Lil Mama – Voice Of The Young People

Man sollte ein Album nie verurteilen, bevor man es komplett gehört hat. Hier fällt es zugegebenermaßen schwer. Alle sich im Booklet befindlichen Bilder sind irgendwie pink. Es gibt Sterne, Glitzer und als Krönung des ganzen trägt Lil Mama eine goldene Kette, an der ein überdimensionaler Schnuller hängt. Ganz recht, ein Schnuller. Hierbei handelt es sich übrigens um ein Rap-Album, welches vollmundig mit den Worten „The birth of Hip Hop is here!!!“ umschrieben wird. Wie gesagt, es fällt schwer, keinerlei Vorurteile zu entwickeln. Oftmals bestätigen die sich ja auch nicht. Hier aber schon.

Schon der erste Track "Lip Gloss“ besticht durch geradezu ekelhafte Missy Elliott-Biterei, allerdings auf bedeutend niedrigerem Niveau. Spontan drängen sich einem Bilder von kleinen, überschminkten Mädchen auf, die heimlich Alcopops trinken und versuchen, anrüchig zu tanzen. Eventuell küssen sie sich dabei auch – uuuhhhh!
"One Hit Wonder“ macht deutlich, wie es musikalisch weitergeht: eintönig und konsequent belanglos. "Shawty Get Loose“ mit Chris Brown und T-Pain möchte ein ambitionierter Club-Song sein, klingt aber wie jedes Lied, das jemals von Chris Brown raus kam. Oder T-Pain. Oder allen anderen Künstlern, die zwar überhaupt nicht singen können, dafür aber verrückt tanzen. Vielleicht könnte man es nach einer Stunde Beschallung durch House im Club aus Verzweiflung gut finden und dazu abgehen. Wahrscheinlich aber eher nicht.

"G-Slide (Tour Bus)“ sticht insofern heraus, dass der Beat so unsagbar schlecht und kaugummi-artig ist, dass man sich auf einer neuen Ebene der Klangteppich-Whackness bewegt. Einleitend erzählen Kinder, wie das Lied heißt. Gut, ich weiß das, ich kann die Tracklist lesen, die Hauptzielgruppe von Lil Mama aber womöglich nicht. Wirklich rücksichtsvoll, das muss ich positiv festhalten. Thematisch und auch musikalisch anders wird es dann plötzlich mit "Stand Up“, "L.I.F.E.“ und "College“. Zwar ähneln diese sich auch, vermitteln aber den Eindruck, dass die junge Künstlerin durchaus könnte, wenn sie denn wollte. Kommen wir nun zum Teil des Albums, der nachdenklich und „Yo Kids, das Leben ist hart, aber wir schaffen das. Ich helfe euch, denn ich bin schon 18 und weiß, wie’s läuft“ ist? Totale Verblüffung dann bei "Truly In Love“: ein Liebeslied? Von einer Rapperin, deren Publikum aus noch nicht volljährigen Mädchen besteht? Wahnsinnig ungewöhnlich, wer hätte damit rechnen können. Ähnlich aufregend würde man sich einen Videoabend bei Domian vorstellen. Mit Erdnuss-Flips.

Nach Sozialkritischem, Selbst-Reflektierendem und Nachdenklichem sind wir mit "Make It Hot“ wieder im Club. Überraschung! Allerdings scheint es rein gefühlsmäßig diese Clubphase zu sein, in der man feststellt, dass man nicht genug Geld für noch mehr Alkohol hat, die Musik zunehmend schlechter wird und man eigentlich nur noch gehen möchte. Dass dieses Album eine ausgeprägt runde Sache ist, zeigt sich dann bei "Pick It Up“. "Voice Of The Young People“ endet genau so, wie es begonnen hat: stumpfsinnig, austauschbar und anödend. Allerdings auch etwas traurig, da Lil Mama ganz offensichtlich Potenzial hat. Vielleicht kommt sie in zwei Jahren mit einer neuen CD, die gereifter und weniger belanglos ist. Eventuell verschwindet sie aber auch auf nimmer Wiedersehen. Mit Chris Brown. Und T-Pain.

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