Nummer Eins.

rap.de: Wo wurde "140 Grime Street" aufgenommen?

Kano: In Ilford/London, im Schlafzimmer eines Freundes. Da liefen Kinder rum und Leute haben geschrien…

rap.de: …und das Mic war im Badezimmer?

Kano: So in der Art.. (lacht)

 

rap.de: Das ist dope. Was ist momentan kreativer Input in London?

Kano: Es gibt viele Kids da draußen momentan. Viele gute Untergrundkünstler wie Chipmunk, Ice Kid, Criminal. Gleichzeitig gibt es verdammt gute MCs von der Straße wie Ghetto. Musik aus England hat mich immer schon inspiriert. Wiley, Heartless Crew und die komplette Garage-Szene. Ich glaube, wir inspirieren uns gegenseitig sehr viel und geben einander die nötige Energie. Das ist die Art Szene, die wir sind, nur deshalb konnten wir auch so einen einzigartigen Sound kreieren wie diesen, weil wir nicht außerhalb des UK nach Inspiration suchen. Bevor es uns gab, gab es einen Haufen MCs, die einfach einen amerikanischen Akzent aufgesetzt und einen auf Jay-Z gemacht haben. 

rap.de: Wer denn zum Beispiel?

Kano: Die meisten. Roots Manuva  war einer der ersten, der einen ganz eigenen kreativen Style hatte und wir kommen mit der gleichen Mentalität – wir wollen klingen wie wir, wollen aussehen und uns ausdrücken wie wir, alles auf unsere eigene Art und Weise.

rap.de: Witzig, dass du das sagst, denn von Deutschland oder zumindest von mir aus, scheint es so, als gäbe es verdammt viel Beef unter den Crews und MCs. Als wäre es gar nicht eins.

Kano: Die Medien versuchen natürlich unsere Musik mit den aktuellen Themen zu verbinden, wie nun mal Jugendkriminalität und so was. Aber das hat nicht viel mit der Musik zu tun, denn die ist mit Sicherheit eine Sache, die Menschen zusammenbringen kann. Für eine gewisse Zeit war das ganz und gar nicht so. Da hatten wirklich viele Beef miteinander, aber das hat sich geändert. Wir machen jetzt unbekümmert Musik miteinander. Ich habe kürzlich ein Video gedreht mit Wiley und Ghetto zur Single "She Glows“, was zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind uns zu vereinigen und zu lernen, wie man das macht. Ich habe auch Skepta und Ghetto auf meinem Album, Da Vinci und Mikey J als Produzenten und wir sind alle zusammen aufgetreten bei einem meiner Konzerte in London. Das war ein schöner Anblick. Ich werde in Zukunft auf jeden Fall mehr mit Leuten außerhalb meines eigenen Kreises arbeiten.

rap.de: Dein Album klingt für mich ein wenig so, als hättest du versucht, ein größeres Publikum anzusprechen ohne deinen eigenen Stil zu verraten. Ist das ein unvermeidbarer Kompromiss, den man als Künstler eingeht? Von vielen gemocht zu werden und doch seiner eigenen Linie treu zu bleiben?

Kano: Ja das ist es, immer. Wenn ich versuchte, ihn (zeigt wahllos auf einen Mann) dazu zu bringen mich zu mögen, dann würde mich der Typ von der Straße, der mich immer schon mochte, wahrscheinlich nicht mehr mögen. Wenn man aber etwas zu krampfhaft versucht, dann geht man tatsächlich einen Kompromiss ein, aber manchmal kann man sich gar nicht in der Mitte treffen, sondern bleibt nur in der Mitte stecken. Es wird immer einen geben, der dich nicht mag. Ich versuche daher, nicht mit einem Album oder einem Song alle Publika für mich zu gewinnen, aber über die Jahre wurde ich von so vielen verschiedenen Musikarten geprägt, dass ich mit der Zeit immer neue Kreise begeistern konnte. Es ist ganz natürlich passiert. Besonders mit diesem Album habe ich versucht mir so treu zu bleiben und es ist so nah angebunden an meine Grass Roots-Leute, dass es mir einfach egal war, ob es Mainstream kompatibel wird. 

rap.de: Das ist krass, denn es hört sich genau nach dem Gegenteil an.

Kano: Nein, die meisten der Songs wurden noch nicht mal im Radio gespielt. Radio1 zum Beispiel hat der Single keine Rotation gegeben, das Video zu "Hustler“ war zu explizit, die Fernsehsender wollten es nicht spielen. Doch genau so ein Video wollte ich auch machen, eins das nicht gespielt wird. Ich wollte, dass jeder es hört, aber gleichzeitig tat ich nichts, was nötig gewesen wäre, um mein ursprüngliches Ziel zu erreichen. Also gab es in diesem Fall keinen Kompromiss und trotzdem schlug es in die Charts ein, hatte unglaubliche Online-Präsenz auf Youtube, Myspace und all dem. Ich musste keinem TV- oder Radiosender hinterherlaufen.  

 

rap.de: Glaubst du, ohne Kompromiss ist deine Musik interessanter?

Kano: Sicher. Auf eine gewisse Weise schon. Dieses Mal schon.

 

rap.de: Was war mit “London Town”? Das wurde ja sogar in den USA verkauft, richtig?

