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„Die Partei“ überklebt NPD

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In Berlin cyphern die Parteien und ein ganz bestimmer Kandidat von Rechtsaußen steppte im Zuge dessen deutlich über die Grenze des guten Geschmacks. Gemeint ist die NPD, im speziellen ein Plakat mit der provokanten Aufschrift "GAS geben" (sic!).  Als wäre der Slogan samt Parteivertreter auf Moped nicht schon unappetitlich genug, schreckte die NPD auch nicht davor zurück, die Plakate sogar vor dem Jüdischen Museum aufzuhängen. Die zukünftige Regierungspartei "Die Partei" fand das auch gar nicht gut: "Geschmackloser Populismus? Das darf keine Partei – nur wir!", stellte Parteichef  Martin Sonneborn klar. 

Als Reaktion darauf entschlossen sich "Die Partei"-Mitglieder, die Wahlwerbung der NPD zu korrigieren, indem auch andere Deutungsmöglichkeiten des Slogans vorgestellt werden. Also überklebten sie die Wahlplakate der Nationalisten gestern Nacht mit ihrem Alternativorschlag: 
 

Die Aktion fand direkt vor der NPD-Parteizentrale in Köpenick statt. Mit von der Partie und der Partei waren auch Nico und Maxim von K.I.Z.
Letzterer plauderte im Anschluss bierselig noch ein wenig über Sinn und Zweck der Aktion: "Das ist ja nichts hochgradig Politisches, wir wollten die einfach ein wenig ärgern."
Darüber hinaus, so fügte er hinzu, seien derlei Scherze bestens geeignet, die Ernsthaftigkeit der Rechten zu untergraben. Diese trugen mit ihrer heutigen Presseerklärung auch selbst maßgeblich zur Belustigung bei, indem sie sich über die "menschenverachtende Propaganda-Aktion" der "linksextremistischen" Partei echauffierten, die außerdem "zu Straftaten" aufrufe. 
 
 

Saad: Rap gehört allen

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Baba Saad steht kurz vor der Veröffentlichung seines Albums "Halunke", dem ersten Release, den er komplett alleine gestemmt hat. Vor einigen Wochen hatte er bei einem Haftbefehl-Konzert seinen Weggang von Ersguterjunge verkündet (im rap.de-Interview erklärte er die etwas drastischen Ansagen in Richtung seines Ex-Labelbosses allerdings damit, dass er "einen über den Durst getrunken" hätte).

Letzte Woche stand Baba Saad uns in seiner Heimatstadt Bremen (O-Ton Saad: "Mein Blut ist grün-weiß" – das sind die Vereinsfarben von Werder Bremen, Anm. d. Red.) Rede und Antwort. Dabei betonte er unmissverständlich, dass er trotz seiner früheren Ansage "Ich war nie ein Rapper" sehr wohl das Recht habe, zu rappen, auch wenn viele Raphörer ihm genau dieses Recht absprächen.
"Rap gehört nicht nur den Backpackern. Rap gehört allen Menschen. Auf eurer Seite gibt es auch sicher viele, die sagen, der hat im Rap nichts verloren. Wer bist du überhaupt, dass du das entscheidest? Gehört Rap deinem Vater?", fragt er im rap.de-Interview rhetorisch und beklagte die kleingeistige Beamtenmentalität vieler Rapfans."Ich muss doch keine Bewerbung schicken und mich irgendwo anmelden. Das regt mich echt auf."

Wenig freundliche Worte findet Saad auch für diverse Rapkollegen, denen er mangelnde Standhaftigkeit vorwirft. "Ganz viele Leute wechseln ihr Image wie ihre Unterhosen, falls sie überhaupt mal die Unterhose wechseln. Die können sich nicht entscheiden. Du kannst alles scheiße finden, das ist alles freie Meinung, aber du kannst nicht sagen, Saad hat seinen Arsch verkauft, Saad rappt heute anders als vor sieben Jahren. Ich bin nicht so einer. Ich habe einen sturen Kopf."

