Wortgewandt – Shiny Days

Es gibt Künstler, die sich nächtelang im Studio einschließen, an ihren Werken feilen und am Liebsten noch einen Monat nach Bandabgabetermin hier und da etwas verändern wollen. Sie blühen im Studio auf. Dort wird aus den kreativen Puzzleteilen, aus den skizzenhaften Gedankenfetzen ein Gesamtbild.
Es gibt aber auch Künstler, für die ist die Bühne der Ort der Entfaltung. Hier treffen sie auf ihre Hörer, verausgaben sich nahezu, um alles in Bewegung zu bringen. Wenn der Schweiss von der Decke tropft, ist ihre Arbeit getan.
Zu zweiter Gruppe lässt sich die Hanauer HipHop-Kombo Wortgewandt wohl eher zählen. Ihre Pressemappe ist gespickt von Publikums- und Jurypreisen diverser HipHop-Contests. Und auch die Liste derer, für die man als Support auftreten durfte, liest sich wie das Who-Is-Who des deutschen Rap. Bei einer Bühnenerfahrung von mehr als 200 Gigs, kann man sicher sein, dass die Jungs ihr Handwerk verstehen und wissen, wie sie die Crowd kriegen.
Nun haben die Jungs von Wortgewandt einen neuen Silberling mit dem Titel „Shiny Days“ herausgebracht. Das Release erscheint über Affekt Records und ist bereits das 3. Album von Loudz, Kon Takt und Nicksen.

Die Produktionen sind alle durchweg sauber, dick und gehen gut nach vorn. Alle Beats treffen den Nerv der Zeit, und man kann sich gut vorstellen, dass da live die Post abgeht zu diesen Brettern.
Textlich ist es aber leider enttäuschend, was auf „Shiny Days“ geboten wird. Es wird zwar die gängige Bandbreite an Themen verarbeitet, aber so richtig hängengeblieben ist nach mehrmaligem Hören nichts bei mir. Keine Punchlines, kein verspielter Wortwitz, alles wirkt irgendwie plump und technisch gar nicht auf der Höhe der Zeit. „Es macht einmal Klick, es macht einmal Klack, es macht einmal Pack deine Zeit wird knapp“ oder „Das ist wie Gurken schneiden, weil nur noch kleine Stücke von dieser verdammten Hure bleiben“. Die Hooks sind durchweg Live-kompatibel und machen nach 3,4 Jägermeister bestimmt echt Laune.
Am Ende ist es jedoch immer auch eine Geschmacksfrage. Jeder sollte sich sein eigenes Bild machen und eine Rezension natürlich nur als grobe Einschätzung sehen. Die fällt in diesem Falle eher negativ aus: Ich persönlich möchte mir das Album nicht noch einmal anhören, weil es mir auf Grund des technischen Niveaus und der inhaltlichen Leere keinen Spaß machen würde. Jedoch hat die Schilderung der Live-fähigkeiten mein Interesse geweckt.
 

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