Kano: Manche Alben landen drüben in den Regalen, ohne dass es ein offizielles Release gab. Wir waren dort und haben ein paar Shows gemacht, aber Europa ist cool für mich. Ich bringe meine Alben in vielen Ländern hier raus und das reicht mir vorerst. 

rap.de: Also sind die USA kein angestrebtes Ziel?

Kano: Im Moment gar nicht. Dieses Album richtet sich an die Grime-Szene und ich weiß nicht, ob Amerika das verstehen würde. Um die Leute dort für Grime zu begeistern, müsste man mehr Zeit drüben verbringen, die Menschen und ihre Musik studieren. Aber dann würde ich einen Teil meiner Fanbase hier verlieren. Vielleicht versuche ich es eines Tages, wenn die Zeit dafür reif ist. Es ist alles eine Frage des Timings.

rap.de: Was hältst du von Dizzee und seinen US-Releases?

Kano: Ich weiß davon und wenn er meint, er hat die richtigen Tracks für die Leute in den Staaten, dann soll er doch sein Ding machen. Ist mir sonst eigentlich egal.

rap.de: Wie siehst du denn deinen eigenen Status im Moment? Bist du ein Grime-Rapper? Gibt es das überhaupt? Oder bist du unabhängig und frei von Genres?

Kano: Nee, das wär ich gerne aber die Leute lassen so was nicht zu. Alles braucht eine Betitelung für die Meisten. Ich sage ihnen, sie sollen mir kein Etikett verpassen, aber am Ende des Tages braucht alles seine Kategorie. Ich nenne mich selbst manchmal einen Rapper, manchmal einen Grime-MC. Was für Musik mache ich? Hip Hop, Grime, etwas von allem. “Typical Me” zum Beispiel. war etwas rockiger, ganz und gar kein typischer Grime-Track. Ich glaube über die Jahre habe ich was entwickelt, was mich immun macht gegen Einzelbegriffe.

rap.de: Heißt deshalb dein Label "Bigger Picture Music“?

Kano: Da ging es weniger um die Musik und mehr ums Business. Es geht darum, ein größeres Bild zu sehen, weniger engstirnig zu handeln und neue Verfahrensweisen für Musikveröffentlichungen zu entdecken, weg von denen der Major Labels.

 

 rap.de: Bildet dies auch den Anreiz dazu, mit Künstlern aus anderen Ländern wie Marteria zusammenzuarbeiten? Zu expandieren?

Kano: Ja, definitiv. Das war für uns beide nur positiv. Ich hatte vorher schon gehört, dass er sein Ding im Untergrund macht und ich wollte, je nach Land, eine Version von "Hustler“ mit einem lokalen Künstler machen. Für Deutschland habe ich Marteria, in Schweden habe ich Adam Tensta und ich plane noch eine französische Version.

rap.de: Mit welchem französischem Künstler würdest du gerne zusammenarbeiten?

Kano: Ich weiß es noch nicht so genau. Ich wollte Booba, aber er war grade auf Tour, als wir ihn angeschrieben haben. Abgesehen von "Hustler“ würde ich einfach Beats-technisch gerne mit Booba zusammenkommen. Er ist wicked. Man sollte mehr mit anderen Ländern zusammenarbeiten. Man klebt irgendwie zu sehr an den Leuten aus der eigenen Region und wenn man Features macht, dann mit Amis. Man sollte sich in Europa mehr unterstützen. 

 

 

rap.de: Wie ist es letztendlich zur Kollabo mit Marteria gekommen? Wer hat euch vorgestellt?

Kano: Es ging über das Management. Die meinten, Marteria würde den Track gerne machen. Ich habe ihn mir angehört und dachte „Cool“, aber kennen gelernt habe ich ihn erst beim Videodreh. Er wird auch bei der Show dabei sein heute Abend. Er ist ein cooler Typ, ich mag ihn. Wir haben das Video in London gedreht, also kam er zu uns. Er ist verrückt, aber er ist cool. Als wir angefangen haben zu filmen, hatte er seine Kapuze tief im Gesicht, den Blick nach unten gerichtet, die Arme zusammengefaltet und ich dachte nur so „Bitte nicht, der wird doch nicht das ganze Video durch so da sitzen!“ Ich dachte, er will mich verarschen, aber dann habe ich gecheckt, dass er zugehört hat, um sich besser an die Lyrics zu erinnern.

rap.de: Wusstest du, dass er zwei Persönlichkeiten präsentiert – Marteria und Marsimoto? So wie Madlib mit Quasimoto ungefähr.

Kano: (lacht) Fuckin’ hell! Das wusste ich nicht, aber es erklärt einiges!

rap.de: Aber mit der Kollabo bist du zufrieden?

Kano: Absolut. Er ist großartig.

rap.de: Okay. Ich finde deine Musik sehr vielfältig und wie du schon bestätigt hast, gelingt es dir, immer anders zu klingen. Du hast sogar auf deinem ersten Album “War Pigs” einen Klassiker von Black Sabbath gesamplet. Parallel litt Grime immer mehr unter seinem schlechten Ruf, Shows wurden gecancelt, weil Veranstalter Angst vor gewalttätigem Publikum hatten. Hast du das ein wenig vorhergesehen und bist deshalb so experimentierfreudig?

