Prince Paul

Prince Paul sieht auf Photos gerne mal wie der nette Junge von nebenan aus – und er würde das wahrscheinlich auch überhaupt nicht bestreiten. Allerdings müsste dieser Aussage noch das Wörtchen „bizarr“ hinzugefügt werden. Denn bizarr ist eines seiner Lieblingsworte, um sich und seine Projekte zu beschreiben. Das geht zumindest aus dem Telefongespräch mit dem DJ und Produzenten hervor, folgt man seinen Antworten.
Aber eigentlich war dieses Gespräch mit dem Meister der Skits nicht wirklich bizarr, sondern ziemlich witzig. Es gab wohl kaum Antworten, wo der Prince nicht gelacht hätte. Als ob man einen aufgedrehten Teenager am Hörer hat. Im Laufe des Gesprächs ist dann allerdings klar, dass es sich hier weder um einen kichernden Teenager, noch um ein sonderbar bizarres Wesen handelt, sondern um einen Mann, dessen Karriere bereits die zwanzig Jahre überschritten hat und er sehr genau weiß, wie er das Business zu handlen hat.

1981 startete er, blutjung, als DJ für Stetsasonic. Seine Reise durch die HipHop Old School kam zu einem ersten kommerziellen Höhepunkt 1989 mit dem Debütalbum „3 Feet High & Rising“ von De La Soul. Hinter den Reglern: Prince Paul. Aber trotz des Lobes war das für ihn nicht der Einstieg in die Oberliga der großen Produzenten. Seine Art Musik zu machen war einfach zu unberechenbar, oder vielleicht auch ein bisschen bizarr.

Auch der Erfolg mit den Gravediggaz,1993, schaffte ihm nicht den erhofften Durchbruch als Produzent. Er zog sich zurück, um mit seinem ersten Soloalbum "Psychoanalysis", was 1996 erschien, endgültig eigene musikalische Wege zu gehen. Seine Fanbase war zwar nicht riesig, im Sinne von Massentauglich, aber treu. Prince Paul hielt sich vornehm im Hintergrund, arbeitet mit den verschiedensten Künstlern zusammen, ehe er 1999 mit „A Prince Among Thieves“ sein bisheriges Meisterwerk auf den Markt brachte. Aber, wie er im Interview schildert, wieder konnte er es nicht allen recht machen, vor allem nicht seinem damaligen Label. Und wieder kein Durchbruch in die HipHop-Oberliga. Enttäuscht und verbittert, nahm er diese Erlebnisse auf und, wie es seiner Natur entspricht, machte sich letztlich einen Spaß daraus, jene in Form eines Albums darzustellen. „Politics Of The Business“ war dann ein totaler Flop. Aber Prince Paul wäre nicht Prince Paul, wenn er sich nicht auch davon erholt hätte, und Projekte wie die “Handsome Boy Modelling School” oder “The Dix” zeigen, dass sich dieser Mann nie unterkriegen lässt, und sich vor allem eines nicht nehmen lässt: Spaß zu haben, was auch immer passiert!

rap.de: Hi, schön dich endlich in der Leitung zu haben. Es hat ja auch eine Weile gedauert. Mir wurde gesagt, dass einige, die dich interviewen wollten bereits abgesprungen sind. Dabei hast du ja nun eine ziemlich lange und recht beeindruckende Karriere aufzuweisen. Wissen das viele Leute nicht oder hast du denen irgendwas angetan, dass sie dich nicht mehr sprechen wollen?

Prince Paul:
(lacht) Also, das wusste ich bisher gar nicht, dass Leute abgesprungen sind. Ich weiß nicht warum, vielleicht mögen sie einfach keinen old school-lastigen HipHop.
Es kann ja nicht jeder ein Kanye West sein.

rap.de: Vor deinen letzten beiden Veröffentlichungen, der Instrumental Scheibe „Itstrumental“ und „Gold Dust“ gab es das Projekt „The Dix – The Art of Picking Up Women“. Ich bin erst beim Research darauf gestoßen, obwohl es schon einige Monate auf dem Markt ist. Kann es sein, dass du das still und heimlich gemacht hast?

