EPMD – We Mean Business

Man wünscht sich ja immer irgendwie die alten Zeiten zurück. Früher war alles besser, früher war Hip Hop noch nicht Kommerz und tot, früher waren wir aber vielleicht auch andere Menschen und rückblickend sieht man die Dinge ja sowieso immer in warmen Farben. Deshalb ist die Freude ja auch immer so wahnsinnig groß, wenn ein Künstler ankündigt, wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurück zu kehren und trotzdem: das Endprodukt bleibt ein anderes. EPMD aka Eric Sermon und Parish Smith waren für mich immer eine der Gruppen, die Hip Hop symbolisiert haben. Die fleischgewordene Kultur sozusagen. Dementsprechend euphorisiert wartete ich auch auf das neue Album "We Mean Business“ und wurde tatsächlich nicht enttäuscht. Das ist so ein typischer und ätzender 0815-Review Satz und eigentlich finde ich derartige Rhetorik richtig, richtig eklig, aber es lässt sich nicht anders sagen. Diese CD ist großartig.

Schon der erste Track "Puttin’ Work In“, mit dem Wu-Tang-Mitglied Raekwon, versetzt einen gefühlt wie gehört in die Golden Era zurück und mehrmals möchte man sich vergewissern, dass das Gehörte wirklich aus dem Jahre 2008 stammt. Aus der jetzigen Zeit, in der sich einem zumeist der Eindruck vermittelt, dass es zwischen bemühtem Gangstertum und drogenschwangerem Club-Shit nicht mehr sonderlich viele Alternativen gibt, offenbart sich einem hier die Oase, in der  so oft angeprangerten, allgemeinen Whackness-Wüste? Ich wage zu behaupten: ja. Auch die nachfolgenden Lieder "What You Talkin’“ mit Havoc von Mobb Deep, sowie "Roc-Da-Spot“ und "Blow“, die ebenso wie "Bac Stabbers“ und "Jane“ problemlos ohne Featuregast auskommen, reihen sich in die allgemeine Hip Hop-technische Herrlichkeit mit ein.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir es hier mit einem absolut runden Album zu tun haben, das sich problemlos von vorne bis hinten durchhören lässt. Manchmal fehlen vielleicht die Akzente, die den einzelnen Song von den 12 anderen massiv unterscheiden würde, trotzdem klingt "We Mean Business“ zu keiner Zeit eintönig. Natürlich sind EPMD ihrem Sound mehr oder minder treu geblieben, aber während so etwas beim ein oder anderen Rapper bedeutet, über Jahre hinweg offenkundig inspirationslos vor sich hinzudümpeln, gerät es hierbei eher zu einer Art freudigem Wiedersehen. So zum Beispiel die, aus dem älteren Song "Da Joint“ entnommene Textzeile "EPMD, it’s a world premier“, die für das bereits erwähnte "Blow“ recyclet wurde. Die lange nicht mehr gesehene Mutter Hip Hop breitet ihre Arme aus und drückt einen an den warmen, Geborgenheit bietenden Busen. Man möchte die Augen schließen und sich in die frühen Jahre der eigenen Jugend zurück denken.

Nicht zuletzt, da auch die Liste der geladenen Gastrapper sich wie ein Who Is Who der amerikanischen Rapszene liest. Egal ob Redman ("Yo“), KRS-One ("Run It“), Method Man ("Never Defeat `Em”) oder die schon erwähnten Raekwon und Havoc: von Lustlosigkeit seitens der Hochkaräter des US-Rap fehlt jegliche Spur. Natürlich ist diese Diskussion darum, was denn jetzt eigentlich Hip Hop sei und was nicht, absolut leidig und schwachsinnig. Jedoch wage ich zu behaupten, dass das hier Hip Hop in seiner reinsten Form ist. Ein absoluter Kauftipp von absoluten Legenden unserer Lieblingsmusikrichtung. Vielleicht bin ich auf einem Film von vor zehn Jahren hängengeblieben, vielleicht sollte man immer und von jedem Künstler eine musikalische Weiterentwicklung erwarten, aaaaaaber: Das ist mir in diesem Moment egal. Mir fehlen die Worte, ich bin begeistert. Ich finde das alles wahnsinnig super und dazu stehe ich auch. Yo!
 

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