Review: Veedel Kaztro – Frank und die Jungs

Veedel Kaztro und Produzent Teka haben innerhalb von nur einer Woche ein komplettes Album auf die Beine gestellt. Das trägt den bereits lange vorab in sozialen Medien als Meme zur Schau getragenen Titel „Frank und die Jungs“. Wer ob der kurzen Entstehungszeit oder des albernen Titels nun ein Spaß-Projekt voller Kalauer erwartet, könnte falscher kaum liegen.

„Frank und die Jungs“ ist ein absolut vollwertiges Album, das nicht nur gemessen an der außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte bestechen kann. „Frank und die Jungs“ sind dieses Umfeld, das wohl jeder hat. Die Freunde, die spontan mit einer Kiste vor der Tür stehen und einen so von wichtigen Aufgaben abhalten, aber im eben auch die besten und treuesten Freunde sind, die man sich nur wünschen kann. Dieser Blues, den der Lifestyle mit den Jungs mit sich bringt. Ein Lebensgefühl, das Veedel glaubhaft und mit charmantem Witz auf den Punkt zu bringen vermag.

Man hört „Frank und die Jungs“ an, dass es in einer einzigen, langen Session entstanden ist. Mit Highlights geizt das Album dennoch nicht. Wenn Veedel auf „Weg“ den Suizid eines engen Freundes verarbeitet, dann schnürt es einem die Kehle zu. Auf „Einkaufen“, das nicht nur entfernt an das Frühwerk von Audio88 erinnert, wagt Veedel einen Blick hinter die Fassaden eines typischen Shoppingtripps und fasst, umgeben von Menschenmengen im Konsumrausch, die er als eine Art Menschenvieh wahrnimmt, schließlich den Plan, in eine der Produktionsstätten zu fahren, um dort mit anzupacken und den ausgebeuteten Arbeitern so das Leben zu erleichern.

Veedel Kaztro gibt sich ungewohnt schwermütig, legt aber auch ein ungewohnt rundes Songwriting vor, das durchdacht und rund daher kommt, aber nicht an charismatischen Ecken und Kanten vermissen lässt. Auch der Hochglanz-Sound von Teka klingt hochwertig, wurde aber nicht zu glatt poliert. Waren Veedels Ausflüge in moderne Gefilde bisher eher satirische Gassenhauer, klingt „Frank und die Jungs“ durchweg zeitgemäß und enorm musikalisch. Dabei wird sich nicht einfach bei der Blaupause eines Subgenres bedient, sondern ein eigener Cocktail aus Synthie-Flächen, wechselnden Tempi und interessanten Drum-Arrangements angerührt, der Veedel beeindruckend gut zu Gesicht steht. Dieser beweist ein nie gehörtes Händchen, für harmonische Ohrwurm-Hooks, die es sich mit gekonnt dezentem Autotune-Einsatz in den Gehörgängen gemütlich machen.

Meme-Titel und Highspeed-Produktion hin oder her: „Frank und die Jungs“ ist ein gehaltvolles, abwechlungsreiches, wohlklingendes Album mit Charisma, Herz und Attitüde. Die volle Palette eben. Voll mit Referenzen, die von Tocotronic bis Lil Yachty reichen, einem spannenden, selbstreflektierten Weitblick und hochwertigen, abwechslungsreichen Beats, wurde hier wenig bis nichts falsch gemacht.

Frank und die Jungs
  • Melting Pot Music
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