PP: Na ja, es war ein ziemlich kleiner independent Release. Mr. Len, ein Freund von mir, der auch Mitglied von Company Flow war, hat sein eigenes Label gegründet und mir angeboten, eine Platte darauf zu releasen. Egal was es auch ist, sagte er noch. Natürlich hatte ich auch gleich ein Projekt am Start (lacht). Das schwirrte schon eine Weile in meinem Kopf herum. Jetzt hatte ich die Chance dazu. Es ist schon eine ziemlich verrückte Sache, deshalb finde ich es auch nicht schlimm, dass es nur eine begrenzte Auflage davon gibt und nicht zu viel Aufhebens darum gemacht wurde. Damit kann ich Leben. Es ist wirklich bizarr. Ein paar Typen, die sich Perücken aufsetzen, Anzüge anziehen und auf 50er Jahre Musik machen.

rap.de: Aber eigentlich warten deine Fans doch auf so etwas. Handsome Boy Modelling School ist auch eine recht verrückte Sache.

PP: Das mag sein. Es ist halt einfach eine solch abgefahrene Sache gewesen, dass wir es bei diesem kleinen Release belassen haben und die Sache auch nicht speziell promotet wurde.  


rap.de: War es letztlich also komplett deine Idee oder hat Mr. Len auch Ideen eingestreut?

PP: Nein, es war meine Idee. Er hatte mir ja dieses Angebot gemacht, das Ganze auf seinem Label zu machen und ich sagte ihm, dass dieses Projekt extrem freakig ist. Wirklich bizarr!

rap.de: Das Wort bizarr scheint eine feste Größe in deinem Wortschatz zu sein und wohl auch ein wichtiger Faktor deines kreativen Schaffens. Je bizarrer desto besser?

PP: I just like to bug people out. Ich möchte, dass die Leute sagen: “Man was geht denn da ab. So was hab ich ja noch nie gehört!“ Denn es ist doch gerade heutzutage so, dass man immer wieder das gleiche Zeug hört. Denn seien wir doch mal ernst: wann kommt es schon mal vor, dass du eine neue Platte hörst und denkst, man das ist jetzt echt mal was anderes. Und es gefällt dir, weil es anders und gut ist. So was will ich machen.

rap.de: Ist das heutzutage schwieriger mit bizarrem Zeug Aufmerksamkeit zu erregen, als es früher war?

PP: Ich habe das Gefühl, dass die Leute heute einfach nicht mehr so geduldig sind. Sie nehmen sich nicht mehr die Zeit, Dinge in Ruhe anzuhören oder danach zu suchen. Allerdings gab es früher auch einfach weniger Musik, natürlich auch weniger schlechte. Heute hat doch einfach jeder eine CD draußen (lacht). Man skippt sich heute so durch die Angebote durch. Das sehe ich doch auch an mir. Wenn ich so an die letzten zwei Jahre denke, da habe ich es auch nicht geschafft mir alles anzuhören, was da so auf den Markt kommt, weil es einfach unglaublich viel ist.

rap.de: Es gibt bestimmt mindestens einen Rohdiamanten da draußen, den du bisher nicht entdeckt hast…

PP: Das ist sehr gut möglich. Ich bekomme ja zusätzlich auch eine Menge Demos zugeschickt. Da kann ich kaum hinterherkommen. Es kann passieren, dass mich jemand fragt, ob ich sein Demo schon gehört habe und ich sage, nein, bisher nicht. Dann er: „Was? Das hab ich dir schon vor zwei Jahren gegeben.“ (lacht)

rap.de: Wo her kommen den die Demos, die du so kriegst?

PP: Oh, von überall her. Und ich versuche auch so viel wie möglich davon anzuhören. Das kostet viel Zeit und Geduld und es ist nicht immer einfach, vor allem dann, wenn es sich um großen Mist handelt. (lacht) Aber irgendwann taucht dann auch immer mal was auf, was richtig gut ist, und alleine dafür lohnt es sich dann.

rap.de: Aber zurück zu deinen Projekten. Du wirst ja oft und gerne als ein Meister der Skits bezeichnet, wann kommt dein Projekt raus mit dem Namen „The Art Of Making Skits“?

