Rockstar Games – Grand Theft Auto: Vice City Stories

Nachdem die Quasi-Fortsetzung von GTA: Vice City durch Vice City Stories auf der PSP eingeschlagen ist wie eine bunte Bombe, war eine Adaption für die Mutterkonsole Playstation 2 fast schon Pflicht. Und das, obwohl die Playstation 3 nun auch schon in Deutschland Einzug gehalten hat. Kann dieser dem Star Wars-Prinzip folgenden Teil einmal mehr begeistern? Durchaus!

Doch zur Story: Vice City Stories (VCS) spielt im Jahre 1984 – zwei Jahre VOR dem originalen Vice City, ähnlich wie bei den Star Wars-Trilogien. Somit ist der Grundriss der Stadt natürlich vorgegeben: Eine Insel östlich, eine westlich, zwei kleine dazwischen und eine Menge Wasser drumherum. Logischerweise ist das gesamte Gebiet kleiner als in San Andreas, aber größer als in Liberty City. Der Spieler steuert Victor "Vic" Vance, einem im Grunde ehrlichen Soldaten, der nichts mit illegalem Zeug zu tun haben möchte. Doch schon bei der ersten Mission bemerkt man, dass sich dies im Laufe des Spieles gehörig ändern wird. Denn der Vorgesetzte Sergeant Martinez schickt Vic auf eine vermeintlich harmlose Kurierfahrt. Doch schon kurze Zeit später wird Vance aus der Armee geworfen – wegen Drogenbesitzes (welches Martinez gehört). Durch Kontakte und Missionen baut sich Vic ein neues Leben auf, wobei er spieltypisch immer mehr in illegalere Aktionen gerät und sich nicht nur mit den Gangs der Stadt, sondern auch mit sämtlichen Behörden anlegen wird.

 

Die Missionen alleine können für Stunden fesseln. Diverse Fahrten, von aktiven und passiven Verfolgungsjagden bis hin zu Kurierfahrten, warten darauf gemeistert zu werden. Anschläge, Eskorten und Sabotagen dürfen natürlich nicht fehlen. Der Schwierigkeitsgrad schwankt allerdings unvorhersehbar zwischen Sonntagsfahrt, adrenalinsteigerndem Nervenkitzel und Missionen, die man wegen dümmster Fehler mehrmals frustrierend neu starten darf. Als Beispiel sei hier mal die wohl am furiosesten inszenierte Mission auf der ersten Insel zu erwähnen. In dieser gilt es, jemanden Altbekannten am Flughafen abzuholen: Lance Vance, seines Zeichens Bruder von Vic und vielen Vice City-Spielern ein Begriff. In VCS ist er noch ein nervender und unförmiger Hornbrillenträger. Jedenfalls werden die beiden bei der Abfahrt von einer der städtischen Gangs abgefangen, was in einer Fluchtsequenz endet, in der man aus dem Fenster lehnend die Verfolger abwimmeln muss, bevor der eigene Wagen in Flammen aufgeht. Allerdings muss man schon ziemlich genau wissen, wo die Fahrzeuge und Gangmitglieder auftauchen, der eigene Wagen explodiert viel zu schnell. Cool: Die geskriptete Musik für diese Flucht: „It’s like that“ von Run DMC. Frustrierend ist allerdings der folgende Schusswechsel mit den restlichen Gangmitgliedern und der Polizei. Zwischendurch abspeichern ist nicht möglich, aber das ist in vielen andere Missionen gar nicht notwendig, da sie kurz gehalten sind und so auch mal zwischendurch gespielt werden können.

Aber auch abseits der Story gibt es viel zu tun. Verdammt viel! So kann man natürlich wie gewohnt ein Feuerwehrvehikel (Truck oder Helikopter) stehlen und Brände bekämpfen, als Taxifahrer Passagiere oder als Krankenwagenfahrer Patienten kutschieren, mit den Polizeivehikeln mal auf der Seite des Guten agieren oder in Baywatch-Manier mit einem Strandbuggy Menschenleben entlang des riesigen Strandes der Ostinsel retten. Ist man erfolgreich genug, so wird man in jedem Fall auch mit diversen Fähigkeiten wie Feuerimmunität oder unendliche Ausdauer beim Sprinten oder Schwimmen belohnt. Es gibt auch Sonderfahrzeuge, die Rennen oder einen Hindernisparcours auslösen. Die Amokläufe und Monsterjumps dürfen natürlich auch nicht fehlen. Außerdem kann man in der ganzen Stadt 99 (rote) Luftballons finden. Die Anspielung auf den 1983er Hit von Nena (im englischen hieß er „99 red balloons“) ist dabei sehr gut gelungen.

