Stieber Twins

Was machen eigentlich die Stieber Twins? Zum Beispiel treten sie in einem total ausverkauften Cassiopeia in Berlin auf und sind immer noch in der Lage ein Publikum zu rocken.

Da ein persönliches Treffen an diesem Abend aber nicht zustande kam, telefonierten wir ein paar Tage später mit Martin Stieber, den wir in seinem Heidelberger Laden Fresh Out The Box erreichen.

Wir sprachen mit ihm über alte Zeiten, verpasste Chancen und warum sich sein Bruder Chris schon vor fünf Jahren "zu alt für die ganze Scheiße“ gefühlt hat. 

rap.de: Hallo Martin. Wir erreichen Dich gerade in Deinem Hip Hop Laden. Wie laufen die Geschäfte im Jahr 2010?  
 
Martin Stieber: Also das ist alles andere als "golden“ im Moment.  
 
rap.de: Wie ist es denn? Wie schätzt du als Hip-Hop Einzelhändler die Situation ein zur Zeit? 
 
Martin Stieber: Ähm… Wie schätze ich die ganze Situation ein? Ich sage: Es ist auf jeden Fall nicht mehr so einfach wie damals, weil früher war das halt sone Monokultur.
 
Es ging alles in eine Richtung. Es war halt so ein Rudelgedanke. Hip-Hop  XXXXDoppelXL. Das gibt es in jedem Fall nicht mehr. Mittlerweile sind mehr Individualisten unterwegs. Das heißt, es gibt jetzt nicht mehr so einen Run auf Klamotte, die speziell für die Hip-Hopper zugeschneidert ist. Die ist vorbei die Zeit. Deswegen ist es für alle ein bisschen schwieriger geworden. Es gibt keine topselling Sachen mehr. 
 
rap.de: Glaubst du, dass sich die Szenen wie man sie bisher kannte auflösen? 
 
Martin Stieber: Ich glaube schon. Hip-Hop hat auf jeden Fall Federn gelassen. Wenn’s um so Marktwirtschaft-Geschäfte geht. Es ist nicht mehr so einfach wie früher, dass die Leute kommen und ein Ding kaufen. Die sind schon alle sehr überlegt und vor allem durchs Internet ist das alles super transparent.  
 
rap.de: Du hast gerade gesagt, dass es die Topseller nicht mehr gibt. Ich hab das Gefühl, dass es bei den Künstlern genau so ist. Die großen Top-Acts im Hip-Hop gibt es ja auch nicht mehr. Die Acts auf die sich alle einigen können, da gibt es nur noch ganz, ganz wenige. Ist das irgendwie vergleichbar?  
 
Martin Stieber: Genau! Das spiegelt sich da wieder. Das, was draußen im alltäglichen Marktgefüge stattfindet, kann man gleich setzen mit dem, was auf Festivals passiert zum Beispiel.
 
Es heißt ja auch nicht mehr Hip-Hop Open, es heißt Hip-Hop Open Minded. Da wird halt alles in einen Topf geschmissen.
 
Den Kleinen dieser Welt geht es vielleicht sogar noch besser als den ganz Großen. Die müssen auch alle umdenken. Die müssen auch Titel in ihr Sortiment aufnehmen, mit denen sie früher überhaupt nicht gerechnet haben.
 
Klar, man muss sich immer wieder neu erfinden, aber es ist lang nicht mehr so einfach. 
 

 
rap.de: Bedauerst du das? 

Martin Stieber: Was heißt bedauern? Man muss damit zurecht kommen. Auf der einen Seite bedauer ich das schon. Man hätte halt irgendwie in der Zeit, in der es richtig gut war, was machen müssen. Aber wenn man das halt irgendwie verpasst hat, muss man jetzt halt zugucken.
 
Aber es ist auch noch nicht aller Tage Abend. Mir geht’s ja geschäftsmäßig immer noch sehr gut.  
 
rap.de: Jetzt war neulich diese Veranstaltung in Berlin, auf der Ihr aufgetreten seid. Die war ja auch ein voller Erfolg.  
 
Martin Stieber: Also ich hab mich sehr gefreut über Berlin. Ich mach das ja nicht seit gestern, ich bin seit zwanzig Jahren mit von der Partie und dafür, dass wir das letzte Mal 1998 in Berlin aufgetreten sind, war der Zuspruch und die Resonanz sehr, sehr gut. Wir haben uns auch pudelwohl gefühlt auf der Bühne. Und bei den Konzert ist es ja auch so: So wie’s uns da oben geht, so geht es den Leuten dann auch unten. Das ist immer so eine Wechselwirkung und das hat in Berlin sehr gut funktioniert.
 
Ich hab immer gedacht, das sind alles so Atzen in Berlin. Aber das sind ja gar keine Atzen. Das sind ja irgendwie auch ganz normale Leute. Wir haben da auch auf der Bühne gefragt, wo die ganzen Berliner sind und die Leute, die in Berlin geboren sind. Da gingen dann halt irgendwie fünf oder sechs Hände hoch.
 
Das ist ja dann eher ein Querschnitt durch ganz Deutschland, wenn man in Berlin spielt. Es ist ja nicht mehr so, dass da ausschließlich Berliner Publikum hinkommt.
 
Ich weiß noch in den 90ern, da war das anders. Da ist man irgendwo hingekommen, da sind erstmal Backsteine geflogen und dann hat’s erst mal aufs Maul gegeben. Das war so Anfang der 90er.
 
Das war diesmal ganz anders. Ich fand Berlin großartig, muss ich wirklich sagen, ich hatte vorher wirklich ein mulmiges Gefühl.  

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