PP: (lacht) Die Leute sind irgendwie verrückt nach meinen Skits, das habe ich schon öfter gehört. Aber weißt du, es gibt auch so viele Leute die Skits machen, und so furchtbar viel schlechte, weshalb viele Hörer schon genervt sind, wenn sie nur davon lesen, dass ein Album mit Skits besetzt ist. Ich für meinen Teil habe mit „A Prince Among Thieves“ bereits mein größtes Skits-Werk gemacht. Mehr geht einfach nicht. Dazu kommt, dass es einfach super anstrengend ist. Ich hasse es, Skits zu machen (lacht). Der Arbeitsaufwand ist enorm hoch und das Ergebnis dafür ziemlich klein.


rap.de: Verstehe. Du bist also jemand, der die harte Arbeit scheut und es sich lieber einfach macht?

PP: Haha. So war das natürlich nicht gemeint. Die Arbeit an Skits ist hart, denn sie macht dich ganz verrückt, du wirst hibbelig. Du musst jede Sekunde von einem Skit mit etwas neuem belegen. Da muss die ganze Zeit was passieren. Während bei einem Song einfach die Melodie weiterspielt. Skits ist eine schier endlose Frickelarbeit. Du sitzt drei vier oder mehr Stunden an einem Skit, du hast dann gerade mal eine Minute geschafft. Oh Mann, dann kommt einem das Gefühl auf, dass man sein ganzes Leben lang nur am den Skits rumbastelt und das Album noch gar nicht produziert ist (atmet tief ein), das macht dich fertig (lacht).


rap.de: Auf dem „Gold Dust“ Album, sind einige unveröffentlichte Tracks sowie seltene, zumeist ältere Songs zu hören. Gefreut hat mich, dass du den Song von Justin Warfield (K Sera Sera) draufgepackt hast. Für sein Debütalbum hast du ja einige Tracks produziert. Leider hat man von dem Kerl lange nichts mehr gehört. Weißt, was er heute macht?

PP: Ich habe Justin das letzte Mal wohl vor ungefähr drei Jahren gesehen. Und davor hatte ich ihn nicht mehr getroffen seit wir an seinem Debütalbum gearbeitet hatten. Er ist viel mit seiner Band rumgetourt. Ich mag ihn sehr und halte ihn für äußerst talentiert, leider ist sein Album einfach zu einer falschen Zeit rausgekommen und die Presse in den USA hat ihn richtig fertig gemacht. Aus irgendeinem Grund hassten sie ihn. So war es dann auch einfach schwer für ihn weiterzumachen.

rap.de: Du hast ja auch nicht immer nur positive Resonanzen auf deine Werke erhalten. Liest du eigentlich noch, was über dich geschrieben wird. Oder versuchst du das so gut wie möglich zu vermeiden.

PP: Lange Zeit habe ich tatsächlich alles über mich gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Aber nach der „Politics Of The Business“ LP habe ich damit aufgehört. Denn was ich da zu hören bekam, war echt hart. Ich meine, ich wusste, dass diese Platte anders war, als meine vorigen Sachen, aber das die Leute die Platte so gar nicht angenommen haben, hätte ich nicht erwartet. Das war ein Schlag ins Gesicht. Was hab ich nicht alles gehört habe: „Schrecklich“, „totaler Mist“, „grauenhaft“, „was tut der Mann“, usw. Leute mal im Ernst, da gab es Platten, die zu dieser Zeit rauskamen, die  viiiiiiiiiieel schlechter waren als meine. Ich hab mich extra noch mal in Ruhe hingesetzt und mir die ganze Scheibe noch mal angehört und konnte es immer noch nicht glauben, dass sie so hart verrissen wurde. Ich hatte sogar Kritiken in denen Stand, dass meine Platte schlechter wäre als „To The Extreme“ von Vanilla Ice! (lachen)
That freaked me out! Das war ein echter Albtraum und hat mich auch ein wenig depressiv gemacht. Ich meine, du kannst dir auch tausend Mal einreden, dass es dir egal sein kann, was die Leute so erzählen, aber das geht einem schon nahe.

rap.de: Vielleicht musst du auswandern? Sagen wir mal nach Japan. Vielleicht sind die schlechten Kritiken ja dort auf taube Ohren gestoßen?

