Far Cry 2 – Safari ohne Tiere…

Vier Jahre ist es her, dass Ubisoft mit Far Cry eine Art Revolution des Ego-Shooter-Genres begründete. Nun steht der zweite Teil auf der Matte. Ob dieser auch wieder die hohen Erwartungen betsätigt? – Wir werden sehen. Aber eines schon mal vorweg, an diesem Spiel können sich wieder einige Entwicklerfirmen ne Scheibe abschneiden!

Mit Malaria durch Afrika

Zum Anfang des Spiels sucht ihr euch einen Charakter, mit dem ihr die Story erlebt. Dabei handelt es sich um eine handvoll Söldner aus verschiedenen Nationen, mit unterschiedlichen Qualifikationen. Die Hauptgeschichte des Shooters dreht sich um einen vermeintlich simplen Auftrag: Bringt den Waffenhändler „Schakal“ zur Strecke. Dieser beliefert zwei Fronten in einem fiktiven afrikanischen Staat und ist somit Mitinitiator des dortigen Bürgerkrieges.

 

In Afrika angekommen werdet ihr erstmal vom Flughafen abgeholt und zum nächst größeren Dorf gefahren, wobei ihr euch schon mal ein bisschen mit der Umgebung vertraut machen könnt. Sobald ihr am Ziel seid, überschlagen sich auch schon die Ereignisse. Nicht nur, dass ihr plötzlich umfallt und später merkt, dass ihr an Malaria erkrankt seid und von nun an Medikamente nehmen müsst, außerdem wacht ihr mitten in einem Feuergefecht auf und müsst euch in Sicherheit bringen. Von nun an seid ihr immer daran gebunden, für Untergrundorganisationen zu arbeiten, um euch so eure Medikamente zu verdienen. Nur mit diesen ist es möglich, sich als Söldner durch die einzelnen Aufträge zu schlagen und zu schießen.

Ein Glück gibt es in der Steppe keine Staus

Um euch nach und nach bessere Waffen, Ausrüstung und Kenntnisse anzueignen, müsst ihr so viele Aufträge wie möglich absolvieren, wobei ihr bei den Hauptauftraggebern, also den beiden Fraktionen, die für den Bürgerkrieg verantwortlich sind, am besten bezahlt werdet. Die gängige Währung sind Diamanten. Diese kann man auch dank eines diamantenkoffersuchenden Navigationsgeräts oft einfach in der Wildnis verstreut finden.

Ausgeben könnt ihr diese in den örtlichen Waffenläden. Dort bekommt ihr Waffen, Waffenupgrades, Ausrüstungsgegenstände sowie Kenntnisse, die zum Beispiel für die Reparatur von Vehikel notwendig sind. Umso zuverlässiger eure Ausrüstung ist, umso sicherer kommt ihr auch durchs Land, womit wir zum größten Problem bei Far Cry 2 kommen: Die unglaubliche Größe der Landschaft und die damit verbunden Wege zu Missionszielen.

Oft vergehen mehr als 15 Minuten, um vom Auftraggeber zum Auftragsziel zu gelangen. Mal davon abgesehen, dass man es, durch die vielen Straßenwachposten, die ALLE auf einen schießen, manchmal nicht schafft, lebendig anzukommen. Man hat hier den Begriff „Open World Game“ a lá GTA einfach zu genau genommen und muss nun die Hälfte des Spieles in der Gegend rumgurken, ob mit dem auto oder einem Boot. Auch die Bushaltestellen kürzen die Sache nicht ab, weil es einfach viel zu wenige gibt.

