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Bushido und sido

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Normalerweise sind für rap.de Releasedaten und Tracklisten keine News. Normalerweise. In diesem Fall aber liegt der Fall dann eben doch ein bisschen anders. Wenn die beiden erfolgreichsten deutschen Rapper sich zusammentun, um eine Art deutsches "Watch the throne" zu schaffen, dann ist das alles andere als normal und daher natürlich eine Meldung wert.

Bisher war es nur ein Gerücht, doch nun hat Sony es offiziell bestätigt: Die ehemaligen Erzfeinde Bushido und sido werden gemeinsam ein Album veröffentlichen. Am 14. Oktober wird "23" erscheinen. Einer der beiden Protagonisten wurde in der Presseerklärung mit folgendem Statement zitiert: "Die Rap-Elite vereint auf einem Album … Keiner kann uns aufhalten, nur die Weibaz …" (Na, wer könnte das gesagt haben?).
Auch Willy Ehmann von Sony ließ es sich nicht nehmen, den seiner Ansicht nach offenbar historischen Anlass mit einem leicht abgewandelten Zitat aus einem Filmklassiker zu würdigen "Ich liebe den Geruch von Rap am Morgen, ein Album, das Musikgeschichte schreiben wird."

Das indes bleibt abzuwarten, wie der Kollege Ralf Kotthoff von mzee völlig zu Recht per Twitter anmerkte:

@Bushido78 & @siggismallz & "23" & blabla & huuu und,,, gähn! (bevor ich nicht gute Raps gehört hab bin ich NULL beeindruckt!)less than a minute ago via web Favorite Retweet Reply

Bisher gibt es immerhin schon mal die Tracklist zu bestaunen:

1. Intro
2. Mit nem Lächeln
3. Und schon wieder
4. So mach ich es
5. Willy 1 (Skit)
6. Engel links Teufel rechts
7. Auch wenn es manchmal regnet
8. Erwachsen sein (feat. Peter Maffay)
9. Bring mich heim (feat. J – Luv)
10. Ein Märchen
11. Willy 2 (Skit)
12. Haus aus Gold
13. Schattenseiten
14. 23
15. Verriegel deine Tür
16. Kopf kaputt
17. Schöne neue Welt (feat. Kay – One)
18. Gib nicht auf
19. Crossroad (feat. Ajani)
20. Bonny’s Ranch

Auf unserer Facebook-Seite könnt ihr uns mitteilen, was ihr von "23" erwartet.

Herr von Grau – Das Erste Buch Grau

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Intelligent, extrem facettenreich, innovativ, ausgefeilt – so stellen sich Herr von Grau selbst ihren potentiellen Hörern vor. Entgegen des Eindrucks, den man durch ihren Namen gewinnen könnte, handelt es sich bei Herr von Grau um ein Duo. Benny, ursprünglich aus Wolfsburg und Kraatz, ursprünglich aus Braunschweig, lernten sich 2007 in Berlin kennen und – es klickte einfach. Ob es bei euch auch Klick macht, merkt ihr spätestens, wenn ihr das Video zu "Das Erste buch Grau" anschaut, das wir euch hier in einer exklusiven Videopremiere präsentieren.

Kanye West & Jay-Z – Watch The Throne

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Es ist endlich soweit. Der G8-Gipfel der Rapmusik ist da. Das bilaterale Treffen von zwei der mächtigsten Alphamännchen des Rap. Der staatstragende Shit. Mit seinem bombastischen letzten Album „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ hat Kanye West sich definitiv ein Reiterdenkmal gesetzt und die verschiedenen Volksstämme des HipHop (LRG-Träger, Skinny-Jeans-Träger oder Karottenhosen-Träger) vereinigt. Und der gute Jigga mag nicht mehr ganz so schön hungrig und angrifflustig sein wie zu seinen besten Zeiten, aber er hat als Minister in Flowangelegenheiten immer noch das eine oder andere Schimpfwort mitzurappen.

Nun mag man „Watch The Throne“ kommerzielles Kalkül unterstellen. Man nehme zwei Top-Rapper, einer davon rein zufällig auch noch ein Top-Produzent, packe die beiden zusammen auf eine Platte und heraus kommt die eierlegende Wollmilchsau. Klar, stimmt ja auch irgendwo, und natürlich denken unsere amerikanischen Verbündeten solche strategischen Überlegungen stets mit. Dennoch interessiert den aufmerksamen Hörer ja nur eines dabei: Ist „Watch The Throne“ nun der moderne Klassiker, den die Konstellation durchaus erwarten lässt oder doch nur ein altersseniler Eitelkeitsbeweis zweier arrivierter Herren?

