Tech N9ne klaut Künstler

Es ist ein Move, der eher an das Gebaren in der Fußballwelt erinnert, etwa wenn Verein A einen Spieler mit seinem Trikot ablichten lässt, obwohl er noch Verein B gehört. Tech N9ne hat nun etwas ganz ähnliches gemacht und einem anderen Label mehr oder weniger den Künstler geklaut – weswegen er nun auf 25.000 Dollar Schadensersatz verklagt wird.Aber der Reihe nach. Im Winter 2010 hatte Tech einen vielversprechenden jungen Rapper namens Bizzy kennen gelernt und wollte mit diesem gleich ein paar Songs für Techs Independent-Label Strange Music aufnehmen. Das Problem dabei war nur: Bizzy stand bereits bei einer anderen Firma namens Klosed Kustody unter Vertrag – was Tech auch gewusst habe, nachdem ihm der Künstler von Klosed Kustody selbst vorgestellt worden sei, so die Anklageschrift.

Tech ließ sich von solch profanen Dingen jedoch nicht stören und nahm mit Bizzy einige Features auf, unter anderem für das Album „Collabos: The Gates Mixed Plate“. Das wäre vermutlich kein großes Problem gewesen, hätte er zuvor bei Klosed Kustody Records nachgefragt, die die exklusiven Verlagsrechte für Bizzy besitzen. Das soll der 39-Jährige aber nicht getan haben. Tech N9nes einflussreiches Strange-Music-Label habe seinen Namen und seine Position genutzt, um einen Künstler zur Verletzung seines Vertrags zu bewegen, heißt es in der Anklage.

Die Geschichte von Strange Music ist tatsächlich eine der größten Erfolgsstories im Indie-HipHop. Seit der Gründung im Jahr 1999 konnte die Firma weltweit über 1,5 Millionen CD’s, Schallplatten und Mixtapes absetzen. Neben den 25.000 Dollar Schadensersatz fordert Klosed Kustody auch, dass alle Strange-Music-Releases vom Markt zurückgezogen werden, auf denen Bizzy vertreten ist.

Ärger hat momentan auch Lupe Fiasco, und zwar mit seinem neuen Album „Lasers“, das diesen Freitag erscheinen wird. Das ist nämlich Anfang der Woche als Bootleg im Netz gelandet, und die ersten Reaktionen von Kritikern aus der Blogosphäre waren eher entmutigend. Die vielen negativen Reaktionen seien vernichtend für ihn, schrieb der 29-Jährige auf Twitter: „I never thought Lasers would inspire so much negativity. Reading the comments and reactions is crushing.“

Doch Lupe kann seine Kritiker sogar verstehen, denn einem Interview mit complex.com zufolge sei er selbst kein großer Fan von seinem eigenen Album. Gute Publicity geht definitiv anders. Atlantic Records habe ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und ihm damit gedroht, das Album nicht zu releasen, sollte der Rapper keine radiotauglicheren Songs aufnehmen, beschwerte sich Lupe. „I listen to it and I’ll like some of the songs. But when I think about what it took to actually get the record together and everything that I went through on this record—which is something I can’t separate—I hate this album”, erklärte er.

Verständlich, dass der Rapper aus Chicago frustriert ist und mit dem Musikgeschäft nichts mehr am Hut haben möchte. Als Lupe in einem Interview mit dem Radiosender Hot 97 gefragt wurde, wo er sich selbst in fünf Jahren sehe, antwortete er, dass er bis dahin hoffentlich aus seinem Vertrag mit Atlantic raus sei und eventuell sogar das Land verlassen möchte. „Hopefully I’ll be out of my traditional record deal, the record deal I’m in right now. Probably living in Africa somewhere, making rock music“, so Lupe.
“The Show Goes On”, die erste Single aus „Lasers“, hat derweil in den USA übrigens über 100.000 Einheiten verkauft und ist somit Gold gegangen. Doch Lupe ist das egal. Laut eigener Aussage hatte er mit dem Song überhaupt nichts zu tun: „I had to do it and it had to be the first single if the record was going to come out.”

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