 

Immerhin lernt man so nach und nach Afrika kennen und bemerkt, dass dort kaum noch Tiere leben. Mal sieht man vereinzelt ein paar Zebras oder Antilopen, aber insgesamt hätte ich mir eine größere Tiervegetation gewünscht.
Die Hauptmissionen sind knifflig und abwechslungsreich, wobei die Nebenmissionen, die man bei Waffenläden annehmen kann, eher austauschbar sind. Oft stehen euch Freunde im Gefecht zur Seite, die euch sowohl retten, wenn ihr angeschossen seid, als euch auch Deckung geben und während der ganzen Story Nebenmissionen anbieten.
Die Missionen sind tatsächlich nicht einfach, weil die KI teilweise echt raffiniert agiert. So wird man umzingelt und oft genug versucht man euch zu überfahren. Die meisten Gegner scheinen eine gute Ausbildung an der Waffe gehabt zu haben, da sie sehr oft, fast schon unfair, genau treffen und das sogar Nachts.

Tage wie dieser

In Sachen Tag – Nachtwechsel und dem nahtlosen Wetterverlauf zwischen Sonne, Regen und Wind setzt Far Cry neue Standards. Es ist ein regelrechter Genuss zuzusehen, wie die Sonne auf und unter geht und wie sie nach dem Regen erstrahlt. Außerdem bekommt man ab und an das Privileg, den Sonnenlicht- und Schattenverlauf zu beobachten, wenn man sich in einem Unterschlupf schlafen legt und in Zeitraffer der Tag an einem vorbei zieht. Ein Far Cry Tag ist sehr lang, da empfiehlt es sich, wenn es dunkel wird sich bis zum nächsten Morgen die Uhr zu stellen, da im Dunkeln nicht gut Munkeln ist. Man sieht wenig und wird so, oft genug von Gegnern überrascht.

Die Schönheit Afrikas

Far Cry überzeugt durch eine sehr gelungene Grafik. Die Landschaften sind sehr detailgetreu gestaltet. Trotz der großen Map hat man keine Zwischenladezeiten. Die Vegetation ist sehr interaktiv. Gras und Bäume bewegen sich durch den Wind, wenn man darüber läuft oder einfach nur gegen fährt. Sehr schön anzusehen sind auch Brände. So kann man mit einem gezielten Molotowcocktail ein ganzes Lager abbrennen lassen und zusehen wie Häuser, Bäume, Autos oder Gras nach und nach verkokeln. Noch viel beeindruckender als die Grafik ist der sehr realistische Sound. Macht man die Augen zu, bekommt man fast Angst. Die Umgebungsgeräusche, gepaart mit den sehr detailreichen und vor allem unterschiedlichen Bewegungs- und Waffensounds, schaffen eine sehr intensive Atmosphäre. Die Sprachausgabe ist auch gut umgesetzt und enthält so gut wie keine Übersetzungs- oder Sinnfehler. Manchmal ist es auch einfach nur spaßig, sich zu verstecken und zuzuhören, worüber sich deine nächsten potentiellen Opfer gerade so unterhalten.

Minimale PC-Konfiguration

Wer Far Cry 2 ohne Probleme zocken will, braucht mindestens einen Pentium 4 mit 3,2 GHz, wobei ein DualCore mit 2,66 schon mehr zu empfehlen wäre. 1 GB Ram ist Pflicht, aber auch hier sind auf alle Fälle 2 vorteilhafter. Wer in den vollen Grafikgenuss kommen möchte, braucht eine GeForce 8600 GTS oder eine ATI X1900. Natürlich reicht zum Beispiel auch eine GF 6800, aber darunter leidet dann auch das Spielerlebnis. Jetzt noch ca. 12 GB Festplatte und schon seid ihr dabei!

Fazit

Far Cry 2 ist leider nicht der Toptitel, für den man ihn im Vorfeld gehandelt hat.
So werden Eigenschaften, die das Spiel realistischer wirken lassen sollen, schnell nervig. Seien es die endlosen Autotouren, oder dass Gegner zu schnell wieder respawnd werden. Das alles zehrt schnell an der Motivation und man könnte behaupten, dass viele diesen Titel gar nicht bis zum Ende durchspielen werden. Die Grafik und der Sound allerdings sind beeindruckend und wegweisend für kommende Titel.

Far Cry 2 ist auf jeden Fall ein Spiel, was man 2008 gespielt haben muss, aber der Shooter verschenkt sehr viel Potenzial und ist somit nur im oberen Mittelfeld anzusiedeln.

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