Maeckes und Celina – Kunst Über Vernunft

Dieses Albumkonzept ist bislang einmalig. Ein Paar trennt sich nach einer 5 Monatigen Beziehung und beschließt das Ganze öffentlich, auf einem gemeinsamen Album zu verarbeiten. Sängerin Celina und Maeckes, Teil der Rapcombo Maeckes und Plan B, haben sich entschieden die “Kunst Über [die] Vernunft“ zu stellen. Herausgekommen ist ein kurzes, aber stellenweise sehr schmerzvolles Album.

Das gutgelaunte und fast ein wenig nach Industrial klingende Intro, lässt noch nicht vermuten, wie traurig und schwermütig es noch wird. Unbedingt erwähnenswert sind dabei Maeckes fantastische Wortspiele mit prominenten Namen: „Heidi Klum-Beleidigung…Bin Laden- Hingabe…Gorge Bush-Mordlust…“. Auch der zweite Song “Verliebt Darin Geliebt Zu Werden“ ist überraschend unemotional. Kalter Soul. Von Maeckes fehlt auf diesem Anspielpunkt leider jegliche Spur, schade, dabei hätten ein paar seiner Lines diesen Track sicherlich noch etwas “knackiger“ gemacht. “Schade Arschloch“, sagt dann auch Celina. Dieses Lied geht langsam in die Richtung, die man sich von solch einem Album erwartet hat. Zudem wird  jetzt auch die Rollenverteilung deutlich, Celina ist die “Verlassene“ und Maeckes das “Arschlosch“, war ja klar. Auf diese kurze, “trennungsmäßige“ Einleitung, folgt auch schon der thematische Höhepunkt. Der Titeltrack "Kunst Über Vernunft", geht wirklich an die Substanz. Ein melancholischer, detailreicher Beat, Celina, die ihre traurigen und resignierenden Zeilen gänsehauterregend präsentiert „Ich war nur eine von vielen, die kamen und gingen aus deiner Welt. Ich kann noch so gut sein, es wär` nie gut genug für dich,“ und Maeckes, dessen Part vor Emotionen und treffenden Vergleichen nur so überkocht. „Ich hab bis jetzt jeden der mich liebte in die Knie gezwungen und hab nie dafür bezahlt, jetzt hab ich riesengroße Schulden“. Ein mehr als gelungener Track, man muss schon ein Eisklotz sein, um hier nicht zumindest einen Hauch von Schmerz zu fühlen.

Von der Gesangsperformance sind auch “Missin` The Train“ und “Gebet Einer Heidin“,  nicht zu bemängeln, jedoch hätte es wieder mal nicht geschadet, wenn Maeckes, statt nur im Hintergrund zu flüstern, auch ein paar Zeilen zum Besten gegeben hätte, denn so fehlt einem zumindest als Rapliebhaber eindeutig der “HipHopAspekt“. “Alkoholabhängige Piloten“ und “Don`t Ask“, haben mit der Trennungsthematik zwar auch nicht mehr viel zu tun, sind aber beide, sowohl musikalisch als auch textlich sehr innovativ. Maeckes und Celina schaffen sehr tiefe Bilder, über das Leben  und die elementaren Fragen die einen im Laufe der Zeit begleiten- Was ist Freiheit? Was sind Freunde? Was ist Wissen? Mit “Weihnachten 04“ erwartet uns dann noch ein deprimierender Storyteller über ein tristes, einsames Weihnachtsfest, auf einem minimalistischen Beat. Am Ende verzichtet man auf viele Worte und lässt einfach, das von Maeckes produzierte Instrumental klingen. Ein schöner, aber nicht sonderlich spektakulärere Abgang.

Nach dem Hören bin ich wirklich hin und her gerissen. Über die musikalische Leistung beider Künstler kann man beim besten Willen nichts schlechtes sagen, absolut grandios gerappt und makellos gesungen. Aber nun zu den Inhalten: der Pressetext versprach, dass die beiden "dahin gehen, wo es richtig weh tut (…)", dass "Kust Über Vernunft" sehr, sehr persönlich ist, "eine Momentaufnahme, die direkt entstanden ist nachdem die zwei sich getrennt haben." Über diese Ansagen war ich zunächst sehr skeptisch. Ein Ex-Paar, dass seine Trennung in der Öffentlichkeit ausschlachten will? Naddel und Bohlen…? Doch nachdem ich in Tracks wie “Kunst Über Vernunft“ gehört habe,  wie wenig aufdringlich und dabei trotzdem ergreifend so etwas klingen kann, habe ich meine Meinung geändert. Ich wollte mehr davon. Aber gerade als man sich daran gewöhnt hat, ist es auch schon wieder vorbei. In gerade mal zwei Tracks wird das Thema vodergründig bearbeitet. Inhaltlich hält das Album somit nicht, was es verspricht.

Kunst Über Vernunft“ ist weder Rapalbum, noch die bloße Trennungsgeschichte zweier ehemals Verliebter. Manche dürfte das freuen, andere dürfte es ein wenig unbefriedigt zurück lassen. Nichts desto trotz, lohnt es sich, alleine wegen dem Titeltrack und Maeckes unverschämt guter Bildersprache, sich die Platte anzuhören.

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