Ian Rian – Almost Busted

Auch wenn die Bremer Stadtmusikanten großen Ruhm erlangten – für Rapmusik ist Bremen, aka Beckstown, nicht gerade bekannt. Wer sich aber etwas für die Bremer HipHop-Szene interessiert, sollte schon von dem Rapper Ian Rian gehört haben. Er ist Mitglied bei der 5-6-köpfigen Crew Zwoacht Ultra, war beim Bremer Label Antifunk aktiv und hat bei Beckstown Guerilla mitgewirkt. Jetzt ist er bei dem Hennefer Label Reimwerk Orange, ist auch auf dessen Sampler "Attack Attack" vertreten. Seine raue Stimme und sein aggressiver Flow kombiniert mit seinen intelligenten Texten sind auf einigen Scheiben und Bändern zu hören. Eine Vinyl-EP hat er auch schon selber veröffentlicht. Nun kommt sein erstes Langspielalbum raus. „Almost Busted“ ist der Titel dieses Werks.

„Almost Busted“ – der Titel klingt aggressiv, hart und negativ – fast negativ, das „almost“ hält die Türen noch offen. Es ist ein treffender Titel, denn er beschreibt eigentlich ganz gut den Gesamteindruck, den das Album auf mich hinterlässt. Das Album hat eine – fast – negative Message. Und es nimmt mich – fast – gefangen, zieht mich – fast – in seinen Bann, haut mich – fast – um. Ich muss schon sagen, es ist mal wieder ein deutsches Rapalbum, das mir gefällt. Und das ist bei dem, was heute in Deutschland an Rapalben raus kommt, eher selten.
Als Vergleiche drängen mir, wenn ich Rian rappen höre, die Namen MC Rene und Ferris MC auf – ach ja, Ferris darf man ja auch guten Gewissens einen Bremer nennen und seine ehemalige Crew F.A.B. zusammen mit FlowinImmo und DJ Pee die wohl bekannteste aus diesem Stadtstaat. Aber zurück zu den Vergleichen. Rian ähnelt teilweise Ferris im aggressiven, rauen Rapstyle, MC Rene im Flow und Inhalt. Auch wenn diese Vergleich vielleicht etwas hinken – eins sagen sie ganz gewiss aus: Ian Rian passt mehr in ihre Zeit als in die heutige. Leider – und das ist, was ich allgemein in der deutschen Rapszene vermisse – ist er kein Vorreiter eines sowohl
guten, als auch neuen, modernen und innovativen HipHop-Stils. Er ist allerdings – das kann man zum Glück sagen – auch keiner von denen, die die gute, alte Zeit glorifizieren und ständig nur von „damals“ reden, kein sogenannter „Backpacker“. Die starken, energiereichen Beats, auf die er rappt, sind modern und alles andere als „Golden Age“-Kopien, seine inhaltlichen Themen sind ebenso aktuell. Ian Rian beschäftigt sich nicht nur dem Standard gemäß mit sozialen, gesellschaftlichen Problemen, sondern auch das HipHop-typische Representen, Dissen und Partymachen fehlt nicht. Bei den meisten seiner "Battletracks" müssen die deutschen "Jayoboy"-Gangstarapper im Allgemeinen dran glauben, im Speziellen geht Rian in „Da Head Of Da Wack Teil 2“ auf fast alle bekannteren Rapper ein, von Savas über Samy bis zu Sido. (Auch sich selbst lässt er dabei nicht aus…)  Aber ganz gemäß dem Albumstitel ruiniert er die Bekanntheiten damit nur fast. Um sie weg zu fegen, sind seine Punchlines einfach zu schwach. Im Storrytelling ist Rian deutlich stärker und Stücke wie „Tage wie dieser“, „Society“, „O.S.T.“ oder „Kein Stress“ sind echte Highlights. Besonders hervorzuheben ist auch "Ruf mich an", in dem die Kultur der Sex-Hotlines kritisiert wird. Das Representen klappt dank Rians reifen Flows – ja, er ist ganz gewiss kein Rookie – auch ganz gut. Insgesamt gibt es kein wirklich schlechtes Stück, was bei 21 Tracks leider nicht immer die Regel ist. „Allmost Busted“ ist ein solides, energiegeladenes Werk und Ian Rian ein guter, energiegeladener Rapper – fast haut er mich um! Aber nur fast.

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