Kano: Auch Shows von mir wurden gecancelt, aber das hat nichts mit meiner Musik zu tun. Ich experimentiere einfach mit Musik Punkt. Manchmal mache ich Tracks und kann gar nicht erklären, wie. Jemand anderes hört es und sagt mir, dass es sich rockig anhört oder wie ein Track, den ich vor Jahren mal gemacht habe oder wie dieses oder jenes Genre. Aber ich habe es einfach gemacht und hatte keinen Plan von irgendeinem Genre. Erst danach hört man raus, was man da gebaut hat. Man geht nicht ins Studio und denkt sich „Heute mache einen Heavy Metal-Song.“ Es passiert einfach so und nicht weil Grime in ein schlechtes Licht gerückt wird. Viele Heads, die Grime-Musik machen, haben keine Ahnung von Musik. Obwohl sie unbewusst von vielen Richtungen geprägt sind, durch Radio, Familie was auch immer. Ich kannte “War Pigs” auch nicht, bevor wir es nutzten. Ich wusste auch nicht, dass es ein legendärer Song war. Als ich es herausfand, wollte ich damit gar nichts zu tun haben. Ich fand, es war eins dieser Lieder, an die man nicht rankommt. Ich hatte ein wenig Angst vor den Reaktionen der Leute.

rap.de: Jetzt releast du aber über dein eigenes Label. Dadurch verfügst du über jegliche künstlerische Freiheit. Was ist mit 679 passiert?

Kano: Lange Geschichte… 679 wurde von der Warner Music Group aufgekauft und ich wurde in eine ganze Menge Labelpolitik verstrickt, von der ich überhaupt kein Teil sein wollte. Es wurde einfach zu einem Ort, an dem ich nicht mehr sein wollte. Ich wäre jetzt da gefangen und hätte nie mein Album rausbringen können. WMG hätte mich irgendwelchen Leuten zugeteilt, auf die ich keinen Bock hätte und umgekehrt. Ich bin echt froh raus zu sein und mein eigenes Ding machen zu können.

rap.de: Ist das wirklich so leicht? Sagt man einfach “Haut rein” und macht sein eigenes Ding?

Kano: Ich hatte in meinem alten Vertrag zwei Alben festgelegt, die ich auch dort produziert habe, von daher war es leicht zu gehen. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten sie mich festgehalten und ich wäre nirgendwo hin gegangen. Was hätte ich dann tun sollen? Mit so was legt man sich nicht an. Ich wollte seit  “London Town” so ein Album wie “140 Grime Street” produzieren. „Grime MC“ wäre die erste Single darauf gewesen, jetzt ist sie ein Bonus Track, aber WMG hätte mich, rein rechtlich schon, niemals so ein Album produzieren lassen. Es wäre zu explizit für sie gewesen. Also musste ich raus. 

rap.de: Wie ist es für dich, dein eigenes Label zu führen? Wie kann man sich das vorstellen? Trägst du einen Anzug und hast feste Bürozeiten?

Kano: Ich bin immer noch ein Künstler und als Künstler trifft man ab und zu dumme Entscheidungen. Man muss natürlich auch ein Geschäftsmann sein, aber als diesen sehe ich mich nicht. Jay-Z ist einer, den kann man sich im Büro mit Anzug vorstellen, er wickelt Geschäfte ab und dann zieht er ein Cap und eine Kette aus der Schublade und ist der Rapper. Clark Kent-Style. (lacht) Doch da bin ich noch nicht angekommen. Ich drehe teure Videos, die keiner zeigen will. Was für einen Sinn macht das? Welches Label würde dir das erlauben? Genau da liegt aber auch das Schöne an der ganzen Sache. Ich bringe mein Album selber raus, es ist nicht kommerziell, aber trotzdem im richtigen Licht. Ich gebe große Konzerte, ich muss mit Major Labels konkurrieren, was auf die Dauer anstrengend wird, aber ich bin frei.

rap.de: Ich habe mal gelesen, dass du dich im Grime limitiert und eingeengt fühlst. Andererseits scheint es so als kehrtest du zurück zum Grime. Empfindest du eine Hassliebe gegenüber Grime?

Kano: Du hast keine andere Chance, du kannst es nur lieben und hassen. Ich selber fühle mich darin nicht eingegrenzt, aber ich glaube, andere könnten sich so fühlen. Ich habe den Leuten von Anfang an gesagt, dass ich weder Grime-MC noch Hip Hopper bin.

rap.de: Was bist du dann?

Kano: Ich weiß es wirklich nicht. Einfach ein Künstler, der diese ganzen Musikstile macht. Wenn ich da raus gehe und mich selber als Grime-MC betitele, was kann ich dann noch viel anderes machen außer Grime?  Ich will einfach experimentieren. Ich mache Musik seitdem ich 15 bin. Ich habe einen Deal gekriegt, da war ich 19. Ich habe immer schon Musik gemacht. Wenn es diese Plattform nie gegeben hätte und all diese Namen, würde ich immer noch Musik machen, weil ich sie liebe.

rap.de: Du rappst: “Now its back to Grime cause they’ve been missin me like Madeleine”. Wer ist Madeleine und haben sie dich vermisst oder hast du Grime vermisst?

