AtomOne – Masterpiece – Tales From Da Cans

Darüber dürften sich ältere Semester sicherlich freuen. Aus dem Umfeld der legendären Rapcrew Too Strong ist ein neues Solo-Album auf dem Markt. AtomOne, viele kennen ihn vielleicht noch unter dem mittlerweile eher privaten Namen Der Lange, präsentiert uns ein “Masterpiece“, namens “Tales From Da Cans“. Der Titel verrät es bereits, wer sich dieses Album zu Gemüte führen möchte, sollte eine gewisse Affinität zu Graffiti haben, oder sich zumindest für diese Kunst interessieren, denn ansonsten hat man am “Meisterstück“ sicherlich nicht sonderlich viel Spaß. Ausgeschlossen sind sehr persönliche Tracks wie “Mein Sohn“ oder motivierende “Gib nie auf“- Songs wie “Hölle Auf Erden“, beide mit einer dramatischen Hook, gesungen von Brenna. Auch “Anderer Weg“ und “Single Nummer Eins“ fallen in die Kategorie, melancholisch, düsterer Beat, Lines über den harten, steinigen Weg und gesungene Durchhalteparolen im Refrain. Nichts Neues, aber durchaus mitreißend.

Besonders für Nachwuchssprüher dürften andere Tracks aber wesentlich interessanter sein. Beispielsweise die kostenlose Graffitilehrstunde vom Fachmann, der man in “Graff-Gesetze“  lauschen darf. Komprimiert auf 3 Min., erklärt AtomOne worauf es in der bunten Writerwelt ankommt: Style, Respekt, Weiterentwicklung, Bodenhaftung…und selbst Tipps im Umgang mit dem Gesetz, gibt er dem unerfahrenen Sprayer mit auf den Weg. Auf Grund der aggressiv runtergerappten Zeilen und dem monotonen Instrumental, kommt hier nur leider das Gefühl auf, der Oldschooler hätte langsam den Spaß am Game verloren. Das klingt in “Stahlbeton“, dank eines verspielten, elektronischen Beats und weniger ernsten Zeilen, wieder ganz anders. Auch ”Live By The Cans” feat. Skor 82, der sehr gute 16 Zeilen abliefert und “Bomb The World“ spiegeln plakativ und nachvollziehbar die Farbsucht und den Reiz am Sprühen wieder. Zwei der besten Produktionen auf “Tales From Da Cans“.

Was bei so machen Gangsterrapkollegen der Track an die Mutti ist, ist bei einem echten Sprüher natürlich die Liebeserklärung an die eigene Crew. “Monster Of Art“ beweist, dass es in der Graffitiszene auch herzlich und harmonisch zugehen kann "One Love für das was ich liebe, meine Boys, meine Clik, die Crew, meine Familie.“, sagen wir mal, zumindest in den eigenen Reihen. Ein sehr anstrengendes Stück Musik erwartet einen dagegen in “Rebellen-Sound“, teilweise unmelodische, fast schon rockige Klänge und stellenweise eher Brüllaffenstyle statt Rap. Ich unterstelle dem Langen mal, dass der Rebellen-Sound bewusst darauf ausgerichtet ist, unangenehm zu klingen, sonst wäre er ja nicht rebellisch.

Sehr polemisch geht es in “Schutzengel“ und “Zukunft Vor Augen“ zu. Hier hört man unterschwellig, dass Graffiti, dass persönliche Leben eines Sprühers oft negativ beeinflusst. Der Ansatz ist gut, ohne moralischen Zeigefinger auf diese Problematik einzugehen, aber besonders die schmalzüberladenen Hooks, eine davon mit einem Abklatsch von Michael Jackson`s “Somebody`s Watching Me“, strapazieren die Fremdschämgrenze. Positiv erwähnenswert ist aber noch der letzte Track “The Real Deal“, in dem Atom sein Dasein als Sprüher reflektiert und, begleitet von einem minimalistischen Beat, über den Sinn von Graffiti philosophiert.

Ein guter Abschluss eines durchwachsenen Albums. Denn AtomOnes`s Raptechnik ist solide, aber nicht außergewöhnlich, seine düstere Stimme prägnant, wirkt teilweise aber extrem künstlich, die Beats größtenteils gut produziert und die Inhalte interessant, aber partiell mit eindeutig zu viel Pathos. Sprüher sollten sich die Geschichten über Trains, Farben und Bombings dennoch anhören, denn einige Highlights finden sich eben ein Glück doch. Für alle, die sich gerne an Too Strong und den Langen zurückerinnern möchten, könnte das "Masterpiece" allerdings zur einer kleinen Enttäuschung werden.

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