Codemasters – Colin McRae DiRT

Selten wurde ein Rennspiel so heiß erwartet wie Colin McRae DiRT. Das liegt zum einen an den vielversprechenden Videos, die Entwickler Codemasters vor dem Release ins Internet streute, aber auch an den vielen neuen Modi, die aus dem Rallye-Zögling einen ausgewachsenen Rennprofi gemacht haben. Denn die Zeiten des drögen Rallye-only-Fahrens sind endlich vorbei. Und das Ganze wurde auch noch äußerst hübsch verpackt.

DiRT auf die superbe Grafik zu reduzieren, wäre natürlich fehl am Platz. Insgesamt stehen sechs anspruchsvolle Rennmodi zur Verfügung, die alle ihren eigenen Charme versprühen. So heizt ihr, wenn auch selten, mit schweren Trucks durch die Wüste Amerikas, drängelt euch in Rallye Dakar-Manier mit euren Konkurrenten im BMW oder VW um die ersten Plätze oder steigt in die Fußstapfen von Colin und jagt auf mehr oder weniger langen Etappen im Rallyemodus um die Bestzeit. Dabei sei euch geraten, doch besser nicht in seine Fußstapfen zu treten, sondern lieber ein paar Schritte schneller zu sein als er. Denn es geht um Geld, mit dem ihr neue Wagen und Lackierungen kaufen könnt. Dabei entscheidet ihr selbst, um wie viel Geld es geht. Vor jedem Rennen wird der Schwierigkeitsgrad festgelegt. Je nach dem wie hoch dieser ist, fällt auch das Preisgeld aus.

Es gilt, die Karrierepyramide nach oben zu krackseln. Je höher ihr kommt, desto schwerer werden die Rennen. Vor allem aber werden sie länger. Besonders ins Auge sind mir die Hill Climb-Rennen gefallen. Sie machen wirklich Spaß. Ihr müsst mit einer extrem getunten Möhre einen Berg so schnell wie möglich hochfahren, ohne dabei an fies platzierten Bäumen hängen zu bleiben. Das ist bei Tempo 240 nicht das Einfachste. Bei den Strecken haben sich die Entwickler an den Originalen orientiert und so fahrt ihr sogar um den Weltrekord mit. Es ist doch immer wieder verwunderlich, wie langsam man eigentlich war, obwohl man sich für schnell hielt…

Auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad lässt sich das Spiel gut genießen. Sowohl das Geld, als auch der Spielspaß kommen so zur Geltung. Anfangs sind auch die höheren Schwierigkeitsgrade kein Problem. Spätestens auf Stufe 5 sind die Rallyes dann jedoch viel zu schwer. Hier ist der Frustfaktor am größten. Denn gerade bei den langen Etappen ärgert es sehr, wenn ihr 7/8 der Strecke perfekt meistert und dann kommt ein „über Scheitel 4“ vom Beifahrer und man knallt geradewegs gegen den Baum – Totalschaden mit Bestzeit. Allerdings sorgt dies auch für einen hohen Adrenalinspiegel!

Um diesem Frust ein Stück weit zu entgehen, müsst ihr nicht jedes Rennen einer Stufe spielen. Für die nächsthöhere ist nur eine Gesamtpunktzahl nötig. Und die erreicht ihr auch, wenn ihr die Rallyes mal weglasst oder ihr spielt sie auf einen niedrigen Schwierigkeitsgrad. Oder ihr könnt einfach driften wie Colin selbst.

Mir agieren die Gegner etwas zu defensiv. Ich schubse sie gerne mal von der Strecke oder lasse sie kreiseln. Das machen sie mit euch höchstens mal am Start, sonst lassen sie euch gewähren. Ich hätte mir gewünscht, auch mal etwas härter angegriffen zu werden, damit ich dann reinen Gewissens zum Gegenschlag ausholen kann. Außerdem sind die Wüstenrenner etwas zu träge. Zwar saß ich noch nicht in einen Wüsten-X3, aber ich stell mir vor, dass er schneller als 150 bergab sein kann!

Codemasters hat es hervorragend geschafft, den Ehrgeiz über das gesamte Spiel zu erhalten, wenn nicht sogar zu steigern. In einem furiosen Finale könnt ihr dann auch um eine Million Euro fahren. Interessante Facts wie Höchstgeschwindigkeit oder höchster Sprung versüßen die Wartezeit beim Laden der Strecken. Der nette Kommentator nervt nie und feuert euch sogar an.  An dieser Stelle sei noch mal die außerordentliche Grafik des Spiels gelobt. Sie ist bei 1680×1050 und maximalen Details unheimlich schön. Aber auch niedrigere Einstellungen können sich sehen lassen! Die Wagen verdrecken von der ersten Sekunde an, das Schadensmodell ist beeindruckend. Leider lässt sich das Spiel unter einer Geforce 6800 nicht spielen und auch der Prozessor sollte mindestens 3GHz (Intel) haben. Nach oben gibt es keine Begrenzung. Bei welchem Spiel sonst heißt es im Changelog des ersten Patchs: „we modified the ultra settings a bit, so that the game is playable with hardware of today“?

Ein rundum gelungenes Rennspektakel!

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