Jonesmann – Echte Musik

Wer ein Problem mit R´n`B Hooks, künstlichen SynthieBeats und Tracks über dicke Autos, Straßenstruggel und willige Bitches hat, der wird "Echte Musik" hassen. Wer auf soetwas steht und dazu selten Dinge hinterfragt wird es "das Album des Jahres" nennen.

Auch wenn es neben den genannten Facetten, noch andere Inhalte gibt, wirkt das neue Album von Jonesmann wie der Versuch, die Rapfans langsam daran zu gewöhnen, dass der Frankfurter in Zukunft nur noch R`n`B nach allseits bekannten Mustern produzieren möchte. „Vom Undergroundrap zum R`n`B-Star", heißt es in dem komplett gesungenen "Warum Bin Ich Hier". Einwandfreier Gesang, ohrwurmtauglich, auch wegen des Lex Barkey Beats. Sieht man sich aber das dazugehörige Video an, und hört man mal genau auf den Text, bekommt das Ganze einen komischen Beigeschmack. Während Jonesmann ein reflektierendes Selbstgespräch über sein künstlerisches Dasein führt, machen drei halbnackte Mädchen eine Kissenschlacht, ein blondes, natürlich ebenfalls fast nacktes GoGo-Girl tanzt vor ihm, reitet auf ihm, dann schwenkt er, vorm Kamin sitzend sein Cognacglas. Dazu abgedroschene Zeilen wie „Von `nem Hochhausblock zu `nem Haus mit `nem Park". Der Song wirkt dadurch insgesamt genau so "Echt" wie die Brüste der bereits erwähnten Tänzerin.

Wesentlich glaubwürdiger ist "Echte Musik". Kein Bling-Bling, keine "Ollen", einfach nur gut gerappte, ehrliche („Ich wohn in der miesesten Crib“) Parts von Jones und Kumpel Olli Banjo. Ähnlich gelungen "Erzähl Mir", feat. Josof und Juvel. Natürlich auch hier eine große Portion R`n`B, aber angenehm zurückhaltend vorgetragene Schicksalsberichte. Von Zurückhaltung kann bei dem peinlichen "Schreib Mir" nicht die Rede sein. „Chicks schreiben mir, MySpace, Jones lass treffen…Hüpf in den Schlitten, fühl dieses Business, Geld ist kein Ding, guck in die Ferne, hoch in die Sterne, wo meine Rhymes sind…". Unfassbar überflüssig dieser Beitrag. Wenn Jonesmann dagegen in "Wo Wär` Ich" über die eine, richtige Frau rappt, bzw. für sie singt, klingt es schon viel erträglicher. Auch Manuellesen`s RapPart weiß hier zu überzeugen, doch wenn dieser dann auch noch anfängt zu singen, fragt man sich langsam, ob mittlerweile alle Herren Rapper eine Affinität zum Musikantenstadl haben. Wie auch immer, bleiben wir bei Liebesbekundungen:  "Blickfang" feat. Blaze. Nein hier geht es nicht um die gut gebaute Schönheit, sondern um das perfekte Auto. „Sie ist tiefschwarz, mit vielen Ringen auf der Brust, sie liegt tief auf Chrome wie das sein muss, alles dreht sich um, egal wo sie parkt, Sportsitze S-Line, ey ich geb`Gas." …Klischeebedienung am Fließband.

Neben Frauen-, Auto- und Straßentracks finden sich auf "Echte Musik" auch eine Menge Battle-und Representersongs. In "Gegen Uns" mit seinem Bruder Real Jay und "Wir halten Die Stellung" feat. Criz, beweist SJ, dass er auch ohne gesungene Hook und "Mein Haus, Mein Boot, Meine Chicks" –Attitüde auskommt. Der dazugehörigen Beat von Brisk Fingaz ist zudem eine erfrischende Abwechslung zwischen den sonstigen Club-und R`n`B lastigen Instrumentals. Auch mit den beiden bekanntesten Kollaborationspartnern Azad (“Game Over RMX“) und Olli Banjo (“Hinblättern“) liefert Jonesmann gelungene Battlebretter ab.
Besonders positiv bleibt der Solotrack “Ein Mal“ im Gedächtnis. Tiefgründig, philosophisch und authentisch. Das ist der Jonesmann wie man ihn gerne öfter hören würde. Das genaue Gegenteil erwartet einen am Ende noch mit “Wir Feiern Die Straße“ und “Echte Musik Part 2“. Auf einmal macht Samson Jones „Rapmucke für Hooligans“ und präsentiert sich gemeinsam mit Mc Bogy und Jasha als krimineller Banger. „Wir feiern die Straße hier, weil sie uns Blutscheine bringt. Wie feiern die Straßen hier, Soldaten sind bewaffnet hier…“. Beim besten Willen passen auch Jaschas Zeilen über sein „mit Vaseline eingecremtes Glied“, mit dem er „eine Fotze fickt“, nicht mal ansatzweise zu dem Rest auf “Echte Musik“.

Es ist mir ein Rätsel was Jonesmann uns mit diesem Album sagen will. Ist er der struggelnde, hustlende, vom Schicksal gezeichnete Straßenjunge, der Player mit zehn Bitches auf dem Schoß, oder der stolze Ghettokrieger… ist er ein harter Rapper, ein weicher R`n`B Barde?
So talentiert der Frankfurter sowohl als Rapper, als auch als Sänger sein mag, so unglaubwürdig erscheinen die nach amerikanischem Vorbild konstruierten Images. Es mag sein, dass es Menschen gibt, die sich mit diesem Lifestyle identifizieren können, aber von einem Künstler, der sein Album und sein Label “Echte Musik“ nennt, erwartet man einfach ein bisschen mehr Authentizität und weniger aufgesetzte “SongSchablonen“.

Ein begabter Rapper/ Sänger, ein gut produziertes, mit dem ein oder anderen Highlight bestücktes Album, das aber vor lauter „Chick, Struggel, Club, Street, Bling und Business“ , leider nach dem dritten Lied wahnsinnig die Nerven strapaziert.

 

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