Tru-Paz – Concrete Kings

In ihrer Pressemitteilung wird der Stil der kanadischen Gruppe Tru-Paz als eine für manche widersprüchlich erscheinende Fusion aus Pop und „street expression“ beschrieben. Ich muss dem zustimmen und bin – selbst überhaupt kein Freund von Pop – überrascht, wie gut das klappt. Es gibt ziemlich wenige Stücke auf ihrem neuestem, knapp 50-minütigen, 14 Songs starken Album, die mir zu poppig sind – und dann auch nur teilweise. Ich muss zugeben, beim ersten Hören war ich nicht wirklich begeistert. Der ständige, teils R&B-mäßige, meist jedoch sehr reggae-lastige, warme, etwas zu süße Gesang von Boozie, der den Sound des Albums stark prägt, ging mir auf die Nerven. Doch mit der Zeit gefiel mir dieser Sound des Albums immer mehr. Der Gesang Boozies bildet zusammen mit Akims straighten Rap und DJ Unknowns smoothen, sauberen, perfekt zu den konträren Stilen der beiden MCs passenden Produktionen einen Wohlklang für Ohren und Seele. Ja, das mag man Pop nennen. Doch die Botschaft, bzw. die „street expression“ geht dabei eben nicht verloren, im Gegenteil, sie wird auf diesen Weg meiner Meinung nach sogar ganz gut überbracht, ohne kitschig zu wirken.
Das nach „R-Evolution“ und „State Of Emergency“ dritte Album der Tru-Paz erzählt die Geschichte vom steinharten Überlebenskampf ehemals edler, ehrenhafter Könige im großen, gefährlichen Concrete Jungle, es erzählt die Geschichte der „Concrete Kingz“. Diese Geschichte ist an sich nicht schön, doch die positive, lebensbefürwortende Einstellung, mit der auch die negativen Aspekte des Lebens in der Betonwüste beschrieben werden, prägt die Texte. Die guten Seiten sehen! Diese uralte, positive Botschaft, deren Verbreitung das Album vor allem zum Ziel hat, haben u. a. die ersten Songs wie „Count Your Blessings“ oder „Dust Yourself Off“ zum Inhalt. Als Einführung gut. Es folgen ein paar ganz nette, durchschnittliche Lieder, wovon sich nur „Show Me An MC, feat. Justice“ abhebt, der einzige etwas „härtere“ Track auf dem Album, der auch Punchlines und Party beinhaltet. Justice ist der einzige Featuregast auf „Concrete Kingz“, was mal wieder für die harmonischen Einheit der Gruppe spricht. Den Höhepunkt erreicht das Album allerdings erst, zum Beginn der zweiten Hälfte mit Stücken wie der grandiosen, durch das starke Instrumental sehr zu Herzen gehenden Hymne „Hotel Hell“, dem kritischen Produzententrack „Weapons Of Mass Distraction“ gegen die TV-Kultur, dem Jamaika besingenden Reggaesong „Country Road“ oder dem Anti-Kriegstrack „War“.
„Concrete Kingz“
ist kein Album für den Club, es ist kein einziges Stück zum Tanzen dabei. Es ist ein Album, an dem auf jeden Fall auch Reggaeheads Gefallen finden könnten. Es ist starke Musik zum Genießen, zum Zuhören, zum Chillen und zum Nachdenken.

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