Kano: Manche Leute meinen, ich hätte diese Zeile nie bringen sollen. Madeleine ist das kleine englische Mädchen, das in Portugal entführt wurde. Es ist nicht witzig, aber das ganze Land vermisst sie. Und die haben mich definitiv vermisst!

rap.de: (lacht) Hast du Grime vermisst?

Kano: Ja und  ich war doch immer da. Ich musste was machen, um ihnen zeigen, dass ich da war, weil sie mich mehr vermisst haben als ich Grime! (lacht) Natürlich habe ich es auch vermisst. Egal wie viele tolle Shows du im Ausland machst, manchmal muss man zurückkommen zu einem guten alten Rave und einfach ein bisschen emceen.

 

 

rap.de: Wo ist deine jetzige Position? Wie wichtig ist die Zeit, die man sich zwischen zwei Alben lässt? Wächst man in der Zeit, kommt ins Studio und macht ein Album, das das neue Ich der Welt präsentiert?

Kano:  Ich wünsche mir wirklich, dass ich das eines Tages wie Dr. Dre machen und mir acht Jahre Zeit lassen kann, aber momentan geht das nicht. Ich mache alles gerne in möglichst kurzer Zeit, aber das ist nicht immer möglich. Ich will auch keine halbherzige Musik auf den Markt schmeißen. Musik, die ich viel besser hingekriegt hätte, wenn ich mehr Zeit investiert hätte. Mit eben dieser Mentalität kannst du aber ein Album nie fertig kriegen, denn wann ist ein Album fertig? Wenn du 14 Tracks hast? So einfach ist das nicht und oft, wenn man es dann fertig hat, macht man diesen einen Track und beißt sich in den Arsch, weil man nicht noch etwas gewartet hat, um ihn auch noch auf das Album zu hauen. Das Auswahlverfahren von Songs kann ewig dauern. Also ist das Album fertig, wenn es richtig klingt. Jedes Album fängt eine gewisse Zeit ein und das ist die Magie des Albums. Du kannst darauf zurückschauen und dir sagen „Zu der Zeit habe ich so und so getickt.

 

 rap.de: Von Deutschland aus sieht es immer so aus, als gäbe es ein paar große Grime-Künstler. Du, Dizzee, Wiley, Sway, Lady Sovereign oder Lethal Bizzle, aber dafür Tonnen von verschiedenen Styles. Garage, Dubstep, Sublow, Grime, 2Step, Bassline… Früher in London hat einfach jeder Garage dazu gesagt, in Deutschland haben sie es dann aber 2Step genannt und dachten, Craig David hätte es erfunden. Also wer ist was? Break it down.

Kano: (lacht) Es wurde echt verwirrend, so verwirrend, dass es schon lächerlich war. In jedem Interview fragten sie dich, wie zum Teufel man diese Musik nennt. Sogar Wiley fragte “Wotchu Call It” und zu dieser Zeit, wusste es wirklich keiner! Die Künstler bestimmen nicht ihr Genre, ihre Musik bekommt einfach einen Stempel und in diesem Fall hatte „Grime“ die hartnäckigste Tinte. Manchmal frage ich mich, ob das beim Hip Hop auch so war. Jammte Afrika Bambaataa im Park und verkündete dann: „Das nennt man Hip Hop“? Ich glaube kaum.

 

rap.de: Das ist wahr. Hip Hop ist ein großer Pool.


Kano:
Genau, und das gleiche wünsche ich mir auch für Grime. Du kannst Hip Hop von der Westcoast sein, du kannst Crunk sein oder Eastcoast, Conscious, Deep, Slow-Beats Hip Hop oder Neptunes, aber es ist alles immer unterm gleichen Schirm – Hip Hop. Bei Grime ist es anders, Leute wollen nur einen ganz bestimmten Stil Grime nennen, aber wenn man sich Sachen wie  “Wearin My Rolex” von Wiley anhört, dann merkst du, dass es mehr eine Elektroschiene des Grime ist. 

 

rap.de: Ist das aber noch Grime?

 

Kano: (lacht) Nicht wirklich. Aber selbst wenn es nicht so klingt wie "typischer" Grime, warum kann man es nicht trotzdem so nennen?  Oder Bizzle’s “POW”, was ein wirklich schnelles Tempo hat, eine Art Up-Tempo Grime. Es könnte doch alles das Feld Grime sein nur mit verschiedenen Spektren. Sogar Mary J. Blige ist Hip Hop oder T-Pain, obwohl sie R’n’B oder etwas komplett Neues machen, aber sie sind unter dem Hip Hop Schirm. So was will ich bei Grime auch sehen. 

 

 

rap.de: Glaubst du, wenn das der Fall wäre, dass du dich mit all diesen verschiedenen Künstlern vergleichen wolltest oder könntest? Es kämen ganz neue Künstler, die anders klingen könnten. Denkst du es würde dir gefallen, mit denen dann im gleichen Pool zu schwimmen?

 

Kano: Wenn es soweit wäre, müsste man es wohl. Man hätte keine Chance. Man wird sowieso immer verglichen als Künstler und obwohl viel von dem was rauskommt totale Scheiße ist, meint irgendjemand, dich vergleichen zu müssen. Das macht mich manchmal richtig wütend, aber du musst damit cool sein, weil es immer wieder passieren wird.   

