Talib Kweli

Wir hatten ja schon einige Geschichten über Talib Kweli gehört und deshalb waren wir nicht besonders begeistert, als es hieß, dass wir ein Interview NACH der Show bekommen würden. Ehrlich gesagt rechneten wir nicht damit, dass uns der arroganteste Backpacker Amerikas tatsächlich Rede und Antwort stehen würde… aber oh Wunder. Ein sehr freundlicher und aufgeräumter Talib Kweli begegnete uns nach einem ebenso freundlichen und gut gelaunten Konzert im gut gefüllten Berliner Postbahnhof. DJ Craft nannte das ganze eine schöne, gemütliche Montagabend Veranstaltung und genau das war es. Im Interview ging es denn auch viel um gute Laune, Tanzen aber eben auch die Revolution. Wieviel Revolution schafft man in einer Minute? – Dreiundreißigeindrittel. 

rap.de: Wir hätten nicht gedacht, dass dieses Interview überhaupt stattfindet. Niemand gibt nach seiner Show noch Interviews.

Talib Kweli: Außer ich! (lacht)

rap.de: Das ist schön. Du hast heute Abend auf der Bühne sehr viel über "Spaß haben“ gesprochen. Hast Du überhaupt noch Spaß in der HipHop-Szene?

Talib Kweli: Das habe ich eigentlich nur gesagt, weil ich schon so lange auf Tour bin und einfach sicher gehen will, dass die Leute Spaß haben. Das ist nämlich mein Job. Man lässt sich leicht davon einlullen, wenn man jeden Abend dasselbe macht, deshalb spreche ich gerne mit den Leuten. Mein Publikum mag Conscious Rap, aber manchmal will man auch einfach nur Spaß haben.

rap.de: Stört es Dich, wenn das Publikum ausschließlich kommt, um Texte zu hören?

Talib Kweli: Nein, das ist super. Deshalb bringe ich auch Acapellas und so, aber ich will auch Spaß haben. Wenn ich jeden Abend eine Show habe, muss ich Spaß haben. 

rap.de: Wie motivierst Du Dich selbst vor Deinen Shows?

Talib Kweli: Das macht das Publikum für mich. Die Leute bringen mir so viel Liebe entgegen – das motiviert mich.

rap.de: Kommst Du trotzdem manchmal nicht so richtig in Stimmung?

Talib Kweli: Manchmal ist es schwieriger, aber nach zwei, drei Songs bin ich dann so im Fluss, dass alles wieder gut ist. Manchmal habe ich keine Lust, aber nach ein paar Songs ziehe ich es dann durch, egal wie schlecht ich drauf war.

rap.de: Glaubst Du, dass Du Dein Publikum daran erinnern musst, dass HipHop ursprünglich aus so einem Party-Gedanken entstanden ist?

Talib Kweli: Es ist für mich als positiven Conscious-Rapper sehr wichtig, daran zu erinnern, dass es im HipHop eigentlich ums Feiern geht. Zu meinen Shows kommen sehr viele junge Leute und als ich vorhin Kanye auf der Bühne erwähnt habe, haben sie ihm hier in Berlin einigermaßen viel Liebe entgegen gebracht….

rap.de: Na ja, geht so. Sie haben gebuht.

Talib Kweli: Ja, ein bisschen, aber als ich in München war, haben sie richtig viel gebuht. Dann habe ich "Get By“ gespielt,  und sie sind richtig mitgegangen. Da habe ich gesagt: "Hey, ich dachte ihr mögt Kanye West nicht?“ und das meine ich.

Es ist super, wenn dir Musik Inhalte vermittelt, aber eigentlich geht es doch ums Tanzen. Der Inhalt steht erst an zweiter Stelle und manchmal vergisst mein Publikum das.

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