Rapper im Anwalts-Wahn (Skinnys Abrechnung #38)


Ja, Photoshop gehört nicht zu meinen Stärken.

Deutschrap erinnert 2019 immer mehr an eine Kleingartenkolonie. Nicht nur, dass die meisten Beefs heutzutage eher wie Gartenzaun-Zank anmuten, mittlerweile wurde ein ganz neues Level der Spießbürgerlichkeit erklommen. Das, wofür Bushido lange berüchtigt in der Branche war, ist mittlerweile Gang und Gäbe. Die Rede ist von Anwaltsschreiben.

2019 hetzen Rapper einem keine Schläger mehr auf den Hals. Persönlich kommen sie sowieso nicht vorbei, um einem für einen frechen Artikel ein paar Schellen zu verpassen, nein. Neuerdings schicken sie ihre Anwälte vor, die mit Abmahnungen, Unterlassungserklärungen und Schadensersatzforderungen bewaffnet Angst und Schrecken unter Journalisten und Bloggern verbreiten. Wenn ich dünner Journalistenstreber von einem Rapper beleidigt werde, schicke ich ihm nicht direkt einen Anwalt. Wenn aber ein großer, starker Gangsterrapper einen Artikel lesen muss, der ihm nicht gefällt, heißt es ganz schnell: Anzeige ist raus. Was für eine peinliche Scheiße.

Bushido, Bonez MC, Gzuz, Kollegah, Jigzaw

Als ich vor beinahe fünf Jahren diese Kolumne ins Leben rief, versprach ich in der Pilot-Ausgabe, ungehemmt Namen zu nennen und nichts zu beschönigen. Also halte ich mein Versprechen: Bushido, Bonez MC, Gzuz, Kollegah, Jigzaw – das sind die Rapper, von deren Anwälten wir in jüngster Zeit Post bekommen haben (rechtlicher Hinweis: Post bezieht sich neben Briefpost auch auf E-Mails. Wir wollen ja nichts riskieren, denn genau solche kleinkarierten Wortklaubereien werden zum Anlass genommen, die Löschung von Artikeln juristisch einzufordern). Teilweise versucht man in den Schreiben, eine Öffentlichmachung zu untersagen, aber wie sagt man so schön: Jetzt ändert sich der Spieß.

Hinter einem Großteil des Jura-Geblubbers dieser Beutelschneider stecken nämlich gar keine veritablen Punkte oder Vergehen. Man will uns schlichtweg einschüchtern, weil wir über die Verfehlungen, häufig privater Natur, bestimmter Rapper berichten. Nicht auf eine reißerische Boulevard-Art, kein Gossip oder pikante Details – es geht um Themen wie häusliche Gewalt, Rachepornos oder eben die Recherchen von Vice und Buzzfeed zu Kollegahs schwachsinniger Mentoring-Gelddruckmaschine. Bitte nicht Anzeige machen. Was die Betroffenen dieser Berichterstattung tun, ist schlichtweg ein verzweifelter Versuch, die neutrale Berichterstattung über ihre Verfehlungen mit sämtlichen Mitteln zu unterbinden.

Was ist denn mit der Realness?

Lustigerweise macht jeder dieser Anwalts-Anrufer mehr oder weniger kredibilen Straßenrap. Außer Ex-Jura-Student Kollegah und Hochseeangler Bushido pocht jeder dieser Gangster-Verschnitte unbeirrt auf seine Realness, macht die eigene Authentizität quasi zum Geschäftsmodell. Außer im Internet schreibt jemand was. Dann wird der Pitti angeleint, das Messer zurück in die Socke gesteckt und per Kurzwahltaste #2 – auf #1 liegt natürlich Mama, sie ist die beste – der Anwalt angerufen. Ganz großes Kino, ihr Gees.

