Tunesischer Rapper geehrt

Das US-amerikanische Time Magazine ist das weltweit größte Nachrichtenmagazin und erreicht an die 25 Millionen Leser auf der ganzen Welt. Jedes Jahr stellt Time eine Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres zusammen. Dieses Mal wurde dabei auch ein Rapper ausgezeichnet.

Wer jetzt an Diddy, Ye oder Jigga denkt, liegt falsch. Niemand anderem als dem tunesischen Rapper El Général wurde die Ehre zuteil, auf der besagten Liste geführt zu werden.

Das passt natürlich zum Anforderungsprofil der Liste des Time Magazines: Künstler und Aktivisten, Reformer und Forscher, Staatsoberhäupter und wirtschaftskapitäne, deren Ideen Dialog und Dissenz anregen und bisweilen sogar Revolutionen entfachen. Revolution (mit)entfacht – check.

Nachdem sich in der tunesischen Kleinstadt Sidi Bouzid der arbeitslose Akademiker und Straßenhändler Mohammed Bouazizi selbst verbrannt hatte, hatte El Général einen Song aufgenommen, in dem er den später gestürzten Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali scharf kritisierte. Daraufhin wurde er verhaftet, "Drei Tage haben sie mich festgehalten, mit Handschellen gefesselt in einem dunklen Raum", erzählte er der Zeit. Es kam zu großen Demonstrationen, in denen die Freilassung des Rappers gefordert wurde. Dann ließen ihn die Behörden laufen, sein Song indes wurde zu einer echten Widerstands-Hymne. Auch auf dem Tahrir-Platz in Kairo kam der Song später zum Einsatz.

Den Song, der übersetzt "Tunesien, mein Land" heißt,  könnt ihr euch hier anschauen:
 

 
Zitiert wird El Général, der mit bürgerlichem Namen Hamada Ben Amor heißt, vom Time Magazine mit der programmatischen Aussage, er habe, als er Rapper geworden sei, nicht nach Liebe gesucht, sondern nur das Wohl der Menschen im Sinn gehabt. "When I became a rapper, I wasn’t looking for love. I was looking to rap for the good of the people."
Allerdings sind damit anscheinend leider nicht alle Menschen gemeint: In einem seiner Songs fordert er laut Zeit zum Krieg gegen die Juden und gegen Israel auf – solche antisemitischen Töne gehören in vielen arabischen Ländern leider zum Alltag.

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