PP: (lacht) Ich bin mir nicht sicher. Aber davon abgesehen, mag ich Japan. Ich war allerdings schon lange nicht mehr dort. Früher mit De La Soul und auch mit den Gravediggaz war ich in den frühen Neunzigern mal in Japan. Dann erst wieder 1999, allerdings als DJ. Das fanden die wohl so grandios, dass ich bis heute nicht mehr eingeladen wurde. (lacht) Ich weiß nicht warum? Hab ich vielleicht ein Auto gestohlen oder was? (lacht)

rap.de: Hast du?

PP: Natürlich nicht.

rap.de: Vielleicht solltest du ein Japan-Special vorbereiten. Irgendwas speziell für Handys z.B.
 
PP: Alles klar, dann werde ich ab sofort meine Alben in Japan nur noch zum Download auf´s Hand anbieten. That´s gonna be hot!

rap.de: Und du brauchst eine große Handymarke als Sponsor.

PP: Genau. Aber ich glaube, für so etwas sind eher Leute wie Lil´ Jon die richtigen. Nicht ich. Oder ich mache eine Collabo mit ihm. Prince Paul meets Lil’ Jon. A Japan exclusive, only for mobile phones.

rap.de: Da wir gerade so herrlich über den großartige Projekte schwafeln, ich hab noch eins im Sinn.

PP: Schieß los.

rap.de: Ich frage mich, wieso du eigentlich noch nicht das große Prince Paul meets Prince, the Fresh Prince, Arabian Prince, Princess Superstar – es gibt bestimmt noch jemanden den ich vergessen habe –  Projekt durchgezogen hast. Das liegt doch quasi auf der Hand. Ein richtiges Allstar treffen.

PP: Ich glaube, das wäre etwas zu viel des guten. Aber zum Beispiel mit Princess Superstar habe ich ja auch schon zusammengearbeitet. Ich hatte diesen Beat für sie gemacht und ihr eine CD gegeben. Mehr habe ich dabei nicht gemacht. Deshalb wollte ich auch gar keine production credits und habe sie gebeten, mich doch einfach nur als „Writer“ einzutragen. Als dann aber die 12“ raus kam, war mein Name übergroß auf dem Cover zu lesen. Prince Paul & Princess Superstar. „Are you crazy?“, fragte ich sie? Das war einfach too much. Ich war echt ein wenig sauer.

rap.de: Ok, dann ist die Allstars Idee wohl nicht ganz so gut.

PP: Natürlich wollte ich schon immer mal mit Prince arbeiten. Und es war sogar so, dass zu der Zeit als De La’s „3 Feet High & Rising“ erschien, Prince ein Fan von mir war. Wir hatten uns sogar schon zu einer Studiosession verabredet, aber dazu ist es leider nie gekommen. Ein weiterer Traum, der sich nicht erfüllt hat. Fresh Prince und Jazzy Jeff kenne ich schon aus den 80ern, wir sind auch zusammen auf Tour gewesen. Aber es hat sich nie eine Zusammenarbeit entwickelt. Ist ja auch eigentlich nicht verwunderlich, denn wer will schon mit so seinem Spinner wie mir zusammenarbeiten. (lacht) Ich könnte ja vielleicht ihre Karrieren ruinieren.

rap.de: Wie schwer ist es, dieses Image von leicht verrücken, bizarren Prince Paul aufrecht zu erhalten. Oder sind Prince Paul und Paul Huston (sein bürgerlicher Name) ein und dieselbe Person?

PP: Zunächst ist es natürlich so, dass ich auf meinen Platten, als Prince Paul oder ein anderes AKA, immer versuche, so bizarr und ungewöhnlich wie möglich rüberzukommen. Triffst du mich an einem ganz gewöhnlichen Tag, würde ich nicht halb so merkwürdige Sachen machen, wie auf Wax. Auf Platten kann ich wie ein kleines Kind sein und mir ein Laken um den Hals binden, durch die Gegend laufen und schreien: „Guck mal, ich bin ein Superheld!“ (lachen) Mir kommen einfach solche Ideen, wenn ich darüber nachdenke, was ich alles für Projekte machen kann, um sie auf Platte zu pressen. So spielte ich halt herum, als ich plötzlich diesem Einfall hatte: The Dix! 50s Group. HipHop. Crazy! Lasst uns alle Perücken aufsetzen. (lachen) Und das große Glück ist außerdem, dass ich viele Freunde habe, die genauso bescheuert sind und auch richtig Lust auf so was haben. (lacht) Das ist toll, ich fühle mich immer noch wie ein 18jähriger. Ich fühle mich wie 18 seit ich 18 bin. Ich bin 38, also schon 20 Jahre lang 18. Ganz so einfach ist das natürlich nicht mehr, denn ich habe Kinder und die Verantwortung ist natürlich ungleich größer als damals. Aber davon abgesehen, bin ich Kind geblieben!

rap.de: Der Peter Pan des HipHop. Das riecht ja schon wieder nach einem neuen Projekt.

