La Coka Nostra – A Brand you can trust

Angenommen, ein deutscher Rapper würde über Kokainbeutel rappen, die er im Kofferraum seines Ferraris verfrachtet hat oder darüber, dass seine Uzi ein Kilo wiegt oder dass er dir ins Gesicht schlägt oder dass er deinen Schädel spalten wird. Die krisengeschüttelte deutsche Rap-Welt würde gelangweilt abwinken und sich über die Dummheit von Gangsterrap ärgern. Wenn ein Haufen alternder US-Rapper dasselbe macht, dann spricht man von „Hardcore-Rap“ und darf es ohne schlechtes Gewissen feiern. Als vor 2 Jahren die ersten T-Shirts der US-Supergroup La Coka Nostra erschienen, musste auch ich mir eines kaufen, ohne vorher ein einziges Lied gehört zu haben. Eine Crew aber in der Non Phixions Ill Bill und die komplette Bande von House of Pain, sprich:Everlast, Danny Boy und DJ Lethal mitwirken, kann ja nur gut sein, dachte ich. Nur das liebe Koksnäschen Slaine war mir nicht bekannt, aber das machte ja nichts.

Schon der erste Track gibt eine Richtung vor, die die nächsten 57 Minuten beibehalten wird. Bumm-Tschack, E-Gitarre, Distortion-Pedal runtergedrückt, ein bisschen Piano-Sample – fertig ist ein LCN-Track. Schon beim zweiten Track fängt das leider an, ein bisschen zu nerven, vor allem da die Herren Slaine und Everlast reimtechnisch ihren Zenit schon lange überschritten haben und sich die Hookline anhört, als könnte sie auch auf dem Ed Hardy-Shirt eines durchschnittlichen Q’Dorf-Besuchers stehen:

"(…)Hate will fuel your rage/ Drugs will get you high/ Money buys respect/ Love will get you by(…)“

Das ist dann schon ein bisschen sehr pathetisch, auch wenn sich die Stimme von Everlast, vom Whiskey trinken und Koran-Verse zitieren sehr schön zerkratzt, ganz gut anhört. Der dritte Track "Bang Bang“ bildet dann auch schon den Höhepunkt des Albums, was bei 15 Tracks kein guter Schnitt ist. Auf diesem Track wird ein, wie immer höchst entspannter Snoop Dogg gefeatured. Beat ist schlicht UND gut: das gefällt.

Bei einem Track wie "I Am American“, auf dem B-Real zusammen mit der verschnupften Gesellschaft einen Part abliefert, scheiden sich dann wahrscheinlich die Geister. Während die Einen das als gelungene Non Phixion 2.0-Version feiern, wird die übliche Aneinanderreihung von politischen Binsenweisheiten und Charles Manson-Samples, für die Anderen einfach dröge sein. Jawollja! Und so reiht sich ein gleichklingender Track an den nächsten. Mal hört es sich ein bisschen mehr nach Everlasts letzten Alben an, also nach Gesang und Akustikgitarre, und mal mehr nach Non Phixion, sprich Pianoloops und Boom Bap. Am Ende der 57 Minuten lässt sich sagen, dass LCN’s Debütalbum wohl kaum einen Platz im Plattenregal meines Kopfes finden wird.  Dafür ist alles zu altbacken, klingt alles schon gehört. Ein Everlast sollte besser seinen Blues singen und Ill Bill sollte seine Freunde von Non Phixion dazu zwingen, ein neues Album zu machen. Das T-Shirt behalte ich aber trotzdem.

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