Crackaveli

Lang, lang ist es her, dass Shok Muzik antrat, um die Deutsche Straßenrapkrone zu erringen. 2004 war die große Zeit des Weddinger Labels und die Rapper um D-Irie und Ufuk Shahin machten mächtig Welle. Mit dabei, aber nicht ganz im Zentrum des Sturms stand Crackaveli, der immer eine Konstante im Label war, aber zu Lebzeiten des Labels kein eigenes Album releasen konnte. Dies wird jetzt nachgeholt und mit Jugo Betrugo, bringt der gebürtige Berliner nach all den Jahren doch noch eine Solo CD in die Läden. Mit neuem/alten Management und jeder Menge Spaß an der Musik. Und genau darüber haben wir uns bei einem Bosnischen Bäcker am Kottbusser Tor, nach einer sehr durchzechten Nacht, unterhalten … und über einiges andere auch.   

  

rap.de: Wenn man sich Deine aktuellen Videos anguckt, dann denkt man sich schon: “Oh, der harte Crackaveli kann ja doch lachen und ist lustig.“.

Crackaveli: So bin ich, normal Alter. (Gelächter) Natürlich. Was genau ist deine Frage, Alter?

rap.de: Das ist ja schon ein Imagewechsel oder haben wir das falsch verstanden?

Crackaveli: Ne, das ist eher ein Reifeprozess, würde ich sagen….

rap.de: Boah, Du hast ja eine ziemliche Fahne. (Gelächter)

Crackaveli: Scheiße. Kriegst Du mit, wa? Ich sag ja, wir haben gestern richtig rein gehauen. Whiskey und Wodka, ich sag´s dir.
Aber zurück zum Thema. Ich denke, es ist ein Reifeprozess und am Ende des Tages muss man nicht so viel gucken, was die anderen von einem denken. Wenn du dir Mühe gibst für Leute, von denen du willst, dass sie was von dir halten, gehen die sowieso nicht die CD kaufen. Dann entspannst du dich mal ein bisschen, guckst ein bisschen über den Tellerrand und siehst, was dann passiert. Ich bin jetzt 29, ich hab drei Kids.

rap.de: Das heißt, man lacht auch öfter mal?

Crackaveli: Mit den Kids auf jeden Fall. Man zieht im Laufe des Tages sein Programm durch. Ich kann nicht viel unternehmen mit den Kids, aber gestern war ich mit denen im Kino in “Harry Potter“. Das war cool, wirklich. Ich bin eingeschlafen, ich schwör´s dir. Ich hab geschlafen wie ein Baby.
Bei allem, was im Kino länger als 90 Minuten geht schlafe ich ein. Ich kämpfe dann zwar, aber es ist diese monotone Lautstärke.

rap.de: Jetzt ist es ja so, dass viele das Ganze trennen. Privat machen sie Spaß und sind auch lustige Typen, aber öffentlich und als Rapper wollen sie ganz anders dargestellt werden. Ist es jetzt eine bewusste Entscheidung gewesen, einfach auch zu zeigen: “Okay, ich bin jetzt nicht nur der harte Typ.“?

Crackaveli: Diese Rolle. Das ist mir alles zu verkrampft, den ganzen Tag eine Rolle zu spielen. Am Ende des Tages bin ich ja auch Velli. Ich bin ja auch ein Mensch. Ich kann nicht den ganzen Tag nur diesen verkrampften, harten Kanacken raushängen lassen. Das geht einfach nicht. Vielleicht schaffen das andere 24/7. Aber ich pack das nicht. Ich hab mehrere Facetten.
Ich denke, jeder Mensch lacht auch mal, warum sollte ich das nicht auch als Künstler den Leuten zeigen. Ich glaube, die Leute wollen ja auch so Eminem-mäßig was persönliches haben. Weißt du? Sonst würde Eminem nicht seine “Kim-Story“ und die Story von seiner Tochter bringen. Die wollen das Persönliche haben. Statt in Interviews kann man das ganze vielleicht ja auch irgendwie in Songs verarbeiten oder in Videos, so dass man mal lacht.
Wir kommen alle aus irgendeiner bestimmten Ecke, wir haben alle unsere Vergangenheit. Natürlich will jeder zu irgendwas dazugehören und jeder hat Mist erlebt.

rap.de: Wolltest Du damals zu Shok Music Zeiten den harten Kanacken darstellen?

Crackaveli: Ne, ach ganz normal. Ich denke, wenn man aus unsrer Ecke kam und in dem Alter war, dann will man immer erst mal gegen alles sein.
Du bist 20, 21, 22 und willst erst mal gegen alles sein und das lässt man raushängen. Das ist ja auch Rap. Die Leute arbeiten ja mit Sprüchen. Wer hat die besseren Sprüche? Das sind alles Sprücheklopfer und natürlich willst du auch mithalten. Du willst ja nicht einen auf Blümchen oder irgendwas machen.

rap.de: Warst Du damals enttäuscht, als das mit Shok nicht so wirklich funktioniert hat?

Crackaveli: Das kann man so oder so betrachten. Es hat Wellen geschlagen auf jeden Fall, was das Gequatsche betrifft und die Kohle Sache ist wieder was ganz anderes. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Dass es so Wellen geschlagen hat, da waren wir auf jeden Fall erfolgreich, was das betrifft. Das andere ist halt eben was anderes.

rap.de: Warum bist Du denn zur Musik zurückgekehrt? Du warst ja jetzt länger weg.

Crackaveli: Ich denke, ich war es mir selber schuldig. Wie kann man ne Zeit lang Mucke machen, aber kein eigenes Album gehabt haben? Die Jungs auf der Straße haben auch nicht locker gelassen, ganz ehrlich. Egal wo ich war, immer haben sie gefragt: “Ey, wann kommt dein Album?“
Dann habe ich gedacht: “Ey krass, die lassen nicht locker, okay!“ Auch mein Label, das sind auch richtige Sklaventreiber. Die haben mich dann gefragt: “Willst du ein Album machen?“ – ich hab “Ja!“ gesagt und Bäm, wurde ich eingesperrt.

rap.de: Macht Dir das Spaß?

Crackaveli: Das macht mir Spaß. Heute bin ich ein wenig kaputt, wenn ich ehrlich bin, aber sonst macht mir das schon Spaß.

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