PP: Mir ist es eigentlich nur wichtig, dass meine Arbeit Spaß macht. Das ganze Geschäft ist ja alles andere als spaßig und ich tue mich immer noch schwer, die Regeln zu befolgen. Bei mir hat die Musik als ein Hobby begonnen. Es hat einfach nur Spaß gemacht, über Geld habe ich gar nicht nachgedacht und so ein bisschen versuche ich mir die Unschuld, mit der ich damals an die Sache herangegangen bin, zu erhalten. Natürlich muss ich immer daran denken, dass ich mir mit meiner Musik den Lebensunterhalt verdiene. Das hab ich mir ja auch so ausgesucht. Trotzdem soll der Spaß an der Musik bleiben, anders könnte ich gar nicht arbeiten.

rap.de: Bei Projekten wie den Gravediggaz oder deiner Scheibe „Politics Of Business“ war der Spaß zumindest nach außen hin nicht unbedingt zu sehen. Anders als z.B. bei der „Handsome Boy Modelling“ School oder „The Dix“.

PP: Natürlich haben auch diese Platten Spaß gemacht, aber die Außenwirkung ist natürlich eine andere. Sie spiegeln aber genauso meine Emotionen wieder, wie andere Sachen, die ich gemacht habe. Bei dem Gravediggaz-Projekt waren es schon Depressionen, die verarbeitet werden wollten. So ist dann dieses Ergebnis entstanden. Ich hatte das Gefühl etwas beweisen zu müssen, den Leuten zu zeigen, dass ich ein guter Produzent bin und keine Eintagsfliege. Es war echt hart. Mit dem Gravediggaz-Demo sind wir ein Jahr lang durch die Gegend gelaufen und keiner wollte es. Es hieß, dass die Rapper doch schon zu alt sind und ihre beste Zeit längst abgelaufen war. Es war echt hart, aber wir haben es geschafft und gezeigt, dass wir Recht hatten, denn es war ja eine sehr erfolgreiche Scheibe.

 

Politics Of Business“ hingegen, war ganz klar eine Platte, die aus der Frustration geboren wurde. Ich hatte so viel Arbeit in die „A Prince Among Thieves“ Platte gesteckt und das Label hat sie dann einfach erst mal auf die Seite gelegt und sich nicht wirklich drum gekümmert. Dann sagten sie mir, dass ich mich doch lieber auf die Singles konzentrieren sollte und noch ein paar neue Hits produzieren. Das war dann so richtig frustrierend. Die interessierten sich einen Scheiß für die Musik, es ging hat nur ums Business. Hits, Hits, Hits, auf kosten der Musik. Aber so läuft es ja auch, deshalb gibt es auch soviel Müll und alles klingt gleich. Auf diesen Alben sind dann meist zwei, drei gute Songs und er Rest ist Mist. Ich hab aus meiner Platte nicht mal ein T-Shirt herausbekommen. OK dachte ich, wenn das so läuft, dann kann ich ja auch gleich eine Platte darüber machen, wie es heutzutage ist, eine Platte zu machen. Natürlich habe ich mich darüber lustig gemacht, wie versucht wird, den Künstlern zu diktieren, wie die Platte sich anzuhören hat.

rap.de: Hast du in diesem Zuge auch mal in Erwägung gezogen, alles selber zu machen. Ein eigenes Label aufzubauen und so weiter?

