Interview mit Verrückte Hunde: „Wenn der Mensch Macht hat, wird er ekelhaft.“

Ihr sprecht auf dem Album über Manipulation in der Industrie und Beef pünktlich zur Promophase und distanziert euch davon. Gleichzeitig sagt ihr auch: Wenn ich behaupte, wir sind underrated, dann neige ich zum untertreiben. Schon viel zu lange im Untergrund aufgehalten.“ Was spricht eurer Meinung nach dagegen, auf diese Promotools zurückzugreifen und was ist die Alternative?

Scu: Ich muss keinen Beef anzetteln, um mein Album zu verkaufen. Wenn ich sage, „Wir sind underrated“, die Line ist übrigens von Foxn, „neige ich zum untertreiben“, dann ist das auch so! Komm zu unseren Live-Auftritten, und stell mir jemanden hin, der 150.000 Platten verkauft, wir nehmen den auseinander, aus der Zeit kommen wir eben. Wir haben zwei DJs, vier Turntables, wir machen eine massige HipHop-Show und alle Leute, ob 20 oder 200, die flippen aus.

Klar, wenn du andere Rapper siehst, die ihren Beef direkt vor einer Promophase anzetteln, das kotzt einen schon an. Denn es geht ja um die Musik. Leider steht heutzutage nur noch die Person im Vordergrund. Es geht darum, wie du dich darstellst. Was ist der nächste Clou – kommst du gerade aus dem Knast und so weiter…

Da Kid: Ich habe das die letzten Jahre auch schon näher mitbekommen. Ich war für ein paar Acts DJ und habe gesehen, wie Manager den Künstlern ein Image aufdrücken. Ein Image könnte es zum Beispiel sein, so zu wirken wie James Dean, zu kiffen oder eine Prostituierte zu sein. Die Künstler setzen sich dann mit dem A&R hin und überlegen sich, wie das Produkt vermarktet werden kann, damit möglichst viele Menschen es konsumieren. So werden dann Images aufgebaut. Das machen wir gar nicht. Wir könnten jetzt auch die total verrückten Aktionen bringen, aber das müssten wir uns dann ausdenken und uns somit eine Maske aufsetzen

Scu: Schlussendlich ist das auch kurzlebig.

Da Kid: Genau. Das nächste Album hat dann ein komplett anderes Thema. Plötzlich wird der James Dean des Deutschraps zum Michael Jackson. (lacht) Was soll das?

Scu: Das ist genau der Punkt. Wir sitzen jetzt hier und machen ein schriftliches Interview statt eines Videointerviews. Warum? Ich meine das nicht als Kritik. Aber wir verkaufen nicht weniger Platten als der Rest. Nur eben nicht in der ersten Woche. Bei uns kommen noch vier Jahre nach der Veröffentlichung eines Albums Menschen an und sagen: „Wow. Was seid ihr denn für Freaks? Kauf ich!“

Die Qualität spricht sich einfach herum. Genau das wollen wir erreichen. Wir sind zwar nicht die Typen, die in der ersten Woche steil gehen. Aber diese Geschichte mit der Promophase, die zahlt sich auch nur die ersten Wochen aus. Wir halten lieber an unserem Sound fest. Glücklicherweise sind wir finanziell nicht abhängig von der Musik. Ich muss meine Miete nicht mehr davon Zahlen. Wir alle nicht.

Abschließend lässt sich sagen: Wir wollen schon eine möglichst weite Reichweite erlangen, aber nicht zu jedem Preis. Ich mache meine Musik und wenn das möglichst viele Leute erreicht, dann ist das cool. Wir sind nicht diese Underground-Typen von damals, die sagen: „Platten verkaufen das ist nicht real und das ist Sellout.“ Nein, ganz im Gegenteil. Wir haben einfach Bock auf geile Mukke – das steht im Vordergrund.

Da Kid: Um von Rap leben zu können, müssten wir außerdem, im Vergleich zu einem Solokünstler, das Fünffache verdienen. Wie viele Rap-Crews gibt es denn heutzutage noch? Wenige, oder? Gerade, weil man in einer Crew alles teilen muss. Wenn man das hochrechnet, müssten wir im Vergleich zu einem Solokünstler 30.000-50.000 Alben verkaufen. Nur, damit wir unseren Lebensstandard halten können.

Scu: Das wäre dann aber auch utopisch.

Da Kid: Ja, als Crew ist das fast unmöglich. Dann muss das auch noch aufgeteilt werden: Die MCs verdienen dann mehr als die DJs usw. und der Produzent dann auch noch weniger.