Wie es sich für bedeutende Anlässe geziemt, beginnt das Spektakel nmit „No Church In The Wild“ nicht besonders spektakulär, gar mit einem Paukenschlag. Sondern ausgerechnet mit der wunderschönen Stimme des Senkrechtstarters Frank Ocean (Odd Future). Keine schlechte Wahl, Oceans wehmütiges Organ gibt einen perfekten Zeremonienmeister ab. Der Beat rumpelt zackig, fast wie Marschmusik, als Hova seine ersten Zeilen rappt. Unwillkürlich steht der Hörer stramm und salutiert. Es kann also losgehen.
Der zweite Track heißt passenderweise dann auch Lift Off“, womit klar ist, in welche Richtung es gehen soll: Nach oben. Ein wahrer Stab von Produzenten wurde einberufen, um am Beat mitzuwirken, darunter Mike Dean von Rap-A-Lot, Q-Tip und Pharrell. Nur angemessen, denn mit Beyoncé erwartet man königlichen Besuch. Vor lauter Bewunderung für die stimmlichen Fähigkeiten von Jay-Zs Göttergattin, die es textlich zu den Sternen zieht (We gonna take it to the moon, take it to the stars/ How many people you know can take it this far?“), vergessen die beiden beinahe, selbst zu rappen. Das wird dann dafür auf „Niggas in Paris“ nachgeholt, das auf gesungene Lines verzichtet und voll aufs gesprochene bzw. gerappte Wort setzt. „Balls so hard mothafuckas wanna fine me“, protzt Jay-Z und Yeezy steht dem in nichts nach: „What’s Gucci my nigga? What’s Louie my killa? What’s drugs my deala? What’s that jacket, Margiela?“. Dazwischen ein vielsagendes Zitat aus dem Film „Blaze of Glory“: „No one knows what it means. But it’s provocative.“, darunter ein treibender, eingängiger Beat, Marke: Timbaland, als er es noch draufhatte.

Die Single „Otis“ dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Allein, wie Kanye, der hier ausnahmsweise mal alleine verantwortlich zeichnet, das Otis-Redding-Sample für die Strophen zerhackt und zerstückelt hat, ohne dass dabei ein Funken Soul verloren gehen würde, ist ganz großes Minigolf. „Gotta Have It“ und „New Day“ nehmen ein bisschen Tempo raus und bereiten den Hörer auf den nächsten Streich vor.
Der da heißt „That’s My Bitch“ und ein ziemlich dreister Schlag in die Fresse ist.  Q-Tip flippt den „Apache“-Break und haut lediglich einen ganz gemein furzenden Bass darunter, der nach Sega Mega Drive klingt. Dazu zeigen Ye und Hov, was in ihren Augen eine gelungene Anmache darstellt. Während ersterer es mit arroganter Du-weißt-zwar-nicht-wie-man-Basquiat-schreibt-aber-egal-hier-ist-meine-Yacht-du-Schlampe-Attitüde probiert, packt Jigga den Kunst- und Modeexperten aus und droppt Referenzen an Designer, Maler, Museen und Kunstwerke. „That’s right nigga Mona Lisa can’t fade her/ I mean Marilyn Monroe, she’s quite nice/ But why all the pretty icons always all white?/ Put some colored girls in the MoMA“.
Nun erklingt der allseits bekannte Swizz-Beats-Sound, hektisch, nervös, aber durch lässige Synthie-Melodie-Sprengsel aufgelocktert und beinahe schon majestätisch. Zu Beginn befürchtet man noch, Alicia Keys‚ Ehemann würde gleich selbst anfangen zu rappen, aber gottlob belässt er es dabei, im Intro alle im Dschungel willkommen zu heißen, bevor Jay und Ye es souverän killen.
Who Gon Stop Me“ fährt einen Dubstep’esken Bass auf, der dem Song Hymnencharakter verleiht und stellt einmal mehr die rhetorische Frage, wer die beiden eigentlich aufhalten will? Höchstens ein Geschichtsprofessor, denn die historisch reichlich schiefe Kanye-Ansage „This is something like the holocaust/ Millions of our people lost“ zeugt mal wieder vom undifferenzierten historischen Verständnis unser amerikanischen Freunde. Sei’s drum, starker Song.