 

rap.de: Wenn man dich so reden hört, dann möchte man erst recht wissen, wo du deine Position in dem ganzen Grime Ding siehst. Langsam kommen ganz andere Farben durch.  

 

Kano: Um ehrlich zu sein, zusammen mit Wiley bin ich einer der Leader. Wiley ist aber ein anderer Fall, er nennt sich den „Godfather“ (lacht). Er hat einen wichtigen Teil dieser Brücke von Garage zu Grime gebaut und spielt bis heute eine große Rolle. Er ist so was wie der Gründer des Ganzen und ist für den Wandel im Sound verantwortlich.   

 

rap.de: Wer hat die weiteren Teile dieser Brücke gebaut?  

 

Kano: Ich würde sagen Sticky, mein Produzent, hat den allerersten Teil dieser Brücke gebaut. Wiley hat dann den Track "Eskimo“ gemacht und der war absolut kein Garage mehr. Der Style, den MCs heute spitten, ist in gar keinem Maß vergleichbar mit dem was Old School Garage Heads gespittet haben. Heute ist der Style mehr Hip Hop nur auf anderen Beats. Was musikalische Styles angeht, gab es damals nichts außer Garage. Bassline und alles kam erst später, auch wenn alle meinen, dass sie es schon länger machen, aber England es nicht hören wollte.  

 

rap.de: Glaubst du nicht, dass es schon immer verschiedene Styles gab, die jetzt zu Grime fusioniert sind?  

 

Kano: Wie gesagt, das ist einfach dieses Ding mit Leuten, die jeder Kleinigkeit einen Namen geben müssen, aber am Ende des Tages ist doch alles Garage.  

 

 

rap.de: Geht man da nicht einfach zurück zum Ursprung? Ich meine, Grime ist diesen langen Weg gegangen, durch all diese Namen und jetzt sitzt du hier und behauptest, es sei doch alles Garage.  

 

Kano: Irgendwie schon. Garage wird nur wahrscheinlich nicht der größte aller Stile werden. Grime wird immer da draußen sein, der Rest kommt und geht. Bassline hat keine Künstler mit lyrischer Relevanz. Um zurück zu kommen zu deiner Frage mit den Künstlern, die immer die gleichen waren. Sie haben schon oft gewechselt nur Wiley ist durch wirklich viel gegangen. (lacht) Wiley war schon MC als Jungle kam. Er war der Mann im Jungle, er der Mann im Garage und er ist der Mann im Grime. Er hat viel Scheiße durchgemacht!  

 

rap.de: Was mir, so wie vielen anderen, in London aufgefallen ist, ist die hohe Rate an Jugendkriminalität, die jugendlichen Mütter überall, die Kinder, die sich gegenseitig abstechen. London ist eine der territorialsten Städte, die ich kenne. Glaubst du, du kannst diese Kinder mit deiner Musik positiv beeinflussen und mit deiner Plattform ein positives Vorbild für diese Kinder sein?  

 

Kano: Ich denke, wenn man das richtig macht, dann schon. Aber es geht nicht unbedingt um die Musik sondern um die Person, die dahinter steht. Wenn ich jetzt einen Song mache, indem ich rappe “put down the guns”, dann wird es nie zu diesen Kids durchdringen. Die hören auf nix, aber wenn jemand sagt, ich bin durch die gleiche Misere gegangen, dann werden sie es respektieren. Die wollen keine perfekten Menschen und ich will nicht versuchen, ein Vorbild zu werden, denn ich habe selber noch zu viel zu lernen. Also warum soll ich ihnen was vorheucheln? 

 

rap.de: Deine Mutter ist eine Lehrerin. Vielleicht steckt auch in dir ein Lehrer, der anderen was beibringen will.

 

Kano: Nein, gar nicht. Ich könnte mich nie in dieser Lehrer-Rolle sehen. Ich versuche jüngeren MCs was mit auf den Weg zu geben, dass sie keine Angst davor haben sollen, anders zu klingen, weil das auch etwas ist, das ich in meinen Songs beweisen kann. Aber ich predige nicht herum und belehre Menschen. Ich tue, was ich tue und wer folgt, folgt und wer nicht, eben nicht.  

 

rap.de: Abgesehen von deiner Einstellung und Lyrics, wie weit glaubst du spielt Aussehen eine Rolle beim Erfolg?

 

Kano: Ah, jetzt geht’s los! Und die nächste Frage wird wahrscheinlich etwas mit Frauen zu tun haben, oder?  

 

rap.de: Das halte ich für ein Gerücht, von dem ich mich weit distanziere! (lacht)

 

Kano: Ich versuche mir zu sagen, dass mein Aussehen keine Rolle spielt aber ich könnte mich da selbst belügen. Aber selbst wenn du echt hässlich bist und dich wie ein Gammler anziehst, wird irgendwem dein Look gefallen und schon spielt dein Aussehen eine Rolle.  

 

rap.de: Stimmt, aber das ist ja nicht dein Image.   