Wen genau Saad damit meint, wie er die Erfolgaussichten von "Halunke" einschätzt und wer zum Teufel dieser Ferkel United sein soll, erfahrt ihr nächste Woche in unserem ausführlichen Baba Saad-Interview.

Hier schon mal ein kleiner Videotrailer – Saad hat euch noch jemanden mitgebracht:
 

TZA – Deswegen – rap.de-Videpremiere

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Der Münchner TZA ist definitiv kein typischer Vertreter seiner Stadt, wie man ihn sich vorstellt. Hier rappt kein Reichensöhnchen über seine sorge, am Samstagabend auf den One-Night-Stand mit der Arzttochter verzichten zu müssen. TZA ist jung, wütend und hat etwas zu sagen. Sein neues Video "Deswegen" stellen wir euch heute hier vor.
 
rap.de: Seit wann bist du am Start?
 
TZA: In Kindertagen fing ich an mit Freestyle und Beatbox, ich hab nur Hip-Hop gehört, hab Gedichte/Gedanken verfasst, bin aber erst ziemlich spät mal darauf gekommen, dies alles zu verbinden. Bis ich dann zu Headhunt kam. Machte einige Feater mit den Rappern und arbeitete dann ziemlich schnell auf mein erstes Album ("Jenseitz von Gut und Bös") hin. Weil es etwas gedauert hat, habe ich noch ein schnelles Mixtape ("Kauf das Album") gemacht. Das Video zu "Wut" war mein erstes Solo-Single und es hat mich echt überrascht, dass es so gut angekommen ist. Als ich dann sehr viel in Promo aktiv war und eigentlich ständig unterwegs, fing ich mit meinem nächsten Album an. Als ich erfuhr, dass ich einen Sohn bekomme, musste ich mich entscheiden: Familie oder Musik. Ich entschied mich für ein Familienleben. Irgendwann ist das aber auch Alltag und die Wut über die Dinge, die hier falsch laufen, müssen raus geschrien bzw. aufgeschrieben werden, bevor sie einen auffressen. Und deshalb hab ich mich entschieden, nie mit der Musik aufzuhören und Hip-Hop ist halt nunmal meine Welt.
 
rap.de: Hattest du Vorbilder oder Einflüsse?
 
TZA: Alles beeinflusst mich jeder gute Ton und jeder prägende Satz. Ich versuch immer mich für gute Einflüsse offen zu halten um sie aufzunehmen und zu verarbeiten.
 
rap.de: München ist rapmäßig nicht so stark in D vertreten. Woran denkst du liegt das?
 
TZA: Geh mal in irgendeine andere Großstadt und frag mal, was die von München halten. P1 und Besoffene auf der Wies'n. Und… sie haben leider Gottes recht. Nur vergessen die, dass es wie in jeder stadt solche und solche Gegenden gibt, und wir die Arschlochkarte gezogen haben, weil wir arm in eine reichen Stadt sind, wo um uns herum nur Bullen sind, die, so hat es den Anschein, nur diese Leute vor uns beschützen sollen.
 
rap.de: Kannst/willst du daran etwas ändern?
 
TZA: Nee, mir ist das eigentlich egal wie man über München denkt, Wir denken genauso. zuviele Weicheier. Ist aber 'ne chillige Stadt sehr gemütlich. wir sind halt Raptechnisch einfach anders.
 
rap.de: Was hast du vor, im deutschen Rapgame zu bewegen?
 
TZA: Das es mal als Musik angesehen wird und nicht nur verspottet wird. Zur Zeit kommt mir das eher so vor, als ob sich die Städte oder Bezirke nur Videonachrichten hin und her schicken, um zu zeigen und zu erzählen, wie krass sie sind.
 
rap.de: Sonst noch was?
 
TZA: Nö, nur dass ich hier nicht ein auf Ökorapper machen will, wenn ich sage, versuche, deine Wut unter Kontrolle zu halten. Ich weiß, wie es ist wenn du dieses Ventil öffnen musst, aber geh klug vor und pack das Übel an der Wurzel. Der Staat unterdrückt die armen Leute und macht dich unzufrieden, nicht die anderen Armen, die gewaltbereit sind, weil sie es müssen.