Mit „Murder to Excellence“ wird dann so langsam schon die Schlussrunde eingeläutet – und es wird ein wenig ernsthafter, was den Inhalt angeht. Betont soulig kommt der erste von zwei Songteilen, den erneut Swizzy produziert hat, daher, um dann von einem recht klassischen BoomBapper abgelöst zu werden. Textlich wird recht präszise die prekäre Situation der afroamerikanischen Community umrissen, im nachfolgenden „Made It In America“, dem der gute Frank Ocean ein weiteres Mal seinen Stempel aufdrücken darf, dann, quasi als Gegenstück oder Trotzreaktion, die Erfolge afroamerikanischer Künstler, aber auch Politiker und Aktivisten gefeiert. Glaubwürdig ist das vor dem Hintergrund der beiden Protagonisten allemal.

Und zum guten Schluss gibt es dann nochmal Dubstep oder Post-Dubstep, dieses Mal garniert mit Mr. Hudson, dessen melancholischer Chorus für echte Abschiedstimmung sorgt. Allerdings auch dies nur ein Abschied auf Raten, denn dem interessierten Hörer stehen noch sage und schreibe vier Bonunstracks der iTunes-Version zur Verfügung, von denen die erste Single „H-A-M“ und das mit Curtis Mayfield-Sample ausgestattete „The Joy“ (prod. von Pete Rock) am meisten zu überzeugen wissen.

Dann fällt der Vorhang endgültig und was bleibt, ist die eingangs gestellte Frage nach dem Klassikerstatus. Ja, unbedingt, ein Klassiker. Durchkomponiert, mit gut nachvollziehbarem Spannungsbogen, Gänsehautmomenten, lyrischen Glanzpunkten und der richtigen Balance zwischen Vielfalt und Stringenz. Und doch kommt auch „Watch The Throne“ nicht umhin, ein Kind seiner Zeit zu sein. Während Klassiker früher als originäre Blaupause für jede Menge nachfolgende Künstler und deren Alben herhielten, bezieht dieser hier seine Genialität vielmehr aus den zahlreichen, gut ausgewählten Zitaten, ohne etwas genuin Neues hinzuzufügen. 

Neue Vorwürfe gegen Xatar

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Der Bonner Rapper Xatar sitzt immer noch in Untersuchungshaft und muss sich weiter vor Gericht verantworten (rap.de berichtete).

Während der Prozess wegen des Goldraubs, an dem Xatar beteiligt gewesen sein soll (was er in einem Geständnis auch eingeräumt hat, rap.de berichtete), ins Stocken geraten ist, gibt es nun einen neuen Vorwurf gegen den kurdischstämmigen Deutschen.

Das brasilianische Fotomodel Allesandra Mendes behauptet, Xatar sei auf einer Party in Hugh Hefners Playboy Mansion ihr gegenüber handgreiflich geworden. Er habe ihre Freundin auf der Tanzfläche angerempelt, daraufhin habe Mendes ihn gebeten, sie ihn Ruhe zu lassen.

Gegenüber der Klatschseite TMZ.com beschrieb Mendes die Reaktion des Rappers auf diese Bitte folgendermaßen: "Er ist mir auf den Fuß getreten, hat mich an den Haaren gezogen und hat mir auf die Nase geschlagen. Dabei ist sie gebrochen."

Die angeblichen Vorfälle sollen sich bereits vor zwei Jahren ereignet haben (rap.de berichtete), aber erst jetzt hat die angeblich Geschädigte ihre Klage eingereicht. Mendes hat indes nicht nur Xatar, sondern auch den Playboy sowie den Sponsor der damaligen Veranstaltung, die Getränkefirma Fellbacher, auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt.

Gegenüber bild.de wies Xatars Anwalt Malte Höch die Vorwürfe von Mendes allerdings entschieden zurück. "Bei der Party hat es keine Gewalt gegen eine Frau gegeben. Da versucht jemand, sich auf Kosten meines Mandanten einen Vorteil zu verschaffen.

