VA – Aggro Anti Ansage 8

In Zeiten der sinkenden Verkaufszahlen und, ja, auch des abnehmenden Aggro Berlin-Hypes, stellt sich für Künstler, Labelbetreiber und Mitarbeiter logischerweise die Frage, wie man aus dem Tal der Tränen wieder entrinnen kann. Einfach weiter machen wie bisher, bloß nix an der bewährten Rezeptur ändern und hoffen, dass sich der Erfolg von allein wieder einstellt? Oder lieber eine neue Strategie ausprobieren, auf Risiko gehen und sehen, was passiert? Bei Aggro Berlin hat man sich allem Anschein nach für Ersteres entschieden.

Für die Instrumentals, größtenteils zusammengeschustert von den üblichen Verdächtigen wie Tai Jason, Flashgordon, Paul NZA, Djorkaeff und Beatzarre, heißt das, dass sie zwar handwerklich gut bis sehr gut sind, aber mittlerweile auch irgendwie anfangen zu langweilen. Mal im Ernst, hier könnten sich die Kollegen langsam mal etwas neues einfallen lassen, denn ein Großteil der Beats hätte in dieser oder ähnlicher Form auch auf der "Ansage 5" oder "Ich" sein können. Wer das nicht glaubt, der vergleiche mal bitte den Beat von "Anti Ansage" mit dem knapp zwei Jahre alten "Bergab" von Sido, bei denen das Grundgerüst wie ein Ei dem anderen gleicht. Ein paar Produktionen stechen aber dennoch positiv heraus, wie das bereits bekannte Scooter-Feature "Beweg Dein Arsch", das synthetische "Aggro Berlin Ding" oder das rockige "Du Bist Scheisse" mit genialem Break vor der Hook.

Auch textlich – das sollte man aber nicht wirklich anders erwarten – gibt es wieder keine nennenswerten Neuheiten. Die obligatorischen Possecuts, Solotracks und "jeder mal mit jedem"-Songs sind mal Battle, mal Gangster, mal Anti-Polizei, mal Sex, mal Representing und mal Party. Auffällig aber, dass rein raptechnisch die alte Garde, bestehend aus Sido, B-Tight und Fler eindeutig das Zepter in der Hand hält, vor allem unser "Flizzo" macht diesmal, vor allem in seinem Solo "Leute Reden“, eine sehr gute Figur. Ich muss gestehen, ich weiß nicht, wann ich ihn das letzte mal so eindringlich, wütend und gleichermaßen überzeugend in einem Song erlebt habe. Großartig. Sehr gut natürlich auch Sido in dem bereits erwähntem "Du Bist Scheiße", quasi so etwas wie das eigene "Heavy Metal Payback" Richtung ersguterjunge, Olli Pocher, Harald Schmidt und Karel Gott. Den Vogel schießt aber B-Tight in "Sexy" ab und das, meine Damen und Herren, ist wirklich ganz großes Kino. An alle Dipsetfans und pseudo-arroganten Rapper: Hört euch dieses Lied an, dann wisst ihr, wie "von oben herab" wirklich klingen muss. In einem lässigen Flow trägt B-Tight quasi völlig entspannt, fast schon gelangweilt folgende Zeilen vor:

   „Frisch aus der Dusche.. huh
    Aftershave an den Sack, ‚Alaska‚ von Axe
    Nackt find ich geil, aber Zeit für ne Boxer
    Tommy Hilfiger – die sitzen locker
    Ich guck in die Garderobe.. mh, da hängt nur die feinste Mode
    Das kostet ein Haufen Kohle, drauf geschissen, ich bleib oben ohne“

Das klingt, wenn man es so liest, vielleicht wenig spektakulär ,darum sollte man es sich am besten einfach anhören und "fühlen".

Ansonsten tut sich nicht viel in den ganzen 82 Minuten Spielzeit, aber so ist des eben bei Samplern. Ein Großteil der Titel sind anhörbar, plätschern aber auch öfters mal einfach nur vorbei. Kitty Kat, im Vorfeld groß angekündigt, gibt sich Mühe, sich wahlweise als starke Frau oder Partymäuschen zu präsentieren, fällt aber eigentlich nicht weiter auf. Godsilla ist leider nicht mehr als schmückendes Beiwerk an der Seite von Fler, Tony D hingegen… bleibt Geschmackssache. Ihm muss man aber anerkennen, dass er seine Dauerbrüllerei streckenweise mal ablegt und somit anhörbarer ist, als noch vor ein, zwei Jahren. Nichtsdestotrotz, eine Handvoll guter Songs sind bei einer Gesamtzahl von 23 Stück ein bisschen wenig und somit ist das hier alles in allem  eine  eher durchwachsene Angelegenheit.

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