PP: Früher hatte ich mal ein eigenes Label, Dew Dew Man Records und es war eine kleine Katastrophe, denn ich war einfach noch nicht reif für so was. Ich habe Bands produziert, die aber nie rausgekommen sind, wie z.B. Resident Alien, die ja jetzt auf der „Gold Dust“ zu hören sind. Heute sehe ich die Labelsache aber als eine mögliche Option an. Denn es könnte ja auch mal sein, dass keiner mehr was von mir hören will, so dass ich die Sachen dann einfach selber rausbringen muss. (lacht)
Aber dann muss ich mir schon ganz sicher sein, dass es eine sinnvolle Sache ist, denn ich will nicht noch einmal so schlechte Erfahrungen machen. Dann sagen die Leute, dass Prince Paul ein guter Produzent ist, er hat ein paar tolle Sachen gemacht, aber sein Label war der allerletzte Scheiß. (lacht) Also ich werde die Sache ganz vorsichtig angehen.

rap.de: Ich habe den Anschein, dass du sehr stark darauf achtest, was andere über dich denken.

PP: Oh nein. I just keep it real. Ich versuche mir nur bewusst zu machen, wen ich eigentlich mit meiner Musik anspreche. Wohl nicht unbedingt die Massen. Aber das ist in Ordnung. Ich beobachte auch, was die Kids so machen und was sie mögen, was halt so abgeht. Natürlich bemerke ich, dass die lieber den „Pimp XY“ Song hören wollen, als einen von mir. So ist das nun mal.

rap.de: Was sind deine nächsten Pläne? Ich meine, du hast ja in 2005 gerade drei Alben rausgebracht, deshalb kommt die Frage vielleicht ein wenig früh. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass du bereits wieder etwas im Sinn hast. Sicherlich etwas bizarres.

PP: Es stimmt, dass 2005 einiges an Output von mir auf den Markt kam, aber die Sachen wurden teilweise ja auch schon früher produziert. Es dauert ja meistens ne Weile, bis so eine Arbeit dann auch tatsächlich rauskommt. 2005 war für mich das Jahr der „Fun-Records“. Einfach Sachen rauszubringen, auf die ich – und andere auch – Lust hatten, die witzig waren. Was die Zukunft angeht, bin ich gerade dabei einen Cartoon zu entwickeln. Einzelheiten darf ich noch nicht verraten, sonst würde die mich verklagen, bis mir hören und sehen vergehen würden und in den nächsten Wochen fange ich damit an, ein Album für Bernie Worrell zu produzieren. Das ist der Keyboarder von Parliament Funkadellic.
Dieses Projekt ist etwas sehr besonderes für mich, denn er hat einen großen Einfluss auf mich gehabt. Höre dir einfach Songs wie z.B. „Flashlight“ an, dann weißt du wie Bernie Worrell spielt. Da bin ich sehr gespannt drauf, denn ich werde sicherlich noch einiges von ihm lernen können. Danach werde ich mich dann wieder einem eigenen Projekt zuwenden. Aber bisher hatte ich keine Zeit dafür. Mein Plan ist, dass diese Scheibe dann mein großes Finale werden wird. Etwas, dass die Welt verändern wird oder so (lacht).

rap.de: Das hört sich natürlich spannend an, auf der einen Seite, aber das würde ja auch bedeuten, dass danach quasi Schluss wäre. Dann kann man als Fan ja eigentlich nur hoffen, dass es höchstens deine zweitbeste Platte wird, damit du weitermachst.

PP: (lacht) Wer weiß. Man wird sehen. Vielleicht rede ich ja auch nur Mist. Selbst wenn die Platte super werden sollte, kann es sein, dass ich dann sage: „Wunderbar, und ich mache doch noch eine, die noch besser wird.“ Aber das wird man eh alles noch sehen. Außerdem bin ich so selbstkritisch, dass es ziemlich unwahrscheinlich ist, dass ich einmal davon überzeugt sein werde, meine beste Platte ever produziert zu haben. So gesehen können die Leute beruhigt sein. Aber ich arbeite daran.

rap.de: Wir sind gespannt. Wirst du in nächster Zeit in Deutschland sein?

PP: Ich hoffe es – allerdings nur als DJ. Wenn alles gut läuft, werde ich in der ersten Hälfte dieses Jahres in Deutschland spielen. Also Leute, haltet Ausschau nach meinen Gigs. Und ihr könnt euch sicher sein, dass es nicht normal abgehen wird. Es wird anders. Es wird bizarr!

rap.de: Etwas anderes würde sicherlich auch niemand erwarten. Vielen Dank für das Interview.   

 

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