Marc Reis nimmt Stellung

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Letzte Woche haben wir in einem Kommentar eine Zeile von Marc Reis kritisch kommentiert. Nun räumen wir  dem Künstler an dieser Stelle die Möglichkeit ein, sich selbst dazu zu äußern und seinen Standpunkt darzustellen – im Sinne eines friedlichen Dialogs über ein ernstes Thema.

"Seit einigen Tagen ist auf rap.de ein Kommentar über den Song gegen Kindesmissbrauch zu lesen. In diesem werde ich, Marc Reis, als Schwerpunkt behandelt. Natürlich trifft mich das, da ich auf keinerlei Art und Weise mit der NPD oder Todesstrafe in einem Atemzug genannt werden möchte. Ich bin ein Afro-Deutscher und auf gar keinen Fall ein NPD-Sympathisant und auch kein Sympathisant der Todesstrafe. Dies ist lediglich die Ausdrucksform, mit der ich meine Wut über dieses Thema deutlich gemacht habe.

Ich habe ein Herz für Kinder, besonders für mein Eigenes. Ich bin selber Vater und auch ich verfolge die News, in denen über dieses Thema berichtet wird und bin erschüttert. Es darf nicht immer wieder vorkommen, dass bereits verurteilte Sexualstraftäter ihrer perversen, kranken Neigung wieder nachgehen können. Dagegen muss was getan werden. Keiner von uns will, dass seine Kinder so etwas erleben müssen. Genau in solchen Situationen, wenn ich mein eigenes Kind in den Händen halte und mir vorstelle, dass es so etwas überhaupt da draußen gibt, werde ich sehr wütend und emotional. Da sagt man schon mal: "Der gehört doch erschossen“.

Unverständlich ist es für mich auch, dass nur diese Zeilen von mir auseinander genommen werden, aber die anderen Aussagen, die den gleichen Ansatz verfolgen, außer Acht gelassen werden. Hier liegt die Vermutung nahe, dass rap.de sich doch zu sehr auf einen von mir gerappten Satz versteift hat. "Ich hab keinerlei Akzeptanz, um es auf deutsch so zu sagen/ ich fordere für Kinderschänder die Todesstrafe". Einen Satz, der im Volksmund gang und gäbe ist: "Der gehört doch erschossen!“ Warum sollte ich meine künstlerische Emotion in Grenzen halten und mir den Mund verbieten lassen, nur weil ich das ausspreche, was ich in diesem emotionalen Moment fühle?

Lustig aber traurig zugleich ist es, dass ich mit der NPD in einem Satz genannt werde. Hinzu kommt, dass dieser Song, mit der bestritten Aussage, Monate alt ist und die NPD-Plakate erst vor einigen Woche aufgehängt wurden. Außerdem: Warum sollte die NPD, einen Song von einem Afro-Deutschen für ihre Zwecke benutzen? Völlig absurd. Bewusstsein zu schaffen beutetet, Mut zu haben und wer Mut hat, schreibt frei heraus in der Hoffnung, so verstanden zu werden, wie es gemeint war.

Hier geht es um Menschen und nicht um eine Wahlstrategie. Der Song war umsonst und ich hatte und habe keinen finanziellen Nutzen davon. Der Song ist ein Geschenk und sollte auch so behandelt werden. Die Behauptung, dass ich die gleiche Parole wie die NPD verwende, ist lächerlich – schaut mich an!

rap.de schreibt, dass sie so einem Song keine Plattform bieten wollen, aber stellen diesen Song trotzdem als News auf ihre Seite. Danke für die Plattform, wenn auch mit einem bitteren Beigeschmack.

Ich bin der Meinung, dass die persönliche Wertvorstellung des Chefredakteurs letztendlich zu diesem Artikel geführt hat. Ob dieser Redakteur ein Gegner der Todesstrafe ist oder nicht, sollte kein Thema in einem Bericht sein, indem es um einen Song geht, der ein so schwer verdauliches Thema behandelt. Da hat Politik nichts zu suchen, da zählt nur das Gefühl, dass man in diesem Zeitpunkt des Schreibens hat.

Das alles hätte sehr viel Schaden anrichten können. Wäre ich zu 100 Prozent deutsch, die rap.de-Leser würden mich sofort in die rechte Szene stellen. Daher würde ich es der rap.de-Redaktion nahe legen, sich in Zukunft bei solchen Themen zuerst an die Betreffenden zu wenden (egal, ob das ich oder andere sind), um die Hintergründe zu recherchieren und mit dem nötigen Abstand einen Artikel verfassen zu können.

