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RAF Camora: Indipendenza signt bei Groove Attack

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Indipendenza, das Label von RAF Camora, hat schon in vergangener Zeit mit dem Musikvertrieb Groove Attack zusammengearbeitet. Nun haben sich der Kölner Labeldienstleister und das Berliner Independent-Label für eine längerfristige Kooperation entschieden. Kristof Jansen von Groove Attack äußerte sich folgendermaßen dazu: „RAF hat deutsche Musik um Dancehall in ganz eigenem Gewand bereichert! Wir freuen uns auf die weitere, intensive Zusammenarbeit!“

RAF Camora gründete das Label Anfang 2013 und nahm kurz darauf Joshi Mizu unter Vertrag, der heute auch, neben RAF selbst, das einzige Signing darstellt. Zwischenzeitlich war nur Sierra Kidd von 2013 bis Anfang 2015 bei Indipendenza unter Vertrag.

Aktuell kann sich RAF Camora gemeinsam mit 187 Strassenbande-Mitglied Bonez MC auf „Palmen aus Plastik“ sehen bzw. hören lassen. Dieses Kollaborationsprojekt erschien ebenfalls über Independenza sowie über Auf!Keinen!Fall!, bei dem Bonez gesignt ist.

Interview mit Benyo Hussain & Fly

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Benyo Hussain und Fly haben sich in Köln schon 2012 mit dem „Schälsick“-Mixtape einen Namen gemacht. Zuvor waren die beiden Teil des Labels Komekaté. Derzeit arbeiten sie an neuen Tracks. Wir haben mit den beiden Rappern aus dem berühmt-berüchtigten Kölner Vorort Porz ein Telefoninterview geführt.

 

Ihr habt euch zwar auch schon auf Facebook dazu geäußert, aber ich will die Frage zum Einstieg trotzdem mal abhaken: Was ist jetzt mit Komekaté?

Benyo: Gute Frage, Alter. Du musst dir das so vorstellen: Wir sind alle älter geworden und haben alle gewisse eigene Ansprüche, sich zu verwirklichen in der Musik. Überhaupt, das Leben holt einen ein, jeder hat seinen Scheiß zu tun. Es ist nicht mehr so einfach, sieben Mann unter einen Hut zu kriegen. Also, wir haben jetzt keinen Streit untereinander oder so. Wir sind alle cool miteinander, aber ich würde davon ausgehen, dass auf jeden Fall nix mehr in der Konstellation von uns erscheint, dass es nix mehr zu hören gibt von Komekaté.

Macht ihr jetzt zusammen ein Album oder was ist das Nächste, das ihr plant?

Benyo: Wir haben ja ein Mixtape gemacht, auch schon in der Konstellation als Schälsick, und jetzt haben wir uns dazu entschieden, einfach wieder ein bisschen Gas zu geben. Wir haben einfach mal angefangen, ein paar Songs zu machen. Wir sind auch im Moment dabei, machen regelmäßig Mucke im Studio mit Mecnics und Mete (DJ Mecnics und Mete Makkat, Anm. d. Red.). Wir haben jetzt auch mal angefangen, Videos zu drehen. Da wird auf jeden Fall was kommen. Wir werden auf jeden Fall erst mal ein, zwei Videos raushauen. Dann gucken wir mal, was abgeht. Album oder so, haben wir jetzt noch nix konkretes bisher.

Hier kannst du das „Schälsick“-Mixtape downloaden!

Erklärt doch erst mal für Nicht-Kölner, was die Schälsick überhaupt ist.

Benyo: Die Schälsick ist die rechte Rheinseite hier in Kölle. Der Begriff „Schäl“ kommt ja von „falsch“. „Die falsche Seite“ – das haben die Linksrheiner, die ursprünglichen Kölner, wie sie sich nennen, ins Spiel gebracht über die rechte Rheinseite. Köln, muss man ja wissen, ist ursprünglich römisch gewesen und wurde links vom Rhein gegründet, und die rechte Rheinseite war damals noch wildes Barbarenland. Die Grenze vom Römischen Reich verlief ja genau am Rhein entlang, und die Barbaren haben sich halt lange gewehrt gegen die Eingemeindung zu Köln. Deswegen kam die rechte Rheinseite erst später dazu. Aber ein paar Barbaren sind übrig geblieben, ne? (lacht)

Inwiefern spielt das auch heutzutage noch eine Rolle? Was unterscheidet die rechte und linke Rheinseite?

