The Functionist – Coalitions Part One

Ich zu meiner Schwester: "Guck mal, der Track, überkrass“. Sie: "Mhm, cool“. Sie, zwei Wochen später: "Ey, Xaver, du hattest Recht, das Lied ist ja so was von geil!“ – Seitdem hat sie es als Klingelton. Was ich meine: Es gibt Tracks, Alben, meinetwegen auch Filme, die einem wärmstens ans Herz gelegt werden, man sie sich aber trotzdem nicht anhört beziehungsweise darauf hängen bleibt. Einfach weil man den Künstler bis dato nicht kannte und er deswegen nicht interessiert. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, es wird sich mit "Coalitions Part One“ von The Functionist genauso verhalten. Um mal dem Schluss vorauszugreifen, es ist ein weitgehend großartiges Album. Aber wer wird es sich nach dieser Review anhören? Kaufen? Und wer es einfach vergessen und beim Altbewährten und -bekannten bleiben? Erwischt.

Ganz ehrlich: ich würde wahrscheinlich zur zweiten Gruppe gehören, wäre ich nicht aufgrund dieser Review dazu gezwungen worden, mir die zwölf Tracks anzuhören. Wurde ich aber. Und das ist gut. Der Functionist hat mit "Coalitions Part One“ ein Album hingerotzt, dass vor Ungezwungenheit und I don’t care-Attitüde nur so trieft. Statt eine durchgeplante und für ihn vermutlich vorhersehbare Platte in den eigenen vier Wänden zu recorden, hat sich der österreichische Produzent und DJ auf ein Experiment eingelassen: Eine mehrmonatige Reise durch die U.S.A. und Kanada, um mit lokalen Untergrundkünstlern Songs recorden. Und so klingt das auch. Eine Platte, aufgenommen in Hotelzimmern und Bedroom-Studios, zwischen Parties, fremden Sofas und Flughafentoiletten.

Tracks wie das mit leichter Melancholie dahinschwebende "Dark Conversation“ featuring Joseph Malik lassen im Kopf sofort so ein Standardvideo ablaufen: Startende Flugzeuge, Sonnenaufgänge, dahinziehende Wolken… Ungebundenheit (ein Track über One-Night-Stands übrigens). Der Sound zur Globalisierung. Weltmusik. "Coalitions“ klingt nicht nach dem Sound einer Gegend, "Coalitions“ klingt auch nicht nach Tanzen zu Baile Funk, Kuduro und französischem House in einem Club in Baltimore-Weltmusik. "Coalitions“ ist Soul, ist Rap, ist elektronisch, ist mal politisch wie bei "Beware“ mit Boogieman Ghost und mal gute Laune Rumspring-Ish wie bei "Replay“ mit dem souverän flowenden Goodvibe. Trotz der vielen unterschiedlichen Künstler (Ronin Ali, Toni Blackman, LMNO, Aceyalone und andere) gelingt es dem Österreicher ein in sich geschlossenes Werk abzuliefern, dessen Basis selbstredend dieser 90 bpm Bumm-Tschack Soulsample-Sound bildet.

Dennoch sagen die verspielten Instrumentals immer mal wieder Hallo zu elektronisch wummernden Basslines ("Doin’ My Job“ mit Aceyalone) oder melancholisch souligem Gesang ("Right There“ mit Ronin Ali; "To The Bone“ mit Mani Obeya). Ich mein, das ist kein auf die Fresse Rap Album. Was man sich nach dem tausendsten Mal hören vielleicht wünschen mag. Wenn, dann ist das doch eher Lounge Musik. Zurückgelehnt halt. Ein bisschen melancholisch. Und, um auf den Anfang zurückzukommen und den Spaß hier abzuschließen: Man checke es out, bitte.

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