Mein Anliegen ist es, allen dieses Thema vor Augen zu halten, damit etwas dagegen getan werden kann. Ich bin der Letze, der dieses Thema auseinanderreißen würde, um Menschen zu verletzen. Meine Absichten liegen nicht darin, Welle zu machen, sondern für meine Familie, meine Hörer und meine Freunde da zu sein." (Marc Reis)

F. R.

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Derzeit wartet ein Großteil von F. R.s Altersgenossen angespannt auf die Bescheide für ihre Ausbildungs- und Studienplätze. Der hauptberufliche Rapper und Ghostwriter aber geht seiner Leidenschaft nach und bricht mit der Idee eines geraden Lebensweges. Schluss mit dem Mittelweg. Auf in den ganz normalen Wahnsinn. Wieso das gerade in der heutigen Zeit wichtig ist, ob sich Deutschrap in Richtung des 2008 von ihm geforderten Gleichgewichts verändert hat und weshalb er hochgehaltenen Kameras bei Konzerten garnicht mag, verrät der Neu-Berliner uns in einem ausführlichen Interview.

rap.de: Bei unserem letzten Interview hast du noch in Braunschweig gewohnt und bist immer nach Berlin gependelt. Inzwischen wohnst du aber hier, oder?

F. R: Genau. Ich bin direkt nach der “Excess All Areas“-Tour hierher gezogen und teile mir jetzt eine Wohnung mit meinem Steuerberater in Wedding.

rap.de: Mit deinem Steuerberater?

F. R: Genau, mit meinem Steuerberater. Ich habe immer sehr interessante Mitbewohner und diesmal bin ich bei ihm gelandet. Der ist auf jeden Fall super cool: Nicht so der typische Steuerberater im Anzug, vielmehr so der zutätowierte Typ. Der macht auch die Steuersachen für andre Künstler, zum Beispiel für meine Produzenten, die Beatgees. Im Laufe der Albumproduktion ist mir die Wohnung mehr oder weniger zugefallen, habe dann auch sofort zugesagt und bin direkt eingezogen.

rap.de: Wie gefällt dir Wedding so?

F. R: Ich finde die Lage sehr gut. Ich bin sehr schnell beim Senefelderplatz, wo mein Studio ist. Was das Wedding-Klischee angeht, dass es da etwas brenzliger sein soll – davon habe ich noch nichts mitbekommen. Aber ich wohne auch eher im chilligeren Teil. Ich denke auch, dass Berlin sich in dem Album widerspiegelt. Braunschweig war zwar eine super Stadt um da aufzuwachsen, aber irgendwann muss man sich lösen. Ist aber auch easy: Ich kannte die Stadt wegen meinen Produzenten schon, habe hier Freunde und bis nach Braunschweig sind es nur zwei Stunden mit dem Auto.

rap.de: Das letzte Album "Wer bist du?“ war dein Selbstfindungs-Album. Jetzt bist du ein Jahr älter. Hast du dich selbst gefunden?

F. R: Ich finde schon, dass “Ganz normaler Wahnsinn“ ein selbstbewusstes Album ist und "Wer bist du?" die Antwort liefert. Ich bin Künstler und mache mir nichtmehr  jeden Tag einen Kopf um falsch und richtig. Ich denke mir nicht mehr, dass ich jetzt eigentlich schon studieren müsste. Ich bin F. R. und mache jetzt meine Mucke – und das ist gut so! Einfach mal machen! War auch das Credo von dem ganzen Album. Einfach reinstürzen und den Aufwind von Tour und Umzug in die Musik mit zu nehmen.  Ich sag ja nicht, dass ich nie im Leben studieren werde. Aber hey, ich bin 21 Jahre alt, und wenn ich nicht weiß, was ich studieren möchte, dann tu ich’s auch nicht. In der heutigen Zeit wird aber oft der gerade Lebensweg angepriesen. Am besten zehn abgeschlossene Berufsausbildungen, zwanzig Praktika, fertig studiert haben aber bloß noch jung dabei sein um sich direkt ins Berufsleben stürzen zu können. Ich habe auch viele ältere Freunde, die nicht diesen Weg gegangen sind, die leben aber auch. Die sind glücklich und haben ihre Träume verwirklicht.
 

rap.de: Trotzdem bleibt immer die Frage, ob es sich auszahlt. Tut es das bei dir?

