People Under The Stairs – Fun DMC

Diese Review kommt, freundlich ausgedrückt, nicht so ganz pünktlich. Nicht so ganz pünktlich heißt "Fun DMC“ von den wunderschönen People Under The Stairs erschien bereits am 26. September des letzten Jahres. Aber das ist egal. Denn, ebenfalls freundlich ausgedrückt, diese Musik ist zeitlos. Und zeitlos heißt in diesem Fall, keiner würde stutzig werden, würde auf dem Cover `96 stehen. Oder 2012.  Wer sie kennt weiß, die PUTS sind einfach mal ganz dolle auf diesem Neunziger-Film hängengelieben. Das ist nicht negativ gemeint – man wird Thes One und Double K wahrscheinlich nicht demnächst mit irgendeinem Autotune-Effekt auf irgendeinem Beat  irgendeines Plastikproduzenten erwischen. Das ist gut. Das ist konsequent. Und ja, so reflexartig sich einem dabei auch die Nackenhaare aufstellen mögen, that’s keepin’ it real. Yo. Warum Nackenhaare aufstellen? Jedes mal, höre ich von irgendwem, der jetzt den Neunziger Sound zurück bringen will, bin ich versucht zu sagen: "Ey! Neunziger waren Neunziger, Jetzt ist Jetzt. Neunziger hat man Musik gemacht die nach Neunzigern klang und was macht man jetzt? Genau.“

Aber: Es macht ja trotzdem Spaß, gerade auch "Fun DMC“, das mittlerweile sechste Album der beiden L.A. Kids. Also wird die Skepsis vorerst beiseite geschoben und mit den Beiden der Happy-Hip-Hop-Hooray-tanz-den-Positivity-Dance-Film geschoben. Und der schmeckt nach Party im Park, nach nachts noch im T-Shirt draußen sein, nach gekühltem Flaschenbier, nach diesem süßen Mädchen, dem du deine Jacke anbietest, nach scheiß Mücken, nach "Will jemand noch ein Würstchen?’, nach "Kommt mal auch noch, hier sind alle’" nach "Guck mal, die Sonne geht schon auf, lass mal zum Tegeler See baden fahren!" – Nach Frieden.

Inhaltlich geht es um nicht viel mehr als Partys, Barbecues und darum, den alltäglichen Hustle einfach mal draußen vor dem Gartentor zu lassen. "I drink, I smoke, I act a damn fool / (…) bring my own music, throw the homie in the pool“ -das ist die Basis. Klar, es gibt auch Tracks wie "Baby“, in dem es um eine Schwangerschaft a la "Mr. Portugal? Mrs. Portugal? I have good news – you’re expectig a brandnew baby! …daaamn!“ geht. Doch so ernst dieses Thema auch sein mag, über die gesamte Albumlänge herrscht stets die angesprochene "Das Glas ist halbvoll“-Mentalität vor. Und um dieses Lebensgefühl nicht nur zu beschreiben, sondern auch noch auf eine andere Art und Weise einzufangen, wurden große Teile des Albums live auf den verschiedensten Gartenpartys ihrer Heimatstadt recordet. Thes One dazu: “We wanted to get the ambience of the dudes playing dominoes, the meat sizzling on the grill, the planes flying by (…) Instead of making a record about Saturday, let’s actually go out and record Saturday”. Gute Idee. Funktioniert.

Musikalisch bewegt sich "Fun DMC“ – gedacht als eine Reminiszenz an Run DMC (wer hätte das gedacht) und die Ära des Partyraps – auf gewohnt hohem Niveau. Will heißen, samplebasiert, Voicescratches, funky Breakloops, die auch live funktionieren dürften – wer irgendwo mal auch nur einen Track der PUTS gehört hat kann sich ganz gut vorstellen was ihn erwartet, denke ich. Ok: die Instrumentals? Fresh. Rappen? Können sie, klar. Konzept? Vorhanden, gut umgesetzt. Warum zum Teufel gebe ich ihnen dann nicht die Höchstwertung? Warum ergeben diese zwanzig Tracks keinen Klassiker? Weil von diesem Friede, Freude, Eierkuchen-Konzept nichts hängenbleibt. Keine Fragen. Keine Verwirrung. Einfach irgendwie nix. Schieb die CD rein, hab `ne gute Zeit, mach Party. Aber wenn die CD wieder aus ist erinnerst du dich an nichts davon.

Ich möchte so nicht zitiert werden, aber, sehr überspitzt ausgedrückt, die Ästhetik von "Fun DMC“ übertrieben ins Unendliche wäre Fahrstuhlmusik. Das mag härter klingen als es gemeint ist. Denn, um es mit einem Wort auszudrücken, dieses Album ist solide. Und solide bedeutet bei den PUTS nun mal eine sehr hohe Qualität. Sicher, "Fun DMC“ ist nicht innovativ, hier werden keine neuen Wege beschritten, es ist voraussehbar. Aber, ganz ehrlich: Na und? Ich feier die Platte trotzdem.

 

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