X-Sidaz – 100fach Her(t)z

Eines kann man den Echsen aus Osnabrück bestimmt nicht absprechen, und das ist ihre positive Grundeinstellung. Ihr Album „100 fach Her(t)z“ ist zwar größtenteils in einem nachdenklich kritischen Tonus gehalten, aber die Message zielt immer wieder optimistisch auf ein Happy End. Das ist an sich schon eine sehr lobenswerte Sache. Dazu kommt noch, dass man den drei MC’s Dorc, Jers und Strada ihre immer wieder mit Leidenschaft vorgetragene Liebe zum Spiel wirklich anhört und abkauft, was man heute auch immer weniger findet. So weit, so gut. Das ist aber natürlich noch nicht alles, und das, was noch kommt bedarf in diesem Fall einer etwas längeren Auseinandersetzung.

Kommen wir also zum problematischen Teil dieser Besprechung: Was wir nun genau auf der Platte zu hören bekommen sind neben Liebe zum Rap representenden Battles auch hoffnungsvolle Songs über den alltäglichen Struggle und drei sehr engagierte Konzeptsongs über Kindersoldaten in Afrika, über den Lebensweg Alkohol und über Schlaflosigkeit. Und tatsächlich sind diese drei auf einander folgenden, in der Mitte der Platte positionierten Songs, die stärksten des Albums. Denn in ihnen kommen die Jungs endlich raus aus dem Club und hinein ins Leben. Auf sehr stimmungsvollen eindringlichen Instrumentalen, zeigen die drei, wie gut sie zusammen harmonieren und gehen wirklich unter die Haut.

Schade nur, dass der Rest, der von Doc Colossoe geschraubten, Beats zwar gut gebaute, aber unmotivierte mal nach Dipset, mal nach Dirty South klingende Clubsounds mit teils sehr dicken Synthiebässen sind, die sich meiner Meinung nach etwas schwer zusammenfügen mit den Songs über den Alltags-Struggle und die immerwährende Hoffnung. Aber auch die Representer machen Probleme, vor allem raptechnisch, und dabei vor allem die Doubletimmer. Die Jungs wissen zwar wie man on point rappt und verfehlen den Takt nicht, aber immer wenn die drei versuchen besonders druckvoll zu klingen, wirkt ihr Rap zu angestrengt, ja, zu bemüht und das bringt einen leider um den Genuss dieses sonst recht interessanten Hörerlebnisses. Nämlich: Conscious-Rap auf Clubbeats!!

Und ebenso interessant ist das Cover, dass zwar zum Sound, jedoch nicht so recht zum Inhalt passen will, denn dort treffen wir auf, für Rucksack-Rap eher untypische, Ketten, Bandanas und Duregs. Und ehrlich gesagt lässt mich das schon ein wenig ratlos zurück. Sowas kommt mir zum ersten Mal unter und demoliert erheblich mein durch Schubladen gefestigtes Bild der Rap-Welt. Doch ich bin gewillt das open minded zu betrachten und freue mich darüber, dass es immer noch möglich ist im Rap, Grenzen zu sprengen und etwas Neues und Eigenes zu kreieren.

Das mag vielleicht erstmal alles etwas komisch klingen, aber so ist es. Es ist ein zwiespältiges Album, das die X-Sidaz. Man kann die Jungs gut finden, oder auch nicht, das Album bekommt durch all das aber einen ihm eigenen Charakter und wird mich in Zukunft durchaus noch ein paar Mal reinhören lassen. Und reinhören kann ich in diesem Fall auf jeden Fall erstmal jedem empfehlen.

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