 

Kano: Ich weiß es nicht. Ich glaube Mädels gehen nicht los und kaufen Musik, die ihnen nicht gefällt. Sie kommen vielleicht zu den Shows (lacht). Und dann merkt man es auch, aber davon sehe ich nicht viele. Ich versuche mich immer auf meine Lyrics zu konzentrieren und die Leute mit meiner Musik zu beeindrucken, auch wenn es genug gibt, die mich einen Posterboy nennen. Was soll’s? Keep it movin‘!   

Weezy bester Rapper der Welt

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"Lil Wayne ist der beste Rapper der Welt“ ist jetzt nicht mehr nur ein Statement seiner Fans oder Geschmackssache, sondern ein Fakt.

Im Rahmen der WORLD MUSIC AWARDS,  moderiert von Desperate Housewives-Star Jesse Metcalfe und Destiny’s Child Mitglied Michelle Williams, wurde Weezy am vergangenen Samstag in Monte Carlo zum besten Hip Hop/Rap Artist gekrönt.
Die Awards dieser Show werden nach den weltweiten Verkaufszahlen vergeben, die das Londoner Unternehmen IFPPI registriert hat. Laut eben dieser hat Lil Wayne über drei Millionen Alben verkauft und konnte so Kanye West und T-Pain locker aus dem Weg räumen.

Doch auf seinen Lorbeeren ausruhen will sich Mr. Carter noch lange nicht. Eine weiteres Mixtape mit dem Namen "Dedication III" soll am 14. November veröffentlicht werden, das dritte Mixtape gemeinsam mit DJ Drama, . Es wird Features von Kanye, Ludacris, T-Pain, Jae Millz, Willie the Kid und La The Darkman beinhalten. Aktuell ist sein wunderschönes Lächeln außerdem in Keri Hilsons Video zu „Turn Me Off“ zu bewundern.

 

Wir von rap.de werden übrigens nächste Woche die BRD-Awards vergeben. Hierbei handelt es sich nicht um die Bundesrepublik Deutschland, sondern hiermit sollen die besten Rapper dieses Landes gekürt werden. Das wird mindestens genau so super.
 

Feuer Über Deutschland – Teil 3

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Es ist keine sonderlich dankbare Aufgabe, eine "Feuer Über Deutschland"-DVD zu rezensieren. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern aufgrund der Tatsache, dass man es hier mit "über 100 MCs in mehr als 20 Battles" zu tun hat. Ja, das sind sehr viele und ja, es gibt auch sehr viel peinliche bis schlichtweg Fremdscham-geeignete Szenen. Das ist manchmal lustig, meistens aber einfach nur traurig. Was ich eigentlich sagen möchte: Diese gesamte DVD zu gucken ist wahnsinnig anstrengend und nur für euch, liebe Leser, beiße ich mich da jetzt durch.

Womöglich ist das Ganze auch einfach ein Jungsding. Leichtbekleidete Nummern-Girls, testosteronschwangerer Gestus samt obligatorischer deineFreundindeineMutterduHomomeinPenisistgrößeralsdeinerundicheinfachnurcooleralsdu-Lines und nicht zuletzt der aufgebaute Boxring, der die mitunter etwas müde wirkende Crowd zugunsten der Kameras von den Battles nahezu ausschloss. Das ist Hip Hop im Jahre 2008. Juhu. "Nach dem Battle hier bin ich so befriedigt wie ein Österreicher, der nach drei Stunden aus dem Keller kommt" ist eine der ersten Zeilen, bei der ich wirklich aufhorche. Im Allgemeinen scheint Josef Fritzl einen nicht unerheblichen Teil der zum Battle angetretenen Rapper in ihren Textvorbereitungen beeinflusst zu haben. Aber dazu später mehr, für diese Line zeichnet sich in jedem Fall Maddest verantwortlich, der im Dritten der Eins gegen Eins-Battles gegen Dra Q antritt und tatsächlich der Erste ist, der mich ansatzweise amüsiert.

"So ein Niveau macht hungrig" sagt Staiger, welcher den dritten Teil von "Feuer Über Deutschland" moderiert, den Großteil des auf der Doppel-DVD vorhandenen Videomaterials aber eher wirkt, als bräuchte er einen halben Liter Kaffee intravenös zugeführt. Moderationen, sollten sie vorhanden gewesen sein, wurden zugunsten der Laufzeit größtenteils rausgeschnitten. Das lässt den sonst so gerne expressiv agierenden Chefredakteur des besten Internetmagazins der Welt (haha) ziemlich farblos wirken und eigentlich hätte man gerne mehr dieser Momente, in denen er Sandy Solo fragt, ob er mit ihm Englisch reden solle. Ach ja, Sandy Solo. Irgendwie lässt sich sein Gegner Liquit Walker auch von der absoluten Hammerline "Du kriegst mich nie wieder los wie HIV" nicht beeindrucken und das, wenn ich das mal so sagen darf, zu Recht. Schließlich fühlt dieser sich gegenüber "Sandra" wie "David Hasselhoff am Nichtschwimmerbecken", was seinen Hammer und Zirkel-Homeboy nicht davon abhält "Sandy, warum bist du so gemein zu ihm? Du bist eine Huuuuuuuuureeeeee!" mithilfe des Publikums zu intonieren. Sehr super, ich habe gelacht.