Benyo: Auf der linken Rheinseite ist der Dom und die Innenstadt, die Ringe, Leute feiern den ganzen Tag. Neuerdings haben wir da auch so ’ne Hipster-Plage. Hier auf der rechten Rheinseite ist alles ein bisschen trockener. Hier wohnen die Lück (Kölsch für „Leute“, Anm. d. Red.), die machen ihre Geschäfte. Hier gibt’s den besten Döner, hier kannste dich an den Rhein setzen. Ist schon was anderes. Wenn du jetzt in Porz wohnst wie wir, hier ist ja jetzt nicht unbedingt Innenstadt-Feeling.

Da seid ihr auch zusammen aufgewachsen oder wie habt ihr euch überhaupt kennengelernt?

Fly: Wie alt waren wir, Alter? 12 oder so! Da waren wir 12, unten beim Basketball spielen haben wir uns kennengelernt. Wir haben Basketball gezockt und dann direkt am Wochenende den ersten Track geschrieben. War natürlich Schrott, aber war ein geiles Feeling.

Benyo: Stimmt! Wir haben uns echt kennengelernt und ein paar Tage später den ersten Track geschrieben. „Also fickt euch“ hieß der. Aber ist schon ein bisschen länger her. 18 Jahre ist das her ungefähr.

Würdet ihr euch eigentlich als Straßenrapper bezeichnen oder könnt ihr mit dieser Schublade nichts anfangen?

Benyo: Nee, Alter. Wir sind keine Straßenrapper. Wir machen einfach Mucke vom Herzen, die wir fühlen. Da geht’s auch schon mal ruppiger zur Sache, aber das ist einfach, weil wir so Typen sind. Wir sind aber keine Straßenrapper oder so was. Wir rappen einfach über das, was wir den ganzen Tag machen. Leute wollen das natürlich immer einordnen, das ist klar. Vielleicht am ehesten Straßenrap, aber ganz ehrlich find‘ ich nicht, dass wir da reinpassen in diese Schublade – ist zu fröhlich, unsere Musik! (beide lachen)

 

 

Welche anderen Rapper feiert ihr? Gibt es welche, die ihr als musikalische Einflüsse bezeichnen würdet?

Benyo: Einflüsse auf jeden Fall, aber die liegen alle ein bisschen weiter zurück. Wir mögen den klassischen Hip Hop, was die Beats angeht und so Sachen. Schön immer nach vorne, bumm-bumm-tschak und so weiter.

Fly: Von uns wirst du niemals Trap-Musik hören!

Benyo: Genau! Das ist nicht unser Ding. Wir orientieren uns da so ein bisschen an der Mucke von damals. 90er Jahre, klassischer Hip Hop, das ist unser Ding, weißte? Wenn du jetzt nach Rappernamen fragst, die stammen halt auch aus der Zeit. Aber da könnte ich dir jetzt ’ne Liste runterbeten, von denen die Jüngeren wahrscheinlich noch nie gehört haben. Brauchst du da unbedingt Namen?

Ne, nicht unbedingt. Was haltet ihr denn von neuartigen Entwicklungen wie Trap und Cloud Rap?

Fly: Ich halte davon nicht so viel, um ehrlich zu sein. Guck mal, diese ganze klassische Scheiße wie damals der West Coast und East Coast Sound wird immer da sein, aber Trap, Cloud Rap, das sind alles nur Trends. Irgendwann ist das weg, aber dieser klassische Hip Hop wird immer da bleiben.

Benyo: Seh‘ ich genauso! Wenn du jetzt mal guckst z.B. auf den Festivals und so: Welche Auftritte gehen am meisten ab? Das sind immer die, die so ein bisschen klassisch sind von der Mucke her. Wie Fly sagt, das ist ’ne Modeerscheinung. Das ist auch alles cool. Rap soll sich immer entwickeln, und es soll tausend Sparten geben: Cloud Rap, Moud Rap, Vogel-Rap, was auch immer. Die Leute sollen machen, was die wollen. Das kann man ja auch nicht verurteilen. Manche können das auch sehr gut. Es gibt auch ein, zwei Rapper, die haben auf jeden Fall Bretter rausgehauen mit dem Stil, aber ganz ehrlich, das ist nix für uns.

