Fler

rap.de:  Du warst in der Zwischenzeit ja auch in New York. Hat Dich die Stadt nochmal beeinflusst?

Fler: Unfassbar, ja. New York war die Bestätigung meiner These. Ja, super, ich liebe Amerika, ich liebe New York, ich würde mich freuen, wenn Berlin Harlem wäre.
Ich würde meine Rapkarriere beenden, um in Harlem den ganzen Tag an der Ecke zu stehen, um zu chillen und das HipHop-Leben in mir aufzusaugen, ich schwörs Dir.
Es ist eine super Sache, es herrscht weniger Neid zwischen den Menschen. Wir haben einen weißen Bentley gehabt beim Videodreh. Die Leute kommen zu Dir und sagen: "Geiler Wagen, wie haste das geschafft?"

rap.de:  Könntest Du Dir vorstellen, auch dorthin zu ziehen?

Fler: Ja, es ist in Planung. Hinziehen und die Mucke in Deutschland einfach weiter verkaufen. Dann fliegst Du halt nach Germany für ein paar Promotermine und ansonsten bleibst Du da.

rap.de: Erlebst Du die Welt, wie Du sie Dir erträumst, zumindest im Kleinen?

Fler: Man sucht sich seine Verbündeten. Deswegen möchte ich gern mit Savas was machen und vielleicht ist deswegen das Bushido-und-Fler-Ding nicht mehr so attraktiv für mich. Er sieht das halt nicht so. Ich suche die Leute, die das Rap-Ding wirklich verstehen, und mit denen versuch ich, das dann aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist Auswandern letztenendes wirklich die einzige Lösung, einfach weil in Amerika oder in Frankreich das Lebensgefühl so ein anderes ist. Das Lebensgefühl in Deutschland ist grau.
Die Atzen sind die einzigen, die deutschen Rap dieses Jahr weitergebracht haben, mit ihrer Partymusik. Die haben's zwar über die Ballermann-Schiene geschafft, aber trotzdem ist es Rap, wenn auch mit einem kleinen Kompromiss. Das ist dann die deutsche Art von Clubmucke.

rap.de: Es bewegt sich bei Dir thematisch aber auch immer sehr in so einem Mikrokosmos. Würdest Du da gerne mal rauskommen und etwas komplett anderes machen?

Fler: Ja, muss ich jetzt auch machen. Das nächste Album, zusammen mit dem Buch.
Ich wollte Dir jetzt übrigens exklusiv den Buchtitel verraten: "Im Bus ganz hinten". Das Zitat ist aus einem meiner ersten Rapsongs, "Hörst Du mich?", den hab ich damals bei Orgasmus aufgenommen. Die Coolen saßen im Bus einfach immer ganz hinten. Wenn Du im Bus ganz hinten sitzen wolltest in Berlin, dann musstest Du dich mit Ausländern anlegen oder… ja, und dann hast Du es irgendwann geschafft.

rap.de: Wie oft hast Du nicht hinten gesessen?

Fler: Sehr oft, zur Anfangszeit hab ich mich nicht getraut. Aber so ist das Leben. Die Rapszene ist ein Bus, die Coolen sitzen im Bus ganz hinten.

rap.de: Wird das eine Biografie?

Fler: Ja.

rap.de: Aber das große Finale ist dann diese Bushido-MTV-Sache?

Fler: Alles bis zur Aggro-Berlin-Versöhnung. Das wird quasi das Ende vom Buch sein. Es geht weniger um mich als erfolgreichen Rapper, sondern eher um den Weg dahin.

rap.de: Warum wolltest Du ein Buch schreiben?

Fler: Ich bin ehrlich: Weil ich in Songs und auch in Interviews nicht die Zeit habe, ins Detail zu gehen. Ich will mich so erklären, wie ich mich sehe. Da kann ich weiter ausholen und auch mal Sachen aus meiner Jugend erzählen, wie es zu einigen Situationen gekommen ist. Auch den Leuten mal erklären, warum ich mich in gewissen Situationen so verhalten habe, wie ich es eben getan habe. Wie zufällig ich auch eigentlich zu dieser Rap-Geschichte gekommen bin.
Ich sag Dir mal ehrlich, gerade wenn wir beide uns treffen: Ich fühl mich eigentlich nicht so als Rapper. Vom Herzen bin ich immer noch Sprüher. Sprühen war immer so eine Sache, da wusste ich ganz genau: Ich hab das Ruder in der Hand, ich hab davon den überkrassen Plan und mir kann da keiner was erzählen. Da bin ich auch alleine losgegangen und war alleine in den U-Bahn-Schächten, alleine in den Hinterhöfen und bin alleine weggerannt vor den Bullen. Aber als ich in dieses Rap-Geschäft reingekommen bin, hab ich immer das Gefühl gehabt, ich hätte noch so ein paar Leute über mir, die mir das so ein bisschen vormachen können.
Deswegen bin ich in meinen Augen bis zum heutigen Tage eigentlich nicht so der superkrasse Rapper gewesen. Was meinen Charakter geprägt hat, war mehr die Graffiti-Szene – die Szene, in der ich zwar Erfolg, aber kein Geld hatte. Ich vermisse diese Zeit ganz krass.
Ich wäre manchmal gerne wieder Patrick aus der Wielandstraße mit Matratze auf dem Boden. Da war ich in meinen Augen ein richtig cooler Typ. Da habe ich Super-Sachen gemacht, hab richtig viel auf die Reihe bekommen. Mit diesem Leben, das ich da hatte, bin ich so super klargekommen, manchmal besser als mit meinem heutigen Leben. 

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