Interview mit Mena: Gewalt im Rapgame, Rassismus, Sierra Kidd & Mode

Mena droppte am 11. Mai seine EP „Lindsay Circus“. Der Hamburger setzte damit ein Ausrufezeichen: Ihm gelang es, mit dem hochwertigen Release sein Standing als Geheimtipp der Szene zu untermauern. Gleichzeitig strahlte seine musikalische Vielseitigkeit, mit einer Mixtur aus hartem Trap und melodiösen und einprägsamen R&B-Einflüssen, so hell wie nie zuvor.

Als Geheimtipp genannt zu werden ist die eine Sache, sich an der Spitze der deutschen Rapszene festzubeißen eine komplett andere. So stellt sich das Jahr 2018 als Schicksalsjahr von Mena dar. Dementsprechend trafen wir auf einen hochmotivierten, jungen Rapper, der sich für den Rest des Jahres viel vorgenommen hat.

Während des Interviews wich er nicht vor kritischen Themen wie Rassismus oder der ausufernden Polizeigewalt in den Staaten zurück. Aus diesem Grund entwickelte sich ein spannendes Gespräch, in dem er über seine zweite Leidenschaft neben der Musik, seinen größten Mentor und die Notwendigkeit eines hohen Arbeitseifers im Rapgame sprach.


Dein neues Video zu „Clout“ ist frisch draußen. Damit hast du audiovisuell einen hohen Standard gesetzt – besonders für einen Newcomer. Wo habt ihr gedreht?

Danke. Eine Freundin von mir, die auch gleichzeitig die Veranstalterin vom 040 Festival hier in Hamburg ist, hat mich vor ein paar Monaten zu Freunden von ihr eingeladen. Die haben ein Label, das Correctlane heißt. Danach habe ich mit denen connected und dann hat sich das alles organisch ergeben. Sie meinten – „Yo, wir feiern deine Mucke, wir haben alle Möglichkeiten, hast du Bock mit uns für ein Video zusammenzuarbeiten?“

Die haben ein Haus, wo ich hingefahren bin. Wir wollten eigentlich nur zwei Tage chillen und quatschen. Aber irgendwie bin ich dort dann geblieben. (lacht) Das Video haben wir dann auch bei ihnen im Hinterhof gedreht. Mein Manager Jefferey Jumpers und unser Videoguy Segway Sam haben dann bei der Regie und Kameraführung geholfen.

Das hört sich ziemlich spontan an.

Der Rollout war spontan, safe. Aber wir haben das davor schon akribisch geplant. Wir wussten genau, was wir haben wollen, wen wir haben wollen, wo wir es haben wollen.
Der Videodreh an sich hat nicht lange gedauert. Aber der Editor und der Kameramann haben einfach super Arbeit geleistet. In einer Woche war das Video abgedreht und editiert. Das sieht aber eher nach zwei Monaten Arbeit aus.  Die haben sich alle richtig reingehangen. Ich bin mega stolz drauf.

Woher kommt der GTA-Bezug bei deinen EPs? Bist du ein Nerd?

Ich bin kein Nerd, aber… okay, wir waren stoned. (lacht) Wir waren stoned und ich bin richtig schlecht in Namensfindung. Bei der ersten EP waren die Songs nach drei, vier Tagen fertig und dann mussten wir uns einen Namen überlegen. Wir haben damals immer GTA gespielt. Dann war ich zuhause und Sierra Kidd hat mich angerufen und meinte, dass wir das Tape einfach „Strawberry Avenue“ nennen sollen. Beim ersten Tape hat noch keiner gecheckt, dass der Name von GTA ist, bei „Sandy Shores“ haben es mehr Leute gecheckt und jetzt fällt das auf. Ich finde das ganz geil. Weil die Straßennamen haben auch immer etwas mit dem Sound der Tapes zu tun. „Lindsay Circus“ ist zum Beispiel ein softeres Tape – nicht so hart – klar geht da viel ab, aber es ist eher gechillt.

Wenn man dein Social Media und alte Interviews von dir verfolgt, wird klar, dass du dich intensiv mit US-Rap beschäftigst. Wen feierst du momentan am meisten?

Travis hat mich wieder mit dem Album. Vor einer Woche war ich skeptisch, aber dann kam „Astroworld“ raus und ich bin ausgeflippt. Außerdem feier ich Trippie Redd. Dann gibt es noch einen Künstler, den ich feier, den kennen bisher noch nicht so viele – der heißt Young Bleu. Der ist das neue Signing von Boosie Badazz. Der macht harten R&B-Shit. Ich rede immer von Thug&B – so klingt Thug&B auf Englisch. Ansonsten feier ich Tyler, the Creator und ASAP Rocky.

Was unterscheidet die US-Rap-Szene im Vergleich zur deutschen Szene deiner Meinung nach?

Die Community an sich. Die Künstler helfen sich gegenseitig in Amerika. Selbst wenn sie sich persönlich nicht fühlen, arbeiten sie für die Musik zusammen. Klar auch für das Geld. Aber auch, weil sie wissen, dass sich die Fans die Zusammenarbeit wünschen.

Ich hätte zum Beispiel niemals gedacht, dass ASAP Rocky mal mit Tyler zusammenarbeitet. Aber die haben gecheckt, dass die Fans das wollen. Danach haben sie zusammengearbeitet und so haben sie sich dann über die Musik auch persönlich angenähert. Musik bringt Menschen immer näher! Jetzt wirken die beiden wie Brüder.

In Deutschland ist es immer noch so – „Ich guck, was der andere macht. Ich guck, ob er mir entgegenkommt und dann mach ich erst was. Ich guck, ob er meinen Scheiß teilt und dann teile ich seinen Scheiß.“ In Hamburg ist das glücklicherweise anders.

Hamburg zeigt momentan ganz Deutschland, was Zusammenhalt bedeutet.

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