Soundtechnisch war euer Mixtape ja auch sehr an die 90er angelehnt, allerdings habt ihr dort nicht nur Beats von Ami-Rappern, sondern auch z.B. von Freundeskreis verwendet. Benyo hat ja auch einen Remix zu „Rap ist“ von Max Herre gemacht, den ja viele nicht so respektieren. Seid ihr da generell offener?

Benyo: In Köln sagt man: „Jeder Jeck es anders!“ – gut, ich bin jetzt auch nicht der Typ, der für Max Herre die Fahne hochhält, aber der hat auch was für HipHop gemacht in Deutschland. Jetzt mal abgesehen davon: Das geht jetzt schon viel zu tief. Wir haben den Beat gehört, der Beat hat uns gefallen. Wir haben den Beat genommen und einfach rausgehauen. Du spielst ja wahrscheinlich auf den Freundeskreis-Beat bei dem Song „Schälsick“ an. Der passte da einfach super. Ich hab auch „Rap ist“ gemacht, aber aus dem selben Motiv heraus, weil ich den Beat cool fand und weil ich das Thema cool fand und dann wollte ich einfach auch mal was dazu sagen. Dass Max Herre nicht respektiert wird, ist mir egal. (lacht)

Apropos „Rap ist“: Was ist Rap denn für euch? Was macht für euch die Faszination Rap aus?

Fly: Was Rap für mich ausmacht, sind diese Kleinigkeiten drumherum. Du fährst zu ’nem Auftritt, du hängst da Backstage ab oder du hängst einfach noch so in dem Laden ab, lernst Leute kennen, fährst in andere Städte, nimmst voll die Sachen mit. Du kannst zehn Stunden am Tag arbeiten gehen, hast voll den geilen Job, verdienst voll die Kohle, aber du erlebst einfach nicht diese Sachen, die du durch Musik erlebst. Das sind so Dinge, die vergisst du nicht, die behältst du für dein Leben im Kopf. Das ist unnormal, dieses Feeling, was diese Musik transportiert.

Um mal zu eurer Musik zurück zu kommen: Ist das, was ihr jetzt macht, vom Sound her vergleichbar mit dem „Schälsick“-Mixtape oder wird uns da was ganz Anderes erwarten?

Fly: Nein! Das ist genau das gleiche wie das „Schälsick“-Mixtape, ganz ehrlich. Da ändert sich nicht viel. Hardcore 90er Jahre Rap-Beats und einfach Brett vor’m Kopf.

Benyo: Ja, Mann, genau so! Nur der Unterschied ist, die Beats machen jetzt halt Mete und Mecnics, das sind alles Eigenproduktionen. Wenn wir nicht noch mal ein Mixtape machen, was ich jetzt gerade gar nicht absehen kann, wird ab jetzt alles mit eigens produzierten Beats sein.

Ein Track auf dem Mixtape heißt „Früher war alles besser“. Seht ihr das wirklich so und ist das ’ne allgemeine Aussage oder ist das auch auf Rap-Musik bezogen?

Fly: Guck mal, am Ende vom Track sagt der Benyo doch noch: „Ganz ehrlich, früher war gar nicht so gut“. Jeder ist ein anderer Jahrgang und jeder wird irgendwann mal sagen: „Früher war besser“, weißte? Wir sind 90er Jahre Jungs, wir sind da aufgewachsen, das war unsere Zeit. Da bist du noch mit Beeper in die Telefonzelle gegangen und musstest Leute anrufen, wenn du was wolltest. Das kennen die ganzen Kids von heute gar nicht mehr, da gibt’s ein iPhone mit neun Jahren und jut es.

Benyo: Ja, Mann, aber sieh das nicht so eng, alter. Das ist so ne Floskel, die hat jeder schon mal benutzt. Wir sehen das mit ’nem zwinkernden Auge. Früher war gar nicht so gut.