F.R: Ja, definitiv. Ich kann momentan von der Musik leben, nicht im Luxus, aber ich komm über die Runden. Ich muss meine Eltern nicht anschnorren und kann meine Miete selber zahlen – von daher ist alles super. Und, vor allen Dingen: Ich kann mich jetzt viel intensiver in die Musik stürzen, wo ich nicht mehr all diese Zweifel im Hinterkopf habe.

BurnArt – Ey Sky – BurnArt is the limit

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BurnArt kommt aus Frankfurt/Main und ist laut eigenen Angaben "eine Bewegung". Jedenfalls sorgen seine frechen Raps für einige Bewegung in den Lachmuskeln, soviel steht fest. Macht euch selbst ein Bild, lest das kurze Interview mit dem Frankfurter Rapper durch, schaut sein neues Video
und hört euch seinen Track "Ey Sky – BurnArt is the limit" an. Da geht, wie man früher sagte, nämlich so einiges.
rap.de: Bitte stell dich unseren Usern kurz vor.

BurnArt: BurnArt ist DAS neue Ding! BurnArt ist eine Bewegung! Eine Bewegung wie ein Chuck Norris Roundhouse Kick! BurnArt ist unglaublich!  Er kommt nicht aus Frankfurt am Main, Frankfurt am Main kommt aus ihm! Er hat schon gerappt, da gab es noch kein Internet, da war Prostitution in Deutschland sittenwidrig und Bruce Willis hatte noch Haare.  Wir sprechen hier vom Jahre 1998 nach Christus, als BurnArt mit 13 Jahren beschloss, auch etwas zu haben, was die Kids aus den etwas besseren Familien sich nicht einfach so kaufen konnten, um damit anzugeben. Motiviert vom Rödelheim Hartreim Projekt schrieb er seine ersten Texte und zwang damit seine Mitschüler, Respekt zu zeigen. Das war die Geburtsstunde von BurnArt! rap.de: Siehst du dich in der Frankfurter Tradition eines Azad/Nordweststadt-Sounds? BurnArt: Sich selbst in der Tradition eines Azad zu sehen – Alter, so viele Pilze kann man sich gar nicht geben. Was Azad in den gefühlten 100 Jahren seiner bisherigen Karriere geschafft hat, das wird ihm keiner so schnell nachmachen. Dabei geht es nicht um den finanziellen Aspekt, sondern um die Tatsache, dass der Mann eine böse Platte nach der anderen raushaut und sich dabei seit Tag eins treu geblieben ist. Wo ich aber eine Parallele sehe, ist der Fakt, dass ich, genau wie Azad es vorgemacht hat, versuche, durch meine Musik bei den Leuten eine Verbindung zwischen mir und der besten Stadt der Welt, Frankfurt am Main, herzustellen. Aber ich weiß schon, worauf du hinaus willst. Frankfurt ist die Geburtsstädte des harten Straßenraps, eben dem Nordweststadt-Sound und wenn man dagegen meine Mucke hört, denkt man sich, ey der Typ kann doch net aus Frankfurt sein. Ich muss dazu sagen, ich bin selbst großer Fan von Straßenrap und gebe jedem, der sein Ding durchzieht, den größten Respekt. Aber dieser Sound passt einfach nicht zu mir selbst. Ich kann meine Mucke auch mit niemand anderen in Deutschland vergleichen, da ich einfach anders bin. Auf der einen Seite chill ich mit krassen Jungs, deren Leben genau das ist, über das viele andere nur rappen, auf der anderen Seite studier ich irgendwie nebenbei Jura. Weißt du? Es ist schon ein krasser Zwiespalt, wenn ich manchmal irgendwelche versnobten Vögel reden höre, ey der macht voll auf Gangster, dies,das. Ich denke mir dann, ey du Lauch, es gibt  wirklich Gegenden, in denen sowas an der Tagesordnung ist. Dann wieder höre ich irgendwelche Kanacken reden, ey der rappt über Koks, Nutten und AMG, der ist guter Rapper, die aber dann solche Rapper wie zB. Olli (Banjo – Anm. d. Verf.) haten, weil sie einfach keinen Plan von krasser Technik und freshen Flows haben. Deswegen seh ich mich als so ein Zwischending, sozusagen the best of both Worlds! Du kannst mich auch in keine Schublade stecken, weil ich mir bewusst kein Image