Nach weiteren eher durchschnittlich unterhaltenden Einzelbattles, kommen nun die Teams an die Reihe. Das sind sehr viele und irgendwie habe ich das dunkle Gefühl, dass die Aufschrift auf der DVD-Hülle, die "über sieben Stunden" Laufzeit verspricht, nicht so ganz haltlos ist. Wunderbarerweise kommt nun aber das wohl beste Battle von allen, namentlich stehen sich hier Team Südwestfalen aus Siegen und die Münchner Creme Fresh Crew gegenüber. Letztere überzeugen mit spektakulär-debiler Performance. "Es gibt nur drei Fakten. Erstens: Du bist wack. Zweitens: Ich hab den Längeren. Drittens: Nur weil du vor dem Battle kotzen warst, bist du noch nicht Eminem!" – so muss das sein. Das Zusammentreffen von den Illvibe-Dschungs und Plattenbau Ost ist insofern interessant, dass man sich erst wahnsinnig lieb hat und nach ziemlich uninteressanten Lines durch den Ring springt, wobei 50 Prozent von Plattenbau Ost mit einem Lebendgewicht von 130 Kilo von Staiger hochgehoben werden. Erkenntnis nach gefühlten drei Stunden Battle-Gucken: Hulk trägt ein Manowar-Shirt.

Also, was haben wir noch? Morlockk Dilemma (Team Snuffpro) bringt mit "Und komm mir jetzt nicht mit Ossi-Witzen und so ’nem Mist wie Bananen. Du trägst die Jeans, die ich im Westpaket hatte und zurückgeschickt habe" meine absolute Lieblingszeile der gesamten Veranstaltung, der "Feuer Über Deutschland"-Veteran Gregpipe bleibt etwas hinter den hohen Erwartungen zurück, Queen Unique ist insofern nicht unique, dass sie nicht die Einzige ist, die es nicht schafft, sich ihren Text zu merken, und die österreichischen Gäste von Aut Of Order schießen in battletechnischer Wackness den absoluten Vogel ab. Wenn man sich das "Black Wallstreet Europe"-Signing Big J anhört, bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, warum The Game kürzlich in einem Videointerview geheult hat.

Die richtig Harten sind jetzt noch herzlich dazu eingeladen, sich das Bonusmaterial sowie sämtliche Interviews mit allen Beteiligten anzugucken. Zu ersterem gehört ein Gespräch mit dem Moderator, Backstagematerial von und mit "Honeybee", die eigentlich Sabine heißt und Model ist, sowie Shoutouts, Trailer und noch ganz viele andere Sachen. Bei einem Fazit zu "Feuer Über Deutschland 3" fallen diese Nebensächlichkeiten sowieso nicht ins Gewicht. Es geht um Battlerap und den bekommt man hier in all seiner Vielseitigkeit. Das beinhaltet eben nicht nur Doppeldeutigkeiten und Innovation to the Fullest, sondern auch Stumpfsinnigkeit und partiell auftretendes Fremdschämen. Insgesamt also eine voll und ganz zufriedenstellende DVD für Aktive und Liebhaber der Sache und trotz vermeidbarer Längen ein würdiger Abschluss der Veranstaltungsreihe.
 

Taichi – Therapie

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Deutschrap braucht dringend eine Therapie, weil es so viel Scheiße gibt“, hat Taichi kürzlich in einem Interview verlauten lassen, als er auf den Titel seines aktuellen Albums angesprochen wurde. Dementsprechend scheint uns nichts anderes als die Errettung aus dem dunklen und schwermütigen Tal der raptechnischen Tristesse zu erwarten. Wird "Therapie“ dem gerecht? Nö, in keinster Weise, und damit reiht sich dieses fünfte Werk des Herren Taichi nahtlos in alle anderen ähnlich selbstbewusst angekündigten CDs ein. Das wiederum ist ein allgemeines Problem von Rap und eine Ausführung der Thematik würde an dieser Stelle auch zu weit führen.

Ich konnte mich ehrlich gesagt noch nie so wirklich für Taichi begeistern. Jemand, der auch in Liebesliedern konsequent Dipset-Atmer einbaut, spricht zumindest mich nicht an. Aber, und das möchte ich festgehalten wissen: Das ist nicht schlimm. Zumindest dachte ich das im Vorfeld, bin nun, nach 21 Tracks, allerdings eines Besseren belehrt. Diese CD nervt mich und ich wage zu behaupten, dass kaum jemand, der den Berliner nicht sowieso feiert, mit diesem Album glücklich wird. Thematisch präsentiert sich "Therapie“ zwar keinesfalls auf eine Schiene eingefahren, nichtsdestotrotz bleibt kaum einer der Songs beim kompletten Durchhören der Scheibe wirklich im Ohr.

Spätestens nachdem ich das Video zu "Endgültig“ gesehen habe, frage ich mich des Weiteren, wer die Therapie hier eigentlich nötig hat. Rapdeutschland oder vielleicht doch Taichi selbst? Guckt es euch am Besten selbst an. Wer denkt, dass allein der dramatische Gesichtsausdruck schon zuviel des Guten ist, sollte sich auf keinen Fall den Schluss entgehen lassen. Es ist unfassbar und mir fehlen hier wirklich die Worte.