Tunesischer Rapper geehrt

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Das US-amerikanische Time Magazine ist das weltweit größte Nachrichtenmagazin und erreicht an die 25 Millionen Leser auf der ganzen Welt. Jedes Jahr stellt Time eine Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres zusammen. Dieses Mal wurde dabei auch ein Rapper ausgezeichnet.

Wer jetzt an Diddy, Ye oder Jigga denkt, liegt falsch. Niemand anderem als dem tunesischen Rapper El Général wurde die Ehre zuteil, auf der besagten Liste geführt zu werden.

Das passt natürlich zum Anforderungsprofil der Liste des Time Magazines: Künstler und Aktivisten, Reformer und Forscher, Staatsoberhäupter und wirtschaftskapitäne, deren Ideen Dialog und Dissenz anregen und bisweilen sogar Revolutionen entfachen. Revolution (mit)entfacht – check.

Nachdem sich in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid der arbeitslose Akademiker und Straßenhändler Mohammed Bouazizi selbst verbrannt hatte, hatte El Général einen Song aufgenommen, in dem er den später gestürzten Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali scharf kritisierte. Daraufhin wurde er verhaftet, "Drei Tage haben sie mich festgehalten, mit Handschellen gefesselt in einem dunklen Raum", erzählte er der Zeit. Es kam zu großen Demonstrationen, in denen die Freilassung des Rappers gefordert wurde. Dann ließen ihn die Behörden laufen, sein Song indes wurde zu einer echten Widerstands-Hymne. Auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo kam der Song später zum Einsatz.

Den Song, der übersetzt "Tunesien, mein Land" heißt,  könnt ihr euch hier anschauen:
 

 
Zitiert wird El Général, der mit bürgerlichem Namen Hamada Ben Amor heißt, vom Time Magazine mit der programmatischen Aussage, er habe, als er Rapper geworden sei, nicht nach Liebe gesucht, sondern nur das Wohl der Menschen im Sinn gehabt. "When I became a rapper, I wasn’t looking for love. I was looking to rap for the good of the people."
Allerdings sind damit anscheinend leider nicht alle Menschen gemeint: In einem seiner Songs fordert er laut Zeit zum Krieg gegen die Juden und gegen Israel auf – solche antisemitischen Töne gehören in vielen arabischen Ländern leider zum Alltag.

Sido castet Ösis

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Vor wenigen Tagen erst wurde bekannt gegeben, dass Sido und sein ehmaliger Erzfeind Bushido das gemeinsame Album "23" rausbringen werden. Und jetzt wird schon wieder ein neues Projekt des guten alten Maskenmannes bekannt.

In seiner neuen Show "Blockstars – Sido macht Band", die ab dem 15. Dezember im Österreichen Rundfunk ORF ausgestrahlt wird, soll Sido junge Talente suchen, deren bisheriger Lebensweg nicht immer gerade verlief. Die zehn vom schweren Straßenschicksal geplagten Kandidaten sollen schon ab Anfang Oktober sechs Wochen lang miteinander in einer WG leben, wobei Sido als gelernter Erzieher ihnen als musikalische und gesellschaftliche Autoritäsperson zur Seite stehen soll.

"Warum ich gern Talente entdecke? Na ganz einfach, weil ich Ahnung davon hab, weil ich weiß, wer gut ist", wird Sido gewohnt selbstsicher zitiert.  Die Show solle so real wie möglich sein, betonte der deutsche Rapper außerdem in einer Presseerklärung des ORF. Die Kandidaten, die zwischen 18 und 25 Jahren alt sind, sollten auf keinen Fall vorgeführt werden. Deswegen solle es auch keine Casting-Phase geben.

Bei einer Präsentation der Sendung in Wien gab der Junge aus dem Block sein Herz für sozial Benachteiligte zu erkennen. "Mit der Sendung versuche ich, sozial Schwachen auf die Beine zu helfen." Gefahndet werde sogar bei Gericht nach Leuten, "für die die Sendung die einzige Chance ist".