Die Kölner Szene ist ja nicht mit Hamburg oder Berlin zu vergleichen, dabei gibt es dort ja schon einige talentierte Rapper. Was denkt ihr, woran es liegt, dass Köln sich nie wirklich in der Raplandschaft etablieren konnte?

Benyo: Ich glaube, es liegt ein bisschen daran, dass niemand aus Köln bisher diese Grenze durchbrochen hat und deutschlandweit Ruhm erlangt hat. Wir haben so ein paar Leute: Eko z.B. kann man da vielleicht nennen, manche wollen dann auch noch Olli Banjo nennen. Das sind ja zugezogene Leute. Nix gegen die, ich hab gar kein Problem mit denen. Ich mein‘ nur, dass es vielleicht auch daran liegt, dass richtige Kölner es bisher noch nicht durch diese Grenze gepackt haben und in den anderen Städten ist das halt so. In Hamburg gab’s schon damals diese Welle. Die Hamburger waren deutschlandweit bekannt, und wenn so was passiert und man dann ’ne größere Aufmerksamkeit hat, gibt es plötzlich große Hallen, die gebucht werden, wo Leute Auftritte machen und das ganze Umfeld, die ganze Stadt wird daran gewöhnt, dass Rap größer ist in der Stadt und das ist in Köln halt noch nicht passiert. Wir haben ’ne große Szene, aber die ist nicht so auf der großen Bühne aktiv.

Dann wünsche ich euch mal, dass ihr vielleicht diejenigen seid, die es schaffen, auch außerhalb Kölns bekannt zu werden. Wenn ihr noch irgendwas abschließendes zu sagen habt, könnt ihr das ja noch loswerden.

Benyo: Haltet die Augen und Ohren offen! Demnächst kommt ein Video: „Immer wigger“, kann ich schon mal verraten. Checkt das Video ab, bleibt auf dem Laufenden. Wir sind regelmäßig im Studio, wir treten regelmäßig wieder auf, auch wenn’s kleine Gigs sind hier in der Gegend. Kommt vorbei, wir reißen ab zusammen! Fragt Leute, die da waren, die wissen Bescheid, wie das abgeht, wenn wir auftreten.

Silla – Selbst ist der Mann (prod. Abaz)

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Silla lässt andere nichts für sich machen, denn er „Selbst ist der Mann“, wie der Berliner in seinem neuen Video beweist. Der Song wurde von Abaz produziert und wird auf Sillas kommendem Album „Es war einmal in Südberlin“ zu finden sein, das am 21. Oktober erscheint.

Silla zeigt sich aber nicht nur musikalisch aktiv. So veröffentlichte er erst kurzem seine Biographie „Vom Alk zum Hulk – Es war einmal in Südberlin“. Als dessen Trailer fungierte das Video zum Song „In Südberlin“, der auch auf dem Album sein wird.

$antos Hendrix – Bullets (101 Remix)

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Das Produzentenduo 101 nimmt sich den Track „Bullets“ ihres Berg Money Gang-Kollegen $antos Hendrix vor und verleiht diesem einen neuen Schliff. Die Drums wurden hier im Vergleich zum Originaltrack ein wenig zurückgefahren und die Melodie steht mehr im Vordergrund – die lyrischen Ansagen von $antos Hendrix, teils mit verzerrter Stimme, bleiben dadurch natürlich weiterhin bestehen. Dem Remix wurde auch ein Video verpasst, und zwar von Based Shorty Tom, welches durch die Post-Production künstlerisch gestaltet wurde.

Den Originaltrack findet man neben weiteren Tracks von $antos Hendrix auf seinem soundcloud-Account. Und auch 101 uploaden fleißig bei soundcloud. Dort stehen unter anderem ihr „yay yay“-Tape und die „U Better Not Play Trash“-EP zum streamen bereit, inklusive Downloadlink.

Live From Earth beenden Zusammenarbeit mit Rin

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Live from Earth verkünden via Twitter, dass sie die Zusammenarbeit mit Rin beendet haben.