Versteht mich nicht falsch: Anwaltsschreiben sind mir lieber als Messer am Hals, erst recht wenn sie vorher in stinkenden Sportsocken steckten. Wenn die Alternative ist, dass ein Haufen wütender Schläger vor der Redaktion steht, dann nehme ich die nunmehr wöchentlich eintrudelnden Abmahnungen und Unterlassungserklärungen gerne in Kauf. Allerdings wäre es auch eine Option, derartige Berichterstattung einfach zu ertragen wie der nonchalante OG, der man so gerne wäre.

Diese Briefe und Mails sind ohnehin nur Einschüchterungsversuche, das müssten die Kanzleien der dünnhäutigen Mandanten eigentlich wissen. Tun sie wahrscheinlich auch – ebenso, wie sie wissen, dass ein kleines Medien-Unternehmen sich keinen viele tausend Euro schweren Rechtsstreit leisten kann oder will. Egal, wer am Ende gewinnt. Also werden weiter munter Texte gelöscht, meistens nachdem sie ohnehin schon viele Male gelesen wurden und die Information darin längst in aller Munde ist. Manchmal handelt es sich auch um Schikane, quasi die Strafe für bestimmte – in den Augen der Rapper – Verfehlungen. Aber immer ist es peinlich.

„Du hast da Scheiße kleben.“

Peinlich, dass ihr euch als Gangster und Ehrenmänner – wie ich dieses Wort nicht mehr hören kann – inszeniert, dann aber nicht mal für eure Fehler geradestehen könnt. Es nicht mal ertragt, wenn man euch eure Fehler vor Augen führt und darauf reagiert, indem ihr euer vorgeblich größtes Feindbild, das Gesetz, mobilisiert. Gzuz hat ein ACAB Tattoo und schickt Anwaltsschreiben raus, weil Medien über seine vermeintlichen Handlungen berichten. Außerdem wird mindestens einer der Genannten – da bin ich sicher – seinen Anwalt auf diesen Artikel hetzen, da mache ich jede Wette. Wie lachhaft ist das bitte? Und wie lachhaft soll es noch werden?

Die Musikbranche hat sich gewandelt und mit ihr der Fachjournalismus. Auch in der Rapszene. Ich war nie jemand, der Ärsche geküsst und über die Scheiße, die daran klebt, hinweg gesehen hat. Mittlerweile tun das glücklicherweise immer weniger. Stattdessen wird endlich mit dem Finger auf die Scheiße gezeigt und laut gesagt „Du hast da Scheiße kleben“. Der vollgeschissene Arsch kann ruhig petzen gehen, dass das eine gemeine Bemerkung war. Aber die Scheiße bleibt kleben und wir werden weiter mit dem Finger darauf zeigen. Gewöhnt euch dran.

34 KOMMENTARE

  1. Muhaha …
    Ich bin 45 und liebe Rap….bin Fan von der musik….Liebe den Rap von Fler …. habe mir mal den Spaß gemacht und bei seiner Story mitgeschrieben und mit seinen eigenen Textpassagen ihn aufgezogen z.b. mit wenn einer im Bus ganz hinten sitzt bin ich das ….irgendwann in den Verlauf wurde ich rausgeschmissen und blockiert …..Da habe ich mir auch gedacht wie mädchenhaft ist das denn….

  2. Danke für diesen Artikel!
    Die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Darstellung und der eigenen Unfähigkeit mit Kritik umzugehen wird – nicht nur, aber vor allem bei den angesprochenen Personen – immer größer und deutlicher.
    Man könnte natürlich das Argument anbringen, dass niemand überrascht oder empört sein dürfte, wenn Musikern sexuelle Belästigung oder häusliche Gewalt vorgeworfen wird, während das doch in ihren Texten regelmäßig an- und ausgeführt wird. Wie diese Personen aber damit umgehen und tatsächlich rechtliche Schritte einleiten, um Sprach- und Pressefreiheit einzuschränken, ist unglaublich heuchlerisch.
    In diesem Sinne:
    „Männer voller Ehre reden vom Leben als Hund
    Dabei wären sie in Hundejahren doch schon lange tot“

  3. Skinny ist so für die Tonne…

    „Wenn ich dünner Journalistenstreber von einem Rapper beleidigt werde, schicke ich ihm nicht direkt einen Anwalt.“ – Das kannst du dir auch gar nicht leisten du Pfeife, da fängst doch schon mal an, Drachenlord 2.0, genauso dumm und verlogen, nur dünner.