Der Gewinner bzw. die Gewinnerin der Show bekommt einen Plattenvertrag und darf dann am Eurovision Song Contest teilnehmen. Ob das wirklich immer der Beginn eines geraderen Lebensweges ist, darf allerdings auch bezweifelt werden.

Games „R.E.D. Album“ geleakt

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Wie der Rapper Game gestern per Twitter verkündete, sind einige Songs seines kommenden Albums geleakt worden. Game bedankte sich für die bislang positive Resonanz, bat allerdings darum, vom illegalen Download des kompletten Albums abzusehen, da es doch nur noch eine Woche bis zum offiziellen Release sei.
"I see tracks off R.E.D. leaking…. Lotta love coming my way. Thanks, but if u see FULL album don’t download ! We only gotta another week”

Game verwies auch darauf, dass sein jüngerer Output locker über die verbleibende Wartezeit hinwegtrösten dürfte.

From "Purp & Patron" to "Hoodmorning" to "Daytona 500" yall should have enough music to hold yall over for another week. #DoNotBootlegRED"

"If you listen to "Daytona 500" 10 times inna row it will be next Tuesday when u done ha ha"
(Games Twitter)

Anscheinend ist die hohe Kunst der Geheimhaltung heutzutage also nur wenigen vorbehalten. Wie die aktuellen Beispiele Jay-Z/ Kanye (deren Album nicht leakte) beziehungsweise Sido/ Bushido (deren Pläne zu einem gemeinsamen Album nicht vorab in die Öffentlichkeit kamen) eindrucksvoll verdeutlichen.

Game scheint aber ohenhin eher kein großer Geheimniskrämer zu sein. Erst letzte Woche gab er seinen Fans via Twitter die Möglichkeit, sich telefonisch um einen Praktikumsplatz bei ihm zu bewerben. Dazu gab er eine Nummer an, die allerdings zum örtlichen Polizeirevier gehörte. Der kleine Scherz legte mal eben die Leitungen für Stunden lahm. Für die Ordnungshüter kein Kavaliersdelikt. Diese ermitteln seitdem gegen den Rapper.
Durch die aufgrund der Ermittlungen immer dünner werdende Luft, sah sich der Compton MC nun gezwungen zurückzurudern. Ein Freund von ihm habe den fraglichen Tweet zu verantworten. Es habe nur ein Jux sein sollen.

"One of my boys picked up my phone and started tweeting random numbers. The tweet about the internship was earlier in that day. It got lost in the media… He never sent out a tweet that said ‚these numbers are for an internship.‘ He just tweeted a bunch of numbers jokingly."(hiphopdx)

Eine Review von "The R.E.D. Album“ (nein, nicht vom Leak, von der offiziellen CD, die uns das Label dankenswerterweise zugeschickt hat) lest ihr übrigens Anfang nächster Woche auf rap.de.

Nate57

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Geht es um Straßenrap in Deutschland, fällt immer wieder der Name des jungen Hamburgers Nate 57. Innerhalb kurzer Zeit hat sich der Deutsch-Angolaner aus St. Pauli einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet. Seine Raps beschreiben soziale Missstände hart und präzise, gleichwohl in einer Sprache, die auch die Streetkids verstehen. Am gleichen Tag, als sein neues Mixtape "Auf der Jagd" erschienen ist, trat Nate mit seinen Rattos Locos-Jungs bei der Grafittibox Jam im Berliner Yaam auf. Nach einem teilweise regelrecht euphorisch gefeierten Auftritt vor begeistertem Publikum stand er unserem Reporter Dominik Lenze im Backstage Rede und Antwort und gab ganz offen Auskunft über politischen Straßenrap, seine Sichtweise auf das Thema Migranten in Deutschland und die zwiespältige Natur des lieben Geldes.


rap.de: Dein neues Mixtape ist gerade herausgekommen.