 

Zu "Achtung“ wurde ebenfalls ein Video gedreht, Featuregast ist hierbei Kid Kobra, der seit neuestem anscheinend erwachsen geworden ist und deshalb nur noch "Kobra“ heißt. Phänomenale Lines a la „Ich bin gerissen wie ein Jungfernhäutchen“ prasseln auf den Hörer ein und die Frage, die sich einem direkt aufdrängt ist die folgende: Rektal? Deshalb dieser gepresst klingende und absolut enervierende Flow? Keine Ahnung. Vielleicht fragt man Taichi da am Besten selbst mal.

"Therapie“ wiederum ist nicht nur der Titeltrack, sondern zugleich auch das beste Stück Musik auf diesem Album. Nicht, weil alles großartig anders gemacht wird als auf den restlichen Liedern der Platte, es gefällt mir aus rein subjektivem Empfinden heraus einfach besser als das unsägliche "Minirock“, das D-Bo Feature "Grüß Die Jungs“ oder "Ich Bin Nicht Du“ mit Bahar. Letzterer Titel ist ein bisschen witzig, da ich der Meinung bin, dass die Rapperin mitunter exakt so klingt wie Taichi. Aber das nur am Rande.

Schlussendlich sollte festgehalten werden, dass es sich bei diesem Album sicherlich um ein Schmankerl für alle Taichi-Fans dieser Welt handeln mag, es ansonsten aber weder begeistert noch wahnsinnig unterhält. „Ist die Welt verrückt oder einfach nicht wie ich?“, fragt der Künstler in "Die Welt ist verrückt“ und gibt sich mit dem Titel des Songs gleich auch die Antwort auf diese Frage. „Ist dieses Album langweilig oder liegt es an mir?“, frage ich und möchte mich da antworttechnisch noch nicht so wirklich festlegen. Vielleicht macht ihr euch einfach selbst ein Bild, sämtliche Lieder von "Therapie“ gibt es nämlich bei Youtube mitsamt Songtexten.
 

Puppetmastaz – The Takeover

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Die Fakten: Die Puppetmastaz sind (Hand)Puppen, ähnlich wie die Muppets, nur hässlicher. Sie stammen aus Berlin und haben sich Ende der 90er unter der Führung von Mr. Maloke zu einer Hip Hop Gruppe formiert, sprich: die hässlichen Handpuppen rappen. Seitdem sind immerhin zwei Alben erschienen, es gab Videos auf MTV und die Popularität dieser skurillen Gruppierung wuchs – interessanterweise vor allem in Frankreich.

 

Vorab: Ich finde dieses ganze Puppenkonzept etwas seltsam und irgendwie gefällt mir das Prinzip, Puppen auf eine Bühne zu stellen auch nicht. Mir bleibt das zu charakterlos und  anstrengend. So finde ich auch den Titel des aktuellen Albums „The Takeover“ entsprechend angestrengt witzig, weil damit die Übernahme der Welt durch eben diese Puppen angedeutet werden soll. Verdeutlicht übrigens auch auf der Puppetmastaz Homepage (Puppetcommunity.com), auf der dazu aufgerufen wird, Mitgleider, die sich nur mit menschlichem Foto präsentieren, zu mobben. Schimpft mich phantasielos, aber ich finds albern, langweilig und richtig blöd. So viel zum Drumherum.

 

Und das zum Album: Leider sind die Puppetmastaz als Gruppierung etwas unübersichtlich. Die einzigen beiden der angeblich etwa 30 Mitglieder, die ich heraus höre sind Mr. Maloke (die Maulwurf Puppe) und Snuggles the Bunny (Überraschung: Hasenpuppe!) Der musikalischen Qualität von „The Takeover“ tut das alles allerdings keinen Abbruch.   

Ich wurde durch „Creature Shock Radio“, dem zweiten Album der Formation, auf die rappenden Puppen aufmerksam, konnte mich dafür begeistern und finde „The Takeover“ noch ein Stück besser. Die Skits und das Intro nerven zwar, weil dort diese Puppentakeovergeschichte breitgetreten wird, der Rest (immerhin 17 Tracks) geht aber zumindest beattechnisch gut ins Ohr und zwar ziemlich elektronisch und abgedreht. Mir persönlich gefallen die Nummern mit leichtem und deutlichem Reggae/Dancehall Einschlag am Besten. Nicht gefallen tut mir Snuggles Stimme, leider dominiert die auf einigen Tracks, dieses ewige gelispel nervt. Sehr. Auch inhaltlich bin ich über weite Strecken des Albums von der Puppenthematik genervt, aber einige richtige Knaller sind, wenn man über den Inhalt hinwegsieht, trotzdem dabei. „Can’t Control It“ und „Permission To Freak“ zum Beispiel. Da geht dann das Konzept, schräge Stimme plus Beat, auf. Beide Tracks sind schön düster, schön oldschool, klingen nach frühen 90ern und das ist  positiv gemeint. Oder „Animals“ und "Take Me On A Ride", die möchte ich bei meinem nächsten Clubbesuch hören: extrem tanzbar. Und das von mir, jemandem der aus Prinzip nicht tanzt.  Ein bisschen witzig ist, dass im Video zu "Take Me On A Ride" ein guter alter Sommerbekannter, nämlich der Red Bull Tourbus, gekidnapped wird. Ob Prinz Pi noch drin war und deswegen in seinem Video Affenpuppen tanzen?  Wer weiß?
 

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