verpassen möchte. Ich mach einfach alles, auf was ich Bock habe. Zum Beispiel heute einen Track über Schlampen und Drogen und morgen einen Song über Drogen und Schlampen – oder eben einen über die alltäglichen Probleme des Lebens. Im Endeffekt ist Rap Musik und Musik eine Kunst und Kunst definiere ich mit grenzenloser Freiheit, schöpferisch tätig zu werden. Also, warum sich selbst einschränken mit irgendeinem festgefahrenen Style, wenn einem doch die Welt offen steht, alles zu tun auf was man Bock hat? rap.de: Ist Frankfurt wirklich so hässlich, wie alle meinen? BurnArt: Wer sagt das? Will der Stress? (lacht) Guck mal, ich bin in Frankfurt geboren und liebe diese Stadt wie nichts anderes! Ich war mal in L.A., aber lag nach 2 Tagen völlig besoffen auf irgendeiner Treppe und hab rum geheult, dass ich zurück in meine Stadt will! Natürlich ist die Stadt kein Kindergeburtstag, ich selbst hatte hier auch schon zwei Mal ein Messer an der Kehle und ab und zu mal Stress gehabt, aber am Ende des Tages könnte ich mir nirgends woanders vorstellen zu leben. Es gibt halt Gegenden, in denen ziemlich leicht ein falscher Blick eskalieren kann, aber ganz ehrlich, das ist wie Nachrichten gucken, irgendwann bist du einfach abgestumpft und empfindest das als normal. Für Außenstehende wirkt das bestimmt krass, aber im Grunde herrscht hier das selbe Prinzip wie überall sonst, erweise deinem Gegenüber Respekt und er wird dir den selben Respekt entgegen bringen. Jedenfalls meistens (lacht)! Ansonsten ist Frankfurt eine wunderschöne Stadt und es gibt nichts schöneres als im Sommer an der Main Promenade zu chillen, heißen Ladys hinterher zu gucken und eine geile Shisha zu rauchen. Von unserer geilen Skyline ganz zu schweigen! Und Kaiserstraße. rap.de: Worauf legst du bei deinen Raps am meisten Wert? BurnArt: In erster Linie kommt es immer darauf an, wofür ich einen Track mache. Mache ich einen Track für ein Mixtape, dann schalte ich meinen Kopf aus, schreib einfach drauf los, laber bisschen Scheiße und hab meinen Spaß dabei. Da muss sich der Hörer auch keinen Kopf drum machen, was ich da gerade von mir gebe, da es für mich dabei nur um den Spaß an der Sache geht. Entertainment eben! Aber mache ich einen Track für ein Album von mir, dann ist Ehrlichkeit mein oberstes Gebot. Meine Albumtracks unterscheiden sich schon extrem von meinen Mixtapetracks, da ich in ihnen eben das wahre Leben verarbeite und nicht, wie auf Mixtapetracks, das Leben, wie es sein müsste. Dabei geht’s mir auch nicht um krasse Flows oder Technik, bei mir selbst leg ich da keinen Wert drauf. Ich such mir lieber ausgefallene Themen aus und versuche, durch Inhalt und Message beim Hörer Emotionen zu wecken. Egal, ob ich mal was lustiges oder was deepes mache, solang der Hörer am Ende fühlt, was ich sage, weiß ich, der Song ist gut. Ich unterscheide zwischen guten Rappern und Entertainern, wobei Entertainer nicht mit Clowns gleichzusetzen sind, sondern viel mehr mit jemandem, der den Hörer einfach in seinen Bann zieht und ihn somit auf seine eigene Art und Weise unterhält. Ein guter Rapper muss natürlich Rapskillz besitzen, eine krasse Technik haben und immer neue Flows kicken. Dazu kommen originelle Reime und natürlich geile Punchlines. Du bist ein guter Entertainer, wenn ich deinen Song höre und diesen Song fühlen kann. Das geschieht eher durch die Worte, die du schreibst, als durch Achtfachreime und hundertfache Reimketten. Gute Rapper machen Tracks und gute Entertainer machen Songs. Ich persönlich zähl mich eher zu den Entertainern. Natürlich zu den besten! (lacht) rap.de: Was sind deine Pläne? Wohin willst du mit deiner Musik kommen? BurnArt: Heute, am 05. August 2011 kommt