Monobrother – Haschgiftspritzer

Der kleine Tip für Zwischendurch. Diese CD ist uns aufgefallen, als wir wieder einmal in den Tiefen unseres Archivs gewühlt haben. Herausgezogen aus dem großen Stapel der unbearbeiteten Postsendungen und nach dem Anhören der ersten beiden Stücke wurde beschlossen: Besprechen wir.

Kann sein, dass ich selbst eine Schwäche für österreichische Mundartmusik habe, gehören schließlich die Veröffentlichungen von Wolfgang Ambross, Hubert von Goisern und vor allem Ludwig Hirsch in das Repertoire meiner Platten- und CD Sammlung. 

Aber es ist nicht nur die etwas sentimentale Liebe zu Dialekten, die "Haschgiftspritzer“ zu einem kleinen Geheimtip machen, es ist auch die ganz eigene Interpretation von Hip Hop Musik, die hier vorgeführt wird und am allerbesten in dem Song "Feine Zeit“ zum Ausdruck kommt.
Beschrieben wird hier eine Jugend auf dem Lande, mit Kiffen, Rap und Neo-Nazis. Mit Abhängen und dem Nicht Genau Wissen, was man tun soll? Alten Leuten, die hinterm Rücken tuscheln: "Der eine, kleine, der als Kind schon auffällig war, driftet in die falsche Richtung. Er ist ein MC. Keine Ahnung, was das ist, aber was gutes ist es ganz gewiss nicht.
Ein Leben zwischen Frustration und Plattensammlung, zwischen Bong und Freestylecyphers, "ich kümmer mich um das Grüne und du um den Sixpack“. Um einen herum ist viel frische Luft, aber davon kriegt man nichts mit, weil man eh immer drin ist und da riecht es sowieso nach Weed. Aber alles in allem, war’s eben trotzdem eine „feine Zeit“.

Wie Monobrother, der eigentlich aus Wien kommt (zumindest sitzt sein Label in Wien) diesen Dorf-Flavour hinkriegt, weiß ich nicht, aber vielleicht ist er ja auch nur zugewandert in die große Stadt. Zumindest gelingt dem Bruder zusammen mit Kardinal Kaos diese Momentaufnahme aufs Beste und deshalb gibt es dafür gesondert Props.

Die anderen Props gehen komplett an die Samplelastige Produktionen von Lux Rawer, Digga Mindz, BBK, Säbjul, Kardinal Kaos, Stixx und an die Cuts von DJ Takonedoe und DJ Bartek, die ein echtes Untergrundgefühl aufkommen lassen. Das ist die gute alte MPC Power, der  Spirit of ´97 und kommt in seiner Unaufgeregtheit sehr gut. 

Über diese Minimalproduktionen flowt der Fucking Monobrother, mal gut, mal ein bisschen holpernd, aber immer authentisch und mit dieser harten Wiener Tiefgründigkeit, die man als Deutscher vielleicht noch von "Kottan Ermittelt“ kennt. Es gibt da so eine spezielle Laxheit, Lockerheit, Entspanntheit oder von mir aus auch Coolness, so eine "Basst eh“ Mentalität, die im Song "Fuckin Mono“ sehr schön zum Ausdruck kommt und zwar an der Stelle, wo nach einer Aufzählung von allem, was der Mono so ist oder nicht ist, eine Stimme einwirft: "Des stimmt scho – do hoder recht.“ Das bleibt so im Ohr hängen bei mir, weil es irgendwie eine komplette Haltung repräsentiert: "Ja wir sind Rucksckträger, Kiffer, Haschgiftspritzer, Hänger und Beatliebhaber. Ja wir mögen noch immer Rap und treffen uns zum Cyphern. Ja wir sind dünne Jungs, das stimmt schon! Da hast du recht! – Und jetzt?“ 

Mag sein, dass ich an dieser Stelle zu viel reininterpretiere, aber mich überzeugt’s. Auch wenn das Album einige Längen besitzt und die Featuregäste jetzt auch nicht alle on point sind, Stimme, Herangehensweise und Attitude des Monobrothers sind cool und definitiv Wert, dass man sie im Auge behält. Denn schließlich "hat er alles in der Hand, aber nichts im Griff“ und auch das macht ihn wiederum sehr sympathisch.

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