    „Anwaltsschreiben sind mir lieber als Messer am Hals, erst recht wenn sie vorher in stinkenden Sportsocken steckten.“ – Kannst du mal halbwegs deine Grammitik in den Griff kriegen? Was steckte den jetzt in der Socke? Das Schreiben, oder das Messer? Bei deiner Schreibe das Schreiben…Was für ein Opfer du bist! Und Messer gehen auch nicht in den Hals, die gehen in den Bauch du Trottel.

    „Gzuz hat ein ACAB Tattoo und schickt Anwaltsschreiben raus“ – Du bettelst hier WORTWÖRTLICH darum, dass dir jemand die Fresse einschlägt oder dich umbringt…MACH ES DOCH EINFACH SELBER, aber ich kenne Spasten wie Skinny, die sind zu blöde für sowas.

    Grüße gehen raus an Gzuz, er macht gute Musik!

    • Respekt für deine Kommentar. Es ist gar nicht so einfach sich mit so wenige Worten als noch dümmer zu qualifizieren als die Künsterl, die hier angesprochen werden. Weiter so.
      Grüße gehen raus

    • Woher kommt der grundlose Hass auf Skinny? Deine Zitate sind alle lächerlich haha, „Messer gehen nicht in den Hals sondern in den Bauch“ xD
      Ich hatte schonmal ein Messer am Hals, aber noch nie im Bauch. Weißt du, das ist eine Redensart, jmd das Messer an den Hals setzen.
      So.
      Dann, prangerst du seine falsche Grammatik an? Du? Das war grammatisch völlig korrekt und du checkst selbst das nicht.
      Meine Güte. Warum hasst du Skinny? Warum haust du in deine verklebte Tastatur wenn du nicht mal Argumente hast? Wenn nichtmal stimmt was du sagst?

    • Bitte weine noch ein bisschen mehr. Wenn man btw. versucht klugzuscheißen, sollte man nicht so grenzdebil sein Syntax und Grammatik zu verwechseln.

    • Richtiger Arschküsser, will Sunny kritisieren, hat allerdings substanzlose Argumente.
      Geh weiter Gzuz hören, ist ja nice, aber Wahrheit bleibt Wahrheit, auch wenn du sie nicht hören willst, du Uckel.

  4. Uhh, der kleine Skinny wird langsam erwachsen und merkt dass er sich eigentlich fast nur mit peinlicher Kindermusik beschäftigt

  5. Jut jut Skinny. Ich sage es ja schon immer. Alles Witzfiguren. Wer so eine Scheisse feiert dem ist nicht mehr zu helfen.

  6. Diese Möchtegern G‘s wissen nichts über Lyalität,Ehre und Stolz heutzutage. Sind kleine Kinder die wenn sie mal Stress bekommen,direkt die 110 wählen. Aber machen VOLL AUF OG.
    Es gibt leider nicht mehr viele die diese Werte leben und auch verstehen. Was sehr traurig ist.
    Die Musik hören(machen), aber kein plan was der Text bedeutet,traurig!
    Grüsse aus NRW✌

  7. Skinny der „Blitzmerker“ checkt auch endlich dass Deutschrap whack und deren Interpreten Schwachmaten sind… hat aber gedauert!

  8. großartiges kommentar – danke skinny – mach bitte weiter so und lass die lügner dreck fressen 🙂

    presse freiheit oleeee!

    kommerz – nein danke!

  9. Fast alles soweit richtig, aber der artikel von vice war schon gewollt geschäftsschädigend.. bei allem hate den kolle zurzeit abkrigt, er hat sich in dem antwortvideo gut erklärt..vice wollte welle machen, mehr nicht.

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