Maskoe – One Man Show (Review)

Maskoe ist wahrscheinlich DER Präzedenzfall zum Einfluss der Medien auf die deutsche HipHop-Musikindustrie und deren Auswirkung. Man kennt das: Junger, unbekannter Künstler startet über Nacht von Null auf Hundert durch – und steht plötzlich im Zentrum eines öffentlichen Interesses. Das hat neben ein paar angenehmen vor allem viele negative Folgen. Maskoe erfuhr das in voller Härte am eigenen Leib. Im Zuge eines gewonnenen Contests in jungen Jahren hatte er seinen ersten Auftritt. Und ein Interview. Genau das wurde zum Problem.

Nachdem Stefan Raab den jungen Künstler wegen dessen Interview mit Falk gehörig verarschte, wurde aus dem Hype schnell Spott. Genauso schnell wie er alles hatte, hatte er wieder nichts und wurde dazu noch von ganz TV Total-Deutschland ausgelacht. Über 10 Jahre ist das inzwischen her, nun liegt endlich sein Debüt-Album „One Man Show“ vor. Ein sehr persönliches Album, das unter Berücksichtigung der verstrichenen Zeit vor allem thematisiert, was er durchgemacht hat, nachdem er wieder auf sich allein gestellt, in sein normales Leben zurückgeworfen wurde.

Schon das Cover und das Booklet zeigen persönliche Kindheits- und Erinnerungsfotos, seinen Pass, Zeitungsausschnitte aus jungen Jahren. Dann ein Zeitsprung. Ein ärztlicher Befund. Diagnose: Endogene Depression. Zu guter letzt Aufnahmen aus jüngster Zeit, in der es im Zuge des Debüts wieder aufwärts zu gehen scheint – jedenfalls sieht er deutlich gesünder aus als vorher.

Schmeißt man das Album an, wird ohne viel Intro-Gerede direkt losgeschossen. „Bang“ geht nach vorne, wartet gleich mit einem starken Beat auf und schneidet direkt das Raab-Thema an, was bei „One Man Show“ dann noch mal vertieft wird. Im Titeltrack erzählt Maskoe chronologisch und beschreibt überraschend ehrlich und offen den damit verbundenen Schmerz und seine Gedanken. Mit „Kanacken aus Deutschland“ scheint dann das Lebensgefühl des Hamburgers, gesellschaftlich betrachtet, abgearbeitet. Er sieht sich offenbar vor allem als Sprachrohr für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Positionierung in Deutschland. Natürlich ist das alles keine nüchterne, objektive Analyse, deswegen ist es auch zu verzeihen, dass er die Opferrolle hier und da ein bisschen zu sehr betont.

Auf jeden Fall profiliert sich Maskoe in den ersten vier Tracks und schafft es, seinen Stil zu behaupten und zu definieren. Allein an der Technik mangelt es etwas. Maskoe pflegt einen eigenwilligen Stil auf den sehr gut produzierten Beats, versucht manchmal aber zu sehr, seine Stimme an den Beat anzugleichen. Das verleiht dem Soundbild ab und an etwas abgehacktes und wirkt nicht immer ganz stimmig.

Mit dem fünften Track kommt dann der Umbruch im Album. Von der Darstellung seiner Innenwelt geht es direkt zum zweiten großen Thema auf dem Album: Liebe. „Du Hoe“ greift dieses Thema direkt mit einem sehr agressiven Ton auf. Mit Lines wie „Ich würd dich gerne töten doch du bist die Scheiße nicht wert“ kompensiert Maskoe die sehr starke Wut, die durch einen Bruch einer Partnerschaft mit einer Frau entstanden ist. Mordgelüste, gerade gegenüber Ex-Freundinnen, sind im HipHop-Musikgeschäft wahrlich nichts neues. Gut, ein Tritt ins Genick und Missbrauch in der Stammkneipe sind sicherlich sehr starker Tobak, aber es herrscht schließlich Kunstfreiheit. Daran ist nicht zu rütteln.

Es erscheint nur ein wenig inkonsequent, wenn man nach dieser Hasspredigt den nächsten Track hört: Eine Liebeshommage an eine Frau, die von Maskoe nur liebevoll „Ghettoqueen“ genannt wird. Man wird den Gedanken nicht los, dass Maskoe niemand ist, der morgens aufsteht und sich routiniert ans Texten macht. Diese Songs entstehen offenbar nur in extremen Situationen, daher wohl auch dieser große Zwiespalt in der Persönlichkeit zwischen Hass und Liebe, gerade zu Frauen.

Unter Berücksichtigung der großen Zeitspanne des Albums ist es also weniger Inkosequenz als ungefilterte Emotion, was die Schwankungen im Respekt gegenüber weiblichen Wesen erklären dürfte. Dieser Gedanke wird bestätigt durch „Maskoekain“, ein Track über die Depressionen, die Krisen und den Abfuck des Hamburgers, die Krankheit, die ihn beherrschte und Dinge tun ließ, die er sonst wahrscheinlich nicht gemacht hätte.

One Man Show“ ist ein sehr selbstreflektierendes, selbstbezogenes Album, psychoanalytisch durchaus wertvoll und interessant, sowohl für ihn als Künstler als auch für seine Hörer. Die technischen Mängel gleicht der Hamburger durch Gradlinigkeit und Authentizität aus. Und mit den hervorragenden Beats von KD-Supier, Farhot und Afghani Money hat er auch ein paar gute Argumente auf seiner Seite.

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