Mike Crush

 

 

 

Während man sich im großen Kosmos deutscher MC's zunehmend darüber Gedanken zu machen scheint, ob das vorhandene Image hart genug ist, die Texte auch ja anstößig und brutal rüber kommen, so hat man im Jordan-Headquarter in Frankfurt einen anderen Weg zum Erfolg gesucht. Wie der nun aussieht und ob er funktioniert, das wird die Zeit zeigen. Zugpferd Mike Crush hat mit seiner ,,Introducing" und dem ,,Halbum I" jedenfalls schon Achtungserfolge einheimsen können. Neben unzähligen Downloads und Werbekampagnien der etwas anderen Art schenkte er Deutsch-Rap mit ,,Schlagzeilen" eine heimische Interpretation des 50 Cent Klassikers ,,How To Rob An Industry N***a".

Klar, dass schreit nach ,,publicity stunt" aber hat nicht schon  KRS One damals mit der Boogie Down Production erst einen Diss-Track gebraucht, um der Karriere den nötigen Anschub zu geben? Zumal scheint das ehemalige Red Rum-Mitglied noch ganz andere Sachen auf dem Kasten zu haben und kann sehr wohl ohne Name-Dropping auskommen. Sein ,,Halbum I" bietet abwechslungsreiches Entertainment ohne dabei auf die Konkurrenz zu schauen. Eigenständig und innovativ mögen manche wohl sagen. Mike würde wohl eher zu ,,einfach Jordan"  tendieren. Jedenfalls schickt sich hier jemand an, dessen Präsenz man nicht übersehen kann. Also ab nach FFM und bei einer schönen Runde Nana-Tee über die kommende Crush-Weltherrschaft diskutiert.

rap.de: Du bist ja in der Frankfurter HipHop-Szene kein unbeschriebenes Blatt. Würdest du uns bitte mal deinen bisherigen Werdegang darstellen.

Mike Crush: Circa 95-96 habe ich beim Fahrradfahren „The Chronic“ gehört und Dr. Dre hat mir befohlen, dass ich mit dem Rappen anfangen muss. Dann habe ich auch mit dem Schreiben angefangen, irgendwann Üba3ba kennen gelernt und wir waren fortan die Gruppe Red Rum. In der Formation sind wir dann viel in Frankfurt rumgekommen und haben im Jahre 96 den ersten Frankfurter HipHop-Kontest gewonnen. Zusammen haben wir sehr viel erlebt und viele Auftritte gespielt. Auf dem zweiten FFMC’s-Mixtape hat jeder von uns einen Track beigesteuert. Mein Song hieß „Ich Fragte Mich“ und hat mir sehr viele Türen geöffnet. Es ist ein Frankfurter Underground-Hit geworden, wenn man es so nennen will, was sich allerdings erst über die Jahre hinaus kristallisiert hat. Man hat nicht direkt ein Review von den Leuten bekommen, sondern die Meinungen drangen nach und nach zu einem vor. Da gab es dann einen Auftritt, bei dem wirklich die komplette Menge das Lied mitgerappt hat. Das war schon ein ziemlicher Flash! Im Jahre 2001 habe ich dann den Efe kennengelernt. Er ist einer der Macher von FFMC’s. Wir haben festgestellt, dass wir mal zusammenarbeiten sollten. Er fand meine Raps geil, ich fand seine Beats geil und dann haben wir ein paar Lieder gemacht und es sind halt immer mehr geworden. So hat sich das eigentlich über die Jahre hingezogen, bis wir irgendwann so viele Lieder hatten, die noch dazu richtig cool waren. Es war eine Entwicklungssache, wo es unweigerlich darauf hinaus gelaufen ist, mal etwas zu releasen. Zuerst war das halt die „IMC“ („Introducing Mike Crush“, Anm.d.Verf.), um meinen regionalen Status, den ich über die Jahre in Frankfurt genossen habe, über ganz Deutschland auszuweiten. Ein paar Monate später kam dann das „Halbum I“ raus. Das ist der Weg bis hierhin.


 

 

 

rap.de: Die Gruppe Red Rum hatte ja damals schon einen Major-Deal, jedoch habt ihr auf Englisch gerappt. Wieso ist euer Album nie erschienen?

Mike Crush: Das war auch eine Entwicklungssache. Als ich mit dem Rappen angefangen habe, tat ich das auf Deutsch. Mit Üba3ba in der Formation Red Rum haben wir auf Englisch gerappt, hatten einen ziemlich dicken Deal, haben ein Video in Hollywood gedreht – das war am 11.September 1999 – und wir haben auch ein Album aufgenommen aber am Schluß ist das Alles kaputt gegangen. Es gab dann einen Rechtsstreit wegen dem Vertrieb. Es spielten viele Faktoren zusammen. Das lief jedoch mehr hinter Kulissen, so dass wir es nicht so mitbekommen haben. Natürlich war das damals schon ein ziemlicher Abfuck, dass es nicht geklappt hat, da es auch viel Arbeit war. Es ging auch nicht freundschaftlich auseinander. Üba3ba und ich sind Freunde geblieben aber die andere Partei – es war halt ein Abfuck. Im Nachhinein gesehen – ein Gambianer und ein Halbiraker, die englische Musik machen – so was braucht die Welt nicht. Danach sind wir als Frankfurter Kinder wieder zurück zur deutschen Sprache. Das sind auch coole Erfahrungen, die man gemacht hat, Sachen, die man erlebt hat. Für einen 19jährigen ist es schon ziemlich krass, in Hollywood ein Video zu drehen.

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