Eminem – The Way I Am

Ich persönlich bin ein riesengroßer Fan von Eminem. Man kann seine Stimme nervig finden, man kann seinen Humor nicht mögen und ja, man kann auch der Meinung sein, dass der Gute vom Groß der Masse einfach überschätzt wird. Andererseits stellt der MC aus Detroit einen der kontroversesten, talentiertesten und vielschichtigsten Rapper dar, die es zum weltweiten Ruhm gebracht haben. Ein Grund also, die gefühlte fünfhundertste Biografie über Marshall Bruce Mathers den Dritten auf den Markt zu bringen. Genau dies ist jetzt mit "The Way I Am“ geschehen, einem Hip Hop-Bilderbuch, lediglich sparsam mit Text versehen. Dieser stammt übrigens von Sacha Jenkins, man möchte fast sagen dem Lars Amend Amerikas, der auch schon in einigen Bereichen für MTV tätig war.

An sich ist diese Biografie genau das, was man dem gemeinen US-Jugendlichen intellektuell zutraut: kurze Sätze, wichtige Dinge sind hierbei natürlich farblich wie größentechnisch hervorgehoben, eine beigelegte DVD (wenig spektakuläre Tour- und Backstagemitschnitte) und nicht zuletzt auch noch ganz viele große Bilder. Das ist Artwork-technisch alles sehr schön und interessant, trotzdem erwarte ich von einer niedergeschriebenen Form eines Künstlerlebens mehr Informationen und, man mag es mir verzeihen, auch mehr Text. Nichtsdestotrotz kann einen dieses Werk in seinen Bann ziehen, gemäß dem Fall, man zeigt überdurchschnittliches Interesse am Künstler Eminem. Interessante und zum Teil bisher unveröffentlichte Fotos werden ebenso geboten, wie Abdrucke originaler Lyrics-Zettel. Ein Gimmick für engagierte Hobby-Handschriften-Deuter? Warum nicht. Außerdem vermittelt sich einem der Eindruck, Eminem säße bei einem zu Hause und würde bei einer Flasche fruchtigen Weißweins etwas unzusammenhängend aber ehrlich und direkt Anekdoten aus seinem Rapper-Dasein erzählen.

Gerade die jüngeren Fans von Slim Shady dürften sich von „The Way I Am“ angesprochen fühlen. Leichte Kost in jeglicher Hinsicht, egal ob es sich thematisch um die raptechnischen Anfänge oder den Tod seines besten Freundes und Musikerkollegen Proof dreht. Trotzdem habe ich das Gefühl in dem Lied, welches dem Buch seinen Namen gab, ungleich mehr über das Innenleben des Reimgenies zu erfahren, als es hier auf rund 200 Seiten  möglich ist. Vor einigen Jahren erschien eine Biografie namens „Eminem – Whatever You Say I Am“. Der Autor Anthony Bozza hatte die Möglichkeit, den Künstler gerade in der Frühphase seiner Karriere begleiten zu können, und so wird einem zwar von einem Außenstehenden, aber nichtsdestotrotz informativ und tiefere Einblicke bietend eine weitaus ausufernde Geschichte erzählt.

So mag „The Way I Am“ die richtige Wahl für all jene sein, die eigentlich schon alles über den Werdegang des größten weißen MCs wissen und lediglich auf aufwendiges Artwork im Stile eines erweiterten Bildbandes Wert legen. Eine Kundenrezension eines großen Online-Portals drückte es wie folgt aus: „Ein hervorragendes Buch, auch und gerade für Leute, die nicht gern lesen, so wie Eminem selbst.“ Dem stimme ich in Teilen zu, allerdings ist die Zeit, in der ich ausschließlich Bilderbücher angeschaut habe nun auch schon eine Weile her und heutzutage  lege ich bei Büchern dann doch eher Wert auf Text. Man mag es mir bitte nicht verübeln.

 

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