Pitbull

Auch wenn zwei Stunden Wartezeit in der totlangweiligen Lobby des Schweizer Hofs, angereichert von enervierenden Businessanekdoten eines anderen Interviewteams mit ausgetretenen Schuhen einem nicht gerade ein Lächeln auf die Lippen zaubert, so hat das interessante Gespräch mit dem überraschend charmanten, amerikanischen Kubaner und Rapper Pitbull am Ende doch wieder alle Anspannungen aufgelockert. Mit Humor, bildhaften Anekdoten und frechen Kommentaren, führt Pitbull Dir vor Augen, warum Party-Musik, wie die aktuelle Single "Calle Ocho", durch seine Adern fließt. Welche Rolle die Calle Ocho für die Latinos spielt und warum die Haitianer die neuen Kubaner sind erklärt Euch Mr. 305 hier im Interview.

rap.de: Ich hasse es zweite zu sein. Ich bin eine stolze Person und wenn ich nicht das Beste kriege, dann will ich am liebsten gar nichts. Jetzt muss ich dir Fragen stellen, die du vielleicht ein paar Minuten vorher schon gehört hast. Gibt es Fragen, die dir ständig gestellt werden?

Pitbull: Ich bin nicht schnell genervt, also eigentlich nicht. Ich bin nicht der typische Künstler, mit Allüren und so, davon halte ich nichts. Ich bin hier um zu arbeiten und du kannst fragen, was du willst.

rap.de: Man muss ja kein Künstler sein um von Fragen genervt zu sein. Mich nervt es auch sehr, wenn Menschen mir hundert mal die gleiche Frage stellen. Oder wenn ich zwei Stunden auf meinen Interview Partner warten muss.

Pitbull: Dann bist du ungeduldig, das ist was anderes. Ungeduldig bin ich auch. Also rumsitzen und warten ist nicht so mein Ding. Da kann ich dich vollkommen nachvollziehen.
Mich zu nerven ist jedoch wirklich schwer. Also wenn du mich nervst, dann musst du ein echt verdammt nerviger Mensch sein.

rap.de: Gut. Dann weiß ich bescheid. (lacht) Kommen wir zum eigentlichen Thema. Ich habe mir natürlich deine aktuelle Single „Calle Ocho“ angehört, das erinnert mich sehr an karibische Karnevalsmusik. Wie kommt es, dass du so eine House lastige Single gemacht hast und was ist deine Beziehung zu House/Club-Musik?

Pitbull: Clubs, nun ja, wenn du aus Miami bist, dann treibst du dich viel in den Clubs rum und in denen läuft viel Dance-Musik. Zu House-Musik habe ich eher keine Bindung, außer dass überall auf der Welt die Menschen drauf abgehen und die Reaktion so gewaltig ist, dass man einfach mit ausflippen muss. "Calle Ocho“ hat einen Riddim der sich 75 Brazil Street nennt. Als ich den gehört habe, dachte ich: "wow!“
Die Firmen schickten mir den Beat zu, weil ich schon "The Anthem“ und ein paar andere Sachen gemacht habe und sie von mir den Remix zu Calle Ocho wollten, aber nachdem eine Strophe drauf war, wollte ich mehr und so habe ich eben einen ganzen Track draus gemacht.

rap.de: Und warum der Titel Calle Ocho?

Pitbull: Na, der Riddim ist 75 Brazil Street und Calle Ocho hat den größten Karneval in Miami. Das ist nach Brasilien einer der größten der Welt.  Beim Notting Hill Karneval in London war ich noch nie, aber der soll ja auch groß sein. Wie du schon sagtest, ist der Track ein Karneval-Party-Song, daher der Titel.

rap.de: Welche Bedeutung hat die Calle Ocho für die Latinos und Latinas in Miami?

Pitbull: Genau das. Zum einen steht Calle Ocho für gute Vibes, gute Stimmung, eine gute Zeit, positive Energie. Dann steht die Calle Ocho für Einheit, denn dort leben Menschen aus allen Ländern der Karibik zusammen und sie repräsentieren ihr Land mit ihren Flaggen, alle kommen mit einander klar. Sie lernen die Kulturen der anderen kennen, sie akzeptieren sie, obwohl viele nicht wissen, was die anderen manchmal meinen, denn sie reden anders, sie benutzen andere Worte, sie haben einen anderen Einfluss. Ich bin Amerikaner kubanischer Abstammung, ein Cuban-American. Wir essen anders als die Dominikaner oder Puerto Ricaner. Ich würde sagen die Calle Ocho, ist ein Crash-Kurs in Latein-Amerikanischer Kultur.

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