Wiz Khalifa – Rolling Papers

Wer den Werdegang von Wiz Khalifa seit seinem starken Debut „Show and Prove“ aus dem Jahre 2006 verfolgt hat, der musste schon etwas verwundert feststellen, wie aus dem hungrigen, vielseitigen und technisch versierten MC, der sich mit einigem Erfolg darum bemühte, einen eigenen „Pittsburgh-Sound“ zu etablieren, der Rapper wurde, der drei Jahre später das Album „Deal Or No Deal“ zu verantworten hatte…„I dumb down for my audience, to double my dollars.“Diesen berühmten Satz von Jay-Z schien der gute Wiz penetrant verinnerlicht zu haben. Verkrampft auf Hit getrimmter Auto-Tune-Standard-Sound, gepaart mit langweiligen Klischee-Raps aus dem Baukasten für neureiche Sternchen, waren die Folge. Natürlich auch mit einigen Ausnahmen, bei denen sein durchaus großes Talent hervorblitzte, aber alles in allem relativ unerträglich.

In der Zwischenzeit veröffentlichte der fragwürdig dicht tättowierte MC unzählige Mixtapes, die dann wiederum eine musikalische Weiterentwicklung erkennen ließen und es war zu verfolgen, dass er zwar im Großen und Ganzen weiterhin auf die technischen Sperenzchen und lyrischen Höchstleistungen seines ersten Albums verzichtete, sein „Sing-Spiel“ jedoch einem intensiven Trainingslager unterzogen hat.
So macht der Pittsburgher  nun auf dem vorliegenden dritten großen Solo-Album „Rollin Papers“ gleich im ersten Song „When I’m Gone“ klar, woher der Wind weht: Äußerst ohrwurmverdächtig wird da harmonisiert, was das Zeug hält. Dabei präsentiert sich der laut eigener Aussage 10.000$ pro Monat verkiffende Wiz als sympathisches Spendier-Monster, das sein ganzes Geld für die Homies verpulvert, da man es sowieso nicht mit auf die „andere Seite“ nehmen könne:
„I’m smokin‘ weed, drinkin‘ liquor, make a hundred off a show spend it all on my niggas. When I go shoppin‘ I tell ‚em pick one cause they was with me when nobody seen a vision. […] I’ma take all this money I own and blow it all away cause I can’t take it when I’m gone“Das anschliessende Saufgelage „On My Level“, mit dem in letzter Zeit auf gefühlt jedem zweiten Album gefeatureten Too $hort, ist auf den ersten Blick wieder pures Rap-Klischee. Eigentlich auch auf den zweiten… aber: saugut gemacht.
Hit-Garant Jim Jonsin lässt da ein ganz gefährliches Bass-Ungeheuer von der Leine, mit dem sich sehr gut die Belastbarkeit jeder Anlage testen läßt. Schlitzohr $horty kickt dazu ein paar leicht unangenehme Frauen-unter-Drogen-setz-Reime, die allen „Die-Hard“ Fans nochmal beweisen sollen, dass sie sich um die Oakland-Legende keinerlei Sorgen machen müssen:
„I might not dot it, but I give it to ya women: Cocaine, Mushrooms, Extasy, GHB, Marijuana. She can suck it if she wanna.“

Die Themenvielfalt hält sich auch im weiteren Verlauf des Albums in überschaubaren Gras, -Party, -Geld und -Frauen-Grenzen. Allerdings kann man sich dem Charme des „Taylor Gang“-Bosses im Zusammenspiel mit den teilweise hochklassigen Beats kaum entziehen. Besonders die von I.D.Labs (E.Dan & Big Jerm) produzierten Stücke wie „The Race“ (Autobahn-Pur), „Get Your Shit“ (Lieblingstrack), „Cameras“ (nach dem zweiten Mal hören nur noch feiern!), der angesprochene Opener sowie die Brandon-Carrier-Produktion „Hopes & Dreams“ (schöne Sing-Rap Combo) sind neben dem schon lange veröffentlichten Superhit „Black & Yellow“ (Glückwunsch BVB!) unbestritten poppige, aber nichtsdestotrotz gute Musik, die einfach Spaß macht.  In diesen stressigen Zeiten muss man auch mal die Seele baumeln lassen und leichte Kost feiern dürfen, bei der sich gute Laune breit macht und bei der man nur noch ins Chevy-Cabrio hüpfen, Papiere zusammenrollen und cruisen will.

Wiz Khalifa vermittelt wirklich ein Lebensgefühl und es ist kein Zufall, dass „Rolling Papers“ auf Platz 2 der Amerkanischen Charts eingestiegen ist. Er scheint mit diesem Album seinen Style gefunden zu haben und für die Zukunft ist also neben dem ein oder anderen Phrasenschwein-Futter wie: „…them hoes follow like twitter…“, sicher auch noch mit weiteren Ohrwurm-Attacken der obersten Güteklasse zu rechnen.

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