Nate57: Ja, es hat sich hoffentlich gut verkauft. Also, die Vorverkäufe sagen schon etwas Gutes voraus und ich hatte auch eine gut besuchte Autogrammstunde in Hamburg.Bei den Amazon-Vorverkaufscharts war das höchste glaube ich zehn oder elf.

rap.de: Was Chartplatzierungen angeht, war das ja ein geiles Jahr für Deutschrapverhältnisse. Rechnest du dir auch was aus?

Nate57: Ja. Aber ich will da gar nicht herumspekulieren.

rap.de: Du hast sehr viele 90er-Jahre Beats auf dem Mixtape verwendet. Hörst du viel Rap aus dieser Zeit?

Nate57: Ja. Hat mir auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht, das zu machen, weil ich meinen Musikfilm ausleben konnte.

rap.de: Was hältst du von neueren Sachen, experimentellem Kram wie Grime zum Beispiel?

Nate57: Grime feier ich sehr gerne. Ich habe auch zwei Grime-Lieder auf dem Mixtape drauf. Überhaupt finde ich HipHop aus Europa mittlerweile soundtechnisch echt gut. Da kommt ein geiles Lebensgefühl rüber. Außer vielleicht ein paar neue Sachen wie Gunplay. Der ist etwas behindert im Kopf, aber ich finde trotzdem, die Energie, die er uns mit seiner Musik uns geben will, ist geil.

rap.de: Was möchtest du denn den Leuten mit deiner Musik geben?

Nate57: Auch Energie. Einen Einblick in den Mikrokosmos, in dem ich groß geworden bin. Und ganz allgemein einen Einblick in soziale schwache Gegenden in Großstädten. Ich bin da allgemeiner geworden als auf meinem Album, auf meinem Album hab ich fast nur den Kiez thematisiert, das war sehr St. Pauli-bezogen. Bei "Auf der Jagd" ist es etwas allgemeiner umschrieben. Mehr aus der Vogelperspektive.
 

rap.de: Meinst du, dass da viele Leute mit Scheuklappen durch die Gegend laufen und glauben, dass es doch gar nicht so schlimm wäre, was in manchen Gegenden abgeht?

Nate57: Ja, auf jeden Fall. Das war ja sowieso gang und gäbe in Deutschland, dass man mit Scheuklappen rumgelaufen ist. Rap musste erstmal kommen, damit die überhaupt einsehen, dass es so etwas wie Ghettos hier gibt. Überhaupt, das Wort wurde ja früher nicht erwähnt hier, mittlerweile wird es in Dokumentationen erwähnt, in Büchern, es ist mittlerweile ein ganz normales Wort. Klar, das Wort Ghetto existierte vorher schon, aber wir benutzten es ja als Slang-Ausdruck für eine sozial schwache Gegend. Viele Rapper kommen nicht aus solchen Bezirken, deshalb wirkt's dann unauthentisch, wenn sie Musik machen und sagen, sie repräsentierten das, aber gar nicht von da sind. Deshalb wirkt es dann, als ob es gar nicht so schlimm hier ist, und als ob die das alles nur aus Spaß machen. Dann heißt es halt, die haben zu viele Filme geguckt und so weiter. Aber ich versuch mit meiner Musik etwas Ernsthaftigkeit da reinzubringen, dass die Leute uns das abnehmen, was da passiert. Es wird geballert bei uns, es wird gestochen bei uns. Das gibt's nicht nur in Amerika. Es ist nicht so oft, aber es passiert.

Nate 57 – Auf der Jagd

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Wollte man in den letzten zwei Jahren über Straßenrap reden, kam man um den Namen Nate 57 nicht herum. Der Hamburger Jungspund wird von vielen geradezu als weißer Engel auf der einen Schulter des Genres gehandelt. Nicht im Sinne von musikalischer Qualität, die er zweifelsohne auch besitzt, sondern vielmehr wegen seiner inhaltlichen, man möchte schon fast sagen, moralischen Stärken: Das Leben im Kiez wird durchleuchtet, erklärt, bisweilen gerechtfertigt, so gut wie immer aber erleb- und vor allen Dingen nachvollziehbar gemacht. Ohne protzige Glorifizierung, aber immer mit Biss in der Stimme und Wut im Bauch.

