Review: Musa – Berliner Negritude

Musa ist seit Jugendtagen eng mit Megaloh befreundet und ging mit ihm und Produzent Ghanaian Stallion 2017 unter dem Namen BSMG seine ersten Schritte im Rap-Game. „Platz an der Sonne“ heißt die gemeinsame Platte. Für sein Solo-Debüt „Berliner Negritude“ sind mit ihm und Ghanaian Stallion, der das Album exklusiv produziert hat, zwei Drittel BSMG übrig geblieben. Soviel sei vorweg genommen: Das Duo überzeugt auch ohne ihren großen Bruder.

Stallion beweist Flexibilität in Sachen Beats – egal ob sanftes Soul-Sample wie auf „BLNNGRTD“,  feierliche Fanfaren auf „Alles was ich hab (feat. Amewu)“ oder westafrikanischer Folk-Einflüsse auf „Dribble“. Darüber hinaus verpasst er seinen Werken oftmals einen Black-Culture-Touch, der sich in Soul- und Gospel-Samples äußert.

Musa, Kind Sierra Leonischer Eltern, wächst in Berlin auf, muss die Hauptstadt mit zwölf Jahren aber schon wieder verlassen. Über die USA, Sierra Leone und Guinea folgt die Rückkehr nach Berlin. An einigen Stellen auf dem Album geht er auf diese Odyssee ein und spricht über die so gegensätzlichen Einflüsse in Deutschland und Sierra Leone. Besonders der ihm in Deutschland so lange unbewusst vorgelebte Alltagsrassismus stellt einen enormen Kontrast zu seinen Erfahrungen in Sierra Leone dar. Zeilen wie „Ich seh‘ Farben anders seit ich zwölf bin“ zeigen deutlich, dass der Aufenthalt in Afrika großen Einfluss auf Musas kulturelles Bewusstsein hatte.

Concious, aber nicht depressiv

Ansonsten knüpft er thematisch an „Platz an der Sonne“ an, indem er seine Solidarität gegenüber den Geflüchteten äußert, Hoffnung weckt und auf Missstände aufmerksam macht, mit denen ethnische Minderheiten tagtäglich konfrontiert werden. Auf den ersten Blick kann eine solches Themenraster auf vorwurfsvollen, witzlosen Concious Rap mit ermüdend gestrecktem Zeigefinger hinweisen. Musa verhindert jedoch, dass seine Texte zu traurig und frustriert klingen und kreiert stattdessen einen positiven Vibe, indem er das musikalische Gewand heiter gestaltet, sich aber auch gesellschaftskritisch äußert. „Splitter“ stellt mit seinem tanzbaren Fundament bei ernster Kriegsthematik das wohl treffendste Beispiel dar. Ähnlich verhält es sich mit „Dribble“: Der Fußball-Song ist an sich kein Highlight, bricht den thematisch ansonsten aber oft dunklen Schleier auf.

Dance-Sound mit Message

Der Berliner hebt sich von den meisten aktuellen Newcomern ab. Er verbindet Intellekt und Message geschickt mit einem zeitgemäßen Sound, der bei ihm einen hörbar kulturellen Hintergrund hat und über Trendverwurstung hinaus geht. Kurzum – Musa äußert auf „Berliner Negritude“ zwar viel Kritik, schafft es dabei aber, nie seinen Spaß zu verlieren oder in eine zu düstere Richtung abzudriften.

 

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