Rin war seit Sommer 2015 in der Crew. Yung Hurn und er haben den Kontakt zueinander über Soundcloud gefunden. Erste Bekanntheit erlangte er, nachdem Falk Schacht sein Split-Video „Ljubav/ Beichtstuhl“ auf Facebook gepostet hat, was ihm eine große Reichweite erlangt hat.

Spätestens nach dem Erfolg von Bianco (das u.a. auch Shindy auf seinem Twitter-Account teilte) gemeinsam mit Yung Hurn hätte man sich mit Sicherheit noch weitere Kooperationen vorstellen können.

Wohin Rin geht oder wieso LFE sich von ihm getrennt haben, bleibt bisher unbekannt. Spekulationen über neue Deals des Süddeutschen machen bereits die Runde im Netz.

Medikamenten Manfred – Nicht Happy

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Medikamenten Manfred ist „Nicht Happy“ – und das trotz Geld, Fame und Bitches. An seine Hater gerichtet sagt er nur: „Meine Platten gehen Gold, scheißegal, ob ihr es wollt“.

Der Track „Nicht Happy“ stammt vom „Takeoff“-Mixtape. Das Video dazu ist ganz in grau gehalten und spiegelt so die Stimmung des GUDG-Members wider. Doch alle, die es belastend finden, ihr Idol so traurig zu sehen, können aufatmen: Immerhin kann er noch die positiven Aspekte seiner Karriere herausstellen.

Ahzumjot – Mein Bruh

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Ahzumjot ist gar nicht mehr vor der Kamera wegzukriegen. Nachdem vor kurzem bereits ein Video zu „Wach / Tag Drei“ erschien, folgt nun das Video „Mein Bruh“. Produziert hat den Song Ahzumjot wie üblich selbst.

Im Sommer veröffentlichte der Produzent und Rapper sein Album „16QT02:Tag Drei“ zum kostenlosen Download. Wer neben dem nicht vorhandenen Preis noch Argumente braucht, kann sich die Videos zu „Nxx verloren“ oder den Remix von „Minus“ mit Ali As und Megaloh ansehen.

Willst du Ahzumjot und Lance Butters live sehen, kannst du dir die von rap.de präsentierte „Lassensedis“-Tour der beiden geben, die im November startet. Die Tickets gibt es hier. Außerdem trafen wir Ahzumjot zum Lyrics-Interview.

Review: Hanybal – Haramstufe Rot

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Da, wo das herkommt, willst du nicht hin. Drogendeals am Block, minderjährige Prostituierte auf Koka und hammerharte Schicksale in Blaulicht getaucht vor Großstadtpanorama. Es ist eklig in den düsteren Ecken FFMs – und Hanybal bedient die ganze Palette an Ekelhaftigkeit und beleuchtet mit seinen Texten den Hexenkessel Großstadt. Auf angemessen bedrohlicher Basis fließen trappige Snares, oldschoolige Scratches und melodiöse Instrumentals zusammen, elektrisiert durch Hanys durchdringendes Organ.

Gangsta Rap ist meist darauf bedacht hart zu wirken, mal abgesehen davon, dass seine Protagonisten mal mehr oder weniger in soziale Brennpunkte hineingeboren sind. Man ist harte Texte und Einblicke in Abgründe des menschlichen Daseins also gewohnt, dennoch überschreitet „Haramstufe Rot“ das übliche Maß an Brutalität. Abgesehen davon, dass Hany in seinen Texten eklige Situationen detailliert zeichnet, auf eine Art und Weise, dass es einem durch Mark und Bein geht, glorifiziert er den Lifestyle nicht wirklich. Weder vermittelt Hany den Gedanken, Drogengeld könne einem ein besseres Leben ermöglichen, noch transportiert er lyrisch ein Erhabenheitsgefühl gegenüber Rechtschaffenden. Die Härte und Brutalität dieser abgründigen Lebenswelt öffnet sich dem Hörer deutlich abschreckender als bei üblichem Straßenrap. Natürlich gibt es Strophen, in denen der Frankfurter die Eier auf den Tisch packt und verschiedene staatliche Institutionen verteufelt, dennoch animiert „Haramstufe Rot“ eher weniger dazu, auf der schiefen Bahn rumzuschlittern. Die Texte treffen dahin wo es weh tut, dahin wo man den Anschein bekommt, unsere Welt ist in zwei Teile geteilt: Da, wo die Reichen Kaviar fressen und die Armen Scheiße.