Auf der Jagd“ streckt Nate weiterhin den Mittelfinger in Richtung derer „da oben“, aber leider vernachlässigt er dabei streckenweise seine charakteristsichen Stärken: Viel zu oft wird viel zu oberflächlich vom „Para machen“ und so weiter erzählt, streckenweise muss man das leider als Phrasendrescherei bezeichnen. Azad‘eske Streetrap-Kämpfermetaphorik („Wie ein Ninja„) mag zwar  fest zum Genre gehören, aber eigentlich hat der Hamburger derlei doch gar nicht nötig, genauso wenig, wie die bei aller Liebe doch sehr uninteressanten Partysongs, die lediglich im Hamburger Streetslang wiederholen, was andere schon im Berliner, Frankfurter oder sonstwas-Streetslang gesagt haben.

Wozu bedient sich Nate überhaupt solch abgedroschener Inhalte, wenn der Blick in sein persönlicheres Leben viel einprägsamere Eindrücke beschert? Wenn er und seine Kollegen den „Grill anhauen für enen Bruder“ an seinem „letzten Tag in Freiheit.“ Oder wenn er mit einem ehemaligen Freund im Café sitzt und in seinen Augen sieht, dass er nicht mehr der gleiche Junge wie früher ist. Solche und viele andere kurze Szenen, die Nate in seine Straßen-Berichterstattung einstreut, machen das Mixtape an vielen Stellen lebendig.
Nicht, weil es ein unglaublich ausgeklügelte Sprachbilder sind, oder weil hier irgendetwas besonders hart, ghetto oder sonstwas ist, sondern einfach nur, weil man sich geade über solche Details gut in den Mikrokosmos des Hamburgers hineindenken kann. Und das ist wichtig, wenn man Zeilen wie „Nur eine Frage der Zeit, bis die Autos brennen“ richtg verstehen, einordnen und zumindest emotional nachempfinden kann. Oder das Lied „Mach es richtig„, quasi ein schlaues Buch für die Straße: „Du willst  Para machen? Dann mach es richtig / Dass du dabei nicht erwischt wirst, ist sehr wichtig/ Mach dir eine Liste, lern aus den Fehlern von den anderen/ und dann schaffst du’s im Business.“ Songs wie „Süchte“ oder „Wo ist er jetzt„, letzteres eine Song über im Kiezleben verloren gegangenen Freunde, gewinnen ihre Glaubwürdigkeit gerade durch den Verzicht auf eine Romantisierung des dargestelten Lebensstils.

In gewisser Weise knüpft Nate also doch an die Qualitäten seines Albums an, jedoch wird die eigentliche Essenz seiner Musik und seiner Inhalte viel zu oft durch Phrasen und ermüdende Wiederholungen immer gleicher Messages verwässert. Glück für den St. Paulianer, dass sein lässiger, oft wie aus dem Ärmel geschüttelter Flow, das lockere Ineinanderfließen von Zeilen und die intressante Artikulation – irgendwo zwischen deutschem Straßenslang und Hamburger Dialekt – das Mixtape angenehm hörbar halten. Dazu beweist er mit der Beatauswahl – hauptsächlich 90er-Jahre-Ami-Beats, hier und da ein Grime-Ausflug – auch einen guten Geschmack in Sachen Instrumentals.

Aber dass das, was Nate macht, gut klingt, wussten wir bereits zu „Blaulicht„-Zeiten. Dass er inhaltlich diesmal oberflächlicher und allgemeiner als auf seinem Longplayer „Stress aufm Kiez“ bleibt, ist vielleicht auch dem Format des Mixtapes verschuldet, welches häufig als Plattform für spontane Ideen und auch Schnellschüsse genutzt wird.  Falls die Songs von „Auf der Jagd“ solche gewesen seien sollten, treffen manche davon aber trotzdem voll ins Schwarze. Insofern ein passables Mixtape. Von seinem Album dürfen wir aber hoffentlich noch etwas mehr erwarten.

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