Nikki Ntu – A History Of Dreams

Es ist mir wirklich eine kleine Ehre zuteil gekommen, als ich darum gebeten wurde, Nikki Ntu’s sechs Tracks lange, wunderschöne von Melo-X produzierte EP "A History of Dreams" vorzustellen. Sechs Tracks geballt mit solidem Emceeing, das stimmlich stark an Lady Bug Mek von den Digable Planets erinnert.

Gesonnt und gereift in Brooklyn, New York, das Zuhause unzähliger legendärer Rapper, stellte Nikki Ntu, auf Melo’s Mixtape "Mustafa’s Renaissance“ gemeinsam mit Theophilus London, ihre kreativ komplexe musikalische Umsetzung lyrischer Skillz unter Beweis. Somit freut es mich um so mehr, in dieser Ära des scheinbar annähernden Frauen-Raps, eine so begabte und bissige Reflektion der neuen Generation Rap aus Brooklyn zu hören.

Die auserwählten Beats auf dieser EP erinnern stark an ein gruseliges Hörspiel mit spannenden Geschichten, die Nikki perfekt zu erzählen weiß. Bereits der erste Track "An Aura Of Ezili“ lockt in einen unheimlich spukhaft vernebelten Wald, indem man sich Nikki in einem im Nachtwind wehenden weißen Gewand vorstellt, wie sie über dem Boden schwebend auf Zuhörer wartet. 

Doch schon auf dem zweiten Track "Giant“ beruhigen sich die Gemüter wieder und Nikki’s Rap geht geschmeidig über einen simplen Boom Bap Beat, der nach und nach sehr nice an Energie gewinnt und Ms. Ntu steigt ohne jegliche Schwierigkeit jede Stufe mit auf Man muss schon zugeben, dass ihr Stil sich mit Sicherheit in Poetry-Spots entwickelt hat, denn sie ist eine Künstlerin des Geschichtenerzählens in reimenden Versen. Denkt man zurück an Roxanne Shanté, an die ich an dieser Stelle auch denken muss, muss man zugeben, dass sie auch Geschichten erzählt hat auf Beats der damaligen Zeit. Flow stand nicht im Vordergrund. Es ging um den Inhalt und darum sich durchzusetzen und die perfekte Mischung präsentiert Nikki. Ihre Stimme ist zart und sanft und doch so eindringlich, dass ich meine behaupten zu können, sie zischt manche Zeilen durch gefletschte Zähne und verbreitet eine unfassbar mitreißende Energie. 

Auf "Darshan“ bangt der Beat und die Flaschen klirren, es erinnert an eine junge mellow Foxy Brown auf "Rock The Bells" und man will gar nicht loslassen von Sommervisionen über New-Yorker-Corona-Rooftop-Sessions wenn man diese Frau hört. Man fragt sich bloß, woher kommen diese Kids und ihr unfassbar kreatives Umfeld? Wieso sind sie alle unter 25 und haben so eine genaue Vorstellung darüber, wie ihre Musik klingen soll und woher diese Macht zu bestimmen, dass der Sound so auch in Zukunft sein wird. Allerspätestens "Birth Of Venus“ ist der Beweis für ihre Liebe zu dem was sie macht, was die Menschen vor ihr für ihre Sache geleistet haben und letztlich ihre musikalische Liebeserklärung dazu, wie wichtig ihr der Sound der Zukunft ist. 

Groß auf Lyrik bedacht, wurden wie bereits erwähnt, die Beats minimalistisch gehalten um Nikkis Stimme und ihre herausragenden Storys, großen Ausdruck zu verleihen. Und selbst wenn das nicht die Absicht war, so war dies mit Sicherheit der Effekt. Nikki hat gemeinsam mit MeLo die Weichen für den neuen heißen Scheiß gelegt. 

Ein absolutes Must-Hear.
 

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