Der erste Track „Jag die Batzen“ leitet mit harter Realitätskonftrontation ein: Eltern vergessen ihre Kinder, weil die Sucht sie an den Rand der Menschlichkeit treibt:„Wie viel ist der Kick dir wert, wenn dein Kind sich beschwert/ wegen Loch in den Klamotten, bist seit Wochen schon am Rotzen, minus Loch in dein’ Kopf drin“. Diese Lines setzen Abgründe auf die Anklagebank. Musikalisch umgesetzt mit Vokaltags á la „Ich bin Straße, Junge und denk nur an mein Profit“. „Kopfgefickt“ wiederum destilliert das Gefühl der Verzweiflung, mit einem fragilen Gesangssample auf dem dröhnenden Beat, zusammen mit Hanybals erbarmungslosem Rap. Ein Part von Stylez P verleiht dem ganzen noch zusätzliche Crediblity.

Auch sonst sind hochkarätige Künstler auf dem Album vertreten. Der Titeltrack featuret die 385i-Members Celo & Abdi. Passend zu Celos s/o an Tupac und Biggie flowt der Titel kontrovers über oldschooliger Melodik und Abdis Adlibs. Zwei Tracks kommen unbeschwerter daher als der Rest: „Vanilla Sky“ mit Nimo ist gewürzt mit hellen Bells und traplastigen Snares und lädt damit alle Schatzambauis zum „Schweben durch die Sphäre“ ein. Im fröhlichsten Track „Messi Ronaldo“ hört man, wie Hany und Olexesh auf wohlklingendem Flötensound „ficken zum Takt“.

Auffallend ist, dass die einzelnen Tracks styletechnisch stark von dem jeweiligen Feature beeinflusst sind, was dem Album, bei der relativ schwarzseherischen auf-die-Fresse-Attitüde trotzdem eine gesunde Abwechslung verleiht. „Kiffen, Koksen, Alken, Ficken“ mit Gzuz sowie „Baller los“ mit Bonez hat die 187-typischen Bläser und durchdringenden Cello Samples am Start. Genauso sind die Songs mit Nimo, Soufian und Haftbefehl vom Trapsound angehauchte Stücke. Wenn Hany und Hafti sich fragen:„Wo sind die Gegner“ präsentiert der Hauptdarsteller sich als nach vorne preschenden Schreihals, sowie seine Fans ihn kennen und lieben, was den ehrwürdig gespitteten Haftbefehl-Part perfekt ergänzt.

Bei allem Leid aus dem Blockpanorama bewahrt Hany sich aber stets seinen Humor. Du bist sein „Schatzi“, solang du kein Schwätzer aka „Babbler“ bist. Während andere sich bei einem Banküberfall, mit „Skimaske“ ein Fluchtauto organisieren, flüchten er und Soufian mit aggressiven Snares und Future-Instrumental im Gepäck „auf dem E-bike“ – eben auf Schatzambauis-Art. Nicht albern, aber witzig.

Den einzigen Liebessong widmet der Kicker seinem besten Freund dem Ball. „Ich liebe meinen Ball, er ist mein aller bester Freund, ich spiele überall“, heißt es im letzten Song. Liebe hin oder her, selbst in diesem retrospektiven Schluss liegt eine deutliche Schwermütigkeit.

Hanybal nimmt durchaus eine grundsätzlich gesellschaftskritische Position ein, ohne explizit politisch zu werden. Er illustriert Missstände mit schonungslosen Bildern auf hartem Drogendealersound. Ohne auf die Tränendrüse zu drücken, schafft der Azzlack mit „Haramstufe Rot“ den Spagat zwischen erbarmungsloser Härte und berührenden Bildern. Erfrischenderweise regt das Ding zum Denken an, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen oder irgendwelche Moral zu predigen – das Panorama eines jungen Mannes, der dazu determiniert ist, auf die schiefe Bahn zu geraten, aber reflektiert, dass die Scheiße die er dabei baut „Haram“ (arab. verboten) ist und diese Einbahnstraße nirgends hinführt.

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