Ein wichtiger Bestandteil des Spiels ist darüber hinaus der Ausbau des eigenen Imperiums. Nach einer bestimmten Mission übernimmt man die ersten der insgesamt 30 Betriebe, die man alle erobern kann. Und das wortwörtlich: Die Konkurrenz, in Form anderer Gangs, baut ebenfalls mit. Wer einen Angriff auf ein verfeindeten Betrieb wagt, sollte auf Gegenwehr vorbereitet sein. Außerdem rächen sich die anderen Gangs sehr gerne mal. Ist es aber gelungen, ein Gelände einzunehmen, kann man einen Betrieb (z.B. Raub, Drogen, Prostitution, Kredithai oder Schutzgeld) in drei verschiedenen Größen auf dieses Gelände bauen lassen. Danach dienen die Betriebe in erster Linie als Geldquelle, die durch Imperiumsmissionen (für jeden Betriebstyp separat) größer ausfallen können. Letztlich kann man auch einfach durch die Stadt cruisen und die Atmosphäre genießen, während aus dem Radio ein gewohnt gut abgestimmter Hitmix den Spieler beschallt.

Der Sound ist vielleicht nicht kinoreif, aber stimmig. Die Motorenklänge können den besseren Rennspielen nicht das Wasser reichen, aber das Blubbern eines V8 hört man auch in VCS gern. Die Stimmen der Passanten sind teilweise recht verwirrend, da sie manchmal dort erklingen, wo eigentlich kein Passant ist. Aber die Sprüche passen hervorragend in das Szenario. Auch in den Zwischensequenzen, die (englischen) Sprecher wissen ihre Rolle zu spielen. Die besten Töne aus Vice City erklingen jedoch wie gewohnt aus dem Radio. Ob Erzähl-Radio VCPR oder Sender wie Wave 103 und Emotion 98.3 – man fühlt sich in den 80ern! So wurden hervorragend in diese Zeit passende Tracks auf die verschiedenen Radiosender. Ob Phil Collins, Kiss oder Frankie goes to Hollywood, es sind eine Menge altbekannter Songs dabei. Mein Favorit ist Fresh FM, wo DJ Luke diverse knallige Songs (darunter auch „It’s like that“) zu einem heißen Remix verarbeitet.

Grafisch hat sich hingegen nicht allzu viel verändert. Allerdings ist der Sonnenuntergang in Vice City ein Augenschmaus: Der Himmel strahlt förmlich. Zeitweise auftretende Regengüsse vertiefen die Atmosphäre. Zudem scheint sich das Erscheinungsbild der Stadt mit der Tageszeit zu ändern. So kann die Hauptverkehrsstraße nachts auch mal komplett leer sein. Ein kleiner Wermutstropfen sind gelegentliche Pop-Ups von Laternenmasten u.ä., was einem schon mal fix von Bike holen kann. Außerdem kann die Kamera bei Schwenks schon mal für einen Bruchteil einer Sekunde in einer verwinkelten Ecke hängen bleiben, was kurzzeitig die Orientierung kostet.

Bei der Steuerung hat sich Rockstar Mühe gegeben. Gegenüber einer Maus und einer Tastatur kann ein Gamepad bei den Schusswechseln zwar nicht punkten. Aber das halbwegs intelligente Zielerfassungssystem erlaubt auch Neulingen schnelle Erfolge. Die Fahrzeuge steuern sich erfreulich unterschiedlich, aber vor allem geht das Lenken einfach von der Hand. Und das ist sowohl an Land, als auch auf Wasser oder in der Luft möglich. Von Familienkombis über Sportflitzer, Motorräder, Bikes und Trucks bis hin zu Motorbooten, Yachten, Helikoptern oder gar vielseitig einsetzbaren Amphibienfahrzeugen und einem Riesenrad – anscheinend ist das einzige nicht fahrbare Vehikel ein Fahrstuhl.

Abschließend lässt sich sagen, dass Grand Theft Auto: Vice City Stories ein würdigen Abschluss für die GTA-Ära auf der Playstation 2 darstellt. Man kann erleben, Frust rauslassen oder einfach nur genießen, wie man halt gerade Lust hat. Und das macht GTA auch so stark. Tageszeiten- und Wetterwechsel sowie eine erstklassige Auswahl an Radiosendern erhöhen das Wohlfühlgefühl in den bunten 80ern dieser Stadt. Dass die GTA-Welt nichts für zart besaitete Seelen ist, sollte man allerdings wissen. Für alle andere gilt: Schwingt euch auf ein Jet-Ski und hört auf Franky: „Relax!“

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