Kevin Rudolf – In The City

"Everyday I’m a star in the city, walk the streets like a wanted man / all the time got my shine looking pretty, motherfuckers all know who I am“ singt Kevin Rudolf auf “In The City”, dem Track, der sein gleichnamiges Album einleitet. Damit mag der Mann, der in der Vergangenheit bereits mit Größen wie Justin Timberlake und Nelly Furtado zusammenarbeitete, spätestens seit seiner Kollabo mit Lil Wayne durchaus Recht haben. Der Track "Let It Rock“ schaffte es nicht nur in den US-amerikanischen Charts bis auf Platz Fünf zu klettern, er wird auch im Rahmen des World Wrestling Entertainment Royal Rumbles als Titelsong gespielt. Der Künstler selbst wurde in New York geboren, lebt aktuell allerdings in Miami und begann im Alter von elf Jahren damit, Gitarre zu spielen. So. Das waren die harten Fakten.

Eigentlich wollte ich diese Review hier schon viel früher schreiben. Ganz eigentlich hatte ich das Album sogar schon vor mehreren Wochen gehört – beim Putzen. Leider war es mir aber absolut unmöglich, zwei Tage später eine schriftlich festgehaltene Meinung dazu abgegeben, weil ich mich einfach an rein gar nichts mehr erinnern konnte. Kevin Rudolf macht Radio-Mucke im besten Sinne: Leicht zu konsumieren, weit davon entfernt, auch nur im Ansatz zu polarisieren und mit derart weichgespülten Rap und Rock-Elementen versehen, dass sich der Hörer, egal welcher Musikrichtung zugewandt, unmöglich daran stören kann.  Selbst die Parts der nicht gerade unspektakulären Featuregäste Lil Wayne, Rick Ross und Nas (!) fügen sich derart homogen in den leichtbekömmlichen Musikbrei ein, dass ich "N.Y.C.“ zweimal hören musste, bis ich den Nasir Jones Part entdeckt habe.

Man wird geradezu gezwungen, sich berieseln zu lassen und nicht richtig hinzuhören. Schlechte Musik wird einem auf "In The City“ keinesfalls geboten, aber gefordert wird man hier als Hörer zu keiner Zeit. Wer ist dieser Kevin Rudolf, der als erster Rockartist ein Album über das Südstaaten-Label Cash Money Records veröffentlicht? Was denkt er, was berührt ihn, was macht sein Leben aus? Man erfährt es nicht. Offensichtlich kann er sich aber für "Coffee And Donuts“ begeistern, dass entnehme ich zumindest dem partiell eingestreuten "Wuuuuh, Wuuuuh!“.  Es tut mir wirklich Leid, aber bei jedem einzelnen Lied, mag es jetzt "Livin’ It Up“, "Welcome To The World“ (übrigens der Track mit Rick Ross) oder "Gimme A Sign“ heißen, vermittelt sich der Eindruck, man würde eine lediglich minimal geänderte Version von "Let It Rock“ zu hören bekommen.

Man muss dem 25-Jährigen eines zugute halten: Jeden einzelnen der 12 Songs hat er selbst geschrieben, gesungen und produziert. Nur bei  "She Can Get It“ hatte Chad Hugo von den Neptunes seine Finger mit ihm Spiel, was man allerdings… nicht hört. Dieses Album ist ein Stück wie aus einem Guss, ein Lied samt Variationen auf Longplayer-Länge, ideal für den Wochenendausflug mit Freunden im Auto. Dann nämlich, wenn man sich nebenbei unterhält, lacht, diskutiert und irgendetwas braucht, was im Hintergrund läuft, sollte es mal zu plötzlichen Gesprächspausen kommen. Ich wünsche Kevin und seiner Gitarre alles Gute, aber wenn er als Solokünstler nicht im Plastik-Sumpf des austauschbaren Mainstream-Pop mit vereinzelten Rock- und Hip Hop Ambitionen verschwinden möchte, muss da noch erheblich mehr kommen.

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