mein Free-Online-Mixtape "Das Wunder von Bern(ard)“ raus, das ich nach meinem Album aufgenommen habe, um mich mal wieder bisschen locker zu machen nach der ganzen Arbeit an meinem Debütalbum. Mit diesem Mixtape verfolge ich eigentlich nur das Ziel, den 20 Milliarden Fans die ich da draußen habe, noch einmal den BurnArt zu geben, den sie seit Tag 1 supportet haben, bevor ihnen mein Album auch eine andere, ebenso vorzügliche Seite von BurnArt präsentieren wird. Natürlich hätt ich auch nichts dagegen, wenn ich nach dem Mixtape 40 Milliarden Fans hätte, aber eigentlich hat mich mein Manager gezwungen das Ding zu machen, damit ich so noch etwas Promo für mein Album machen kann (lacht). Dieses wird aller Voraussicht nach den Namen "Verstehen Sie Rap?!“ tragen und definitiv noch in diesem Jahr raus kommen. Produziert wurde es komplett von Beatbaua, dem danach  definitiv jeder von Eminem bis Lil Wayne die Bude einrennen wird, um nach Beats zu betteln. Der Typ ist einfach ein musikalisches Genie und ich bin ihm äußerst dankbar dafür, dass ich meine sexy Stimme auf seine musikalischen Meisterwerke legen durfte. Zusammen haben wir ein richtig geiles rundes Album erschaffen mit 19 Tracks, die unterschiedlicher nicht sein könnten, um dem Hörer BurnArt in all seinen Facetten zu präsentieren. Abgerundet wird das ganze durch Features von Sentino, einer begnadeten Sängerin und einem bruuuuuuutalen Sänger. Das Album wird einfach der Wahnsinn!  Worüber ich es rausbringen werde, steht noch nicht fest. Paar Optionen gibt es, aber ich bin auch weiterhin für alles offen, ihr geilen Indies und gut betuchten Major Labels da draußen (lacht)! Wohin ich mit meiner Musik kommen möchte? Na, in die Münder aller Menschen und besonders vieler Ladys.. (lacht) Ich will einfach, dass so viele Leute wie möglich meine Mucke hören und aus ihr etwas für sich selbst herausziehen können, egal ob es sie zum Lachen bringt oder in Krisen Hoffnung schenkt. Wenn du meine Mucke fühlen kannst, dann bin ich glücklich! Irgendwann sollen die Leute meinen Namen einfach in einer Reihe mit allen großen Rappern, Bruce Willis, Homer Simpson und Peter Griffin nennen! Und nebenbei würd ich jeden Euro, der durch die Mucke rausspringt, in meine Villa, in mein Raumschiff und die Brüste meiner Topmodel-Frau stecken. Charts wären lustig, aber mir völlig egal, solang genug Leute mein Album auf ehrliche Weise erwerben und ich mir die Bauteile für mein Raumschiff leisten kann. Weißt du eigentlich, wie teuer so’n scheiß Raumschiff ist? rap.de: Noch ein paar Worte an die rap.de-User, die nun zum ersten Mal deinen Track hören?
BurnArt: Ey krasse Sache, dass ihr euch das Interview bis hier hin gegeben habt. Ich wär schon längst eingeschlafen. (furzt vor Lachen) Und an alle Hater, wenn ihr es schon nicht für mich kauft, dann wenigstens für meinen Hamster namens Biski.

Auf zur Graffitibox Jam

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Das dürfte inzwischen nun wirklich jeder mitbekommen haben: Am Samstag findet zum sechsten Mal die Graffitibox Summer Jam im Berliner Yaam statt. Das Line-Up  könnt ihr euch hier nochmal anschauen.

Soweit, so bekannt. Aber jetzt kommt’s: Für alle, die bis jetzt keine Zeit gefunden sich Tickets zu kaufen bzw ihnen das nötige Kleingeld fehlt, können hier bei rap.de 1×2 Karten gewinnen, die uns von Relentless Energy Drink zur Verfügung gestellt wurden.

Aber Achtung! Die Verlosung geht nur noch bis heute 17.30 Uhr. Also beeilt euch und macht bei unserem Gewinnspiel mit, bevor es ein anderer tut. Wir sehen uns am Sonnabend – der Wetterbericht gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

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